Rahmenkonzept und Sanierungsgebiet

Bereits im Oktober 1981 hat der Rat das Entwicklungskonzept Mülheim-Nord beschlossen, das die nachfolgende Grundlage der umfassenden Sanierungstätigkeit (bis 2004) bildete. Danach war eine gewerbliche Neunutzung des Bahnareals vorgesehen. Die Fläche wurde Teil des beschlossenen Sanierungsgebietes. Im Jahr 2001 erfolgte die Verabschiedung des Rahmenkonzepts für Mülheim-Nord mit dem Ziel einer Industrie- und Gewerbeentwicklung, der Ansiedlung von Büro- und Dienstleistungsnutzungen, aber auch mit einer untergeordneten Wohnnutzung auf der Fläche.

Wettbewerbe und Workshops

2002 wurde auf Grundlage des Rahmenkonzepts ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt, aus dem die Arbeitsgemeinschaft Büder & Menzel/Busmann & Haberer aus Köln als erster Preisträger hervorging. Zwischenzeitlich haben sich die Planungsvoraussetzungen sowohl hinsichtlich der vorgesehenen Marktsegmente als auch hinsichtlich des städtebaulichen Umfelds entscheidend geändert. Der im Wettbewerb vorgesehene Bürostandort konnte sich seinerzeit nicht gegen innerstädtische Konkurrenzstandorte durchsetzen und wurde nicht nachgefragt. Die für den südlichen Teil des Geländes vorgesehene Büro- und Dienstleistungsnutzung war aufgrund des wirtschaftlichen Wandels, insbesondere auch in der Medienbranche, in der vorgesehenen Größenordnung nicht realisierbar.

In den anschließenden Jahren wurden neben den förmlichen Planungen in verschiedenen Workshops von Beteiligten aus dem Stadtteil vielfältige informelle Planungskonzepte für die Fläche des Güterbahnhofs entwickelt. Dazu zählt zum einen der Workshop "Unbestelltes Land" im Rahmen der Biennale Plan 04 im Jahr 2004, in dem neben Baufeldern eine großzügige Grünfläche auf dem Gelände skizziert wurde. Die Initiative Nachbarschaft Köln-Mülheim-Nord e. V. führte daran anknüpfend zwischen 2010 und 2012 mit der Mülheimer Bürgerschaft und mit Unterstützung von Fachleuchten aus der Architektur und der Stadtplanung mehrere Veranstaltungen zur Entwicklung weiterer Planungsideen durch.

Hierbei wurden insbesondere die Durchwegung und Vernetzung des Gebietes mit dem Stadtteil sowie kleinräumige Entwicklungs- und Freiflächen vorgeschlagen. Leitgedanke bei all diesen Konzepten war es, ein urbanes gemischtes Stadtquartier zu entwickeln, dessen kleinteilige Struktur auch Wohnen ermöglicht.

Zur Bewältigung der verschiedenen neuen Fragestellungen wurden in den Jahren 2009/2010 Workshops und Abstimmungstermine zwischen Eigentümerinnen und Eigentümern, Stadtverwaltung, Planungsteams sowie Fachgutachterinnen und Fachgutachtern durchgeführt. Als Ergebnis wurde von dem Büro ASTOC Architects and Planners aus Köln ein weiteres städtebauliches Entwicklungskonzept erarbeitet, das als Grundlage für die Bauleitplanung dienen sollte. Gemäß der in diesem städtebaulichen Entwicklungskonzept vorgeschlagenen Abgrenzung ist am 14. Mai 2014 für den nördlichen Bereich des ehemaligen Güterbahnhofs Köln-Mülheim der Bebauungsplan Nr. 71489/04 "Schanzenstraße Nord" rechtskräftig geworden. Für den südlichen Bereich konnte bis heute keine der verschiedenen Planungen umgesetzt werden.

Bebauungsplan- und Werkstattverfahren

Im Jahr 2013 erwarb die OSMAB den größten Teil des Geländes mit der Absicht, hier einen Büro- und Gewerbestandort mit einem Hotel zu entwickeln und erklärte sich bereit, in enger Abstimmung mit dem Stadtplanungsamt ein städtebauliches Werkstattverfahren als sogenanntes kooperatives Gutachterverfahren für das Areal durchzuführen. Dieses Verfahren begann im Sommer 2014 mit einem Anliegerworkshop sowie einer ersten Ämterbeteiligungsrunde. Für den Spätherbst 2014 waren die Kolloquien mit den Planerteams angesetzt.

Am 18. November 2014 wurde das Verfahren auf unser Bitten unterbrochen. Ein großer Versicherungskonzern hatte die Absicht bekundet, in Köln seine Firmenzentrale anzusiedeln. Nach Prüfung diverser Standorte auf dem Stadtgebiet baten wir die Eigentümer der Flächen des Güterbahnhofs Mülheim, dieses Gebiet als einen von zwei potenziellen Standorten für die Neuansiedlung der Versicherung aufzubereiten.

Am 19. März 2015 beschloss dann der Stadtentwicklungsausschuss die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens für das Grundstück der OSMAB, mit dem Ziel, die Entwicklung eines Büro-Quartiers (für den Versicherungskonzern) mit Hotelnutzung auf den überwiegend brachliegenden Flächen zu ermöglichen (Vorhabenbezogener Bebauungsplan). Zugleich sprach der Ausschuss sich dafür aus, das Werkstattverfahren wieder aufzunehmen und fortzusetzen, sollte sich die Versicherung für den Alternativstandort in Köln-Deutz und gegen Mülheim entscheiden.

Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens für die Versicherungszentrale wurden im Mai 2015 die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung und die frühzeitige Behördenbeteiligung auf der Grundlage eines ersten städtebaulichen Entwurfes durchgeführt, dessen Konzept wegen der abriegelnden Wirkung des langen Gebäudekörpers in die Kritik geriet. In der Folgezeit wurde der Entwurf überarbeitet, und die Planung sah nun ein stärker gegliedertes städtebauliches Konzept für die Ansiedlung des Versicherungskonzerns und eines Hotels, eine neue Fuß- und Radwegeverbindung über die KVB-Trasse in Verlängerung der Markgrafenstraße sowie eine Wegeverbindung zwischen der Haltestelle Von-Sparr-Straße und der Schanzenstraße vor. Zugleich wurde die Planung für das Hotel vorangetrieben.

Im August 2015 entschied sich der Versicherungskonzern für den Alternativstandort in Köln-Deutz. Am 3. September 2015 beschloss daher der Stadtentwicklungsausschuss auf einen Dringlichkeitsantrag hin, das Werkstattverfahren für das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Köln-Mülheim wieder aufzunehmen und bis Ende des Jahres 2015 abzuschließen.

Der begonnene Bebauungsplan soll für das OSMAB-Grundstück unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Werkstattverfahrens und der zwischenzeitlich weiter verfolgten notwendigen fachplanerischen und gutachterlichen Untersuchungen für das Areal im Anschluss an das Verfahren fortgesetzt werden.

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