Yitzhak Rabin, 1922 in Jerusalem geboren, gehörte über Jahrzehnte zu den einflussreichsten Persönlichkeiten Israels. Nachdem er von 1974 bis 1977 Ministerpräsident Israels war, wurde er 1984 Verteidigungsminister. Ende der 1980er Jahre begann er sich intensiv für Verhandlungen mit Palästina und Israels Nachbarstaaten einzusetzen. Nachdem er 1992 erneut Regierungschef wurde initiierte er mit großer Unterstützung der USA Verhandlungen, die 1993/1995 zu den Osloer Verträgen führten. Diese Verträge waren ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einem dauerhaften Frieden in Nahost. Für diese Bemühungen um den Frieden wurde Rabin 1994 zusammen mit Außenminister Shimon Peres und Palästinenserführer Jassir Arafat der Friedensnobelpreis verliehen.

Im November 1995 wurde Yitzhak Rabin während einer Friedenskundgebung im Zentrum von Tel Aviv von einem jüdischen Extremisten erschossen. Mit dem Tod Rabins kam der Friedensprozess zu einem Halt. Der Mörder, der zu lebendlanger Haft verurteilt wurde, hatte sein Ziel erreicht. Der Platz in Tel Aviv, auf dem Yitzhak Rabin ermordet wurde, erhielt seinen Namen.

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Skizze der städtischen Planung von 1996

Wie zahlreiche andere Städte entschloss sich auch Köln, im öffentlichen Raum an Yitzhak Rabin zu erinnern. Die Einweihung des Yitzhak-Rabin-Platzes fand 1996 in Anwesenheit seiner Frau Leah statt. Neben dem Rathenauplatz trägt nun ein zweiter Platz in unmittelbarer Nähe zur Synagoge den Namen eines ermordeten jüdischen Politikers.

Die baumumstandene Grünfläche wurde 1996 durch eine städtische Planung, vor dem Besuch der Witwe Rabins, innerhalb weniger Monate gestaltet und mit dem noch heute existierenden Wegesystem versehen.

Anlass der aktuellen Neuplanung

Einige Jahre später entbehrte diese Platzfläche jeglicher Aufenthaltsqualität und wurde einer Funktion als Quartiersplatz nicht gerecht. Gerade in seiner zentralen Lage kann jedoch der Yitzhak-Rabin-Platz als grüne Oase inmitten des Trubels der Großstadt zum Verweilen einladen.

Lange Zeit war der Platz in einem vernachlässigten Zustand - ein Ort, der eher gemieden, als aufgesucht wurde. Zum Verweilen lud er nicht ein. Um die Situation kurzfristig zu verbessern, wurden 2015 neue Abfalleimer mit Hundebeuteln aufgestellt. Außerdem verkürzten die Abfallwirtschaftsbetriebe die Abstände zwischen den regelmäßigen Reinigungen. Im Jahr 2017 wurden außerdem neue Bänke auf dem Platz aufgebaut. Das Trafohaus, das immer wieder mit Tags und Graffiti verunstaltet wird, wird seitdem regelmäßig gestrichen.

Weiterhin forderte die Politik dazu auf, ein temporäres künstlerisches Konzept zu finden, das als eine angemessene, gestalterische Intervention, die Aufenthaltsqualität dieses öffentlichen Raums deutlich verbessert.

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Der Platz vor Umsetzung der kurzfristigen Maßnahmen
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Der Platz nach Umsetzung der kurzfristigen Maßnahmen
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Der Platz nach Umsetzung der kurzfristigen Maßnahmen

Der Platz und sein städtisches Umfeld

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Der Yitzhak-Rabin-Platz mit dem Rathenauplatz als Luftbild

Einst waren die Ringe feudale Wohnadressen. Heute ist die Nachbarschaft des Platzes sozial sehr vielschichtig. Er liegt inmitten eines gutbürgerlichen, durchaus gemischten Wohnquartiers mit unterschiedlichen, sich überschneidenden privaten und gewerblichen Nutzungen sowie Freizeit- und Verkehrsfunktionen.

Der Freiraum ist zentral gelegen. Er befindet sich direkt an der Kölner Ringstraße im Bereich des Hohenstaufenrings, im unmittelbaren Einzugsgebiet des Zülpicher Platzes mit seiner studentischen Szene. Dennoch wirkt er wie ein Rückzugsraum: Er ist erstaunlich ruhig, trotz der lebendigen und teils lärmigen Nachbarschaft. Der Platz liegt im Betrachtungsraum des städtebaulichen Masterplans für die Kölner Innenstadt.

Der temporäre Kunstwettbewerb

In Kooperation mit der RheinEnergie AG haben wir einen Wettbewerb ausgelobt, der am 28. März 2017 entschieden wurde. Teilgenommen haben die beiden Künstlergruppen "Konsortium" aus Köln, "OSA-office for subversive architecture" aus Frankfurt und die Landschaftsarchitekten "atelier le balto" aus Berlin. Aufgabe war es, ein temporäres Kunstkonzept für die Dauer von bis zu fünf Jahren für den Yitzhak-Rabin-Platz zu entwickeln.

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Künstlergruppe OSA Wettbewerbsbeitrag "Transformator"
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Künstlergruppe Konsortium Wettbewerbsbeitrag "Goldener Schnitt"

Aufgabenstellung

Ziel des Wettbewerbs war es, die Akzeptanz und Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raums durch seine ansprechende Gestaltung zu erhöhen. Durch den Prozess sollen die Wahrnehmung und Verantwortung der Anwohnerinnen und Anwohner sowie der Besucherinnen und Besucher für diesen Quartiersplatz geweckt und gestärkt werden. Erfahrungsgemäß pflegen Bürgerinnen und Bürger einen Ort umso sorgsamer, je mehr sie sich mit ihm identifizieren.

Wettbewerbsergebnis

1. Preis: atelier le balto Landschaftsarchitekten. Das Preisgericht, dem neben Mitgliedern aus der Bezirksvertretung Innenstadt auch Vertreterinnen und Vertreter des Kunst- und des Gestaltungsbeirates angehörten, entschieden sich für das Konzept "Yitzhak Rabin Garten".

Begründung der Jury

An der gartenkünstlerischen Gestaltung überzeugt vor allem die auf Bürgerbeteiligung angelegte Konzeption aus Garteninseln,

begründete die Jury ihre Entscheidung. Von der Realisierung werde eine deutliche Wohnumfeldverbesserung erwartet. Viel Anerkennung bekam auch der "Transformator", der Vorschlag der Künstlergruppe OSA, eine großformatige Einhausung des Trafohauses auf dem Yitzhak-Rabin-Platzes.

  • ©atelier le balto
    Sizze des Yitzhak-Rabin-Platzes im städtischen Kontext
  • ©atelier le balto
    Skizze zum Wettbewerbsentwurf
  • ©atelier le balto
    Skizze zum Wettbewerbsentwurf
  • ©atelier le balto
    Lageplan mit Garteninseln

Der Siegerentwurf "Yitzhak-Rabin-Garten"

Gelegen zwischen dem Rathenauplatz, der alleeartigen Beethovenstraße und dem Kölner Ring, hat der Yitzhak-Rabin-Platz durch die starke Präsenz der hohen Platanen heute immer noch den Charakter eines Schmuckplatzes. Le Balto verstärkt die bestehende "gärtnerische" Stimmung durch die schollenartige Anordnung von 13 Garteninseln. Die neue Bepflanzung bringt Leichtigkeit und Bewegung in die ehemals starre Atmosphäre. Die Lichtung im Mittelpunkt des Platzes nimmt einen langen Tisch auf.

Er kann helfen, den Gemeinschaftscharakter des Projektes zu zeigen und praktisch zu unterstützen. Das Projekt zur Veränderung des Platzes wurde durch zwei Workshops, mit der Unterstützung von interessierten Bürgerinnen und Bürgern, realisiert.  

Wichtiger Bewertungsaspekt dieses Entwurfes ist es, durch die Garteninseln die Begeisterung und Freude an gemeinsamer Aktivität für Anwohnerinnen und Anwohnern zu wecken. Durch das Instrument der gemeinsamen Arbeit kommt Lebendigkeit auf den ehemals verwaisten Quartiersplatz.

Realisierung und Bürgerausstellung

Gemeinsam mit der RheinEnergie AG beauftragten wir das atelier le balto, auf Grundlage der Empfehlung der Jury, mit der Realisierung des Kunstwerks auf Basis des prämierten Kunstkonzeptes. In zwei, je dreitägigen Workshops, haben das Team vom atelier le balto mit Unterstützung von Bürgerinnen und Bürgern das Kunstprojekt erstellt.

Im Mai 2017 wurden die eingereichten Kunstkonzepte in einer Art Open-Air-Ausstellung auf dem Yitzhak-Rabin-Platz präsentiert. Eröffnet wurde die Ausstellung am 6. Mai 2017 im Beisein mehrerer Jurymitglieder. Während der Ausstellung gab es eine hitzige Debatte zwischen den Befürworterinnen, Befürwortern des Projektes sowie Kritikerinnen und Kritikern.

Erfreulicherweise hat sich wenige Wochen nach der Bürgerausstellung eine Nachbarschaftsgruppe gebildet, in der sich sowohl die kritischen als auch die befürwortenden Stimmen gemeinsam um die Belange des Yitzhak-Rabin-Platzes aber auch um Themen des Quartiers kümmern.

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Ausstellungseröffnung am 6. Mai 2017 mit mehreren Jurymitglieder
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Open-Air-Ausstellung mit den eingereichten Kunstkonzepten
© Stadt Köln
Lebhafte Diskussion mit kritischen als auch die befürwortenden Stimmen

Erster Pflanzworkshop

Vom 5. bis 7. Oktober 2017 haben wir zu einem ersten Pflanzworkshop eingeladen. Das Team von atelier le balto hatte dazu die "Garteninseln" aus Staketenzäunen aufgebaut und mit Erde befüllt. Interessierte waren eingeladen, bei der Pflanzung der Gehölze und der Pflanzzwiebeln mitzuhelfen. Zudem wurden Pflanzwünsche für den zweiten Pflanzworkshop mitgeteilt und diskutiert.

Für die zukünftige Pflege der 13 Garteninseln haben sich während der Workshoptage bereits zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner gefunden.

Die Landschaftsarchitekten haben viele praktische Tipps gegeben und mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über geeignete Pflanzen besprochen.

Über das Interesse zur Pflege von Garteninseln ergaben sich neue Kontakte und Pflegegemeinschaften.

Zweiter Pflanzworkshop

Der zweite Pflanzworkshop fand vom 7. bis 9. Mai 2018 statt. Gemeinsam mit dem Team von atelier le balto wurden die Pflanzwünsche aus dem ersten Pflanzworkshop umgesetzt und abschließende Pflege- und Pflanztipps an die Akteurinnen und Akteure gegeben, die sich zukünftig um die Garteninseln kümmern werden. Im Mittelpunkt des Platzes wurde, mit Unterstützung von Schülerinnen und Schülern der Berufsfachschule Holztechnik des Berufskollegs Ulrepforte Köln, ein 13 Meter langer Tisch mit Bänken aufgebaut, der als Treffpunkt für Anwohnerinnen und Anwohner des Platzes sowie der Gärtnerinnen und Gärtner dient.

Der Erhalt und Erfolg des Projektes steht und fällt mit Menschen die sich kümmern, treffen und engagieren möchten. Durch das Projekt "Yitzhak-Rabin-Garten" und die damit verknüpfte gärtnerische Betätigung kommen unterschiedliche Bürger- und Interessensgruppen zusammen. Der Platz wird zum Treffpunkt im Quartier für die Menschen aus der Nachbarschaft. Die Garteninstallation zeigt, dass sich Menschen verantwortlich für ihren Erhalt fühlen und erzeugt Respekt für die Arbeit der Aktiven.

Kontakt

Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an:

Dezernat Stadtentwicklung, Planen und Bauen
Stadtraummanagement
Telefon: 0221 / 221-25477

Amt für Landschaftspflege und Grünflächen
Telefon: 0221 / 221-33355