Ihr Schreiben vom 7. Janaur 2013 zum Hubschraubersonderlandeplatz in Köln-Buchforst

In Ihrem Schreiben vom 7. Janaur 2013 baten Sie um Stellungnahme zu dem Anschreiben von Herrn Bruno Peters (vom 20. Dezember 2012 im Namen der Bürgerinitiative Kalkberg) zur Luftrechtlichen Genehmigungssituation für die Rettungshubschrauberstation auf dem Kölner Kalkberg. Dabei soll auf die beiden Aspekte "Planung der neuen Wohngebiete in der Umgebung des Landeplatzes, die möglicherweise in den lärmgutachterlichen Berechnungen nicht berücksichtigt wurden" sowie "zu möglichen Änderungen bei der Zahl der prognostizierten Flugbewegungen" Bezug genommen werden.

Zu Ziffer 1.1 des Anschreibens

Zur "Planung der neuen Wohngebiete in der Umgebung des Landeplatzes, die möglicherweise in den lärmgutachterlichen Berechnungen nicht berücksichtigt wurden"

Die Wohngebiete in Kalk-Nord auf dem Gelände der ehemaligen Chemischen Fabrik Kalk (CFK) liegen südlich eines Gewerbegebietes an der Istanbulstraße. Es handelt sich um Häuser entlang der Corkstraße, Barcelona Allee und Thessaloniki Allee rund um den Bürgerpark Kalk ("Quartier Colonia"). Diese Wohnbebauung war bei Erstellung des "Luftrechtlichen Eignungsgutachten" vom 20. November 2004 ebenso wie bei der "Schalltechnischen Untersuchung über die Lärmimmissionen durch einen Hubschrauberflugplatz am geplanten Betriebsstandort des Rettungshubschraubers Christoph 3 und des Intensivtransporthubschraubers Christoph Rheinland auf dem Kalkberg in Köln-Kalk nördlich der Stadtautobahn B 55a" mit Planungsstand 22. Februar 2005 noch nicht vorhanden. Daher finden diese Bebauungen keine Erwähnung in beiden Gutachten.

Das Kriterium Lärm wurde in der Bewertungsmatrix des Ratsbeschlusses in einem 300 Meter-Radius um den geplanten Standort berücksichtigt. Die dem Kalkberg räumlich nächstgelegene Bebauung, die erst nach dem Ratsentscheid für den Standort Kalkberg am 5. Juli 2005 2005 im Bereich der ehemaligen CFK errichtet wurde, ist mehr als 500 Meter Luftliniendistanz entfernt (Corkstraße). Somit ist die neue Bebauung (mit einer größer als 300 Meter betragenden Distanz) hinsichtlich der Lärmbewertung in der Matrix und damit auch für die Standortentscheidung nicht relevant. 

Das "Quartier Colonia" liegt deutlich weiter entfernt vom Kalkberg als die damals bereits vorhandene Wohnbebauung an der Kalk-Mülheimer Straße, der Karlsruher Straße sowie Im Bischofsacker. Diese näher gelegene (Alt-)Bebauung wird in Tabelle 6 auf Seite 19 der Schalltechnischen Untersuchung (neben weiter entfernten Standorten in der Stegerwaldsiedlung, in Deutz oder in Kalk) betrachtet. Zusammenfassend ist selbst "... an diesen Orten kein medizinisch begründeter Gefährdungsbereich gegeben." 

Gemäß einer Einschätzung des Lärmgutachters Dr. Pook/ADU cologne Institut für Immissionsschutz GmbH ist (ohne detaillierten Nachweis aus Anlass eines Telefonates am 22. Janaur 2013) ausweislich der Lärmkarte (siehe Anlage 4 der Schalltechnischen Untersuchung vom 22. Mai 2005) die Lärmbelastung aus Hubschrauberflug um mindestens 5 dB(A) geringer als in unmittelbarer Nähe des Kalkberges (zum Beispiel im Wohnbereich Im Bischofsacker). Wenn im damaligen Genehmigungsverfahren für die (bestehende) Wohnbebauung unmittelbar am Kalkberg weder eine unzulässige Lärmbelastung, geschweige denn eine Gesundheitsgefährdung attestiert wurde, muss diese Einschätzung um so mehr auf die hier in Rede stehende neue Wohnbebauung in größerer Entfernung zum Kalkberg zutreffen.

Der Gutachter weist zusätzlich darauf hin, dass konkrete Lärmmessungen im Rahmen des Hubschrauberprobefluges am 25. November 2011 die (zur sicheren Seite hin) geschätzten Lärmprognosen aus dem Jahr 2005 zum Teil erheblich unterschritten hätten. 

Zusammenfassend ist daher auch für diese neue Wohnbebauung eine erhebliche Lärmminderung gegenüber der unmittelbaren Nachbarschaft, sowohl aufgrund der Entfernung als auch der Lage außerhalb der An- und Abflugsektoren zu erwarten. 

Sofern Sie Bedarf sehen, kann der gutachterliche Beleg für diese Einschätzungen auch rechnerisch nachgewiesen werden.

Zu Ziffer 3 des Anschreibens

Zu "möglichen Änderungen bei der Zahl der prognostizierten Flugbewegungen"

Die Einsatzentwicklung in der Luftrettung unterliegt einem langfristigen zyklischen Verlauf, bei denen mehrere Abhängigkeiten wirken. Es handelt sich nicht um einen kontinuierlichen Anstieg. 

Die Gesamtzahl der Einsatzflüge sowie die Zahlen der lärmrelevanten Flüge seit 2008 sind in der nachfolgenden Tabelle dargestellt. 

Erläuterung: Die Gesamtzahl der Einsatzflüge umfasst die Alarmierungen von Luftrettungsmittel, denen Einsätze von mehr als 2 Minuten Dauer, unabhängig vom Startort, folgten. Damit umfassen diese Zahlen beispielsweise auch Folgeeinsätze, die bereits am letzten Einsatzort oder auf dem Rückflug übernommen wurden.

Die lärmrelevanten Flüge hingegen beginnen ausschließlich an der Betriebsstation und repräsentieren damit die Zahl der Flugbewegungen, die von den Nachbarn der Station als belastend empfunden werden könnten.

Hinweis: Andere Veröffentlichungen - zum Beispiel vom ADAC und rth.info - nennen die reinen Alarmierungszahlen, also auch solche "Einsätze", die noch vor Abheben des Hubschraubers abgebrochen wurden. Diese Zahlen sind daher stets größer als die Gesamtzahl der Einsatzflüge.

Luftrettungsmittel/Einsätze20082009201020112012
RTH, Gesamteinsätze mit einer Einsatzdauer von mehr als 2 Minuten1.3721.4941.5631.5191.552
ITH, Gesamteinsätze mit einer Einsatzdauder von mehr als 2 Minuten638765797778798
Summe von RTH und ITH, Gesamteinsätze mit einer Einsatzdauer von mehr als 2 Minuten2.0102.2592.3602.2972.350
RTH, lärmrelevant, da ab Betriebsstation1.1521.2551.3131.3111.361
ITH, lärmrelevant, da ab Betriebsstation536643669665679
Summe RTH und ITH, lärmrelevant, da ab Betriebsstation1.6881.8981.9821.9762.040

Für das Jahr 2012 waren insgesamt 2.040 Flüge lärmrelevant für die Betriebsstation der Luftrettungsmittel RTH Christoph 3 und ITH Christoph Rheinland - dies entspricht 11,1 Flugbewegungen (Starts und Landungen) pro Tag. 

In der Schalltechnischen Untersuchung wurde ein Wert von 10 Flugbewegungen zugrunde gelegt. Dieser Wert wird im Jahr 2012 mit 11,1 Flugbewegungen überschritten. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass die Schalltechnische Untersuchung eine "worst-case"-Berechnung darstellt. Das bedeutet, dass die prognostizierte Zahl von 1.800 Einsätzen (entsprechend 3.600 Flugbewegungen pro Jahr beziehungsweise gerundet 10 Flugbewegungen pro Tag) für jeden der vier Sektoren die Berechnungsgrundlage für den Dauerschallpegel darstellt. Aufgrund der zu erwartenden gleichmäßigen räumlichen Verteilung der Einsätze ist aber nur mit 25 bis 33 Prozent der Einsätze pro Sektor zu rechnen.

Ich hoffe, ich konnte mit diesen Ausführungen die offenen Fragen zur Planung der neuen Wohngebiete in der Umgebung des Landeplatzes sowie der Zahl der prognostizierten Flugbewegungen klären. Über eine Bewertung aus Ihrem Hause wäre ich sehr dankbar, zumal jede Verzögerung beim Ankauf, der Planung sowie der Ausführung zu Kostensteigerungen führen könnte.

Ich möchte Sie ferner darüber informieren, dass ich meine Stellungnahme im städtischen Internetauftritt veröffentlichen werde. Ihrer Bewertung möchte ich gerne, Ihr Einverständnis vorausgesetzt, ergänzend einstellen. 

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen
In Vertretung 
Guido Kahlen
Stadtdirektor