Dienstag, 10. 03. 2009, 15:45 Uhr

Kölns Feuerwehr-Chef: „Wir suchen den Vermissten, bis wir ihn haben“

Standunsichere Giebelwände werden abgerissen

Kölns Feuerwehr-Chef Stephan Neuhoff hat am heutigen Dienstag, 10. März, im Krisenstab der Stadt Köln unterstrichen, dass "wir den Vermissten suchen, bis wir ihn haben". Die Suche nach dem zweiten Verschütteten wurde auch in der vergangenen Nacht mit Gerät, über 100 Helfern und Suchhunden fortgesetzt. Der Einsatz der Hunde hat keinen weiteren Hinweis auf den möglichen Fundort ergeben.

Die Giebelwand des Hauses Severinstraße 218 wird heute nach Freiräumung durch die bisherigen Büronutzer abgerissen. Dazu muss das Schutzdach für die Archivalien in diesem Bereich temporär und teilweise entfernt werden. Weitere wasserdichte Planen werden als Schutz aufgelegt, bis die entfernten Dachteile wieder montiert werden können.

Die derzeitigen und weitere erwartete Regenfälle sowie der langsam steigende Grundwasserstand werden von den Fachingenieuren der Kölner Verkehrs-Betriebe als unproblematisch für die Bergungs- und Sicherungsarbeiten eingestuft. In der Baugrube selbst wird der Wasserspiegel auf unter 28 Meter über NN. durch den Einsatz von Hochleistungspumpen gehalten.

Die Sicherungs- und Sortierarbeiten zur Bergung des Archivgutes laufen mit Unterstützung von freiwilligen Experten weiter. Bisher liegen dem Archiv Hilfsangebote von rund 20.000 Einsatzstunden (sogenannte Mannstunden) vor. Die Mitarbeiter des Historischen Archivs haben inzwischen erste provisorische Räume in der 14. Etage des Stadthauses bezogen. Die Arbeitsplätze werden derzeit mit Technik ausgestattet. Zu den Funden der letzten Tage gehörten unter anderem Akten der ehemaligen Kölner Oberbürgermeister Adenauer und Schwering. Teilweise konnten Mikrofilme gesichert werden. Inwieweit das im Historischen Archiv vorhandene Zeitungsarchiv der Kölner Zeitungen vollständig verloren ist, ist derzeit noch unklar. Bisher konnten noch keine Zeitungsbände gesichert werden. Für eine längere Lagerung und Behandlung von geborgenem Archivgut hat die Stadt Köln eine entsprechende Halle durch Aufruf in den Medien gesucht. Die Reaktion war enorm. Nunmehr scheint eine Halle gefunden zu sein, die den besonderen Anforderungen für die Lagerung der Archivalien entspricht und auch hinsichtlich der logistischen Kette in der Behandlung des Bergegutes geeignet ist. Die Stadt Köln dankt allen, die schnell und unkonventionell Hilfe angeboten haben.

Auf Wunsch der Betroffenen, die in dem Unglücksgebiet ihre Wohnungen verloren haben, hat gestern am späten Nachmittag ein von psychologischen Fachkräften begleiteter Gang auf das Schuttfeld stattgefunden. Die Betroffenen haben das Angebot sehr dankbar aufgenommen. Die psychologische Betreuung hat inzwischen begonnen. Unter anderem haben erste Gespräche auch mit der Einsatzgruppe, die den Toten gefunden hat, stattgefunden.

Über 154 Wohnungsangebote liegen inzwischen der gemeinsam von Kölner Verkehrs-Betrieben und Stadt Köln eingerichteten Anlaufstelle für die Betroffenen vor. Die Hilfswelle für diesen Personenkreis ist nach wie vor ungebrochen. Über 110 Sachspenden der unterschiedlichsten Art sind mittlerweile eingegangen. Das bei der Stadt Köln eingerichtete Spendenkonto, das ausschließlich und ungeschmälert den Betroffenen zur Verfügung gestellt werden wird, hat derzeit einen Stand von 29.800 Euro. Am heutigen Vormittag stieg der Kontostand alle fünf Minuten um 1.500 Euro. Die gemeinsame Anlaufsstelle im Hotel Mercure, Severinstraße, wird vorerst beibehalten und auch am kommenden Wochenende in Betrieb sein. Eine Regelung mit dem Hotel konnte zugunsten der Anlaufstelle erzielt werden. Dort wird auch den rund 40 hauptsächlich Betroffenen ein individueller Sozialarbeiter zur Seite gestellt, der sich um die persönlichen Belange kümmert und Hilfestellung leistet.

Mit großer Erleichterung verfolgten die Bewohner des dreigeschossigen Anbaus Severinstraße 232, der heute abgerissen werden muss, am gestrigen Montag die Sicherung ihres Eigentums durch die Stadt Köln.

Angehörige des zweiten Vermissten haben in der gestrigen Nacht den Unglücksort besucht und wurden von der Feuerwehr und Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes auf dem Trümmergelände begleitet.

Die Zugangsregelung und das Sperrkonzept werden beibehalten.

Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Inge Schürmann

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