Anerkennung für Planungsverfahren zur Umgestaltung der Ehrenstraße

© Stadt Köln
Preisträger Oben 4. von links: Stephanie Dietz, Leiterin der Abteilung „Straßenplanung“ im Amt für Straßen und Radwegebau der Stadt Köln

Die Stadt Köln wurde am Donnerstag, 24. November 2022, in Berlin im Rahmen der Verleihung des Deutschen Verkehrsplanungspreises für das Planungsverfahren zur Umgestaltung der Ehrenstraße mit einer Anerkennung ausgezeichnet. Von der Jury hervorgehoben wurde der breite Beteiligungsprozess, die Ausweisung als Fußgängerzone und das Grünkonzept als Beitrag zur Klimafolgenforschung. Neben Köln wurden die eingereichten Projekte der Gemeinden Baiersbronn im Nordschwarzwald und Markt Bibart in Mittelfranken bei der Preisverleihung besonders gewürdigt. Den ersten Preis erhielt in diesem Jahr die Hansestadt Lübeck für ihr Verfahren zur Neuverteilung des öffentlichen Raums in der Altstadt.

Ascan Egerer, Beigeordneter für Mobilität der Stadt Köln:

Ich danke allen Beteiligten aus der Stadtverwaltung und dem externen Planungsbüro für die exzellente Arbeit. Auch dank des Engagements der Bürger*innen, der Interessengruppen sowie der Politiker*innen wird die Ehrenstraße in den nächsten Jahren zu einer ‚Wohlfühlstraße‘. Den Übergang dorthin werden wir durch zusätzliche Maßnahmen noch verbessern. Ich freue mich sehr, dass unser Planungsverfahren in diesem Fall bundesweit Aufsehen erregt hat und nun sogar prämiert worden ist.

Der deutsche Verkehrsplanungspreis wird alle zwei Jahre bundesweit durch die SRL – Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung e.V. sowie den VCD Verkehrsclub Deutschland e.V. verliehen. In diesem Jahr stand der Wettbewerb unter dem Motto "Qualität der Nähe – attraktiver Aufenthalt und sicheres Erreichen von Stadtteil- und Ortszentren".

Planungsverfahren zur Umgestaltung

Für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung in der Ehrenstraße haben Planer*innen aus dem Verkehrsbereich, der Stadt- und Freiraumplanung in einem eng verzahnten Planungsprozess eine Idee für die Umgestaltung der Ehrenstraße als eine der wichtigsten Geschäftsstraßen in Köln entwickelt. Flankiert wurde der Prozess durch eine intensive Beteiligung der Bürgerschaft und des anliegenden Einzelhandels. Die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses sind in die Planungen zur Umgestaltung entscheidend eingeflossen. Zudem hat die Politik den gesamten Prozess eng begleitet. Die vorgelegte Planung wurde schließlich in einem breiten, parteiübergreifenden Konsens zur weiteren Umsetzung beschlossen.

Planungsprinzipien für eine "Wohlfühlstraße"

Der Entwurf baut dabei auf dem Ergebnis des öffentlichen Beteiligungsprozesses auf, in dem eine "Wohlfühlstraße" ohne Durchgangsverkehr, mit viel Grün und angenehmen Aufenthaltsflächen gewünscht wird. Der öffentliche Raum soll belebt und Räume für Gastronomie oder zum Innehalten und zwanglosem Pausieren geschaffen werden. Der steinerne Stadtraum wird in einen grünen Boulevard für Fuß- und Radverkehr verwandelt. Die "neue Ehrenstraße" leistet einen Beitrag zur Klimavorsorge und die Biodiversität in der Stadt wird erhöht. Darüber werden Impulse der nachhaltigen Mobilität in Köln gesetzt.

Hierbei setzt die Stadt Köln neue Maßstäbe in der nachhaltigen Gestaltung des öffentlichen Raumes. Die Straße wird intensiv begrünt, neben vielfältigen Baumpflanzungen entstehen im Zentrum der Plätze jeweils "Pocket-Parks" – grüne Inseln, die mit Gehölzen und blühenden Stauden bepflanzt werden. Es werden vornehmlich Pflanzen verwendet, die dem Klimawandel standhalten und als Bienenweide die Stadtnatur stärken. Das Regenwasser soll nicht mehr über die Kanalisation abgeleitet, sondern den Bäumen zugeführt werden. Dafür werden große Teile des anfallenden Regenwassers gesammelt und in "Baumrigolen" unter den Bäumen und in den Pocket-Parks gespeichert. Dadurch werden die Gehölze auch in Trockenperioden mit Wasser versorgt.

Durch die Umwandlung der Straße in eine Fußgängerzone mit einer Freigabe des Radverkehrs, Car-Sharing, die Integration der Fahrradstraße Friesenwall und die Ausstattung der Straße mit Nahmobilitätszonen (Fahrradabstellanlagen, Leihfahrräder und E-Scooter, Flächen für Leih-/Lastenfahrräder) wird ein nachhaltiges Verkehrsangebot eröffnet. Die Nahmobilitätszonen dienen auch der Anlieferung der Geschäfte auf der letzten Meile mit "Cargo Bike Logistik".

Zwischenlösung bis zur Umsetzung der "Wohlfühlstraße"

Im Rahmen einer vorgezogenen Maßnahme ist Ende April 2022 die Ehrenstraße bereits als Fußgängerzone mit Zusatz "Radfahrer" frei eingerichtet worden. Auch nach Eingewöhnungszeit befahren noch einige Kfz-Führer*innen die Ehrenstraße versehentlich oder auch absichtlich regelwidrig und stellen dort ihre Fahrzeuge ab. In den letzten Monaten sind bereits knapp 1.000 Verwarnungen deshalb erteilt worden. Eine deutlichere Beschilderung und Markierung an der Kreuzung Ehrenstraße/Pfeilstraße sowie Piktogramme auf der Straße wurden bereits angeordnet. Darüber hinaus ist der Einsatz von herausnehmbaren Pollern sowie eines Öffnungs- und Schließdienstes für den Lieferverkehr zeitnah geplant. Zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität soll im Frühjahr der Einsatz von mobilen Sitzelementen und Grünbepflanzungen erfolgen.

Projektbeteiligte

Die Projektleitung für die Umgestaltung liegt im Amt für Straßen und Radwegebau und baut auf dem vom Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung konzipierten Verkehrsversuch auf. Mit ihrer fachlichen Expertise haben die Büros "scape Landschaftsarchitekten" die Freiraumgestaltung und "Jung Stadtkonzepte" den Kommunikationsprozess unterstützt.

Zum Deutschen Verkehrsplanungspreis

Mit dem Deutschen Verkehrsplanungspreis wird die Planungskultur gefördert. Gewürdigt werden Projekte und Konzepte, die komplexe Aufgaben innovativ und ressortübergreifend lösen und ggf. Kooperationen in der Stadt- und Verkehrsplanung anstoßen. Dadurch werden Beispiele sichtbar und bekannt, die sich gleichermaßen durch eine integrierte Stadt- und Verkehrsplanung, hohe Gestaltqualität und verbesserte Umweltsituation auszeichnen. Der erste Verkehrsplanungspreis wurde 2014 verliehen.

Ausblick auf die Umsetzung der Umgestaltung

Die Bezirksvertretung Innenstadt hat am 25. August 2022 den erweiterten Planungsbeschluss zur Umgestaltung der Ehrenstraße gefasst. Es ist geplant, in 2023 die Bauplanung abzuschließen und mit dem Umbau der Ehrenstraße ab 2024 zu beginnen. Informationen zur Umgestaltung und zum Beteiligungsprozess sind im städtischen Meinungsportal unter hier zu finden

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Visualisierung Ehrenstraße
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Visualisierung Perspektive Pfeilstraße
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Visualisierung Perspektive Willy-Millowitsch-Plat
Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit