Das Altstadt-Panorama

Urkölsches Quartier

Er steht in keinem Gothaer Kalender und doch füllt er viele Seiten des Kölner Telefonbuchs: der "kölsche Adel" derer von "Schmitz". Beinahe eine Selbstverständlichkeit ist es also, dass diesem bodenständigsten aller Familiennamen der Stadt in dem Viertel ein Denkmal gesetzt wird, wo Köln am kölschesten ist, in der Altstadt. Dieses gleichermaßen urkölsche Quartier und hochattraktive Touristenziel erwartet Gäste aus aller Welt.

Wahrzeichen des Quartiers: Groß Sankt Martin

Unmittelbar am Rhein gelegen, durch die Häuschen mit schmalem Giebel und hohen Dächern unverwechselbar, breitet sich die Altstadt da aus, wo die historischen Wurzeln der römischen Colonia Claudia Ara Agrippinensium liegen. Damals noch durch einen Rheinarm vom Flussbett getrennt, gruppierte sich um diesen Hafen dann im Mittelalter das eigentliche "Cityleben".

Beherrschendes Wahrzeichen des Quartiers ist die Romanische Kirche Groß Sankt Martin, in der Kölner Skyline bis heute ebenbürtiges Pendant zum Dom. Groß Sankt Martin hat viel Stadtgeschichte hart am eigenen Leibe miterleben müssen. Im zehnten Jahrhundert als Teil eines Benediktinerklosters von Erzbischof Bruno erbaut, wurde die Kirche im Jahre 1150 Raub der Flammen eines großen Stadtbrandes. Der anschließende Neuaufbau überdauerte dann einige Jahrhunderte, bis die alliierten Bomben im 2. Weltkrieg der Basilika wieder hart zusetzten. Erst in den Achtziger Jahren war sie vollends im alten Glanz wiedererstanden.

Das Stapelhaus, Symbol der Handelsmetropole

Aber nicht nur die Kirche, das ganze Martins-Viertel blieb von Zerstörung und Verwüstung nicht verschont. Beredtes Zeugnis davon gibt das Stapelhaus, direkt am Rheinufer gelegen. Es wurde nach dem Krieg zwar wiederaufgebaut ähnlich seinem klassischen Vorgänger, aber eben nur ähnlich. Das Stapelhaus ist Symbol der bis heute lebendigen Handelsmetropole (zeitweilig gar "Hansestadt") Köln, verkörperte es doch das sogenannte Stapelrecht. Auf Rheinschiffen an Köln vorbeischippernde Warenladungen konnten im Mittelalter auf Wunsch des städtischen Zolls "gestapelt" werden. Das heißt, sie durften nicht sofort an ihren Bestimmungsort verfrachtet, sondern mussten zuerst in Köln zum Verkauf angeboten werden.

Die Altstadt, damals Mittelpunkt der Kauffahrtei der Rheinmetropole, ist heute eher Zentrum von Entspannung und Lifestyle. Die "Hüsjer bunt om Aldermaat sin Zeujen kölscher Eijenaat"- wie es in einem Karnevalslied heißt - stellen ihr Interieur heute typischen Kneipen, Jazzlokalen, Theatern, Galerien und Restaurants zur Verfügung. Bemerkenswerte Architektur bieten unter ihnen besonders das Weinhaus "Zum Walfisch" oder das weiße "Haus Delft" direkt am Rheingarten.

Als Quartier, wo Köln als am kölschesten gilt, setzt es aber nicht nur dem kölschen Adel Schmitz ein Denkmal, sondern auch anderen, die überregional für "et kölsch'Hätz"(Herz) stehen. Ob Volkssänger Willi Ostermann auf einem Brunnen oder Volksschauspieler und Ehrenbürger Willi Millowitsch als sitzende Plastik oder die Repräsentanten des Kölner Humors, Tünnes und Schäl, als Bronzefiguren - sie alle sind im Martinsviertel verewigt.

Zeugen derben kölschen Humors: „Platzjabbeck“ und "Kallendresser"

Apropos: Kölscher Humor. Er wird zuweilen als derb, in jedem Fall aber als despektierlich mit Blick auf die Obrigkeit skizziert. Davon geben zwei Kuriositäten in der Altstadt beredtes Zeugnis. Da ist zunächst der „Platzjabbeck". Vom Ratsturm streckt das Männergesicht mit Schlapphut und Bart zu jeder vollen Stunde Richtung Alter Markt die Zunge heraus. Symbolisch soll er zeigen, wie viel die Kölner Bürger von ihren Repräsentanten im Rathaus halten.

Nicht weniger derb betätigt sich der "Kallendresser". Er zeigt von der anderen Seite des historischen Marktplatzes her gar seinen blanken Hintern in Richtung Rathaus. Ein Kölner Original der Nachkriegszeit, der inzwischen verstorbene Jupp Engels, gründete nach dem Vorbild des "Dachrinnenscheißers" - das bedeutet nämlich der Name Kallendresser auf Hochdeutsch - den Kallendresser-Orden, einen Honoratioren-Klub der Brauchtumsfreunde. Zu den prominentesten Ordensmitgliedern gehörte der frühere schwedischen König Gustav VI. Adolf.


Funktionen