Finale Konzepte für den Umbau Petershof vorgestellt

Der Petershof im Herzen von Müngersdorf ist ein ganz besonderes Objekt in unserem Eigentum mit außergewöhnlich viel Geschichte, Charme und Potenzial. Bei ihm handelt es sich um einen der wenigen erhaltenen Vierkanthöfe in Köln. Er wurde 1896 als geschlossene Hofanlage errichtet. Die ehemalige Eisenschmiede, Sattlerei und Schlosserei sind heute noch sichtbar. Der Petershof liegt direkt an der Belvederestraße, dem Lövenicher Weg, der Straße Am Petershof und einer angrenzenden Privatbebauung.

Das gesamte grüne Areal der historischen Anlage bemisst rund 6.500 Quadratmeter. Der Hof steht seit 1980 unter Denkmalschutz.

Wie soll der Petershof in Köln-Müngersdorf genutzt werden?

© Thomas Banneyer

Mit dieser Frage haben sich in den vergangenen Wochen 45 Bürgerinnen und Bürger, weitere Interessenten sowie potenzielle Nutzerinnen und Nutzer im Rahmen der Ideenschmiede zum Erhalt der historischen Hofanlage beschäftigt. Das Stadtplanungsbüro Luchterhandt, das die Bürgerbeteiligung in unserem Auftrag moderierte, hat versucht, alle Wünsche in nunmehr zwei finalen Varianten zusammenzufassen und hat diese der Öffentlichkeit in der Abschlussveranstaltung am 11. April 2018 vorgestellt. Zwei Konzeptvarianten werden nun weiter verfeinert, geprüft und der Politik zur Entscheidung vorgelegt.

Mehr Arbeiten ...

Das erste Konzept für die künftige Nutzung der 6.500 Quadratmeter großen Anlage mit derzeit 3.549 Quadratmetern Nutzfläche hat den Schwerpunkt Arbeiten. Es sieht neben 1.313 Quadratmetern zur rein privaten Nutzung mit Wohnen in Stadthäusern, Pflegeeinrichtungen sowie gemeinschaftlichen Wohnprojekten eine vierzügige Kindertagesstätte mit 1.012 Quadratmetern vor. Daneben sollen 494 Quadratmeter der Unterbringung von Verkaufsflächen wie einem Hofladen sowie 457 Quadratmeter der Belegung mit Loftbüros, produktivem Gewerbe und Werkstätten dienen. 

Weitere 273 Quadratmeter könnten multifunktional für Gruppenräume, einen Veranstaltungssaal, Lager, Büros, Ateliers, eine Selbsthilfe-Werkstatt sowie eine Küche genutzt werden. Letztere Fläche ließe sich sogar noch verdoppeln, wenn in diesem Bereich (ehemalige Scheune mit derzeit freiem Blick auf den Dachstuhl) in Abstimmung mit dem Denkmalschutz eine Zwischendecke eingezogen werden könnte, wodurch aus einem Geschoss zwei werden würden. 

© Thomas Banneyer

... oder mehr Wohnen?

Das zweite Konzept hat den Schwerpunkt Wohnen. Es sieht mit 1.762 Quadratmetern entsprechend mehr Fläche vor, die rein privat genutzt würde. Vorschläge aus der Ideenschmiede beinhalteten zur Ausgestaltung ein Baugemeinschafts-Konzept, Mehrgenerationen-Wohnen, Loft-Wohnen, barrierefreies Wohnen ebenso wie einfaches Etagenwohnen. Die vierzügige Kindertagesstätte würde in dieser Variante 883 Quadratmeter Platz einnehmen. Diese Quadratmeterzahl könnte jedoch ebenfalls mit einem zusätzlichen Zwischengeschoss verdoppelt werden.

Platz für Gewerbe gibt es hier "nur" auf 232 Quadratmetern. Die Flächen für publikumsbezogene Nutzungen bemessen lediglich 378 Quadratmeter und würden neben einem Hofladen einen Begegnungsraum beheimaten. Die Flächen, die multifunktional genutzt würden, wären 378 Quadratmeter groß und würden - wie im ersten Konzept - Gruppenräume für wechselnde Nutzerinnen und Nutzer, einen Veranstaltungssaal, Lager, Büros, Ateliers, einer Selbsthilfe-Werkstatt sowie einer Küche Platz bieten können.

In der Runde wurden zum Abschluss der Ideenschmiede noch einmal der drängende Wunsch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer laut, dass der entstehende Wohnraum, in welcher Form auch immer, nicht verkauft wird, sondern "bezahlbar wird und bleibt". Daniel Luchterhandt als Moderator wird alle Bedenken in seinem Abschlussbericht für uns mit aufnehmen. Auf dieser Grundlage werden wir die beiden Konzepte nun vertiefen und weiter prüfen. Dabei geht es um die konkretere bauliche Umsetzbarkeit, aber auch Themen wie Denkmalschutz, Erschließung sowie Punkte wie ruhender Verkehr.

Das ist eine Vision für die Politik,

sagte Luchterhandt über das Engagement und die Ergebnisse der Ideenschmiede. Die wertvollen Ideen-Sammlungen werden nun unser Programm und Leitbild für die nun folgenden Vertiefungen sein, für die Entscheidungen in der Politik sowie den anschließenden Planungsprozess.

Unser Ziel ist es, bis Ende 2018 den Gremien auf der Grundlage der bürgerschaftlichen Ideen eine entsprechende Vorlage zur Entscheidung bringen zu können. Wir danken allen, die sich so toll und engagiert eingebracht haben, für ihr Engagement.

Die Ideenschmiede

Insgesamt rund 130 engagierte Bürgerinnen und Bürger hatten sich, begleitet vom Büro Luchterhandt, im Rahmen der Bürgerbeteiligung "Ideenschmiede" mit Ideen zur künftigen Nutzung eingebracht. Nach einer ersten Ortsbegehung am 13. Januar 2018 folgten Workshops, in denen Bürgerinnen und Bürger viele Ideen zur künftigen Nutzung einbrachten.

Von der Kita bis zum Hospiz - so weitreichend waren die Ideen der Bürgerinnen und Bürger, die an der Ideenschmiede teilgenommen haben.

Bei der zweiten öffentlichen Veranstaltung hatten sich die 45 aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Grundlage von ursprünglich sieben Varianten auf gemeinsame Nenner und Werte verständigt. Es kristallisierten sich so vier Konzeptvarianten mit unterschiedlichen Schwerpunkten heraus: "Wohnvielfalt mit eher privaten Nutzungen" mit räumlichem Fokus auf dem so genannten "Weißen Haus", dem ehemaligen Herrenhaus sowie dem Kutscherhaus, "Kindertagesstätte" mit räumlichem Fokus auf das Stallgebäude, "Begegnung/(halb-)öffentliche Nutzungen" im Stall, in der Scheune und in Teilen der Schmiede sowie "weitgehende öffentliche Erdgeschossnutzung und überwiegend private Nutzung" über alle Gebäudeteile hinweg.

Bestandteil aller Konzepte war, dass wieder eine Kindertagesstätte im Hof angesiedelt werden soll. Aber auch der Wunsch nach einem Hospiz kam auf. Neben öffentlichen Angeboten, die der Versorgung und Dienstleistung dienen, sollten auch solche mit sozialem Charakter entstehen. So wünschten sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch barrierefreies Mehrgenerationen-Wohnen in Teilen der Erdgeschossbebauung rund um den Hof, dessen Charakter als "Dorfplatz" nach Möglichkeit erhalten bleiben soll.

Auch gemeinschaftliches Gärtnern mit Kindern und Seniorinnen und Senioren stand neben der Ansiedlung eines Hofladens oder eines Cafés mit ganz oben auf der Wunschliste. Daneben wurden die Ideen für einen Bouleplatz oder einen Streichelzoo laut. Ebenso wurden die Ansiedelung von Ateliers sowie einer Stadtteilbibliothek geäußert.

Das begleitende Büro Luchterhandt hatte bis zur abschließenden Ideenschmiede am 11. April 2018 zwei Konzeptvarianten erarbeitet und dort vorgestellt.

Bisherige Nutzungen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Kölner Bankier Ernst Koenigs Eigentümer. Der Hof wurde zu dieser Zeit immer auch landwirtschaftlich betrieben. Mehrere Jahre wohnte Graf Adelmann von Adelmannsfelden dort, der von 1922 bis 1926 Regierungspräsident von Köln war. Nach seinem Tod wohnte seine Witwe dort. Die Landwirtschaft wurde eingestellt und es folgte eine gemischte Nutzung des Hofes für Wohnen und Gewerbe. Mit ihren Gewerben waren ein städtischer Architekt, ein Bäcker, ein Sattler sowie ein Gärtner hier ansässig. Die Kriegszerstörungen hatten zur Folge, dass das Hauptgebäude des Petershofes, auch Herrenhaus genannt, nach 1945 als provisorische Volksschule und danach als Kindertagesstätte diente.

In den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden und Stallungen am anderen Ende des Hofes befand sich ein Betriebshof mit Schlosserei des Amtes für Landschaftspflege und Grünflächen. Dieser wurde im Dezember 2007 geschlossen. Die bis dato dort betriebene Schlosserei wurde mit den anderen Betriebsstätten des Amtes zwecks Optimierung der Betriebsabläufe an einen neuen Standort im Rechtsrheinischen zusammengelegt. Die Nutzung des Herrenhauses als Kindertagesstätte wurde im Juni 2015 aufgrund von Brandschutzmängeln aufgegeben.

Die Geschichte des Petershofes

Ursprung im 16. Jahrhundert

Die Geschichte Müngersdorfs ist auf das Engste mit der seiner Höfe verbunden. Der heutige Petershof wurde 1896 als Nachfolgeanlage des älteren Petershofes, der an der Wendelinstraße 67 lag, errichtet. Der Ursprung dieses Ur-Petershofes reicht vermutlich bis in das 16. Jahrhundert zurück und befand sich bis zur Säkularisation als Pachthof im Besitz des Stiftes St. Aposteln. Nach einer kurzen Phase als preußische Domäne ging der Petershof 1820 erstmals in privaten und 1923 schließlich in unseren Besitz.

Heute ist er einer von nur wenigen erhaltenen Vierkanthöfen in Köln. Das gesamte Areal des historischen Bauernhofes umfasst 6.500 Quadratmeter, die Nutzfläche der Gebäude beträgt rund 2.500 Quadratmeter. Sein zweigeschossiges Herrenhaus liegt erhöht über dem Straßenniveau. Der Zugang zu dem imposanten Backsteingehöft durch die Ziegelmauer und über eine Treppe verleiht dem schlichten Haus etwas Herrschaftliches. Der Hof ist umgeben von einer hohen, original erhaltenen Einfriedungsmauer aus Ziegelstein mit schmiedeeisernem Tor. Sie hat ebenfalls eine ortsbildprägende Funktion.

Der Hof und die umgebende Ziegelmauer stehen seit 1980 unter Denkmalschutz. Die Mauer wurde im Jahr 2015 von uns generalinstandgesetzt. Im Juni 2013 erklärte der Regionalverband Köln des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz den Petershof insgesamt  zum "Denkmal des Monats".

Kontakt

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Gebäudewirtschaft der Stadt Köln