Initiativen und Privatleute pflanzen Baum für jüdischen Kölner Schriftsteller

An der Kreuzung von Sülzgürtel und Berrenrather Straße pflanzen zahlreiche Initiativen, Einrichtungen, Politiker und Privatleute am Freitag, 9. März 2012, um 15 Uhr anlässlich des 70. Geburtstags des in Köln lebenden jüdischen Schriftstellers Peter Finkelgruen einen Baum. Dieser soll an Finkelgruens Großvater Martin (geboren 1876) erinnern, der am 10. Dezember im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet wurde.

Peter Finkelgruen kam als jüdisches Flüchtlingskind im Ghetto von Shanghai zur Welt. Dorthin waren seine Eltern vor den Nationalsozialisten geflohen, die verfolgungsbedingt kurz nach seiner Geburt starben. Finkelgruen wuchs in seiner Heimatstadt und Prag auf, mit neun Jahren ging er zusammen mit seiner Großmutter nach Israel. Dort lebte er in einem Kibbuz und in einem kleinen Dorf in der Nähe von Haifa. Er machte in Israel sein Abitur und siedelte 1959 zum Studium in die ihm völlig fremde Bundesrepublik über.

Nach dem Studium der Geschichte und Politologie ging er 1962 nach Köln, wo er bis heute lebt. Er arbeitete als Redakteur bei der Deutschen Welle, von 1981 bis 1988 ging er als Israelkorrespondent sowie als Vertreter der Friedrich-Naumann-Stiftung nach Jerusalem. 1988, während seiner Rückreise nach Deutschland, hörte er durch Zufall den Namen des Mörders seines Großvaters Martin Finkelgruen. Über zehn Jahre setzte er sich für die Verurteilung des Täters ein. Aus diesem Engagement entstanden seine Bücher "Haus Deutschland", "Die Geschichte eines ungesühnten Mordes" (1991) und "Erlkönigs Reich. Die Geschichte einer Täuschung" (1997). Gemeinsam mit seiner Ehefrau Gertrud Seehaus schrieb er das autobiografisches Kinderbuch "Opa und Oma hatten kein Fahrrad". Seit seiner Pensionierung engagiert sich Peter Finkelgruen vor allem beim P.E.N-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland.

An der Baumpflanzung an Finkelgruens Geburtstag auf dem Mittelstreifen des Sülzgürtels nehmen die Lindenthaler Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker, Barbara Becker-Jakli vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, der Schriftsteller Dogan Akhanli, Benzion Wieber von der Synagogengemeinde Köln, Vertreter internationaler Organisationen und weitere ihm nahestehender Kölner und Kölnerinnen teil. Ein Gedenkschild soll an den ermordeten Großvater Finkelgruens erinnern. Das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen unterstützt die Initiative.

Zu der Pflanzaktion laden ein: Roland Kaufhold, die Bezirksvertretung Lindenthal, die Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker, ihr Stellvertreter Roland Schüler, Pfarrerin Ulrike Gebhardt, der Verband deutschsprachiger Autoren im Ausland, ehemals Exil-PEN, der Verein EL-DE-Haus, das NS-Dokumentationszentrum, der Jüdische Nationalfonds JNF-KKL, das Friedensbildungswerk Köln, die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, der Edelweißpiratenclub, der Kulturverein Freiraum, Sülz, das deutsch-jüdische Internetmagazin haGalil , die Rhenania Judaica, Köln, und die Melanchthon-Akademie des evangelischen Kirchenverbands Köln und Region.

Nach der Zeremonie beginnt um 16 Uhr eine literarisch-musikalische Festveranstaltung in der evangelischen Paul-Gerhardt-Kirche, Lindenthalgürtel 30. Dort treten der Gitarrist Lucioan Plessener und das Trio Belisana auf. Außerdem gibt es eine Lesung von Gertrud Seehaus und Otto Oetz.

Am Samstag 3. März 2012, läuft um 15 Uhr im EL-DE Haus der Dokumentarfilm "Unterwegs als sicherer Ort" von Dietrich Schubert über das Leben von Peter Finkelgruen. Katharina und Dietrich Schubert und Peter Finkelgruen sind anwesend. Als Eintritt wird eine Spende erwartet.

Der Jüdische Nationalfonds ruft zu einer Spendenaktion für einen Wald im Norden Israels auf, der nach Peter Finkelgruen benannt werden soll. Bankverbindung: Jüdischer Nationalfonds e. V., Santander Bank, Bankleitzahl 50010111, Konto-Nummer 100 500 7040. Stichwort: Finkelgruen Hain 

Zahlreiche Beiträge zu seinem Geburtstag
Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit