Neun Klimazonen und höchste Energieeffizienz

Eine hochkomplexe Gebäudetechnik sorgt für neun verschiedene Klimazonen, um für alle Archivalien optimale konservatorische Bedingungen sowie höchste Energieeffizienz zu gewährleisten. Zu dem speziell für diesen Sonderbau entwickelten Energiekonzept gehört neben Fernwärme und Photovoltaik ein eigener Eisspeicher, eine Brunnenkühlung, eine Wärmepumpenanlage und eine Hüllflächentemperierung. Das Klimakonzept wurde speziell für den Sonderbau entwickelt. Neun Klimazonen im Gebäude stellen optimale konservatorische Bedingungen für die unterschiedlichen sensiblen Archivalien und Fotografien sicher. 

Das Klimakonzept

© Rheinisches Bildarchiv Köln
Nahaufnahme der Fassade aus Baubronze mit ihren tiefen Lamellen, die als feststehender Sonnenschutz fungieren.

Ein weiterer Trumpf des Energiekonzepts ist die Brise Soleil Fassade. Dabei handelt es sich um einen feststehenden baulichen Sonnenschutz, der im Sommer die Räume hinter seinen Lamellen bei hochstehender Sonne beschattet. Im Winter, bei tiefstehender Sonne, sorgt er für maximalen Lichteinfall. Je mehr ein Gebäude vor Sonneneinstrahlung geschützt ist, desto weniger Energie muss aufgewendet werden, die Räume herunter zu kühlen. Je mehr Licht sogar im Winter einfällt, desto weniger muss Kunstlicht zugeschaltet werden. Die Fassadenkonstruktion ermöglicht es somit, die hohen Anforderungen an das Raumklima einzuhalten und den haustechnischen Aufwand zu reduzieren. Sie ist damit im besten Sinn nachhaltig und wirtschaftlich.    

Die Klimatechnik kommt mit sehr geringen Luftmengen zurecht und reguliert Beheizung, Be- und Entfeuchtung sowie Kühlung für die unterschiedlich sensiblen Archivalien und Fotografien,

erklärt Birgit Grunert-Schmitz, Architektin und stellvertretende Projektleiterin in unserem Haus.

Der Neubau insgesamt

Damit ist unter unserer Leitung Europas modernstes kommunales Archiv entstanden, in dem das Historische Archiv und das Rheinische Bildarchiv ihre neue Heimat finden. Nach den Plänen des Architekturbüros Waechter + Waechter Architekten aus Darmstadt umrahmt eine dreigeschossige Mantelbebauung das sechsgeschossige Magazingebäude im Inneren. Es wird auch Schatzhaus genannt und beinhaltet mit seinen Magazinen die Archivalien und Fotografischen Sammlungen. Auf einer Gesamtfläche von etwa 8.800 Quadratmetern stehen mehr als 50 Regalkilometer für das Archivgut zur Verfügung. Darüber hinaus sind mehr als 150 hochfunktionale Arbeitsplätze entstanden. Im öffentlichen Lesesaal stehen 45 Plätze für die Arbeit mit Archivgut zur Verfügung.

Neun Klimazonen für den Archiv-Neubau am Eifelwall

© Stadt Köln
Der Rundbau wird unter dem Fußboden des künftigen Innenhofs verschwinden

Eine für uns bislang einzigartige technische Gebäudeausstattung haben wir im November 2017 auf der Baustelle vorgestellt: einen Eispeicher, der als ein Teil des Energiekonzepts für optimale klimatische Verhältnisse in den Archiven sorgen wird.

Das Bauwerk war nur kurze Zeit sichtbar und verschwand bald unter einer Betondecke des künftigen Innenhof-Bodens.

Das Konzept verbindet eine neu gebaute Brunnenanlage, eine Wärmepumpe und einen Eisspeicher auf dem Grundstück des Neubaus mit einer raumlufttechnischen Klimaanlage (RLT) und stellt damit neun Klimazonen sicher, die für die unterschiedlich sensiblen Archivalien und Fotografien vonnöten sind.

Darin bestand die besondere Herausforderung für den Planer der Gebäudetechnik, die agn Niederberghaus & Partner GmbH, der speziell für den Eifelwall ein energieeffizientes Klimakonzept entwickelte, das zwei Anforderungen gerecht wird: den "geschlossenen", Tresor-ähnlichen Archivbereichen zur Aufbewahrung und Wiederherstellung beschädigter Archivalien einerseits sowie Fotografien und Büchern andererseits sowie als auch den "offenen" Flächen wie Büros, Labor-, Werkstatt- und Leseräumen.

Wie funktioniert der Eisspeicher? Die Brunnenanlage fördert etwa 13 Grad warmes Grundwasser, das im Winter als weitere Wärmequelle dient. Im Sommer kann dieses Grundwasser ohne weiteren Maschineneinsatz die Hüllflächen des Magazins sowie die Flächenkühlsysteme im Mantelbau kühlen. Die äußeren Decken und Wände des künftigen Magazinbaus (Hüllflächentemperierung) werden ähnlich einer Fußbodenheizung klimastabil gehalten. Damit wird die Raumtemperatur konstant gehalten. Im Mantelbau wird die Energie zusätzlich in Rohrsystemen über die Betondecken (Betonkernaktivierung) verteilt.

Der Eisspeicher ist ein mit Wasser gefüllter Behälter im Erdreich mit einem Fassungsvermögen von 400.000 Litern. Er hat einen Außendurchmesser von 16,54 Metern. Die Wärmepumpe entzieht dem Wasser Wärme, die über die Lüftungsanlage in die Wände geleitet zum Heizen genutzt werden kann. Das Eis dient der Kühlung. Beides kann über Monate gespeichert oder auch kurzfristig bereitgestellt werden. So kann schnell auf kleinste Temperatur- und Feuchtigkeitsveränderungen reagiert werden, die etwa durch Beleuchtung oder den Betrieb von Geräten in "ruhenden" Bereichen entstehen können. Sowohl Eisspeicher als auch Wärmepumpe werden durch den Brunnen mit geothermischer Energie, also einer regenerativen Quelle gespeist.

Dies ist sowohl aus ökologischen wie wirtschaftlichen Aspekten sinnvoll,

erklärt Birgit Grunert-Schmitz.