Konzept eines neuen lebendigen, bunt gemischten Stadtteils

© COBE

Seit Februar 2016 hatten sich fünf interdisziplinäre Teams aus international renommierten Planungsbüros unter Mitwirkung der Bürgerschaft mit der Frage beschäftigt, wie das Kölner Veedel von morgen aussehen könnte. Die überzeugendste Antwort hat das Kopenhagener Büro COBE in Zusammenarbeit mit Ramboll Studio Dreiseitl (Überlingen), Transsolar (Stuttgart) und knp.bauphysik (Köln) geliefert. Die Preisrichter überzeugte unter anderem die gelungene Integration des industriellen Erbes, die nicht nur im Erhalt der Kran-Bahnen und des ehemalige Löschkrans Ausdruck finden soll.

Der Entwurf greift in vielfältiger Weise Motive des Hafens und der dort ansässigen Ellmühle auf und macht sie zur "DNA" des neuen Viertels. Unterschiedliche Typologien innerhalb der geplanten neuen Baukörper stellen nicht nur die architektonische Vielfalt sicher, sondern auch eine lebendige soziale Mischung - mindestens ein Drittel der Wohnungen soll im geförderten Wohnungsbau errichtet werden. Aktive Erdgeschossnutzungen ermöglichen eine Vernetzung der unterschiedlichen Nutzergruppen.

Die Dichte des Quartiers nimmt von der unbebauten Molenspitze im Norden in Richtung Süden immer mehr zu. Der Freiraum im Norden, der die in Teilen denkmalgeschützte Ellmühle freistellt, wurde sowohl vom Begleitgremium als auch von den Bürgerinnen und Bürgern gleichermaßen begrüßt. Das Hafenbecken als größter öffentlicher Freiraum und Industriedenkmal wird von weiteren Parks und öffentlichen Plätzen begleitet und schafft so für jede Lage im Quartier eine Verbindung zur Landschaft.

© COBE

Der Niveauunterschied zwischen der heutigen Hafenkante und der hochwasserfreien Erschließung wird durch große, behindertengerecht zu gestaltende Treppenanlagen ausgeglichen, wobei die Ostseite des Hafenbeckens als urbanes Ufer ausformuliert wird, während die Westseite einen grünen Charakter bekommt. Den Höhepunkt findet diese Planung in einem Wasserbecken am südlichen Ende des Hafenbeckens, in das gefiltertes Regenwasser eingeleitet werden soll und das den Blick über das Hafenbecken auf die Türme des Doms freigibt.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker betonte die Bedeutung der Umwandlung des Hafens für Kölns Stadtentwicklung:

Die Entwicklung des Deutzer Hafens macht einmal mehr deutlich, dass sich Köln den Herausforderungen einer dynamisch wachsenden Großstadt stellt. Bei der Entwicklung dieses und anderer neuer Quartiere legen wir Wert darauf, Wohnen und Arbeiten an einem Ort zu organisieren sowie Grün- und Freiflächen mit Aufenthaltsqualität zu integrieren. Die Deutzer Rheinfront wird mit diesem Entwurf deutlich an Qualität gewinnen.

Sie lobt in diesem Zusammenhang ausdrücklich auch das bürgerschaftliche Engagement, das bei der Entwicklung des Hafens zum Ausdruck kam.

Über Monate haben zahlreiche Kölnerinnen und Kölner mit uns gemeinsam nach vorn geschaut und sich in der Planung dieses Stadtviertels von Morgen eingebracht. Es war für alle Beteiligten bereichernd, sich über diese Zukunftsaufgabe Gedanken zu machen,

so Reker weiter.

Der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Verkehr, Franz-Josef Höing, würdigt die hohe Qualität der eingereichten Arbeiten:

© COBE
Städtebauliches Planungskonzept

Alle städtebaulichen Konzepte zeugen auch im Detail von höchstem Niveau. Es ist allen gelungen, die besondere Atmosphäre des künftigen Stadtquartiers aufzuspüren und deutlich werden zu lassen. Der Siegerentwurf liefert nicht nur schlüssige Antworten auf die Fragen zum Hochwasser- und Lärmschutz sowie zur verkehrlichen Erschließung. Er überzeugt auch durch die interessanten Ansätze zur energetischen Versorgung, zur Nutzung beispielsweise von Regenwasserkreisläufen. Nicht zuletzt legt er auch besonderes Augenmerk auf die Gewährleistung der Barrierefreiheit.

Höing führte weiter aus:

Das Büro hat den Bestand klug danach befragt, welche Gebäude erhalten bleiben sollten und was aus alten Strukturen für den neuen Hafen abgeleitet werden kann. Es hat aus all den gewonnen Erkenntnissen eine sehr spezifische Antwort für den Hafen entwickelt. Es ist in der Summe das Konzept eines neuen lebendigen, bunt gemischten Stadtteils, in dem die Vergangenheit spürbar bleibt, der aber den Anforderungen von Morgen in besonderer Weise gerecht wird.

Das städtebauliche Gerüst sei stabil, aber in sich flexibel, lobte Andreas Röhrig, Geschäftsführer der städtischen Entwicklungsgesellschaft moderne stadt, die das Quartier entwickeln wird:

Die geplanten fünf Unterquartiere können entweder nacheinander oder teils auch gleichzeitig errichtet werden. Auch was einzelne Gebäudenutzungen angeht, hat das Siegerteam einen flexiblen Rahmen geliefert. Somit können wir mit dem Konzept den Anforderungen begegnen, die sich auf dem Weg in die Detailplanungen in den nächsten Jahren ergeben werden. Gerade bei größeren Projekten ist eine solche anpassungsfähige Planung wichtig.

Leinen los am rechten Rheinufer - Broschüre Projektentwicklung

Aufgabenstellung des Werkstattverfahrens

© Thomas Wolf

Köln soll in bester Lage ein weiteres lebendiges Quartier zum Wohnen und Arbeiten gewinnen: Der Deutzer Hafen, der seine ursprüngliche Funktion weitgehend verloren hat, soll sich zu einem vitalen Stadtviertel in Sichtweite des Doms entwickeln. Auf einer Fläche von rund 50 Fußballfeldern (26,4 Hektar) können neue Siedlungsflächen und dringend benötigter Wohnraum in der Mitte der Stadt geschaffen werden. Innerstädtisch sollen hier künftig 4.500 Einwohner leben und 5.000 Arbeitsplätze neu entstehen. Die Ellmühle soll dabei erhalten bleiben.

Geplant ist ein dichtes, gemischtes Stadtquartier, das neue Akzente setzt und sich gleichsam mit den angrenzenden Stadtteilen Deutz und Poll vernetzt. Mit dem Entwicklungsimpuls im rechtsrheinischen Köln sollen auch die Retentionsflächen erweitert werden: Kaianlagen und wassernahe Zonen sollen von Bebauung freigehalten, umfangreiche Flächen von bestehenden Nutzungen entlastet und als Freiräume gestaltet werden. Da das Hafengebiet im gesetzlich festgesetzten Überschwemmungsgebiet liegt, sind ein sicherer Hochwasserschutz sowie eine positive Retentionsraumbilanz die Grundvoraussetzung dafür, dass das Areal zu einem neuen Stadtquartier umgewandelt werden kann.

Ein neuer Stadtbaustein soll entstehen

Die weitere Entwicklung des Deutzer Hafens ist Teil einer Innenentwicklung der wachsenden Stadt Köln. Durch Nachverdichtung soll die heutige Insellage des Gebietes aufgehoben werden. Ein neuer Stadtbaustein soll entstehen, in dem zeitgemäße Formen des Wohnens möglich sind und wo an attraktiven Orten gearbeitet wird. 30 Prozent der Wohnungen sollen im Segment des öffentlich geförderten Wohnungsbaus entstehen.

Der Deutzer Hafen mit seinen Möglichkeiten der Umnutzung ist ein Glücksfall für die Stadt,

sagt Kölns Dezernent für Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Verkehr, Franz-Josef Höing.

In bester Lage soll ein lebendiges, vielfältiges Stadtviertel mit einem eigenen, klar konturierten Profil entstehen, das sich allen Bürgern öffnet. Die Umformung des Areals ist eine der größten Chancen und interessantesten Herausforderungen für Kölns Stadtentwicklung der nächsten Jahre. Sie fügt sich ein in eine Reihe von städtebaulichen Projekten, die wie Perlen auf einer Schnur von Nord nach Süd das rechtsrheinische Ufer aufwerten – von der Umwandlung des Deutzer Hafens über die Gestaltung des neuen Campus der Kölner Fachhochschule, den Bau des Rheinboulevards mit seiner Freitreppe, der Errichtung der Messe-City und den Umbau des Messe-Geländes bis zur Entwicklung des Mülheimer Südens.

Kooperatives Verfahren

Die Planungsteams

  • COBE, Kopenhagen
  • Lorenzen, Berlin/Kopenhagen
  • Diener & Diener, Basel/Berlin
  • Scheuvens + Wachten, Dortmund
  • trint & kreuder, Köln  

Die fünf Teams kooperierten jeweils mit einem Büro für Freiraumplanung. Fachleute für die Themen Verkehr, Lärm, Hochwasserschutz undsoweiter wurden ebenso eingebunden.  

Eine Jury, besetzt mit Expertinnen, Experten sowie Vertreterinnen, Vertretern der Politik und Verwaltung, begleiteten das Verfahren.

Planungsüberlegungen seit den 1990er Jahren

© ASTOC

Erste Überlegungen zur Umnutzung des Hafens und zur Transformation des Gewerbe- und Industrieareals gab es bereits seit den 1990er Jahren. Auf Grundlage einer Standortuntersuchung im Jahr 2009 wurden dann konkrete Planungs- und Handlungsempfehlungen zur Umsetzung formuliert. Verkehrliche Belange, Lärmentwicklung, Altlastenproblematik, landschaftsschutzrechtliche Belange, baurechtliche Vorgaben aus Landesentwicklungsplan, Regionalplan und Flächennutzungsplan wurden geprüft. Von besonderer Bedeutung waren die Erfordernisse des vorbeugenden Hochwasserschutzes.

Aus vier alternativen Entwicklungsszenarien wurde letztlich als Leitbild für die weitere Entwicklung eine Umnutzung des Hafens für Wohnen und Dienstleistungen bei Verbleib der Großmühle favorisiert. Aufbauend darauf wurde im Jahr 2013/2014 eine Machbarkeitsstudie erarbeitet, in der die Möglichkeiten einer baulichen Entwicklung unter Einbeziehung der Hochwasserschutzproblematik detailliert überprüft wurden. Im Juni 2015 hat der Rat der Stadt Köln auf Grundlage dieser Erkenntnisse eine Grundsatzentscheidung zur Umnutzung des Deutzer Hafens zu einem neuen innerstädtischen Quartier für Wohnen und Arbeiten bei Erhalt der Großmühle getroffen.

Diese Entscheidung wurde durch ein Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Planen und Bauen in gesetzlichen Überschwemmungsgebieten aus dem Jahr 2014 flankiert. Demgemäß entstehen durch die Umnutzung der seit 1907 bestehenden Industrie- und Gewerbeflächen des Deutzer Hafens keine im Sinne des Wasserhaushaltsrechts unzulässigen "neuen Baugebiete".  

Ratsvorlage Grundsatzentscheidung
© Thilo Schmülgen

Der Deutzer Hafen stellt sich vor

Der Deutzer Hafen liegt am südöstlichen Rand des rechtsrheinischen Innenstadtbereichs. Er gehört zum Stadtteil Deutz und erstreckt sich zwischen Siegburger Straße und den Poller Wiesen. Das Planungsgebiet beginnt an der Hafeneinfahrt an der unter Denkmalschutz stehenden Drehbrücke. Er endet im Süden an der Bahntrasse Am Schnellert, wo der Stadtteil Poll unmittelbar anschließt. Blickt man vom Hafenbecken aus Richtung Norden, liegen Innenstadt und Kölner Dom im direkten Blickfeld jenseits des Rheins – nur etwa zwei Kilometer Luftlinie entfernt.

Der Ort des Deutzer Hafens hatte als Anlegestelle schon im Mittelalter eine Bedeutung. Bereits im Jahr 1400 werden Uferverstärkungen in Poll urkundlich erwähnt und in Deutz gibt es seit jeher einen kleinen Hafen für Fährboote. Die Eingemeindung von Deutz nach Köln im Jahre 1888 bildete die Grundlage für einen Ausbau des natürlichen Rheinarms zum Hafen, der 1907 in Betrieb genommen wurde. Der Deutzer Hafen gliedert sich seither in zwei Teile: Das kleinere vordere Becken erstreckt sich von der Severinsbrücke bis zur Drehbrücke und dient bis heute als Sicherheitshafen. Das hintere Becken war lange Zeit Industriehafen, um den sich Industrie- und Logistikunternehmen ansiedelten.

Die Ellmühle mit dem Aurora-Logo prägt weithin die Silhouette. Die Jugendstil-Drehbrücke mit dem danebenliegenden kleinen Verwaltungsgebäude an der Hafeneinfahrt ist das Wahrzeichen des Deutzer Hafens und wurde im Jahr 1980 als eine von 16 Drehbrücken in Deutschland zum Industriedenkmal erklärt. Auch die Baumallee an den Poller Wiesen und die im Süden an das Planungsgebiet angrenzende Eisenbahnbrücke ("Südbrücke") sind denkmalgeschützt.

Die Poller Wiesen sind Landschaftsschutzgebiet.

Deutz - Die rechtsrheinische Innenstadt