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Gemeinsam mit unseren Nachbarstädten Leverkusen und Wesseling loten wir derzeit aus, wie ein in den ÖPNV integriertes Wasserbussystem auf dem Rhein aussehen könnte. Auf Grundlage eines Ratsbeschluss 2016 haben wir hierzu eine Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht. Darin untersuchen wir mit einem externen Gutachterbüro die verkehrlichen Potenziale und leiten daraus mögliche Linienverbindungen ab.

In einem weiteren Schritt geht es darum, technische Fragen zu den Schiffen sowie zur Lage und dem Bau der Anlegestellen abzuklären. Zudem gilt es, die daraus resultierenden Kosten abzuschätzen.

Im März 2021 haben wir einen ersten Zwischenbericht zur Machbarkeitsstudie veröffentlicht. Ende April 2021 haben wir die Ergebnisse in einer Konferenz der Politik, der Wirtschaft und verschiedenen Verbänden präsentiert. Zudem haben wir eine daraus abgeleitete und stufenweise umzusetzende Linienkonzeption vorgestellt.

Zu welchem Ergebnis kommt der Zwischenbericht?

Die ersten Ergebnisse des Zwischenberichtes zeigen durchaus verkehrliche Potenziale für ein Wasserbussystem. Diese Potenziale liegen insbesondere in den stark verdichteten Bereichen. Zudem kann ein Wasserbussystem ein interessanter Mobilitätsbaustein für aktuelle und zukünftige Stadtentwicklungsprojekte in Rheinnähe sein.

Zwischenbericht im Ratsinformationssystem

Wie soll der Aufbau des Wasserbussystems erfolgen?

Das beauftragte externe Gutachterbüro hat verschiedene Linien- und Bedienkonzepte entwickelt und diese anhand geeigneter qualitativer und quantitativer Kriterien einander gegenübergestellt und bewertet. Das vielversprechendste Konzept und dessen Herleitung haben wir den Politiker*innen der beteiligten Städte und den Stakeholdern in der Konferenz im März 2021 vorgestellt und mit ihnen diskutiert.

Die in diesem Konzept am besten bewertete Variante legt ihren Fokus auf die Verbindung der größten potenziellen Nachfrageströme möglichst ohne Zwischenhalt bei gleichzeitiger Reisezeitoptimierung. In einer ersten Stufe schlagen die Gutachterbüros für den Pilotbetrieb eine Linie vor, die die Stadtteile Niehl, Mülheim und die Innenstadt miteinander verbindet. Die Fahrzeit von Niehl nach Mülheim wird auf etwa neun Minuten prognostiziert. Die Verbindung Mülheim-Innenstadt könnte sogar in rund vier Minuten zurückgelegt werden. Als Haltezeit an den einzelnen Haltestellen setzen die Büros drei bis fünf Minuten zwischen Anlegen und Ablegen an, je nach Frequentierung der Anlegestelle. Eine weitere Linie soll die Bezirkszentren von Rodenkirchen und Porz miteinander verbinden. Während die Verkehrsverflechtungen zwischen den Stadtteilen heute – insbesondere im ÖPNV – äußerst gering sind, kann ein Wasserbus dies künftig deutlich ändern. Benötigt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln heute etwa 50 bis 60 Minuten zwischen den Stadtteilen, würde die Fahrt mit dem Wasserbus die Reisezeit auf nur noch neun Minuten verkürzen.

Wie geht es weiter?

Entsprechend der Empfehlung der Gutachterbüros ist im nächsten Schritt zunächst die betriebliche Machbarkeit zu betrachten. Hierbei geht es insbesondere um die vorgeschlagene erste Ausbaustufe. Folgende Fragen sind zu klären:

  • Wo konkret könnten Anlegestellen in den jeweiligen Stadtteilen eingerichtet werden?
  • Was gilt es dabei zu beachten?
  • Wie kann eine möglichst gute Verknüpfung mit dem bestehenden ÖPNV-Angebot, aber auch mit dem Radverkehr erreicht werden? 

Abschließend wird es um den Nutzen und die Kosten des Wasserbussystems gehen. Anhand einer Nutzen-Kosten-Berechnung, die sich methodisch an dem Standardverfahren für Planungen im ÖPNV-Bereich orientieren wird, können wir eine abschließende Bewertung des Wasserbussystems für die Region abgeben. Basierend auf dieser Bewertung werden die beauftragten Büros ihre Arbeit mit einer fundierten gutachterlichen Empfehlung für das Projekt und dem Aufzeigen der notwendigen und denkbaren Schritte für eine mögliche Realisierung beenden und ihre Ergebnisse in einem Abschlussbericht zusammenfassen. 

Den Abschlussbericht und die darin enthaltenen Ergebnisse und Empfehlungen werden wir im zweiten Halbjahr 2021 den politischen Gremien zur Beratung und Beschlussfassung über das weitere Vorgehen vorlegen.

Welche Vorteile haben Wasserbuslinien?

Wasserbuslinien können auf vielerlei Arten helfen, den ÖPNV effektiv zu unterstützen und das Angebot sinnvoll ergänzen.

Einige Gründe dafür sind:

  • Wasserbuslinien ermöglichen neue Direktverbindungen zwischen zentralen Orten beiderseits des Rheins, die heute durch die Barrierewirkung nur über Umwege miteinander verbunden sind. Beispielhaft erwähnt sei die Verbindung zwischen Porz und Rodenkirchen.
  • Die Direktverbindungen bedeuten im Ergebnis Reisezeitgewinne.
  • Wasserbusse können Linien des ÖPNV verknüpfen, die heute nicht oder fernab des Rheins miteinander verknüpft sind und damit bestehende Netzlücken schließen.
  • Wasserbusse ermöglichen Alternativen zu besonders hoch frequentierten Linien insbesondere des Stadtbahnnetzes.
  • In diesem Zusammenhang versprechen Wasserbusse auch vor dem Hintergrund der anstehenden Sanierungsmaßnahmen an Kölner Rheinbrücken einen hohen Nutzen.
  • Insbesondere unmittelbar am Rhein gelegene große städtebauliche Entwicklungsgebiete wie beispielsweise Mülheim-Süd, der Deutzer Hafen oder die Parkstadt Süd könnten auch mit dem Wasserbus effektiv an den ÖPNV angebunden werden.
  • Die für die Wasserbusse benötigte Infrastruktur, also der Rhein als Wasserstraße, ist bereits vorhanden. Lange Planungs- und Bauphasen, wie beispielsweise im Schienenverkehr notwendig, entfallen.
  • Wasserbusse bieten die Möglichkeit der Fahrradmitnahme und sind damit auch für rheinfernere Gebiete interessant. Die Fahrradmitnahme im ÖPNV ist derzeit insbesondere zu den Stoßzeiten aufgrund der hohen Auslastung kaum praktikabel.
  • Derzeit werden Wasserbusse noch mit konventionellen Antrieben betrieben. Klimaneutrale Antriebe befinden sich jedoch - auch wenn sie noch nicht serienreif sind - bereits in der Erprobung. Daher können Wasserbusse perspektivisch klimaneutral betrieben werden.

Haben Sie Fragen?

Wenn Sie uns zum Wasserbussystem Fragen stellen oder Anregungen geben möchten, nutzen Sie bitte unser Kontaktformular.

Kontaktformular Amt für Straßen und Verkehrsentwicklung