Museum Ludwig präsentiert zum Jubiläum die Geschichte der Auszeichnung

Nun steht es fest: Der Künstler Kerry James Marshall, 1955 in Birmingham im US-Bundesstaat Alabama geboren, erhält am 12. April 2014 um 19 Uhr im Museum Ludwig den 20. Wolfgang Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst. Wieder war es der Gesellschaft möglich, gemeinsam mit dem Museum Ludwig ein Gemälde des Künstlers zu erwerben. Anlässlich des Jubiläums ist eine Auswahl an Werken der bisherigen Preisträger im Kontext der Sammlung zu sehen. Auch dieses Jahr unterstützt die Bank Julius Bär den Abend der Preisverleihung und den entsprechenden Katalog.

In der Auswahlrunde saßen Dr. Philipp Kaiser, Direktor des Museum Ludwig, und die Gastjurorin Elena Filipovic, Kunstkritikerin und Senior Curator am WIELS Contemporary Art Centre in Brüssel. Außerdem gehörten die Vorstandsmitglieder der Gesellschaft für Moderne Kunst der Jury an, der Vorsitzende Enno Scholma sowie Gabriele Bierbaum, Sabine DuMont Schütte, Jörg Engels und Robert Müller-Grünow.

Kerry James Marshall widmet sich in seinen Gemälden, Skulpturen und Objekten der afro-amerikanischen Identität. In all seinen Werken spielt die Biographie des Künstlers eine entscheidende Rolle: Aufgewachsen in unmittelbarer Nähe zum Sitz der Black Panthers erlebte er historische Momente der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren. Bereits als Kind entschied er sich, Künstler zu werden und studierte am Otis Art Institute in Los Angeles. Den Kern seiner Gemälde, die vom Spannungsfeld zwischen Realismus und Abstraktion geprägt sind, bilden Alltagsszenen. Bei seinen Darstellungen greift Marshall häufig auf die Bildsprache der zeitgenössischen Popkultur zurück.

Den jahrhundertlangen Rassismus gegenüber der schwarzen Bevölkerung in den USA und seine bis heute spürbaren Konsequenzen thematisiert er in seinem Werk auf unterschiedlichste Weise. So setzt sich Marshall beispielsweise in der Bilderserie "The Garden Project" von 1995 mit Wohnraumkomplexen auseinander, die die US-Regierung in den 1960er Jahren für die afro-amerikanischen Bürgerinnen und Bürger errichtet hat. Diese Orte, die als gefährlich und heruntergekommen galten, zeigt er hier von einer ganz anderen Seite, denn Marshall weiß, dass dort ebenso viel Hoffnung, Freude, Vergnügtheit und Spaß existieren. Der Künstler, seit 1999 Ehrendoktor des Otis Art Institute in Los Angeles, war bereits 2003 bei der Biennale in Venedig und an der Documenta X und XII beteiligt. Er ist in bedeutenden internationalen Museen vertreten, darunter dem Museum of Modern Art in New York und dem Art Institute of Chicago. In europäischen Museumssammlungen trifft man ihn dagegen bisher kaum an. Aktuell ist das Werk von Kerry James Marshall in einer umfassenden Einzelausstellung mit dem Titel "Painting and Other Stuff" zu sehen. Die Ausstellung entstand in Kooperation des Museum van Hedendaagse Kunst in Antwerpen (MHKA) und der Kunsthal Charlottenborg in Kopenhagen und ist dort vom 27. Februar bis zum 4. Mai 2014 zu sehen.

Dr. Philipp Kaiser, Direktor des Museum Ludwig, lobt Marshalls künstlerische Praxis, die sich mit der Konstruktion von Identität, mit Klischees und Stereotypen befasst und stets versucht der führenden visuellen Kultur des Westens mit Bestimmtheit entgegenzutreten. Die Stärke seines Werkes liegt in seinen Augen darin, dass die Auseinandersetzung mit der afro-amerikanischen Repräsentation die Betrachterinnen und Betrachter mit historischen Referenzen konfrontiert und gleichzeitig jedes vermeintliche Wissen aufwirft. Auch Gastjurorin Elena Filipovic sieht in Marshall einen scharfsinnigen Gesellschaftskritiker:

Er hat ein kompromissloses Werk geschaffen, das eng mit dem Medium Malerei verbunden ist und darüber hinaus Collage, Bildhauerei, Animation und Video umfasst. Seine Malerei sieht sich nicht nur tief mit der Tradition des Genres verbunden, sondern bezieht sich auch leidenschaftlich auf die Gegenwart - auf deren soziale Ungerechtigkeiten, Rassenbeziehungen, Machtverhältnisse und politische Realitäten. Kennzeichnend für sein Werk ist die Erforschung der afro-amerikanischen Kultur. Es ruft dazu auf, das in der Kunstgeschichte so lange ignorierte schwarze Subjekt darzustellen. Die Jury des Wolfgang Hahn-Preises ist stolz darauf, diesen afro-amerikanischen Künstler auszeichnen zu dürfen, dessen Werk für eine der engagiertesten Positionen in der zeitgenössischen Malerei steht.

Auch Enno Scholz, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für Moderne Kunst, freut sich, dass der Preis dem Künstler den Eingang in die Sammlung des Museum Ludwig ermöglicht.

1994 benannte die Gesellschaft für Moderne und Kunst den mit damals 100.000 DM dotierten Preis für zeitgenössische Kunst nach dem 1924 geborenen Wolfgang Hahn. Dieser war nicht nur Gründungs- und Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig sowie Gemälde- und Chefrestaurator des Wallraf-Richartz-Museums und des Museum Ludwig, sondern auch Sammler. Er begann, sich in den 1950er Jahren mit der aktuellen Kunst auseinanderzusetzen und eine Sammlung aufzubauen, die er in den 1960er Jahren mit Objekten der Künstler der europäischen Fluxus- und Happeningbewegung sowie des Nouveau Réalisme ergänzte.

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