Historische Entwicklung

© Stadt Köln
Der Kalkberg im Höhenplan der Stadt Köln von 1925 bis 1930

Nach der Auswertung historischer Unterlagen ist das Gebiet des Kalkberges und Umgebung seit Ende des 19. Jahrhunderts durch industrielle Nutzungen geprägt. Unter Anderem sind Hinweise auf die "Kalker Maschinenfabrik AG", Schlinggruben, eine Kläranlage, einen Schlachthof, ein Steinsalzlager und eine Panzerreparaturwerkstatt zu finden.

Im Höhenplan von 1925 bis 1930 (Abbildung rechts) sind im Bereich des heutigen Kalkberges Senken oder Becken zu erkennen, die noch vor der Errichtung des Kalkberges verfüllt wurden. 

Der Kalkberg selber diente anschließend der Chemischen Fabrik Kalk (CFK) bis in den Zweiten Weltkrieg als Absetzbecken für Produktionsabwässer (Kalkmilch) - auf dem Luftbild (Abbildung rechts unten) zu erkennen - und bis Anfang der 1970er Jahre als Werksdeponie zur Ablagerung von Produktionsrückständen und Bauschutt aus Abrissmaßnahmen auf dem Werksgelände.

In den Jahren 1999 bis 2004 erfolgten Maßnahmen zur Herstellung der Standsicherheit der Südflanke des Kalkberges und zur Herstellung einer Oberflächenabdeckung zur Reduzierung von Schadstoffausträgen aus dem Kalkberg in das Grundwasser.

© HISTORIC ENVIRONMENT SCOTLAND - Freigabenummer IMSL-IR-83721
Luftbild des Kalkbergs 1941

Bei der Abflachung der Südböschung anfallendes Material wurde vor der Oberflächenabdeckung zur Profilierung des Kalkbergplateaus aufgebracht. In diesem Zusammenhang sind Aufschüttungen in einer Mächtigkeit von bis etwa 9 Meter auf dem Kalkberg erfolgt.

Die Maßnahmen wurden 1999 in einem Sicherungs- und Sanierungskonzept beschrieben und in einem Sanierungsvertrag zwischen dem Eigentümer GSE und der Unteren Bodenschutzbehörde der Stadt Köln vereinbart. 

Bei der Suche nach einem zentralen Rettungshubschrauberlandeplatz wurden zahlreiche Standorte im Stadtgebiet untersucht. Der Kalkberg wurde als der geeignetste Standort ermittelt und zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass

  • er zentral im Stadtgebiet liegt,
  • unabhängig von den jeweiligen Windverhältnissen über vier Sektoren angeflogen werden kann und
  • von diesem Standort aus mehrere Krankenhäuser an die Luftrettung angeschlossen werden können.

Auf Grundlage dieses Ergebnisses wurde der Standort Kalkberg durch Ratsentscheidungen in 2005 und 2011 für den Neubau der Rettungshubschrauberstation beschlossen.

Ab 2013 wurden Baumaßnahmen zur Herstellung der Rettungshubschrauberbetriebsstation, einer Aussichtsplattform und der hierfür erforderlichen Zufahrtsstraße durchgeführt. Im Zuge der Baumaßnahmen für die Aussichtsplattform traten 2015 Setzungen des Gebäudes auf. Seit dem 15. Dezember 2015 gilt ein vom Stadtrat beschlossener Baustopp für das Gebäude der Rettungshubschrauberstation.

Der beauftragte Bausachverständige stellte Anfang 2016 nach Untersuchungen fest, dass zum einen der Baugrund auf Laständerungen mit Verformungen reagiert und es zum anderen auch Standsicherheitsdefizite in Teilbereichen der Ost-, West- und Nordböschungen gibt.

Anfang 2016 wurde als Sofortmaßnahme das aufgeschüttete Bodenmaterial für den Aussichtspunkt wieder abgetragen. Die Setzungen im Untergrund konnten durch die Entfernung des Kuppenmaterials zum Stillstand gebracht werden. Seit Mitte 2016 finden die Baumaßnahmen zur Stabilisierung und Abdichtung der Haldenböschungen statt.

Am 20. März 2018 hat der Rat die Verwaltung mit Prüfung von drei Alternativstandorten zur Stationierung der Rettungshubschrauberstation durch einen externen Fachgutachter beauftragt.

Geologische - Hydrogeologische Rahmenbedingungen

Das natürliche geologische Umfeld des Kalkberges besteht aus Niederterrassensedimenten des Rheins, die aus bis zu 25 Meter mächtigen Kiesablagerungen mit vereinzelt eingeschalteten Sand und Schlufflinsen bestehen.  Der quartäre Grundwasserleiter zeichnet sich durch hohe Durchlässigkeiten aus. In geologischen Gutachten wird die Porendurchlässigkeit mit etwa 5 mal 10-³ Meter pro Sekunde angegeben. Die Mächtigkeit der grundwasserführenden Schicht beträgt etwa 15 Meter mit einem Flurabstand von 6 Metern. Den Abschluss des quartären Grundwasserleiters bilden tertiäre Sedimente.  

Das Grundwasser wird in der unmittelbaren Umgebung des Kalkberges nicht genutzt.

Vorliegende Untersuchungen

Der Kalkberg ist bei der Stadt Köln Umwelt- und Verbraucherschutzamt als Altlast mit der Nummer 80206 erfasst. Durch Bodenuntersuchungen wurde erstmals 1993 das Schadstoffinventar des Kalkberges erfasst. Zwischenzeitlich liegt eine Vielzahl von Untersuchungen vor.

Bodenuntersuchungen

Der Kalkberg kann hinsichtlich des Oberbodens und bis in Tiefen von etwa 10 Meter unter Geländeoberfläche als relativ gut erkundet bezeichnet werden. Festgestellt wurden im Wesentlichen Schwermetalle (insbesondere Arsen, Blei und Zink) und sehr vereinzelt polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Cyanide.

Die Untersuchungen des Materials, welches Anfang 2016 als Sofortmaßnahme von der Kuppe des Kalkberges umgelagert wurde, ergab Schadstoffgehalte, die die Kriterien zur Anlieferungen bei einer Deponie für nicht gefährliche Abfälle (Klasse I) einhalten.

Um zu prüfen, ob der Kalkberg für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, erfolgten 2012 die ersten Oberbodenuntersuchungen. Demnach lagen im Bereich der westlichen und nördlichen Böschungen Schwer- und Halbmetallbelastungen vor. Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Schadstoffe allerdings in einer für den Menschen nur gering verfügbaren Form vorliegen. Formal wurden die Kriterien für eine öffentliche Nutzung (Park- und Freizeitanlagen) eingehalten. Da jedoch die einschlägigen Prüfwerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung für Kinderspielflächen und Wohngebiete teilweise überschritten wurden und dieser Bereich in der direkten Nachbarschaft des Wohngebietes und eines Kinderspielplatzes liegt, wurde der Zaun an der Nordflanke instand gesetzt, um dauerhaft den Zutritt Unbefugter auf die Böschungsfläche zu verhindern.

Eine Gefährdung des Grundwassers durch die festgestellten Belastungen war hingegen nicht zu besorgen. Die Laboruntersuchungen der Bodenproben haben gezeigt, dass die Arsen- und Bleibelastungen nur gering löslich sind. Darüber hinaus zeigten die Grundwasseruntersuchungen im Abstrom des Kalkberges keine Hinweise auf Arsen- oder Bleibelastungen des Grundwassers. Ein Auswaschen bis in das Grundwasser wurde insofern ausgeschlossen.  

Eine Belastung der Nachbarschaft durch Verwehungen wurde vom Gutachter 2012 wegen des dichten Bewuchses der Flächen ausgeschlossen. Anfang 2016 erfolgte ein massiver Rückschnitt des Bewuchses der Böschungen des Kalkberges. Eine Verwehung und damit verbundene inhalative Aufnahme von Stäuben konnte nun bei windigen und trockenen Witterungsbedingungen nicht mehr ausgeschlossen werden. Es folgten daher 2016 Untersuchungen der relevanten Bodenfeinkornanteile, bei denen ebenfalls erhöhte Arsen- und Bleibelastungen festgestellt wurden. Um sowohl die inhalative als auch die orale Aufnahme zu unterbinden wurde das Gelände vor unbefugtem Zutritt gesichert und wird bei windigen, sehr trockenen Witterungsbedingungen befeuchtet. Die Maßnahmen zur Vermeidung von Staubverwehungen werden bis zum Abschluss der Haldenstabilisierung und damit der Abdichtung dieser Flächen weiterhin betrieben.

Mitte 2018 wurde der Oberboden der Grünflächen und Spiel- und Bolzplätze nordwestlich des Kalkberges untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass von den Böden der angrenzenden Freiflächen keine Gefahren bei der aktuellen sensiblen Nutzung ausgehen. Auch ist eine Schadstoffverfrachtung vom Kalkberg auf die benachbarten Flächen nicht feststellbar.

Tiefenbohrungen 2015/2016

© Institut Roger Grün GmbH
Kalkberg-Tiefenbohrung 2

Ende 2015 sind vier Tiefenbohrungen zur Ermittlung der bodenmechanischen Kennwerte für Standsicherheitsuntersuchungen am Kalkberg vorgenommen und bis in den natürlichen Boden unterhalb der Kalkbergauffüllungen niedergebracht worden.  

Das Umweltamt hatte Kenntnis von den geplanten Tiefenbohrungen. Es war vorgesehen, dass die Tiefenbohrungen auch für umwelttechnische Beprobungen und Fragestellungen genutzt werden. Aus nicht zu rekonstruierenden Gründen ist dies nicht erfolgt. Eine nachträgliche Analyse des noch vorhandenen Probenmaterials auf die umwelttechnisch besonders relevanten Cyanide war nicht mehr sinnvoll, da Cyanide lichtempfindlich sind.

© Daldrup & Söhne AG
Bohrungen 151207 B5 GWM

Zwei der Bohrungen (B2 und B4) waren laut Dokumentation unauffällig. In der sogenannten Bohrung B3 wurde ein übler Geruch festgestellt. Die Umweltverwaltung hat hierüber im April 2016 Kenntnis erhalten.  

In der sogenannten Bohrung B1 wurde in einer Tiefe von 36 bis 37 m unter Geländeoberkante eine Ölkontamination angetroffen. Im Juli 2016 ist in unmittelbarer Nähe zu der Bohrung B1 eine weitere Bohrung B5 niedergebracht worden. Auch bei der Bohrung B5 wurde unterhalb der Kalkbergauffüllungen im kiesigen Untergrund eine 1,2 Meter mächtige ölkontaminierte Schicht angetroffen.

Umfangreiche Grundwasseranalysen haben gezeigt, dass diese ölkontaminierte Schicht lokal begrenzt ist. Hinsichtlich Kohlenwasserstoffe und PAKs waren die Analysen im direkten Abstrom des Kalkbergs weitgehend unauffällig.

Aus den einzelnen Schichten der Bohrung B5 wurden 40 Proben gezogen und einem akkreditierten Labor für die Schadstoffanalyse übergeben. Bei den Analysen des Aufschüttungsmaterials, also den oberen 13,3 Metern, wurden in den Proben im Wesentlichen Schwermetallbelastungen und vereinzelt Cyanide und PAK in geringen Konzentrationen festgestellt.

Der Kalk, also der mittlere Teil der Bohrung, weist erwartungsgemäß hohe Chloridgehalte auf. In den Kalkproben wurden aber auch erhöhte Gehalte an Kohlenwasserstoffen, PAK und Schwermetallen (insbesondere Blei und Arsen) festgestellt. Die Analysen der Proben, die unterhalb des Kalkberges aus dem dort anstehenden kiesigen gewachsenen Boden gezogen wurden, sind überwiegend als unauffällig zu bewerten. Insgesamt vervollständigen und bestätigen die Analysen die bisherigen Erkenntnisse.

Die Bohrung B5 wurde als Grundwassermessstelle ausgebaut. Die Messstelle wird im Rahmen der regelmäßigen Grundwasseranalysen mit beprobt.

Grundwasseruntersuchungen

Der Schwerpunkt der Untersuchung des Kalkberges lag seit den 1990er Jahren bei Grundwasseruntersuchungen. Es wurde im Wesentlichen eine Aufsalzung des Grundwassers durch Chlorid festgestellt. Sämtliche Gutachten kamen damals  zu dem Ergebnis, dass vom Kalkberg dauerhaft keine signifikante Gefährdung ausgeht. Die genannten Gründe waren, dass damals keine Öffnung des Kalkberges für die Öffentlichkeit geplant war, dass die im Kalkberg festgestellten Schadstoffe nur schwer löslich sind und dass das Versickerungsvermögen an den steilen Böschungen eher gering ist.  

Die Grundwasserqualität wird seit 2011 kontinuierlich, seit 2014 im Rahmen einer Detailuntersuchung durch einen von der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Essen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für das Sachgebiet Gefährdungsabschätzung für den Wirkungspfad Boden-Gewässer sowie für Sanierung (Bodenschutz und Altlasten, Sachgebiete 2 und 5) untersucht.  

© Conzept Umweltberatung GmbH
Übersichtsplan mit Grundwassermessstellen

Diese Detailuntersuchung wurde zwischenzeitlich abgeschlossen.

Zur Beurteilung der Grundwasserbelastung wurden fünf neue Grundwassermessstellen im An- und Abstrom sowie eine Messstelle im Zentrum der Altlast errichtet. Zur Überprüfung der Grundwasserqualität stand somit ein Netzt von 27 Grundwassermessstellen zur Verfügung. Die Messstellen wurden über drei Jahre vierteljährlich beprobt und auf die Parameter Cyanide (gesamt und leicht freisetzbar), Cadmium, Chlorid, Kupfer, Sulfat, Zink, Chrom, Kohlenwasserstoffindex und Ammonium untersucht. Acht Messstellen wurden mit Datenloggern versehen, um den Gang der Grundwasserhöhen und damit die Grundwasserfließrichtungen bestimmen zu können.

© Conzept Umweltberatung GmbH
Lageplan mit Eintragungen der veränderlichen Cyanidfahnen

Für das Umfeld des Kalkberges wurde eine überwiegend von Südost nach Nordwest gerichtete Grundwasserfließrichtung ermittelt, die zeitweise durch den starken Einfluss des Rheinwasserstandes in nordöstliche Richtung umgelenkt wird.

Es wurden Wasserstände von 36,50 bis 40,42 Metern NHN gemessen.

Das Grundwasser ist im Wesentlichen durch Cyanide und Chlorid und an einzelnen Messstellen durch Sulfat belastet. Für alle anderen Parameter insbesondere PAK, Kohlenwasserstoffindex und Ammonium lagen Überschreitungen des Geringfügigkeitsschwellenwertes nur an einzelnen Messstellen und bei einzelnen Beprobungen vor.

© Conzept Umweltberatung GmbH
Profilschnitt Kalkberg

Die Ablagerungen unter dem Kalkberg reichen bis in eine Tiefe von etwa 40 Metern NHN, die Ablagerungen im Bereich der ehemaligen Schlinggruben südwestlich des Kalkbergesbis in eine Tiefe von 36 Metern NHN.

Der Gutachter beschreibt vier mögliche Quellen für die Cyanidbelastungen des Grundwassers:

  • Schlinggruben der ehemaligen städtischen Kläranlage (heutiges Gelände der MUSIC STORE professional GmbH)
  • Ablagerungen in ehemaligen Gruben unterhalb des Kalkberges
  • Ablagerungen im Bereich der Südostböschung des Kalkberges
  • Eisenhärterei der ehemaligen Waggonfabrik "van der Zypen"
© Conzept Umweltberatung GmbH
Lageplan mit Darstellung der Quellterme

Die Schadstofffrachten des Grundwassers wurden vom Gutachter mit 57 bis 104 g/d für Cyanide berechnet.  

Die Ergebnisse werden durch die Untere Bodenschutzbehörde wie folgt bewertet:  

Aus den nur temporär und nur an einzelnen Grundwassermessstellen festgestellten erhöhten Gehalten an PAK, Kohlenwasserstoffen oder Ammonium kann keine Gefährdung für das Grundwasser im Abstrom abgeleitet werden.  

Durch cyanid- und chloridhaltige Auffüllungsmaterialien im Untergrund besteht im Abstrom des Kalkberges eine Grundwasserbelastung, die durch nachhaltige und nicht unerhebliche Frachten gekennzeichnet ist.

Hierbei ergibt eine Frachtabschätzung eine Cyanidmenge von maximal 104 g/d und eine Chloridmenge von maximal 214 kg/d im Grundwasser.  

Die ehemaligen Schlinggruben südlich des Kalkberges tragen nur untergeordnet zu den Grundwasserbelastungen bei. Die Flächen dort sind fast vollständig versiegelt. Es erfolgt bereits eine Überwachung des Grundwassers in diesem Bereich, die weiterhin aufrecht zu erhalten ist.  

Bei hohen Ständen kann das Grundwasser die Sohle der Ablagerungen im Untersuchungsgebiet erreichen. Insofern könnte auch durch eine vollständige Versiegelung des Kalkberges ein Austrag von Schadstoffen nicht völlig unterbunden werden. Der wesentliche Anteil der Belastungen hat ihren Ursprung in den ehemaligen Gruben unterhalb des Kalkberges. Dieser Bereich ist für technische Sanierungsmaßnahmen wegen der mächtigen Auffüllungen darüber nur äußerst schwer beziehungsweise nicht erreichbar. Denkbare Sanierungs- oder Sicherungsmethoden, wie

  • die Mobilisierung beziehungsweise der Abbau von Cyaniden zum Beispiel durch Lösungsvermittler inklusive einer hydraulischen Abstromsicherung und einer Sanierungsanlage zur Abreinigung cyanidbelasteter Grundwässer,
  • horizontale und vertikale Abdichtung des Schadenbereiches,
  • dauerhaftes Absenken des Grundwasserspiegels

sind vorbehaltlich Ihrer technischen Machbarkeit wegen des immensen Aufwandes ökologisch und wirtschaftlich unverhältnismäßig.    

Um den Einfluss der Ablagerungen im Bereich der derzeit unversiegelten Südostböschung einschätzen zu können, wurde durch die Untere Bodenschutzbehörde nach der geltenden Arbeitshilfe der Länderarbeitsgemeinschaft Boden eine Sickerwasserprognose erstellt. Für die bis dato unversiegelte Südböschung des Kalkberges ergab sich in einer worst-case-Betrachtung eine geschätzte Sickerwasserfracht für Cyanide von maximal 1,9 g/d, was etwa 2 bis 4 Prozent der im Grundwasser ermittelten Gesamtfracht ausmacht. Für Chlorid wurde für den Bereich der Südböschung ebenfalls in einer worst-case-Betrachtung eine Sickerwasserfracht von maximal 0,97 kg/d berechnet, was einem Anteil von etwa 0,5 bis 1 Prozent an der ermittelten Gesamtfracht im Grundwasser entspricht. Bei den Berechnungen wurde berücksichtigt, dass eine Deckschicht der Südböschung nicht durchgängig vorhanden ist.

Aufgrund des sehr geringen Anteils an der Gesamtfracht und der technisch schwierigen Lage in unmittelbarer Nähe zur Stadtautobahn sind Maßnahmen zur Quellsanierung (zum Beispiel Auskofferung oder Oberflächenabdichtung) nicht verhältnismäßig.  

Die Waggon-Fabrik "van der Zypen" ist als mögliche Quelle eines Teils der Grundwasserbelastungen auszuschließen. Die Produktionshallen und Lagerflächen der Fabrik befanden sich ausweislich der historischen Luftbilder, Karten und Fabrikpläne außerhalb der Belastungsfahnen. Bei dem vom Gutachter vermuteten Quellbereich handelte es sich nur um mögliche Erweiterungsflächen der Fabrik. Diese Flächen wurden schon 1920 als Kleingartenanlage genutzt. Bodenuntersuchungen, die bis in den gewachsenen Boden reichen, ergaben ebenfalls keine Hinweise auf Bodenbelastungen.  

Zur Kontrolle wird das Grundwasser im Umfeld des Kalkberges zukünftig halbjährlich untersucht.

Bodenschutzrechtliche Bewertung

Die Verfüllung des Kalkberges war 1972 abgeschlossen. Die Altablagerung ist daher nach dem Bodenschutzrecht zu behandeln und wird im Kataster über Altlasten und Altlastverdachtsflächen unter der Nummer 80206 als Altlast geführt.

Durch cyanid- und chloridhaltige Auffüllungsmaterialien im Untergrund besteht im Abstrom des Kalkberges ein Grundwasserschaden, der durch nachhaltige und nicht unerhebliche Frachten an Cyaniden und Chlorid gekennzeichnet ist. Denkbare Sanierungs- oder Sicherungsmethoden sind jedoch wegen des immensen Aufwandes ökologisch und wirtschaftlich unverhältnismäßig. Der Grundwasserschaden ist weiter zu beobachten.    

Die Untere Bodenschutzbehörde hat den Abschluss der Grundwasseruntersuchungen zum Anlass genommen, eine Gefährdungsabschätzung für den gesamten Kalkberg nach den Vorgaben der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung vorzunehmen. Eine Gefährdungsabschätzung hat insbesondere die Ausbreitungsmöglichkeit von Schadstoffen in Boden, Gewässern und Luft sowie die Möglichkeit ihrer Aufnahme durch Menschen, Tiere und Pflanzen zu bewerten.  

Durch die Haldenstabilisierung wird ein Großteil des Kalkberges durch eine mineralische Abdichtung (Westböschung), eine Kunststoffdichtungsbahn (Ost- und Nordböschung sowie Teile der Kuppe) abgedichtet. Weitere Teile sind durch den Bau der Hubschrauberbetriebsstation ebenfalls abgedichtet.

Wirkungspfad Boden-Mensch

Unter der Voraussetzung, dass die Maßnahmen der Haldenstabilisierung wie geplant abgeschlossen werden, ist der Belastungspfad Boden-Mensch für einen Großteil des Kalkberges (Ost-, Nord-, Westböschung und Kuppe) unterbunden.  

Bis zum Abschluss der Maßnahmen zur Haldenstabilisierung sind jedoch Beeinträchtigungen über belastete Stäube nicht auszuschließen. Maßnahmen zur Vermeidung von Staubverwehungen werden bis zur Abdichtung der Flächen weiterhin betrieben.  

Um Gefahren über den Belastungspfad Boden-Mensch im Bereich der Südböschung ausschließen zu können, hat die Verwaltung weitere Oberbodenuntersuchungen veranlasst. Sollten hierbei Prüfwertüberschreitungen festgestellt werden, so können sich daraus ergebende Gefahren durch gezielte Maßnahmen wie die Herstellung eines dichten Bewuchses oder Betretungsverbote ausgeschlossen werden.

Wirkungspfad Bodenluft-Mensch

In keiner Bodenuntersuchung wurden Belastungen festgestellt, die Hinweise auf eine Gefährdung über den Belastungspfad Bodenluft geben. Somit ist eine Gefährdung auch für diesen Belastungspfad ausgeschlossen.

Wirkungspfad Boden-Grundwasser

Werden die Maßnahmen zur Haldenstabilisierung wie geplant abgeschlossen, wird durch die Versiegelung großer Bereiche des Kalkberges eine Verlagerung von Schadstoffen aus dem Kalkberg über den Sickerpfad in das Grundwasser sicher unterbunden.  

Eine Ausnahme bildet möglicherweise der mit einer Kunststoffdichtungsbahn (KDB) abgedeckte Teil der Kuppe. Hier wurden im Zusammenhang mit dem Bau der Hubschrauberbetriebsstation Veränderungen an der Kuppenentwässerung vorgenommen. Die Entwässerung der Kalkbergkuppe ist insofern auf ihre Funktionalität zu prüfen und im Bedarfsfall zu ertüchtigen. Die Verwaltung wird im Rahmen der Maßnahmen zur Haldenstabilisierung auch für eine geordnete Entwässerung der Kalkbergkuppe sorgen.  

Im Bereich der Südböschung existieren chlorid- und cyanidhaltige Auffüllungsmaterialien. Der Einfluss dieser Ablagerungen an der Gesamtschadstofffracht im Grundwasser im Abstrom des Kalkberges ist jedoch sehr gering. Aus diesem Grund und der technisch schwierigen Lage in unmittelbarer Nähe zur Stadtautobahn sind Maßnahmen zur Quellsanierung (zum Beispiel Auskofferung oder Oberflächenabdichtung) nicht verhältnismäßig.  

Zusammenfassend stellen wir somit fest, dass vom Kalkberg unter der Voraussetzung, dass

  • die Maßnahmen zur Haldenstabilisierung wie geplant abgeschlossen werden,
  • je nach Ergebnis der Oberbodenuntersuchungen Betretungsverbote durch Einzäunung oder alternativ dichter Bewuchs im Bereich der Südböschung herzustellen ist,
  • bei Bedarf die Kuppenentwässerung ertüchtigt wird
  • sowie weiterhin Grundwasserkontrollen stattfinden

eine Gefährdung über die Wirkungspfade nach den Vorgaben des Bodenschutzrechtes nicht zu befürchten ist.

Downloadservice

Gutachten Grundwasser

Abschlussbericht zur Detailuntersuchung Grundwasser der Concept Umweltberatung Gmbh vom 6. Oktober 2017
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Anlage 1 - Übersichtsplan mit Messstellen
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Anlage 2 - potenzielle Cyanidquellen in der Produktion der CFK
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Anlage 3 - Profilschnitt
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Anlage 4a - Grundwassergleichenpläne Juli 2014 bis Dezember 2015
PDF, 5414 kb
Anlage 4b - Grundwassergleichenpläne März 2016 bis Juni 2017
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Anlage 5a - Cyanid-Gesamtkonzentrationen im Grundwasser Juli 2014 bis Dezember 2015
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Anlage 5a-2 - Cyanid-Gesamtkonzentrationen im Grundwasser März 2016 bis Juni 2017
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Anlage 5b - Cyanid-Konzentrationen im Grundwasser (leicht freisetzbar) Juli 2014 bis Dezember 2015
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Anlage 5b-2 - Cyanid-Konzentrationen im Grundwasser (leicht freisetzbar) März 2016 bis Juni 2017
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Anlage 5c - Überschreitungen der Geringfügigkeitsschwellenwerte
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Anlage 6a - Vergleich der Messwerte für elektrische Letfähigkeit aus Pumpproben und durch Multiparameter-Sonde
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Anlage 6b - Teufenprofile der elektrischen Leitfähigkeit im Grundwasser vom 15. September 2015
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Anlage 7 - quelldifferenzierte Betrachtung des Untersuchungsraumes
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Analyseberichte Grundwasser

Prüfbericht der Grundwassermessungen, 29. Mai 2019
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Prüfbericht der Grundwassermessungen, 12. Oktober 2018
PDF, 486 kb
Prüfbericht der Grundwassermessungen, 26. März 2018
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Prüfbericht der Grundwassermessungen, 10. Januar 2018
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Prüfbericht der Grundwassermessungen, 4. Juli 2017
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Prüfbericht der Grundwassermessungen, 15. Mai 2017
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Prüfbericht der Grundwassermessungen, 5. Januar 2017
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Prüfbericht der Grundwassermessungen, 10. Oktober 2016
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Prüfbericht der Grundwassermessungen, 12. September 2016
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Prüfbericht der Grundwassermessungen, 1. August 2016
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Prüfbericht der Grundwassermessungen, 25. Mai 2016
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Prüfbericht der Grundwassermessungen, 1. April 2016
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Prüfbericht der Grundwassermessungen, 13. November 2015
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Prüfbericht der Grundwassermessungen, 13. November 2015
PDF, 283 kb
Prüfbericht der Grundwassermessungen, 30. Oktober 2015
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Prüfbericht der Grundwassermessungen, 29. Januar 2015
PDF, 275 kb
Prüfbericht der Grundwassermessungen, 12. Januar 2015
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Prüfbericht der Grundwassermessungen, 15. Juli 2014
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Übersicht der Messstellen, Juli 2014
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Prüfbericht der Grundwassermessungen, 5. Dezember 2013
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Analyseberichte Tiefenbohrung B5

Prüfbericht der Bodenanalysen B5
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Gesamtanalytik
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Analyseberichte Bohrung 38a

Bohrprofil 38a
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Prüfbericht der Bodenanalysen 38a
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Oberbodenuntersuchungen

Gutachten der Oberbodenuntersuchung, 4. September 2018
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Gutachten der Oberbodenuntersuchung, 22. März 2016
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Stellungnahme des Umwelt- und Verbraucherschutzamtes, 9. Januar 2013
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Prüfbericht zu den Oberbodenuntersuchungen, 8. Januar 2013
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Gutachten der Oberbodenuntersuchung, 14. Dezember 2012
PDF, 4230 kb

Häufig gestellte Fragen

Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um das Thema Altlasten haben wir für Sie zusammengestellt.

Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Thema

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