Abgeschlossener Rückbau der Bergungsbaugrube signalisiert Startschuss für das Besichtigungsbauwerk

Mit der erfolgreichen Wiederverfüllung der sogenannten "Bergungsbaugrube" an der Einsturzstelle des Historischen Archivs am Waidmarkt hat jetzt die Stadt Köln die Voraussetzungen für den Bau des Besichtigungsbauwerks geschaffen, mit dessen Hilfe nunmehr Aufschlüsse über die Ursache des Einsturzes erwartet und weitere Beweise gesichert werden. Damit konnten auch die letzten Arbeiten, die mit der Bergung der über 30 Regalkilometer Archivgut im Zusammenhang stehen, abgeschlossen werden. Am 3. März 2009 war, vermutlich im Zusammenhang mit Arbeiten an der Nord-Süd Stadtbahn, einer neuen U-Bahn-Strecke, mit dem wegrutschenden Boden das Gebäude des Historischen Archivs an der Severinstraße eingestürzt. Mit ihm brachen weitere benachbarte Wohngebäude zusammen. Zwei Menschen verloren ihr Leben, 36 Anwohner benachbarter Häuser verloren ihre Wohnungen. 95 Prozent der verschütteten Archivalien konnten inzwischen geborgen werden. Auch das in einem Interimsgebäude untergebrachte Friedrich-Wilhelm-Gymnasium konnte jetzt nach einer aufwändigen Sanierung sein angestammtes Schulgebäude am Waidmarkt wieder beziehen.

Die Stadt Köln kalkuliert den Gesamtschaden des Einsturzes inzwischen auf 1 Milliarde Euro. In dieser Schadensumme sind die voraussichtlichen Kosten der Restaurierung des Archivgutes mit 300 bis 400 Millionen Euro, die Kosten eines Neubaus für das Archiv, Rettungs- und Bergungskosten, Gutachterkosten, Schadenersatzansprüche für persönliches Eigentum et cetera enthalten. Zur Rechtswahrung der Ansprüche der Stadt Köln auf Schadenersatz ist sie ihrerseits dem von den Kölner Verkehrs-Betrieben gegen die Arbeitsgemeinschaft Nord-Süd Stadtbahn Köln Los Süd vor dem Landgericht Köln eingeleiteten selbständigen Beweisverfahren zur Ermittlung der Schadensursache als Mitantragstellerin beigetreten. Auf knapp über 80 Millionen Euro summieren sich die bisher von der Stadt Köln konkret vorfinanzierten Sicherungs-, Bergungs- und ersten Aufbauarbeiten im provisorischen Historischen Archiv.

Formal übernehmen jetzt die Kölner Verkehrs-Betriebe die Baustelle in der Kölner Südstadt. Das Gericht hatte die Kölner Verkehrs-Betriebe gemeinsam mit der Stadt Köln beauftragt, das Besichtigungsbauwerk zu errichten. Innerhalb des 5,10 Meter mal 12,30 Meter großen Bauwerks mit einer Gesamttiefe bis zu 38,7 Meter unter Straßenniveau werden nach Fertigstellung die Gutachter der Staatsanwaltschaft und des Gerichts einen Teil der sogenannten "Schlitzwand" an der Ostseite des unterirdischen Gleiswechselbauwerks untersuchen. Der Zustand der Schlitzwand steht im Verdacht, schadensursächlich mit dem Einsturz im Zusammenhang zu stehen. Das Besichtigungsbauwerk wird circa 17 Millionen Euro kosten und soll im Laufe des Jahres 2013 fertig gestellt sein, sodass anschließend die noch nicht beweisgesicherten Bereiche der Schlitzwand erkundet werden können. Es ist geplant, zuerst eine Bohrpfahlwand mit der erforderlichen Bodenvereisung bis zum September 2013 herzustellen. Die Untersuchungen des vom Gericht beauftragten Gutachters sollen im Mai 2014 abgeschlossen sein. Der Abschluss der gesamten Maßnahme ist für Juli 2014 geplant.

Wie das Bergungsbauwerk wird auch das Besichtigungsbauwerk weiterhin kontinuierlich von der Berufsfeuerwehr der Stadt Köln begleitet und überwacht. Die unmittelbar nach dem Einsturz installierte Messtechnik bleibt auch künftig erhalten und stellt eine unabhängige Messüberwachung dar. Allein in den vergangenen zwei Jahren war die Berufsfeuerwehr mit über 12.000 Einsatzstunden an der Baustelle Waidmarkt präsent.

Für die Bergung der im Grundwasser liegenden Archivalien hat die Stadt Köln im August 2009 mit dem Bau der Bergungsbaugrube, die teilweise als Vorstufe für das Besichtigungsbauwerk genutzt werden kann, begonnen. Das Bergungsbauwerk an der Einsturzstelle ist ein technisch höchst anspruchsvolles Bauwerk, da einerseits behindernde Großtrümmerteile geortet und gehoben werden, andererseits auch geringste, denkbare Auswirkungen der Arbeiten auf die angrenzenden Gebäudeteile des Gleiswechselbauwerks der U-Bahn, insbesondere die östliche Schlitzwand und auf das umgebende Gelände ausgeschlossen werden mussten. Angesichts der Größenordnung der an dieser Stelle zu bewegenden Baumassen ein außerordentlich hoher Anspruch. Oberste Priorität hatte darüber hinaus die für die Rechtsverfahren unverzichtbare Vorgabe, die Beweissituation vor Ort in keiner Weise zu beeinträchtigen.

Noch einmal knapp ein Regalkilometer Archivgut konnte bei diesen Arbeiten aus dem Grundwasser geborgen werden. Insgesamt wurden 39 Großtrümmerteile geborgen mit einem Gesamtgewicht von circa 300 Tonnen und Einzelgewichten bis zu 40 Tonnen. Erschwert wurden die Arbeiten durch außerordentlich schlechte Sichtverhältnisse unter Wasser. Intensive und permanente Abstimmungen bei allen baulichen Detailfragen mit den Gutachtern aller beteiligten Stellen verzögerte notwendigerweise eine schnelle Baufolge. Zur juristischen Absicherung der Schadenersatzansprüche der Stadt Köln und der Kölner Verkehrs-Betriebe und in der Folge auch der Leihgeber war dieses Abstimmungsprozedere zwingend erforderlich und unvermeidbar und führte zu nicht vermeidbaren Zeitverzögerungen und damit verbundenen Kostenerhöhungen. Am 6. Oktober 2011 konnte die Bergungsbaugrube von der Stadt Köln erstmals zeitweise an den Gutachter Professor Kempfert übergeben werden, der mit Tauchern und Spezialkameras Aufnahmen von der Schlitzwand des unterirdischen Gleiswechselbauwerks anfertigen konnte. Auch während des Baufortschritts konnten den Gutachtern immer wieder Gelegenheit zu Untersuchungen gegeben werden.

Zwischenbilanz

1. Anwohner und Betroffene

36 Anwohner aus den Nachbarhäusern verloren bei dem Einsturz ihre Wohnungen und wurden anfangs von persönlichen Assistenten, Wohnungsvermittlern und Psychologen betreut, solange sie die Hilfe in Anspruch nehmen wollten. Die materiellen Schäden wurden von den Kölner Verkehrs-Betrieben ausgeglichen.

Es besteht ein regelmäßiger Informationsaustausch zwischen Stadt Köln, Kölner Verkehrs-Betriebe und den heutigen Anwohnern sowie der Geschäftswelt an der Severinstraße zum aktuellen Stand der Bauarbeiten in der Einsturzstelle (Bergungsbauwerk, demnächst Besichtigungsbauwerk) und zum Stand der Archivalienbergung. Die unmittelbar angrenzenden Anwohner erhalten für die baubetrieblich bedingten, besonderen Beeinträchtigungen abgestufte Ausgleichszahlungen. Von der seit 24. November 2010 stufenweise erfolgten Öffnung der Straße profitierte auch das Geschäftsquartier Severinstraße. Am 30. Oktober 2012 berät der Verkehrsausschuss der Stadt Köln erstmals über die Neugestaltung des Knotenpunktes Blaubach/Waidmarkt, der den gestiegenen Anforderungen der Fußgänger und Radfahrer gerecht werden, vorhandene Sicherheitsmängel auch mit Blick auf die benachbarten Schulen beseitigen und nach Ende der Neubautätigkeit eines privaten Investors in diesem Bereich den Verkehr besser und sicherer strukturieren soll. Unter anderem wird die Fahrbahnbreite zu Gunsten einer Gehwegverbreiterung und einer größeren Platzfläche fast halbiert. Mit der Umgestaltung soll bereits im nächsten Jahr begonnen werden.

Derzeit lässt die Stadt Köln juristisch prüfen, ob ein Verzicht auf Anliegerbeiträge aus der Sanierung der Severinstraße trotz eines gegenteiligen Gutachtens des Landes Nordrhein-Westfalen doch möglich ist. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor.

2. Archivalien

Mit dem Einsturz vermengten sich über 30 Regalkilometer Archivgut mit den eingestürzten Wänden und Decken des ehemaligen Archivgebäudes.

Im August 2011 konnte die Stadt Köln die Bergung aus dem Grundwasser mit einer Quote von 95 Prozent geborgener Archivalien offiziell für beendet erklären. Die restlichen 5 Prozent gelten als verloren.

Von den geborgenen und erstversorgten Archivalien sind circa 35 Prozent schwerst beschädigt, 50 Prozent weisen schwere und mittlere Schäden und 15 Prozent nur leichte Schäden auf. Das geborgene Archivgut wurde nach dem Einsturz in 20 sogenannte Asylarchive in ganz Deutschland gebracht, die ihre Magazine für die Archivalien zur Verfügung stellten. Nach und nach werden diese Archivalien durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs vor Ort erfasst und - soweit möglich - identifiziert, bevor sie sukzessive in das Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum (RDZ) und damit nach Köln zurück kommen. In fünf Asylarchiven ist dieser Vorgang abgeschlossen. Derzeit läuft die Bergungserfassung in den Asylarchiven in Sankt Augustin, Münster-Coerde, im Universitätsarchiv Münster, in Gelsenkirchen und im Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn. Insgesamt wurden bereits 41,5 Prozent der geborgenen Archivalien erfasst, umgerechnet über 13 Kilometer Archivgut. Von diesen Archivalien kann rund die Hälfte punktgenau zugeordnet werden, bei 80 Prozent weiß man zumindest den jeweiligen Bestand.

Im vor zwei Jahren errichteten RDZ in Köln Porz-Lind wird das Archivgut restauriert und digitalisiert. Dem Fachkräftemangel konnte durch Zurückgreifen auf Fachrestauratoren aus dem Ausland, die die deutsche Sprache in Wort und Schrift beherrschen, und durch Kooperationen mit der Fachhochschule Köln und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim entgegen gewirkt werden. Mittlerweile arbeiten 90 Restauratoren und Hilfskräfte in den eigenen Werkstätten, dem RDZ und dem Archivzentrum im Schloss Hubertusburg in Wermsdorf/Sachsen. Darüber hinaus gibt es diverse Kooperationen mit externen Restaurierungswerkstätten sowie Auftragsvergaben an private Dienstleister.

Im Januar 2012 wurden mit der Eröffnung des analogen Lesesaals im Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum erstmals wieder Originale des Archivs der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dieses Angebot wird schrittweise je nach Restaurierungsfortschritt erweitert. Ebenso wird das Angebot des Digitalen Lesesaals im Digitalen Historischen Archiv nach und nach vergrößert, bereits jetzt sind dort rund 425.000 Digitalisate online gestellt.

Die Kosten für die Restaurierung werden auf 300 bis 400 Millionen Euro geschätzt.

3. Schulen

Speziell für die Schüler der damals betroffenen Schulen hatte das Amt für Schulentwicklung ein permanentes Informationsprogramm aufgelegt. In Zusammenarbeit mit KVB, Berufsfeuerwehr, Gutachtern und Amt für Brücken und Stadtbahnbau wurden von Anfang an alle Schulen permanent mit Messpunkten überwacht und die Ergebnisse über das Internet zugänglich gemacht. Während der gesamten Messdauer sind keine Setzungen, die auf Bewegungen des Untergrundes schließen lassen, festgestellt worden.

Friedrich-Wilhelm-Gymnasium

Mit Beginn des Schuljahres 2012/2013 konnte das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium wieder seine angestammten Schulräume in Besitz nehmen. Nach dem Einsturz des Archivs waren die 600 Schüler der Sekundarstufe I kurzfristig im leerstehenden Gebäude der Volkshochschule am Josef-Haubrich-Hof untergebracht worden. Mit einem Finanzaufwand von circa 26 Millionen Euro wurde der Gebäudekomplex inzwischen komplett saniert. Die barrierefreie Herrichtung des Gebäudes gestaltete sich als besonders schwierig, da dazu unter anderem das Zentraltreppenhaus abgebrochen und wieder aufgebaut werden musste. Im Dezember dieses Jahres werden die Aula und die Sporthallen fertig gestellt sein, die neuen Räume für die Schüler der Sekundarstufe II werden im März im benachbarten Fay-Gelände am Waidmarkt bezugsfertig sein.

Kaiserin-Augusta-Schule

Für die als Ganztagsschule geführte Kaiserin-Augusta-Schule wurden die Planungen für einen Erweiterungsbau (Gesamtkosten circa 20,7 Millionen Euro), der den Raumbedarf der Schule langfristig decken soll, aufgenommen. Dazu fand im Sommer 2011 ein moderierter Workshop mit anschließendem Wettbewerb statt. Das Wettbewerbsergebnis wird Ende Oktober 2012 vorgestellt. Der Erweiterungsbau kann frühestens im Jahr 2017 bezogen werden.

Die "Severinschule", eine Förderschule für Sehbehinderte des Landschaftsverbandes Rheinland konnte knapp 20 Tage nach dem Einsturz bereits Ende März 2009 wieder an der Weberstraße ihren Unterrichtsbetrieb aufnehmen.

4. Quartier Severinstraße

Die nach dem Einsturz des Historischen Archivs entstandene bauliche Lücke entlang der Severinstraße soll geschlossen werden. Sowohl durch die Erweiterung der Kaiserin-Augusta-Schule als auch durch die Gesamtsituation des Baublocks ist dazu eine grundlegende Neuordnung notwendig. Im Juli 2010 hat deshalb der Stadtentwicklungsausschuss die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen. Parallel dazu wurde ein Wettbewerb vorbereitet, in dem sowohl Vorschläge für die zukünftige Erweiterung der Kaiserin-Augusta-Schule als auch Vorschläge für die zukünftige städtebauliche Entwicklung des Georgsviertels erarbeitet werden sollen. Über neun Monate wurde dazu im vergangenen Jahr ein umfangreiches Bürgerbeteiligungsverfahren durchgeführt. An dem Workshop beteiligten sich zuletzt 70 Akteure unter Beteiligung von Vertretern der Schulpflegschaft, der Bewohner, Eigentümer und vor Ort aktiven Institutionen. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Einbindung einer räumlich erfahrbaren Konzeption zum Gedenken an den Einsturz des ehemaligen Historischen Archivs. Hierbei soll eine für den Ort authentische Situation des Gedenkens geschaffen werden, die ein ausgewogenes Verhältnis und harmonisches Miteinander von Gedenken, Alltag im "Veedel" und dem Schulbetrieb herstellt. Über die Auswertung der Ergebnisse und deren Weiterbearbeitung in einem Wettbewerb hatte der Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Köln im Dezember vergangenen Jahres entschieden. Ergebnisse aus dem Bürgerbeteiligungsverfahren wurden somit Bestandteil der Aufgabenstellung des Wettbewerbs. Die Jurysitzung findet am 30. und 31. Oktober 2012 statt. Die Wettbewerbsarbeiten sollen anschließend ausgestellt werden.

Auf der Basis dieser Ergebnisse ist geplant, Künstler zur weiteren Ausgestaltung des Themas Gedenken in die weitere Planung einzubeziehen. Dabei ist angedacht, Künstler zu diesem Thema an den entsprechenden Gestaltungsfragen innerhalb der künftigen Bauten zu beteiligen und auch mit ihnen Raumkonzeptionen zum Thema Gedenken zu erarbeiten.

5. Neubau des Historischen Archivs

Am Eifelwall entsteht der Neubau des Historischen Archivs. Dazu hat die Stadt Köln im Juni vergangenen Jahres einen Realisierungswettbewerb abgeschlossen aus dem das Büro Waechter + Waechter aus Darmstadt als Sieger hervorging. Der ausgewählte Entwurf zeichnet sich durch eine viergeschossige Mantelbebauung aus, in deren Inneren sich das eigentliche Magazingebäude des Archivs, das sogenannte Schatzhaus, befindet. Das Gebäude passt sich in der Höhe der gegenüberliegenden Wohnbebauung des Eifelwalls an und bildet entsprechend dem Masterplan eine klare Raumkante zu der geplanten Erweiterung des Grüngürtels.

In dem neuen Gebäude werden auf circa 30.400 Quadratmeter BGF neben dem Historischen Archiv auch die Kunst- und Museumsbibliothek mit dem Rheinischen Bildarchiv untergebracht. Die Projektkosten werden mit circa 100 Millionen Euro veranschlagt.

Für das Historische Archiv werden im Magazingebäude circa 50 Regalkilometer für die Lagerung des Archivgutes realisiert. In die Planung fließen die neuesten Erkenntnisse zur konservatorisch sicheren Lagerung von Archivgut ein, dass heisst insbesondere an die raumklimatischen Anforderungen werden höchste Ansprüche gestellt. Das Gebäude enthält des Weiteren öffentliche Lese- und Veranstaltungsbereiche für beide Einrichtungen sowie Restaurierungswerkstätten und Büroräume.

Im Frühjahr wurde mit der Planung begonnen, aktuell befindet sich das Projekt in der Vorentwurfsplanung. Ende 2017 wird das Gebäude dem Nutzer übergeben.

6. Stiftung Stadtgedächtnis

Mit Dr. Stefan Lafaire ist ein erfahrener Finanzexperte für den Vorsitz der "Stiftung Stadtgedächtnis" gewonnen worden. Die "Stiftung Stadtgedächtnis" hat es sich zur Aufgabe gemacht, langfristig den Wiederaufbau des Historischen Archivs und die Restaurierung der Archivalien zu begleiten. Sie akquiriert Spenden von Unternehmen, Vereinen, Verbänden und Privatpersonen und unterstützt damit die Rettung der Archivalien. Die Stiftung wurde nach dem Einsturz des Historischen Archivs auf Initiative der Stadt Köln, des Landes Nordrhein-Westfalen, der katholischen und der evangelischen Kirche gegründet und vom Bund sowie privaten Stiftern unterstützt. Die Stadt Köln hat die Stiftung mit einem Grundkapital von rund 5 Millionen Euro ausgestattet.

Die Stiftung hat die Wiederherstellung von Archivgut bereits finanziell unterstützt. Insbesondere seien die Restaurierung einer Disziplinarakte aus dem 17. Jahrhundert sowie die Finanzierung der fachgerechten Gefriertrocknung von 50 Gitterboxen Archivgut erwähnt. Sie versteht sich als Ansprechpartnerin und gemeinnützige Vermittlerin von Unterstützern, die ihre Beiträge für den langfristigen Erhalt und die wissenschaftliche Bearbeitung der Archivalien leisten möchten.

(Stiftung Stadtgedächtnis, Große Budengasse 10, 50667 Köln, Telefon 0221 / 9335020, Konto 3320090, Bethmann Bank AG, Bankleitzahl 501 203 83 oder
Konto 3309, Sal. Oppenheim, Bankleitzahl 370 302 00)

7. Rechtsverfahren und Schadenssumme

Die Stadt Köln geht von einer Gesamtschadenssumme von circa 1 Milliarde Euro aus.

Zur Wahrung ihrer Rechte ist die Stadt Köln dem von der KVB gegen die Arbeitsgemeinschaft Nord-Süd Stadtbahn Köln Los Süd eingeleiteten selbständigen Beweisverfahren als (Mit-) Antragstellerin beigetreten.

Das Landgericht Köln hat auf Antrag der Stadt in dem selbständigen Beweisverfahren zur Einsturzursache im November 2011 angeordnet, dass durch Einholung von schriftlichen Sachverständigengutachten Beweis zur Frage der Höhe des Schadens erhoben werden soll, der der Stadt infolge des Einsturzes des Historischen Archivs entstanden ist oder noch entstehen wird. Dieses Verfahren zur Schadenshöhe wurde aus dem Beweisverfahren zur Einsturzursache abgetrennt und läuft parallel.

Nachlassgeber/Leihgeber

Die Stadt Köln informiert mit jährlichen Berichten die Leihgeber über den aktuellen Stand der Erfassung der jeweiligen Bestände. Neben Individualgesprächen finden in größeren Abständen Leihgeberkonferenzen statt, so zum Beispiel am 22. Oktober 2012. Bei der anstehenden Leihgeberkonferenz soll unter anderem die Frage, wie die Rechtsansprüche der Leihgeber gegenüber potenziellen Schädigern möglichst wirkungsvoll gesichert werden können, diskutiert werden. Die Stadt Köln hat in einem Schreiben von Oberbürgermeister Jürgen Roters angeboten, ihrerseits Verjährungsfristen gegenüber den Leihgebern auszusetzen, um Schadenersatzansprüche der Leihgeber auch in den nächsten Jahren zu ermöglichen. Darüber hinaus hat sich die Stadt Köln bereit erklärt, die Ansprüche der Leihgeber in ihr eigenes Schadenersatzverfahren mit aufzunehmen.

Drei Schadenersatzklagen von Nachlassgebern gegen die Stadt Köln wurden vom Landgericht Köln in erster Instanz inzwischen abgewiesen. Das Oberlandesgericht Köln setzte die daraufhin erfolgten Berufungsverfahren im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft vorläufig aus. Parallel zu der Aussetzung vor dem Oberlandesgericht wurden zwei weitere, noch vor dem Landgericht anhängige Verfahren, ebenfalls ausgesetzt.

Kostenübersicht (Stand: 22. Oktober 2012)

Die Stadt Köln hat vom Einsturztag bis Mitte Oktober 2012 insgesamt rund 76,7 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem Einsturz des Historischen Archivs aufgewendet.

Die größten KostenblöckeKosten
Gefahrenabwehr und Sicherheit 4,5 Millionen Euro
Archivalienbergung und Restaurierung 35,6 Millionen Euro
Gerichtsverfahren/Wahrung Schadenersatzansprüche 5,3 Millionen Euro
Schadensausgleich KVB gemäß Nord-Süd Stadtbahnvertrag 14,2 Millionen Euro
Aufbau "Stiftung Stadtgedächtnis" inclusive Stiftungskapital 5,1 Millionen Euro
Interimsunterbringung und Sicherung der benachbarten
Schulen
 2,2 Millionen Euro
Beratungsleistungen Projektsteuerung 4,6 Millionen Euro

Digitaler Lesesaal des Historischen Archivs Stiftung Stadtgedächtnis
Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit