Die Mikwe

Die Mikwe - Jüdisches Ritualbad

Bauaktivitäten auf dem Rathausplatz kündigen wichtige Ereignisse für Köln und die gesamte Region an Mitten zwischen Bauzäunen, Grabungszelten und Containern leuchtet eine silberne Pyramide, auf die in lateinischer und hebräischer Schrift das Wort "Mikwe" eingelassen ist.

Der Besuch lohnt sich trotz der Bauarbeiten:

Durch kleine Fenster wird der Blick auf romanische Säulen und tief ins Halbdunkel führende Treppen freigegeben. Das ist die Mikwe, deren Schacht 15 Meter hinunter reicht bis zum Grundwasserspiegel.

Die Mikwe - wörtlich übersetzt: Ansammlung "lebendigen Wassers" in einem Brunnen oder einem Trog - ist eines der spektakulärsten archäologischen Denkmäler in Köln. Es wurde 1956 ausgegraben und ist seit ungefähr 20 Jahren zugänglich. 2008 wurde die Glaspyramide abgedeckt, weil Wärme und Sonnenlicht das einmalige Monument zu sehr geschädigt hatten.

Es lohnt sich über den bequemen, modernen Zugang hinabzusteigen und eine vergangene Welt zu betreten. Im Vorraum vermitteln neue Informationstafeln die aktuellen Erkenntnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen und Ausgrabungen. Danach können Sie den ausgetretenen Treppenstufen bis zum Wasserspiegel folgen ... wie vor hunderten von Jahren.

Wir bauen ein neues, unterirdisches Museum von circa 7.000 Quadratmetern Fläche. Der Bau der Archäologischen Zone wird unterstützt durch das Land Nordrhein-Westfalen und ist eine Maßnahme aus Anlass der Regionale 2010.

Wann und wie kommen Sie rein?

Die Mikwe ist während der Öffnungszeiten des Praetoriums zugänglich. Den Schlüssel erhalten Sie an der Kasse des Praetoriums, Kleine Budengasse 2 gegen hinterlegen des Personalausweises.

Dienstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr
Der Eintritt beträgt 1 Euro.

Informationen zu Führungen erhalten Sie beim Museumsdienst Köln. 

Geschichte der Mikwe

Die ersten Bauphasen der Mikwe datieren in die Zeit vor 800. Nach dem Jahr 1096 wurde das Ritualbad so umgebaut wie es heute erhalten ist. Früher besaß es einen turmartigen, oberirdischen Eingangsraum, durch den Tageslicht in den Badeschacht fiel. Die Mitglieder der Gemeinde mussten das Bad nach Verstößen gegen das Reinheitsgebot aufsuchen. Die Frauen waren dazu immer nach Geburten und nach der monatlichen Blutung verpflichtet. Von einem kleinen Umkleideraum aus stieg man die Treppe innerhalb des Schachtes bis zum Wasserspiegel hinab. Wandnischen nahmen Handtücher und Kerzen auf.

Die Mikwe gehörte zu einer der ältesten und bedeutendsten Siedlung von Juden auf deutschem Boden. Ein Edikt Kaiser Constantins aus dem Jahre 321 bezeugt, dass bereits in der Römerzeit eine große und reiche jüdische Gemeinde in Köln existierte.

Die Kölner Synagoge ist die älteste nachweisbare ihrer Art in Deutschland. Sie wurde nach den Zerstörungen Ende des 8. Jahrhunderts unter Nutzung eines spätantiken Bauwerks errichtet, das möglicherweise auch schon als Synagoge diente. Dazu gehörte die auf dem Rathausplatz freigelegte römische Apsis. Die karolingische Synagoge von circa 800 wurde bereits im Jahre 881 beim Normannensturm auf Köln erneut zerstört.

Lange Perioden lebten Christen und Juden friedlich miteinander. Dann kam es wieder zu furchtbaren Verfolgungen und Pogromen: 1096 in der fanatisch aufgeladenen Atmosphäre der Kreuzzüge und 1349, als die Pest Europa heimsuchte und man den Juden die Schuld an der Seuche gab.

Nach der endgültigen Judenvertreibung von 1424 wurde die Synagoge zur Ratskapelle "Sankt Maria in Jerusalem" umgebaut. Die Mikwe wurde verfüllt und bis zur Wiederentdeckung 1956 vergessen.


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