Die 1965 errichtete, städtische Sportanlage "Humboldtstraße" liegt südlich der Königsberger Straße und östlich der Humboldtstraße in Köln-Porz. Die Sportanlage besteht aus zwei separaten Sport-/Fußballfeldern mit integrierter Kampf- und Sprungbahn sowie angeschlossenen Sozialräumen.

Aufgrund des Errichtungsjahres der Sportanlage bestand der grundsätzliche Verdacht, dass es sich bei dem verwendeten Tennenbelag um dioxinhaltiges Kieselrot handeln könnte. Nach den vorliegenden Untersuchungen wurde dieser Verdacht für den nördlich gelegenen Tennenplatz mit umlaufender Kampfbahn, Weitsprunganlagen, Tribüne und umlaufendem Gehweg bestätigt.

Die Fläche wird im Kataster für Altlasten und altlastverdächtige Flächen der Stadt Köln als schädliche Bodenveränderung geführt.

Aktuelles

Beginn der Baumaßnahme

Anfang Dezember 2017 wurde mit den Arbeiten für die Sanierung des kieselrotbelasteten Sportplatzes an der Humboldtstraße in Köln-Porz begonnen. Im Rahmen der Sanierung werden der belastete Tennenbelag und belastete Bereiche benachbarter Grünflächen abgetragen und anschließend entsorgt. Unter gutachterlicher Begleitung wird der Boden bis zum Erreichen unauffälliger, nicht mehr sanierungspflichtiger Bereiche entfernt. Bei einer im Vorfeld durchgeführten Detailuntersuchung wurden unterschiedliche Belastungsbereiche festgestellt, so dass von Sanierungstiefen zwischen 10 und 35 cm auszugehen ist.

Der Aushub erfolgt in dünnen Schichten, um eine Vermischung der unterschiedlich belasteten Bereiche zu verhindern. Die fertiggestellten Sanierungsflächen werden durch die Entnahme von Bodenproben auf die Einhaltung der Sanierungsziele kontrolliert. Die Arbeiten werden unter Berücksichtigung des Arbeitsschutzes so ausgeführt, dass keine Schadstoffe in die Umgebung gelangen können. Für benachbarte Grundstücksnutzerinnen und -Nutzer, sowie für die Bevölkerung besteht während der Arbeiten keine Gefährdung.

Die geplante Bauzeit beträgt fünf Wochen.

Das Problem: dioxinbelasteter Tennenbelag

© Stadt Köln/Jasmin Kuhle

Auf dem nördlich gelegenen Platz der Sportanlage Humboldtstraße wurde bei Untersuchungen eine großflächige Dioxinbelastung des Oberflächenbelages oberhalb des Maßnahmenschwellenwertes der Bundes-Bodenschutzverordnung für die von 1.000 ng I-TEq/kg TM Nutzung als Park- und Freizeitfläche festgestellt.

Neben den Dioxinbelastungen wurden besonders in der Sprung-und Kampfbahn erhöhte Kupferbelastungen gemessen. Dies ist typisch für den Einsatz von Kieselrot als Tennenbelag. Die mit dieser Schlacke belegte Fläche besteht aus

  • einem Sport-/Fußballplatz
  • einer umlaufenden Kampfbahn
  • zwei Weitsprunganlagen
  • einer dreistufigen Tribüne
  • einem um die Sportanlage führenden Gehweg

Im August 2016 wurde eine Detailuntersuchung zur Feststellung der einzelnen Schichtdicken und der Belastungsbereiche durchgeführt. Die Untersuchung lieferte eine maximale Belastung bis 45.488 ng/kg ITE/NATO/CCMS Dioxin als Ergebnis. Eine Sanierung des Geländes ist nach dem Bundes-Bodenschutzgesetz zum Zweck einer nachhaltigen Gefahrenabwehr erforderlich.

Was sind Dioxine?

Als Dioxine wird im allgemeinen Sprachgebrauch eine Gruppe von 210 chemisch verschiedenen, aber sehr ähnlichen Stoffen bezeichnet, die mindestens ein Chloratom enthalten (chlorierte Dibenzodioxine/Dibenzofurane).

Sie stellen eine Stoffgruppe dar, von der 17 Kongenere (2, 3, 7, 8 substituiert) bereits bei außerordentlich geringen Konzentrationen schädliche Wirkungen entfalten können.

Allerdings bestehen auch bei ihnen erhebliche Unterschiede in der toxischen Wirkung. Daher wurden seitens der Wissenschaft für sie Äquivalenzfaktoren festgelegt, die ein Maß für das unterschiedliche Gefahrenpotenzial der einzelnen Stoffe darstellen. So wurde dem besonders toxischen 2, 3, 7, 8-TCDD der höchste Toxizitäts-Äquivalenzfaktor I-TE = 1, dem weniger toxischen Octachlordibenzodioxin ein Wert von I-TE = 0,001 zugeordnet.

Auf diese Weise ist es möglich, die Toxizität relativ zum 2, 3, 7, 8-TCDD für verschiedene Kongenere - entsprechend dem Äquivalenzfaktor des einzelnen Stoffes gewichtet - in einem Zahlenwert zusammenzufassen.

Dioxine werden nicht absichtlich hergestellt. Sie fallen bei vielen chemischen Umwandlungsvorgängen in sehr geringer Konzentration ungewollt an. Zu diesen Umwandlungsvorgängen zählen insbesondere bestimmte Verbrennungsprozesse in Gegenwart von Chlor. Neben anthropogenen Dioxinquellen sind in der wissenschaftlichen Literatur auch natürliche Dioxinquellen beschrieben.

Weitere Informationen zu Dioxinen

Was ist Kieselrot?

Als Kieselrot bezeichnet man eine rote Schlacke, die bei einem während des Zweiten Weltkriegs angewandten Röstreduktionsverfahren zur Kupfergewinnung anfiel. Von 1955 bis 1967 baute die Marsberger Tiefbaufirma Möllemann & Co zwischen 400.000 und 800.000 Tonnen dieser Schlacke ab und verkaufte sie unter der Bezeichnung "Marsberger Kieselrot" als Belag für Sport- und Spielplätze oder für den Straßen- und Wegebau. Man verwendete das Material vor allem in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen und Bremen.

Dass Kieselrot mit dem Schadstoff Dioxin belastet ist, wurde erst 1991 durch Untersuchungen des Belages auf Spielplätzen in Bremen entdeckt und führte zu einem bundesweiten Skandal.

Betrachtung des Schadstoffes Dioxin (PCDD/F) auf den Wirkungspfad "Boden-Mensch"

Maßnahmenwerte sind nach dem Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG § 8 Absatz 1 Satz 2 Nummer 2) Werte für Einwirkungen oder Belastungen, bei deren Überschreiten unter Berücksichtigung der jeweiligen Bodennutzung in der Regel von einer schädlichen Bodenveränderung oder Altlast auszugehen ist und Maßnahmen erforderlich sind.

Nach der Bundes-Bodenschutzverordnung (BBodSchV Anhang 2, 1.3) erfolgt eine Anwendung der Maßnahmenwerte bei Vorliegen dioxinhaltiger Laugenrückstände aus Kupferschiefer ("Kieselrot") auf Grund der geringen Resorption im menschlichen Organismus nicht unmittelbar zum Schutz der menschlichen Gesundheit als vielmehr zum Zweck der nachhaltigen Gefahrenabwehr.

Maßnahmenwerte (ng l-TEq/kg TM)*

StoffKinderspielflächenWohngebietePark- und FreizeitanlagenIndustrie- und Gewerbegrundstücke
Dioxine/Furane (PCDD/F)1001.0001.00010.000


Tabelle: Anhang 2, 1.2. (BBodSchV)
: Maßnahmenwerte nach § 8 Absatz 1 Satz 2 Nummer 2 des Bundes-Bodenschutzgesetzes für die direkte Aufnahme von Dioxinen/Furanen auf Kinderspielflächen, in Wohngebieten, Park-und Freizeitanlagen und Industrie- und Gewerbegrundstücken (in ng/kg Trockenmasse, Feinboden, Analytik nach Anhang 1)

* Summe der 2, 3, 7, 8 - TCDD-Toxizitätsäquivalente (nach NATO/CCMS

Obwohl der Maßnahmenwert der Bundesbodenschutz-Verordnung erheblich überschritten wird, kann die Sportanlage in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt bis zur Sanierung weiterhin genutzt werden.

Drucksache 12/8247: Deutscher Bundestag - 12. Wahlperiode Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage des Abgeordneten Dr. Klaus-Dieter Feige und der Gruppe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drucksache 12/6222 - Fortgesetzte Verseuchung der Bundesrepublik Deutschland durch Dioxine Umweltbundesamt: Dioxine

Die Baumaßnahme

Wir haben im April 2017 ein Gutachterbüro mit der Planung und Überwachung der Sanierungsmaßnahme beauftragt.  

Im Rahmen der geplanten Sanierungsmaßnahmen sollen die Tennenbeläge mit dem belasteten Schlackenunterbau sowie die benachbarten Grünflächen unter gutachterlicher Begleitung bis zum Erreichen unauffälliger, nicht mehr sanierungspflichtiger Bereiche abgetragen und entsorgt werden.

Die Sanierungsmaßnahme soll im Winter 2017 durchgeführt werden.

Derzeitige Nutzung

Die Sportanlage Humboldtstraße befindet sich in der Liegenschaft des Sportamtes und wird tagsüber intensiv durch das Stadtgymnasium und weitere umliegende Schulen sowie abends durch die Vereine RSV Urbach e. V., Sportvereinigung Porz e. V. und GSV Porz e. V. (Leichtathletik) genutzt.

Am Wochenende finden Wettkämpfe dieser Sportvereine statt.

Zukünftige Nutzung

Nach Abschluss der Sanierungsmaßnahme ist der Bau einer neuen witterungsunabhängig und sportfunktionell zeitgemäßen Sportanlage mit einem Spielfeld aus Kunstrasen, einer Kunststofflaufbahn, Trainingsbeleuchtungsanlagen, Sprunggruben und Weitsprunganlagen geplant.

In die Neugestaltung der Anlage sollen zudem die Erneuerung der Entwässerung, die Errichtung von Ballfangzäunen und Barrieren, der Neubau der umlaufenden Wege und die Erschließung an die vorhandenen Umkleiden der Schule mit einbezogen werden.

Die Neugestaltung wird durch das Sportamt finanziert und soll voraussichtlich im dritten Quartal 2018 begonnen werden.

Finanzierung mittels Förderprogramm

Die grobe Kostenschätzung der Sanierungsmaßnahme liegt bei 754.000 Euro. Dabei soll das für Altlastensanierung beim Land Nordrhein-Westfalen bestehende Förderprogramm genutzt werden, so dass der städtische Anteil an den Kosten nur 20 Prozent beträgt.

Der Förderantrag wurde Ende 2016 gestellt und bewilligt. Nach der Bewilligung der finanziellen Mittel erfolgt nun die konkrete Planung der Sanierung.