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Seiner früheren Funktion weitgehend entledigt, wurde der Industriehafen in Deutz viele Jahre unter Wert genutzt, zahlreiche Flächen lagen brach. Nun wird er zu einem neuen Wohn- und Arbeitsort für einige tausend Menschen.

Leinen los am rechten Rheinufer

Die Stufen der mächtigen Freitreppe am Deutzer Ufer haben sich zum Anziehungspunkt nicht nur für Fans romantischer Sonnenuntergänge entwickelt; in den grünen Freiräumen entlang des Rheinboulevards verbringen die Kölnerinnen und Kölner ihre Freizeit, sie joggen über die neue Uferpromenade, am Mülheimer Süden vorbei, der sich mit seinen alten Hallen gerade neu erfindet. Am rechten Rheinufer entwickelt sich Köln mit höchster Dynamik. Und in Zukunft wird auch der Deutzer Hafen dazu beitragen, dass der Stadtraum Rhein "gleichsam als Mitte, Entree und künftig auch als Schaufenster der Stadt Köln wirken" kann, so wie es im Masterplan für die Innenstadt Kölns formuliert ist.

Die Neuentwicklung des Industriehafens in Deutz, der seine angestammte Rolle weitgehend verloren hat, ist Teil eines strategischen Konzepts, mit dem Köln den Herausforderungen der Zukunft begegnet. Die Einwohnerzahl steigt mit schnellem Tempo in beträchtlichem Umfang – und damit der Bedarf an Wohnraum und Arbeitsplätzen. Es ist ein Glücksfall, dass Köln in innerstädtischer Lage, direkt am Wasser und in Sichtweite des Doms noch Flächen besitzt, auf denen neue urbane Quartiere entwickelt werden können. So sollen künftig rund um das Deutzer Hafenbecken wie schon am Hafen in Mülheim einige tausend Wohnungen, ein großer Teil in gefördertem Wohnungsbau, moderne Büros und hochwertige Gewerbeflächen entstehen.

Der städtebauliche Rahmen für das neue Quartier in Deutz ist Ergebnis eines erfolgreichen Beteiligungsverfahrens mit fünf interdisziplinären Teams aus renommierten Planungsbüros, die in einem kooperativen Verfahren unter engagierter Mitwirkung der Bürgerschaft das neue Hafenviertel entworfen haben. Dabei zeugten am Ende sämtliche städtebaulichen Konzepte auch im Detail von höchstem Niveau. Allen Büros ist es gelungen, die besondere Atmosphäre des künftigen Stadtquartiers vorauszuspüren.

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Insbesondere das Team unter Federführung des Kopenhagener Planungsbüros Cobe hat den Bestand klug danach befragt, welche Gebäude und Elemente bewahrt werden sollen und was aus den bestehenden Strukturen für das neu entstehende Viertel abgeleitet werden kann. Das neue Hafenviertel wird aus dem Ort heraus und in Anlehnung an seine Historie entwickelt; und so sollen künftig nicht nur die zum Teil denkmalgeschützte Ellmühle (Bild), die Kran-Bahn und die Lastenkräne am Hafenbecken an die Geschichte des Areals erinnern.

Es ist in der Summe das Konzept für einen neuen lebendigen Stadtteil, in dem die Vergangenheit spürbar bleibt, der aber den Anforderungen von morgen gerecht wird.

Historie des Ortes

Der Ort war als Anlegestelle schon im Mittelalter von Bedeutung; bereits im Jahr 1400 werden Uferverstärkungen in Poll urkundlich erwähnt. Die Eingemeindung von Deutz nach Köln im Jahre 1888 bildete die Grundlage für einen Ausbau des natürlichen Rheinarms zum Hafen, der 1907 in Betrieb genommen wurde. Der Deutzer Hafen gliedert sich seither in zwei Teile: Das kleinere, vordere Becken erstreckt sich von der Severinsbrücke bis zur Drehbrücke und dient bis heute als Liegehafen. Das hintere Becken war lange Zeit Industriehafen, um den sich Industrie-und Logistikunternehmen ansiedelten. Wahrzeichen des Hafens ist die Jugendstil-Drehbrücke an der Hafeneinfahrt. Sie wurde im Jahr 1980 als eine von 16 Drehbrücken in Deutschland zum Industriedenkmal erklärt.

Das Planungsgebiet

© Häfen und- Güterverkehr Köln AG
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Am südöstlichen Rand des rechtsrheinischen Innenstadtbereichs gelegen, erstreckt sich der Deutzer Hafen zwischen der Siegburger Straße und den Poller Wiesen. Das Planungsgebiet beginnt an der Drehbrücke der Hafeneinfahrt und endet im Süden an der Bahntrasse, wo der Stadtteil Poll unmittelbar anschließt. Blickt man über das Hafenbecken in Richtung Norden, liegen Innenstadt und Kölner Dom im direkten Blickfeld jenseits des Rheins – gerade einmal zwei Kilometer Luftlinie entfernt.

Zahlen und Fakten

Plangebiet 37,7 Hektar
NutzungWohnungen für etwas 6.900 Menschen
(mindestens 30 Prozent im öffentlich geförderten Wohnungsbau),
Büros für 6.000 Arbeitsplätze und sonstige Nutzungen
Bauherrenunterschiedliche Bauherren
Projektentwicklungmoderne stadt

Der Deutzer Hafen

Begleitgremium und Bürgerschaft sehen im Entwurf des Teams unter Federführung des Planungsbüros Cobe (Kopenhagen), dem auch die Büros Ramboll Studio Dreiseitl (Überlingen), Transsolar (Stuttgart) und knp.bauphysik (Köln) angehörten, die beste Basis für die weitere Planung, in die nun auch die Ellmühle einbezogen werden soll. Die Gesellschaft moderne Stadt hat die Immobilie zwischenzeitlich erwerben können.

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Motive des Hafens im neuen Quartier

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Es war insbesondere das erfolgreiche Bemühen, die schönen Seiten des Ortes zu bewahren, Landschaft, Hafenanlage und erhaltenswerte Gebäude zu integrieren und zu einem Kern der Planung zu machen, das Bürgerschaft und Begleitgremium am Ende eines intensiven Austauschs für den Entwurf des Teams unter Federführung von Cobe einnahm.

Das Konzept greift Motive des Hafens auf und macht sie zum Erbgut des neuen Viertels. Verschiedene Typologien von Baukörpern gewährleisten architektonische Vielfalt und eine lebendige soziale Mischung - mindestens ein Drittel der Wohnungen soll im geförderten Wohnungsbau errichtet werden.

Die Dichte des Quartiers nimmt von der Molenspitze im Norden in Richtung Süden immer mehr zu. Vis-à-vis der teilweise denkmalgeschützten Ellmühle soll ein großzügiger Freiraum entstehen. Das Hafenbecken als Industriedenkmal und größte Freifläche wird von Parks und öffentlichen Plätzen gesäumt, so dass jede Lage im neuen Quartier mit der Landschaft verbunden sein wird.

Die Ostseite der Landzunge wird als urbanes Ufer ausformuliert, während die Westseite einen grünen Charakter erhält. Besonderes Glanzlicht ist ein Wasserbecken am südlichen Ende des Hafens, in das gefiltertes Regenwasser eingeleitet werden soll.

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