Werk war prägend für die fotohistorische Entwicklung

Peter H. Fürst ist am 12. Januar 2018 nach kurzer, schwerer Krankheit in seiner Wahlheimat Köln verstorben. Der in Österreich geborene Fotograf wurde 84 Jahre alt.

Peter H. Fürst schenkte dem Rheinischen Bildarchiv der Stadt Köln 2002 und 2014 die drei Serien "Porträts Kölner Persönlichkeiten". "70 Fotografien" (1987), "berufen und gewählt" (1992) und "Fotografien aus der Kultur Welt Köln" (1995). Die Schenkungen dieser unabhängig von seinen Auftragsarbeiten in den Bereichen Werbe- und Modefotografie entstandenen fotografischen Porträtwerke umfassen neben Vergrößerungen, Filmen und Kontaktbögen weitere Zeugnisse, die in ihrer Vollständigkeit einen fotohistorisch sehr dichten Zugang zum Schaffensprozess und den Werken ermöglichen. Konzepte, Briefwechsel, Pressemitteilungen und -artikel sowie Protokolle der Porträtsitzungen dokumentieren nicht nur die fotografischen Prozesse, sondern auch die Beschäftigung mit aktuellen fototheoretischen Werken. 2016 wurde eine Auswahl aus der Schenkung in der Ausstellung "Fotografien für Köln und die Welt. 90 Jahre Rheinisches Bildarchiv" als eine der fotografischen Positionen zum Thema Porträt präsentiert.

Die Mode- und speziell die Dessous-Fotografie entwickelte sich seit Anfang der 1970er Jahre zum Schwerpunkt des fotografischen Werks von Peter H. Fürst. Durch seinen sensiblen Umgang mit diesem leicht anrüchig wirkenden Themenbereich erreichte Fürst eine neue Bildsprache. Seine Modelle sind zwar bis auf die Dessous entkleidet, wirken jedoch durch selbstbewusste Posen, ungewöhnliche Ortswahl und Bildzitate aus Kunstwerken, insbesondere der Neuen Sachlichkeit, nicht entblößt.

Neben seinen zahlreichen Auftragsarbeiten schuf er unabhängige Werke wie die Serie "Die sieben Gesichter einer Frau" (1971) oder das erste europäische Poster eines völlig nackten Mannes, für das die Aufnahme bereits 1968 entstand. Seine bekannteste Fotografie "Danielle im schwarzen Dessous (Hommage an Anton Räderscheidt)" von 1983 war ursprünglich eine Auftragsarbeit für die Firma Gossard, wurde dann aber, nachdem sie als solche international Anerkennung gefunden und sich international mehrere tausend Mal als Plakat verkauft hatte, 1989 als fotografisches Werk in die Sammlung des Kölner Museum Ludwig aufgenommen (Inv.-Nr. ML/F 1989/0181).

2002 löste Fürst mit 63 Jahren nach knapp fünf Jahrzehnten Tätigkeit als Fotograf sein Kölner Fotostudio in der Friesenstraße 50 auf und gründete das Photographische Archiv Peter H. Fürst in Köln. Sein Archiv umfasst nach eigener Schätzung etwa 80.000 Fotografien zu den Themen Beauty, Fashion und Dessous von 1960 bis 2000 sowie freie Werke.

Am 12. Januar 2018 ist Peter H. Fürst nach kurzer, schwerer Krankheit in seiner Wahlheimat Köln verstorben. Sein Galerist und Erbe Marc Boucherie wird sein Archiv professionell weiterführen. Bereits in den 1980er Jahren nahm das Museum Ludwig Schlüsselwerke in seine Fotosammlung auf. Mit der Abgabe der ausgewählten analogen Bildmaterialien an das Rheinische Bildarchiv oder auch digitaler Materialien an das virtuelle Archiv der Fotografen der Deutschen Fotothek Dresden ist sichergestellt, dass ein freier Zugang für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung besteht und eine Wahrnehmung seines Werks als fotografische Kulturleistung stattfinden kann.

Mehr Informationen zu Peter H. Fürst Deutsche Fotothek: Peter H. Fürst Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit