Freitag, 16. 07. 2010, 07:48 Uhr

25. Todestag des Kölner Ehrenbürgers Heinrich Böll

Stadt Köln gedenkt des Nobelpreisträgers – Kranzniederlegung in Bornheim

Mit einer Kranzniederlegung am Freitag, 16. Juli 2010, ehren die Stadt Köln und die Stadt Bornheim gemeinsam den Literaturnobelpreisträger und Kölner Ehrenbürger Heinrich Böll an dessen 25. Todestag. Die Kranzniederlegung, an der für die Stadt Köln Bürgermeisterin Angela Spizig teilnimmt, findet um 12 Uhr auf dem Friedhof in Bornheim-Merten statt, wo Böll begraben liegt. Um 13 Uhr schließt sich eine Gedenkveranstaltung im Bornheimer Rathaus an.

Anlässlich seines 25. Todestages zeigen das Heinrich-Böll-Archiv, die Heinrich-Böll-Stiftung und die Erbengemeinschaft Heinrich Böll außerdem eine Ausstellung zum Werk des Nobelpreisträgers und Kölner Ehrenbürgers. Im Fokus der Werkschau mit dem Titel "Wortwelten" stehen die farbigen Strukturskizzen und Romanschemata des Autors. Die Ausstellung in der StadtBibliothek Köln ist noch bis zum 28. August 2010 zu sehen, dienstags und donnerstags von 10 bis 20 Uhr, mittwochs und freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 15 Uhr. Der Eintritt ist frei.

In der Antoniterkirche, Schildergasse 57, Köln-Innenstadt, findet am 16. Juli 2010, von 18 bis 22 Uhr, eine "Lange Nacht des Heinrich Böll" statt mit einer Andacht, Musik, Vorträgen und Lesungen. Darüber hinaus wird in Interviews, Tonaufnahmen und Präsentationen an den Nobelpreisträger erinnert. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erbeten.

Heinrich Böll wurde am 21. Dezember 1917 in Köln geboren. Er ging hier zur Schule, kehrte aus der Kriegsgefangenschaft hierhin zurück und lebte seit dem Sommer 1951 wie er sagte "als freier Schriftsteller mit festem postalischem Wohnsitz in Köln, aber ständig wechselndem Arbeitsplatz." Seit 1981 wählte Böll Bornheim-Merten bei Köln und Langenbroich in der Eifel als Wohnsitze. Am 29. April 1983 wurde Heinrich Böll bei einem Festakt in der Piazzetta des Historischen Rathauses das Ehrenbürgerrecht der Stadt Köln verliehen. Der Literaturnobelpreisträger starb am 16. Juli 1985 in Langenbroich und wurde in Bornheim-Merten beigesetzt. Der 1980 gestiftete Kölner Literaturpreis wurde 1985 nach Heinrich Böll benannt.

Nach eigenem Bekenntnis war Köln Hintergrund sehr vieler seiner Romane und Erzählungen und für ihn als Autor prägend. Folgende Auszüge aus seinem Werk verdeutlichen das besondere und keineswegs unkritische Verhältnis Bölls zu seiner Stadt:

Ich stamme aus dieser Stadt. Vieles an ihr ist mir selbstverständlich, manches fremd, immer fremd geblieben, einiges fremd geworden. Aber diese Fremdheit würde ich als Stuttgarter und Tuttlinger genauso empfinden, denn ich bin ziemlich sicher, wir gehören nicht ganz hierher, auf diese Erde meine ich. Unsere Heimat ist auch anderswo. Was mich an dieser Stadt in ihr wohl geprägt hat, war etwas, das ich sehr schwer definieren kann, etwas Architektonisches: Das Frühe, das die romanische Architektur ausstrahlt, die Romanik eben, in der ja auch eine Utopie, ein Traum zu verwirklichen versucht worden ist, den wir Christentum zu nennen übereingekommen sind, und wie der Name Romanik ja sagt, auch etwas Römisches. Nicht den kalten Angeberpomp der Peterskirche, der ja eigentlich einen nur in Erkältung treibt, sondern eine tiefe Innigkeit, die auch in Rom zu Hause und noch zu finden ist. Was ich außerdem liebe, ist etwas Zerbrechliches, die römischen Gläser, und ich danke Ihnen noch einmal besonders herzlich für die Replik eines römischen Glases, die die Stadt mir zum Geburtstag geschenkt hat und natürlich den Rhein, den ich einmal eine schmutzige Majestät genannt habe.

(Böll in seiner Dankesrede 1983 - zitiert nach "Heinrich Böll: Ich han dem Mädche nix jedonn, ich han et bloß ens kräje." Texte; Bilder, Dokumente zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Köln, 29. April 1983, Seite 55)

Ich habe vor dem Krieg schon ein heimatliches Gefühl gehabt gegenüber der Stadt Köln; die hatte damals etwas sehr Gemütliches, wie ein Wohnzimmer, nicht ganz so sauber, ein bisschen verkommen, aber man konnte drin spazieren gehen. Diese Heimat habe ich eigentlich doch in Erinnerung. Sie ist dann allerdings zerstört worden durch die Nazis.

(Böll 1975, am angegebenen Ort, Seite 57)

Es gibt zwei Köln, die in diesem Sinn heimatlich waren: das Vorkriegsköln zwischen Raderthal und Chlodwigplatz, zwischen Vorgebirgsstraße und Rhein, dazu noch die Südbrücke und die Poller Wiesen; das zweite Köln, das in diesem Sinn heimatlich war, war schon ein anderes, das zerstörte Köln, in das wir 1945 zurückzogen. Diese beiden Köln sind Gegenstand der Erinnerung - und der Sentimentalität natürlich.

(Böll 1967, am angegebenen Ort, Seite 58 folgende)

Ich glaube, dass Köln der Hintergrund meiner Romane und Erzählungen ist, sehr vieler, wollen wir sagen, und ich glaube allgemein, also über das Persönliche hinaus, dass die Stadt, in der ein Autor gelebt hat, bis er 21 Jahre alt war, immer für ihn entscheidend und bedeutend sein wird. Was Köln nun betrifft, jetzt hier am Ort gesprochen, den Autor gefragt, der hier geboren ist, dann würde ich sagen, dass es für mich drei Kölns gibt: das erste, in dem ich meine Jugendzeit verbracht habe, aus dem ich dann auszog, um das Fürchten zu lernen, dann das zerstörte Köln, ein ganz anderes als das alte, und dieses jetzt hier vorhandene, das mir fast völlig fremd ist und für mich literarisch überhaupt keine Bedeutung hat; also, es sind eigentlich diese beiden Kölns der Erinnerung, die für mich als Autor wichtig geblieben sind.

(Böll 1967, am angegebenen Ort, Seite 59)

Zu Hause bin ich da, wo jeweils meine Familie sein mag, wo ich die Bekannten kenne; Köln liegt da, wo ich die Unbekannten kenne, liegt am Rhein, hat Kirchen und Brücken und viele Gesichter, römische Legionäre kratzten diese Geschichte in Ziegel, mittelalterliche Baumeister bauten die romanischen Kirchen, die viel kölnischer sind als der Dom, der ein wenig fremd, für Fremde, so nahe am Bahnhof und viel zu nahe an den großen Hotels liegt; zu leicht kann man sich einbilden, Köln zu kennen, wenn man aus einem Hotelfenster auf den Dom blickt, Köln liegt für mich am Perlengraben und auf dem Platz vor Sankt Severin, es ist die Stadt der Unbekannten, die ich kenne.

(Böll 1961, am angegebenen Ort, Seite 62)

...der Karneval stammt aus dem Volk, er ist klassenlos, so wie eine ansteckende Krankheit keine Klassenunterschiede kennt. Den Fasching bemerkt man nicht im Leben einer Stadt, man kann ihn ignorieren; in Köln den Karneval ignorieren zu wollen, wäre zwecklos; man kann sich nur aus der Ansteckungszone entfernen.

(Böll 1960, am angegebenen Ort, Seite 62 folgende)

Weitere Informationen zur Ausstellung "Wortwelten" 
Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Jörg Wehner

Funktionen

Weitere Meldungen


Call-Center

0221 / 221 - 0 Call-Center der Stadt Köln
Mo bis Fr, 7 bis 19 Uhr

Für mobile Geräte

Kölner Service-App

Chinajahr 2012 科隆中国年

Chinajahr Köln 2012