Am Bonner Wall, Chlodwigplatz und Rathaus kann weitergebaut werden
Archivgut-Bergung oberhalb des Grundwasserspiegels soll im Mai beendet sein
Nach der heutigen Vorlage der ersten Begutachtung durch die externen Sachverständigen kann der Baubetrieb an den U-Bahn-Haltestellen Bonner Wall, Chlodwigplatz und Rathaus wieder aufgenommen werden. Oberbürgermeister Fritz Schramma hatte die beiden renommierten Sachverständigen-Büros aus dem Stuttgarter Raum zusätzlich als unabhängige Experten zur Beratung des Koordinierungsstabes „Unglück Waidmarkt" beauftragt. Die Büros waren übereinstimmend zu der Auffassung gelangt, dass der Weiterbau an diesen Haltestellen zur weiteren Erhöhung der Sicherheit führt und „sinnvoll" ist.
Am heutigen Dienstagvormittag wurden die Ergebnisse im Koordinierungsstab „Unglücksstelle Waidmarkt" unter der Leitung von Oberbürgermeister Fritz Schramma vorgestellt. Dort wurde über die aktuelle Lage und weitere Maßnahmen beraten.
Die von Oberbürgermeister Fritz Schramma beauftragten unabhängigen Sachverständigen, die Smoltczyk & Partner GmbH sowie die Leonhardt, Andrä und Partner GmbH, hatten Ende letzter Woche ihre Arbeit aufgenommen. In einem ersten Schritt fand eine Begehung und Überprüfung der Haltestellen Bonner Wall, Chlodwigplatz und Rathaus statt. Die beiden beratenden Ingenieurbüros kommen zu dem Schluss, dass die Haltestellen Bonner Wall und Chlodwigplatz aus geotechnischer Sicht unkritisch sind, da der Rohbau hier zu mehr als 90 Prozent abgeschlossen ist. Der endgültige Abschluss der Rohbauarbeiten sei hier ohne Einschränkungen sinnvoll. Für die Haltestelle Rathaus sei die kritischste Bauphase vorbei, es gebe „keine Anzeichen für ein erhöhtes Risiko", so dass auch hier für die Fortsetzung der Rohbauarbeiten plädiert wird bei begleitender intensiver Überwachung.
Nach dem Votum der Experten kamen Oberbürgermeister Fritz Schramma und der Koordinierungsstab zu dem Ergebnis, dass ein Baustopp für diese Haltestellen aufzuheben ist. Weitere Haltestellen, auch die Unglücksstelle Waidmarkt, sollen nun durch die Sachverständigen ebenfalls geotechnisch und statisch überprüft werden. Ein von den Kölner Verkehrs-Betrieben vorgelegtes Beschleunigungskonzept für die Sicherheit fördernde Baumaßnahmen zur Nord-Süd-Stadtbahn wird ebenfalls von den beiden Fachleuten bewertet.
Zur weiteren Klärung der Unglücksursache sollen außerdem die von den KVB vorgelegten Baustellen-Protokolle durch das beratende Ingenieurbüro Spiekermann bis zum 27. April 2009 geprüft werden.
Die Bergung der Archivalien vor Ort geht schneller als gedacht. Die Severinstraße ist beinahe komplett bis auf Straßenniveau geräumt. In voraussichtlich zwei bis drei Wochen könnte das U-Bahn-Bauwerk komplett von Schuttlasten befreit sein. Bevor die weiteren Arbeiten in der Tiefe voranschreiten, wird aber die Standsicherheit eines angrenzenden Bürogebäudes geprüft. Nach Einschätzung der Berufsfeuerwehr könnte die Bergung des Archivgutes oberhalb des Grundwasserspiegels bei weiter gutem Verlauf bis Ende Mai abgeschlossen sein. Damit wäre dann ein nicht unbeträchtlicher Teil des Kulturgutes in Sicherheit gebracht.
Bisher konnten die Helfer aus den Trümmern der Unglücksstelle rund sieben Regalkilometer an Archivgut bergen. Neben den vier geretteten Regalkilometern aus dem nicht eingestürzten Anbau des Historischen Archivs sind damit bisher insgesamt elf von rund 30 Regalkilometern nach dem Unglück gerettet. Unter anderem wurden weitere Teile der Schreinsbücher sowie das erste Standesamtsregister Kölns gefunden. Die Kapazitäten befreundeter Archive im Rheinland, das Kulturgut aufzunehmen, sind mittlerweile nahezu erschöpft. So sind die dafür zur Verfügung gestellten Räume im Historischen Archiv des Erzbistums Köln, im Archiv des Landschaftsverbandes Rheinland in Brauweiler sowie im Bundesarchiv in Sankt Augustin voll. Ab morgen, Mittwoch, 1. April 2009, wird das Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn genutzt. Weitere Unterbringungsmöglichkeiten sind in Vorbereitung.
Die in der Nähe der Unglücksstelle am Waidmarkt liegende Kaiserin-Augusta-Schule konnte gestern den Schulbetrieb wieder aufnehmen. Zuvor waren Schulgebäude und Gelände wie auch die der benachbarten LVR-Schule für Lernbehinderte noch einmal überprüft und für sicher befunden worden. Kontinuierliche Messungen sollen auch künftig die Sicherheit gewährleisten.
Für die obdachlos gewordenen Anwohner nach dem Einsturz des Historischen Archivs und der Nachbargebäude sind mittlerweile 20 Mietverträge fest vereinbart und drei weitere in Aussicht. Mehr als die Hälfte der Betroffenen hat damit eine neue Bleibe gefunden. Zur psychologischen Betreuung wurden bisher 145 persönliche Gespräche und 116 telefonische Beratungen durchgeführt.
