Oberbürgermeisterin Reker mit erstem Spatenstich für Neubau der Helios-Schulen

© Thilo Schmülgen
v.l.n.r.: Architekt Prof. Johannes Schilling, Andreas Niessen (Leiter Gesamtschule), Ehrenfelds Bezirksbürgermeister Josef Wirges, Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Schuldezernent Robert Voigtsberger, Marion Hensel (Leiterin Grundschule), Petra Rinnenburger (Gebäudewirtschaft) und Hagen Jäger (Rohbaufirma Weiss) sowie die beiden Schüler Noah Kuhrt (Gesamtschule) und Lilith Ronge (Grundschule).

Mit einem symbolischen ersten Spatenstich haben Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der Architekt des Bauvorhabens, Professor Johannes Schilling, am heutigen Mittwoch, 4. Dezember 2019, gemeinsam mit Marion Hensel (Leiterin Grundschule) und Andreas Niessen (Leiter Gesamtschule) den offiziellen Baubeginn für die Helios-Schulen, die „Inklusiven Universitätsschulen Köln“, eingeleitet.

Die Helios-Schulen werden die erste bundesdeutsche Praxisschule sein, in der als Außenstelle der Universität zu Köln Lehramtsstudierende zusätzlich zur erlernten Theorie an der Hochschule auch praktisch auf ihr künftiges Arbeitsfeld vorbereitet werden. Dem inklusiven Ansatz kommen im Umkehrschluss neueste erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse zugute. Damit gehören die Helios-Schulen zu einem weit über die Stadtgrenzen hinaus strahlenden Projekt.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker:

Auch dieses Schulprojekt ist Teil der Kölner Schulbauoffensive und reiht sich ein in die Spatenstiche, Richtfeste und Grundsteinlegungen, die in diesen Wochen an vielen Standorten in Köln erfolgen. Wir stellen damit erneut unter Beweis, wie sehr der Kölner Schulbau an Fahrt aufgenommen hat. Hier in Ehrenfeld realisieren wir mit den Helios-Schulen ein ganz besonderes, zukunftsweisendes und nachhaltiges Projekt. Ein Ergebnis der guten Zusammenarbeit von Universität, Stadt, Stadtgesellschaft und beratenden Institutionen.

Das Schulprojekt ist gemeinsam mit der Universität zu Köln als "Inklusive Universitätsschule" bereits an zwei Interimsstandorten in Köln gestartet: an der Grundschule in der Mommsenstraße/Kaisersescher Straße in Köln-Sülz sowie an der Gesamtschule in der Borsigstraße in Köln-Ehrenfeld.

Ihre neue gemeinsame Heimat wird eine Veedelsschule werden, die dann - wenn das gesamte Gelände auch für Wohnen und Kultur neu bebaut sein wird - ohne Schulzaun auskommen und sich in besonderer Weise auch den Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtteils öffnen wird.

Das Vorhaben wird auf dem ehemaligen, überwiegend industriell genutzten Heliosgelände in Köln-Ehrenfeld realisiert. Es handelt sich um eine knapp vier Hektar große, brach liegende Fläche im Zentrum des Stadtteils. Neben den Schulen werden hier auch Flächen für Wohnen, Kultur, Gewerbe und Einzelhandel entstehen.

Im Anschluss an das 2013 durchgeführte kooperative Gutachterverfahren zur Entwicklung eines städtebaulichen Konzeptes wurde für das gesamte neue Quartier und den Bau der Schule 2015 ein Architekturwettbewerb durchgeführt. Der Siegerentwurf des Büros Schilling Architekten bildet die Grundlage für die Planung des im Februar 2019 durch den Rat der Stadt Köln beschlossen Baus. Die Projektleitung bei der Stadt Köln hat die städtische Gebäudewirtschaft.

Zeitplan und Kosten

Die Fertigstellung der Baugrube und die Bodensanierung sind im Jahr 2019 erfolgt. Dazu mussten mit einem Großbohrgerät 109 Löcher gebohrt werden, in die die Träger für die Trägerbohlwand eingebracht werden, um die Baugrube zu sichern und in ihr nach Kampfmitteln zu suchen. Aktuell wird die Baustelle eingerichtet. Im neuen Jahr beginnen die Rohbauarbeiten. Anschließend folgen der Innenausbau, die Arbeiten an der Gebäudetechnik sowie die Herrichtung der Außenanlagen.

Der neue Schulstandort wird über eine inklusive Grund- und Gesamtschule mit 200 Grundschulplätzen und 900 Gesamtschulplätzen im Ganztagsbetrieb, eine Einfachsporthalle sowie eine Dreifachsporthalle verfügen. Die große Halle im Untergeschoss wird mit zwei ausfahrbaren Teleskoptribünen ausgestattet, die Platz für rund 370 Zuschauer bieten. Von hier aus können auch außerschulische Wettkämpfe verfolgt werden, für die die Sporthalle ebenfalls ausgerichtet ist. Die kleine Halle liegt im 3. Obergeschoss an der Kreuzung Vogelsanger Straße/Ehrenfeldgürtel und wirkt durch diese prominente Lage auf besondere Weise in den städtischen Raum. Geschaffen werden rund 21.000 Quadratmeter Nutzfläche.   Zum vierten Quartal 2024 sollen die Schulgebäude fertiggestellt sein und zur Nutzung übergeben werden. In den Gesamtbaukosten für die Schulen und Hallen von rund 92 Millionen Euro sind für die Ausstattung und Einrichtung rund 3,08 Millionen Euro enthalten.

Planerische Besonderheiten – Offene Lernlandschaften als NRW-Pilotprojekt

An den Helios-Schulen werden offene Lernlandschaften umgesetzt, die es so noch nicht gegeben hat, weshalb das Vorhaben auch im Sinne der baurechtlichen Genehmigungsfähigkeit Pilotprojekt für ganz Nordrhein-Westfalen ist. Das besondere Raumkonzept wurde eng mit den Nutzerinnen und Nutzern abgestimmt. Durch verschiedene Einrichtungskonzepte werden unterschiedliche Angebote ermöglicht, für individuelles Lernen genauso wie für gruppenorientiertes Arbeiten. In allen Lernräumen wird moderne Multimediatechnik installiert. Dazu gehört die Ausstattung mit interaktiven, teilweise fahrbaren, digitalen Boards.

Städtebauliche Lösungen

Zur Vogelsanger Straße sowie zum Ehrenfeldgürtel werden sich Ateliers, Werkstätten sowie Musik- und Kunsträume öffnen. Der Eckbereich am Ehrenfeldgürtel wird baulich bewusst offen gestaltet, um eine attraktive Verbindung zwischen Gürtel und dem Eingang zur Schule beziehungsweise zum Quartiersplatz zu schaffen. Der neu geschaffene zentrale Platz zwischen Schule und Rheinlandhalle soll in seiner Eigenschaft als ruhiger zentraler Quartiersplatz mit großkronigen Bäumen dienen. Hierhin werden Mensa und Aula ausgerichtet. Die wichtige Verbindungsachse zwischen Vogelsanger Straße und Rheinlandhalle wird durch die Anordnung des Haupteingangs zusätzlich gestärkt. Gegenüber dem Haupteingang öffnet sich eine zusätzliche gut nutzbare Freifläche (der Werkhof). Diese Fläche ist den Ateliers und Werkstätten zugeordnet.

© Schilling Architekten
Visualisierung Heliosschulen

Bauliche Besonderheiten – "Himmelsleiter" inklusive

Eine zentrale Eingangshalle mit Lichthof wird die Schulbereiche miteinander verbinden. Im 1. Obergeschoss werden die Schulverwaltung sowie die Bibliotheks- und Selbstlernbereiche mit den zur Halle hin offenen Aufenthalts-, Kommunikations- und Arbeitszonen liegen. Im 2. und 3. Obergeschoss sind alle Lernbereiche zentral erschlossen und gruppieren sich um die Höfe herum. Die studentischen Seminar- und Arbeitsräume, Fachräume sowie der kleine Sportbereich sind im Baukörper an der Ecke Venloer Straße und Ehrenfeldgürtel angeordnet und über eine Brücke angebunden. Eine zentrale Treppenanlage, die so genannte "Himmelsleiter", wird vom Forum aus sämtliche Funktionen miteinander verbinden und als Zentrum der Kommunikation dienen.

Jedes Treppenhaus fungiert außer als Fluchtweg zusätzlich als interne Wegeverbindung im schulischen Alltag mit jeweils besonderer Funktion: als "Bühnentreppe", als Zugang in die "Katakomben" der Dreifachsporthalle, als Weg für Küchenpersonal und Verwaltung oder als geschützter Pfad in das Selbstlernzentrum für die Primarstufe.

Aula und Mensa sind samt Küche und Bühnenhaus als eine räumliche Einheit konzipiert, was als zweigeschossiger Baustein innerhalb des Gebäudes sichtbar werden wird. Sie lassen sich mittels einer mobilen Trennwand in zwei gleich oder unterschiedlich große Teilräume separieren oder wahlweise für größere Veranstaltungen vollständig öffnen. So entsteht eine multifunktionale Schul-Theaterbühne samt Maske und Backstage-Bereich, die auch externen Nutzern für Veranstaltungen sowie für kulturelle und gesellschaftliche Events offen steht. Eine eingezogene Empore oberhalb der Essensausgabe soll im Schulbetrieb als Speisebereich und kleine "Mitmach-Lehrküche" der Primarstufe dienen. Generell können alle Bereiche, die unterschiedlichen Nutzergruppen zugeordnet sind (Sport, Seminarräume, Aula, Mensa), auch zu unterschiedlichen Zeiten für außerschulische Veranstaltungen unabhängig genutzt werden.

Erschließung des Geländes mit zwei "Kiss-and-go-Zonen"

Es werden zwei so genannte "Kiss-and-go-Zonen" für das Bringen und Abholen von Schülerinnen und Schülern eingerichtet. In Richtung stadtauswärts wird diese entlang der Vogelsanger Straße in direkter Nähe zum Haupteingang der Schule liegen. Hier wird der Wartebereich vor dem Gebäude entlang der Straße betont großzügig ausgelegt sowie dafür gesorgt, dass diese beim Verlassen der Schule nicht unmittelbar in Richtung Straße laufen. Eine weitere liegt stadteinwärts in der Heliosstraße. Beide Zonen dienen ebenfalls dem Bring-und Holverkehr von Mobilitätseingeschränkten oder anderen begleitungsbedürftigen Personen.

Überdachte Fahrradstellplätze mit direktem Zugang zur Eingangshalle wird es an der nord-westlichen Seite des Gebäudes geben. Weitere Fahrradstellplätze - insbesondere für den Primarbereich - werden entlang des Eingangs an der Vogelsanger Straße zum Platz angeordnet, der später öffentlich zugänglich sein wird. Die nicht-öffentliche Tiefgarage mit 39 Pkw-Stellplätzen wird von der Vogelsanger Straße in ausreichender Entfernung zum Kreuzungsbereich Gürtel erreichbar sein. Dort befinden sich auch weitere Stellplätze für Zweiräder, die über eine gesonderte Stufenrampe gefahrlos erreicht werden können.

Pädagogisch-konzeptionelle Besonderheiten

2008 als pädagogische Idee auf Initiative von Studierenden entwickelt, ist mit den Helios-Schulen ein besonderes Konzept entstanden, das mit der Realisierung auch baulich sichtbar wird. Hierbei hat es eine breite Beteiligung aus der Bürgerschaft (unter anderem durch die Bürgerinitiative Ehrenfeld) gegeben sowie Beratung und Unterstützung durch die Montag-Stiftung Jugend und Gesellschaft (Pädagogik) sowie durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Nachhaltigkeit). Der Schulgründungsprozess wurde von einem breiten gesellschaftlichen Umfeld aus Schule, Anwohnern, einem wissenschaftlichen Team um Professor Dr. Kersten Reich, der Montag-Stiftung Jugend und Gesellschaft sowie der Stadt Köln und dem Rektorat der Universität kontinuierlich in gemeinsamen Beratungen und Planungen mitgestaltet. Als Teil der Kölner Schullandschaft sollen die Helios-Schulen, in denen auch Räume für die Studierenden eingeplant werden, eine Vorbildschule sowohl für die Inklusion als auch die lebensnahe Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern in Köln werden.

© Stadt Köln
Baugelände Heliosschule
© Schilling Architekten
Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit