Der Preisträger 2016 ist Francisco C. Goldschmidt.

Begründung für die Preisvergabe

© Dario Scandura

Wenn Friedrich Schiller in seiner Schrift "Über die Schönheit" sagt, diese sei nichts weiter als "Freiheit in der Erscheinung", und Freiheit dabei als das "Voninnenbestimmtsein" des schönen Dings versteht, so muss die Vorstellung eines Bestimmtseins schlechthin vorausgesetzt werden, um daraus schließen zu können, wodurch dieses bestimmt ist.

Die Musik des 1981 in Santiago de Chile geborenen und seit 2011 in Köln lebenden Komponisten Francisco C. Goldschmidt verkörpert dieses Bestimmtsein auf eine bemerkenswert fantasievoll-eigenwillige Weise.

Nicht zuletzt deshalb hat sich die Fachjury für ihn als den diesjährigen Preisträger des Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendiums entschieden.  

Instrumentale Präparationen oder Zweckentfremdungen sucht man in seiner Musik zumeist vergeblich. Er geht in radikaler Weise von den immanenten Möglichkeiten der traditionellen, europäischen Musikinstrumente aus und verbleibt in deren Behandlung in direktem Kontakt zu Praxis und Idiomatik, ohne allerdings darin zu versinken, sondern indem er sie auf fantasievolle Weise erweitert und seine Klänge in der Extrapolation ihrer tradierten Gestik sucht. Dabei kommt er nicht nur zu originellen, assoziationsreichen Lösungen, die nebenbei die Grenzen zwischen Ton und Geräusch verwischen, sondern arbeitet seine Partituren in einem derartigen Detailreichtum aus, dass ihre Notation eine geradezu kalligrafisch-kunstvolle Qualität erreicht. Diese bleibt dabei kein Selbstzweck, sondern ist nicht zuletzt auch seiner besonderen Auffassung von Mehrstimmigkeit geschuldet, die - zumindest in der derzeitigen Phase seines Schaffens - aus einer Schichtung eigentlich unabhängiger instrumentaler Monologe besteht, die aus fein auskomponierten, vielfach wiederholten Modulen zusammengesetzt, in sich kohärent sind und nebeneinanderher laufen, jedoch im Zusammenklingen niemals ganz zufällig sind; denn über bestimmte Treffpunkte sind sie miteinander koordiniert und damit wiederum in ihrer Fortschreitung doch voneinander abhängig.

Damit erreicht seine Musik neben einer erstaunlichen expressiven Kraft eine geradezu politische Dimension, indem sie nämlich zum Analogon einer Gesellschaft wird, in der das Individuum nur mit sich selbst beschäftigt zu sein scheint und unter Wahrung seiner immer gleichen Ticks und Spleens nicht merkt, inwiefern es als Teil eines Gemeinwesens doch immer zugleich fremdbestimmt und fremdbestimmend ist. Das große Verdienst Francisco C. Goldschmidts ist, dass seine Musik bei all dem immer und vor allem als von sich selbst, das heißt als von innen heraus bestimmt erscheint.

Neben Komposition in Santiago und Köln hat Goldschmidt auch klassische Gitarre und Kunstgeschichte studiert und ist in jüngster Zeit als Ko-Gründer und künstlerischer Leiter des in Köln beheimateten Kommas Ensembles in Erscheinung getreten (seit 2015). Nach ersten Auftritten unter anderem in Köln und Bremen wurde das Ensemble bereits zum mixtur-Festival 2017 nach Barcelona eingeladen. Auch in dieser Hinsicht ist damit zu rechnen, dass Francisco C. Goldschmidt das Kölner Musik- und Kulturleben weiterhin beleben und nachhaltig mitgestalten wird.

Matthias Krüger für die Jury

Biografie des Preisträgers

Zusätzliche Informationen zu Francisco C. Goldschmidt haben wir für Sie bereitgestellt:

Francisco C. Goldschmidt
PDF, 99 kb

Wer war Bernd Alois Zimmermann?

Bernd Alois Zimmermann, deutscher Komponist, wurde 1918 in Erftstadt geboren und starb 1970 in Frechen. Sein bekanntestes Werk ist die Oper "Die Soldaten". Er war einer der herausragenden deutschen Komponisten der musikalischen Avantgarde.

Die wichtigsten Eckdaten seiner Biografie sowie eine alphabetische Übersicht der bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger können Sie hier aufrufen:

Bernd Alois Zimmermann Preisträgerinnen und Preisträger alphabetisch