Ausstellung öffnet am 1. April für Besucher*innen

© Sasa Tatic
Selma Selman, You have No Idea, 2020 Performance, Washington, Black Lives Matter Plaza

Der Widerstand gegen die Auswirkungen des kolonialen Erbes im Hier und Jetzt wird immer lauter: Er zeigt sich nicht nur in den aktuell scharf geführten Debatten zur Frage der Restitution der "Benin Bronzen" – "Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt" (RJM) bewahrt die viertgrößte Sammlung in Deutschland – sondern auch in der Umbenennung von kolonialen Straßennamen, der Zerstörung von Kolonialdenkmälern und nicht zuletzt durch die #BlackLivesMatter Bewegung.

Dies ist der Hintergrund für die internationale Großausstellung "RESIST! Die Kunst des Widerstands" des RJM, die 500 Jahre Praktiken antikolonialen Widerstands im "Globalen Süden" beleuchtet. Am 1. April 2021 öffnet die Ausstellung ihre Türen für Besucher*innen.

Die Ausstellung ist eine Hommage an die Menschen, die auf unterschiedlichste Art und Weise konstant Widerstand geleistet haben und deren Geschichten bis heute kaum erzählt oder gehört wurden. Zugleich thematisiert sie die dramatischen Auswirkungen und das Fortbestehen von kolonialen Machtverhältnissen. Diese Ausstellung ist ein Versuch, die verborgenen Schichten und Geschichten des Widerstands freizulegen.

Mit der Ausstellung wollen wir einen Verhandlungsraum schaffen, in dem kolonialen Widerstandsgeschichten mehrstimmig aus den Perspektiven von Künstler*innen und Aktivist*innen aus dem Globalen Süden und der Diaspora erzählt werden können,

so Nanette Snoep, Direktorin Rautenstrauch-Joest-Museum.

Sechs Frauen – Künstlerinnen, Kuratorinnen und Aktivistinnen – wurden deshalb eingeladen, eigene Räume für die Ausstellung zu kuratieren. Die nigerianische Künstlerin und Kunsthistorikerin Peju Layiwola beschäftigt sich mit den geraubten Kulturgütern aus dem Königreich Benin (Nigeria), von denen sich 96 in der Sammlung des RJM befinden. Die namibischen Aktivistinnen Esther Utjiua Muinjangue und Ida Hoffmann erzählen eine deutsch-namibische Geschichte anhand des ersten Genozids des 20. Jahrhunderts an den Herero und Nama in Namibia und von ihrem Kampf für dessen Anerkennung. Die ungarische Kunsthistorikerin und Kuratorin Tímea Junghaus stellt eine Verbindung her zwischen Kolonialismus und dem Kampf um Selbstbestimmung von Sinti*zze und Roma*nja. Schließlich klagt der postmigrantische Kölner "In-Haus e.V." mit den Aktivist*innen Elizaveta Khan, Mona Leitmeier, Sae Yun Jung, Salman Abdo und Rita Bomkamp den Rassismus in Deutschland an.

Jede Entscheidung, die über unser Erbe, über unser Leben getroffen wird, muss uns einbeziehen. (…).Wir wollen in der Lage sein, unsere Geschichten zu erzählen.

Peju Layiwola, It´s yours Kuratorin RESIST!, Januar 2021.

Wir sind die Stimmen der Menschen, die 1904 gestorben sind. (…).Und deshalb sagen wir: Es kann nicht um uns gehen, ohne uns“.

Esther Utjiua Muinjangue, It´s yours Kuratorin RESIST!, Januar 2021.

Die Geschichte der Roma ist keine Geschichte der Opferrolle, sondern eine Geschichte des Überlebens und der Resilienz und des tatsächlichen Widerstands.

Tímea Junghaus, It´s yours Kuratorin RESIST!, Januar, 2021.

Wir sind auf jeden Fall alle Kölner*innen: (…). Wir positionieren uns als neue Deutsche und wollen auch die Anerkennung, die dazugehört. (…).das ist natürlich auch der Zugang zu Ressourcen und selbstverständlich politische Teilhabe.

Elizaveta Khan, It´s yours Kuratorin RESIST!, Januar 2021.

Anhand von zahlreichen historischen Objekten aus der ethnologischen Sammlung des RJM, sogenannten Zeugnissen von Widerstandsaktionen, die die Spuren von kolonialer Unterdrückung, Gegenwehr und Kampf, von Überleben und Heilung tragen, wird auch die eigene Sammlung des RJM neu beleuchtet.

Die offenen und subversiv geführten Kämpfe in 500 Jahren Widerstand werden zudem durch die künstlerischen Arbeiten von rund 40 zeitgenössischen Künstler*innen aus dem Globalen Süden oder aus der Diaspora wie zum Beispiel Kader Attia, Kara Walker, Patricia Kaersenhout und Ayrson Heráclito sichtbar, hörbar und erfahrbar gemacht.

Auch Tanz und Musik haben einen wichtigen Platz in der Ausstellung: Rokia Bamba, Soundkünstlerin und DJ wird im Ausstellungszeitraum ein Sound- und Stimmenarchiv des Widerstands entwickeln und die zwei Urban-Dance-Choreografinnen Bahar Gökten und Daniela Rodriguez Romero setzen sich in der Ausstellungsfläche mit jugendlichen urbanen Tänzer*innen performativ mit dem Thema Widerstand auseinander.

Die Ausstellung ist prozesshaft und partizipativ angelegt und soll sich im Laufe der Ausstellungsdauer mit Hilfe neuer Beteiligungs- und inklusiver Vermittlungsformate weiterentwickeln (unter den Bedingungen der Pandemie). Die im Ausstellungsraum geplanten Werkstätten – mit Live-Speakers, Künstler*innen, Aktivist*innen, Schulklassen, Studierenden, Initiativen und den Besucher*innen – in denen „Widerstand“ auf unterschiedliche Weise besprochen, bearbeitet und reflektiert werden soll, sowie das Rahmenprogramm für verschiedene Altersgruppen mit Workshops, Performances, Filmvorführungen und Erzählcafés, werden pandemiebedingt erst zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden.

Das Projekt wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, der Peter und Irene Ludwig Stiftung, der F. Victor Rolff-Stiftung, der Bundeszentrale für politische Bildung, der Museumsgesellschaft e.V. sowie im Programm "360° Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft" der Kulturstiftung des Bundes.

Mit dem Programm "360° Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft" unterstützt die Kulturstiftung des Bundes Kulturinstitutionen dabei, sich intensiver mit Migration und kultureller Vielfalt auseinanderzusetzen und neue Zugänge und Sichtbarkeiten für Gruppen der Gesellschaft zu schaffen, die bislang nicht angemessen erreicht wurden. Das Modellprogramm fördert zu diesem Zweck eine Vielzahl von Ansätzen, die auf die diversitätsbezogene Öffnung in den Bereichen Programm, Publikum und Personal zielen.

Der Deutschlandfunk ist Medienpartner der Ausstellung.

Kommende Veranstaltungen:

CINEMA RESIST! You hide me (1970), ein Kurzfilm von Nii Kwate Owoo (TBC) Freitag, 16. April 2021, 19 Uhr, online Im Jahre 1970 erhielt der ghanaische Filmemacher Nii Kwate Owoo Zugang zu den Depots des British Museum in London und drehte einen Kurzfilm, der die Aneignung afrikanischer Kulturgüter thematisiert und deren Rückgabe fordert. Der Film feierte am 20. Januar 1971 Premiere im Londoner Africa Centre und erregte weit über London hinaus Aufsehen.

RESIST! CONVERSATIONS: Bénédicte Savoy "AFRIKAS KAMPF UM SEINE KUNST" Freitag, 23.April 2021, 19 bis 21 Uhr In ihrem neusten Buch "AFRIKAS KAMPF UM SEINE KUNST. GESCHICHTE EINER POSTKOLONIALEN NIEDERLAGE" zeichnet sie den mittlerweile über 50 Jahre andauernden Kampf afrikanischer Staaten um die Rückgabe ihrer durch die europäischen Kolonialherrscher entwendeten Kunstwerke nach.

Benin 1897: 14. Mai 2021, 19 Uhr, ZOOM, in Englisch im Anschluss Q&A, Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM)

Das RJM bewahrt 96 Hofkunstwerke aus dem Königreich Benin in seiner Sammlung. Für die Sonderausstellung "RESIST! Die Kunst des Widerstands" wurden sie erstmals alle aus dem Depot geholt und sind im Raum der nigerianischen Künstlerin Peju Layiwola zu sehen. Eine Diskussion zur Restitutionsdebatte um die Hofkunstwerke aus dem Königreich Benin (heute Nigeria), die im Februar 1897 im Zuge der sogenannten "Strafexpedition" britischen Truppen aus dem Königspalast geraubt wurden.

Die Diskutierenden:

Dr. Peju Layiwola ist Künstlerin und Professorin für Kunstgeschichte (Leiterin Abteilung für kreative Künste) an der Universität von Lagos, Nigeria und eine der It´s yours Kuratorinnen der Sonderausstellung "RESIST! Die Kunst des Widerstands" im RJM

Dr. Andreas Görgen ist Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt, und war im März für das Außenministerium zu Gesprächen in Nigeria

Professor Dr. Dan Hicks leitet das Fachgebiet "Contemporary Achaeology" an der Universität Oxford und ist zudem Kurator für "World Archaeology" am Pitt Rivers Museum der Universität. Im November 2020 erschien sein Buch "The Brutish Museums: The Benin Bronzes, Colonial Violence and Cultural Restitution".

Der Künstler Enotie Ogbebor ist Direktor im Vorstand des Legacy Restoration Trust (LRT) in Lagos, Mitglied im Lenkungsausschuss der Benin Dialogue Group und arbeitet mit Sir David Adjaye an der Gestaltung des Edo Museum for West African Arts (E.M.O.W.A.A) in Benin-City, Nigeria.

Nanette Snoep ist seit Januar 2019 Direktorin am Rautenstrauch-Joest-Museum, das mit 96 Hofkunstwerke aus dem Königreich Benin, die viergrößte Sammlung in Deutschland bewahrt.

Moderation:

Dr. Ciraj Rassool ist Professor für Geschichte an der Universität des Westkaps in Südarfika und leitet dort das afrikanische Programm für Museums- und Kulturerbeforschung. Er ist assoziiertes Mitglied des Global South Studies Center der Universität zu Köln und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Luschan Collection (Berlin).

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr; Donnerstag 10 bis 20 Uhr, 1. Donnerstag im Monat bis 22 Uhr; montags geschlossen.

Weitere Informationen Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit