In vielen Staaten der Erde, die über nutzbare Vorräte im Untergrund verfügen, wird Erdöl gefördert. Um aus Erdöl Produkte wie etwa Benzin, Diesel, Heizöl und Ausgangstoffe für die chemische und kunststoffproduzierende Industrie zu gewinnen, erfolgt zuerst die Verarbeitung in einer Erdölraffinerie. Dort wird das Erdöl hauptsächlich destilliert.

Je nach eingestellten Destillationstemperaturen werden unterschiedliche Einzelsubstanzen aus dem Erdöl gewonnen. Naphtha, nicht zu verwechseln mit Naphthalin, besteht aus einer ganzen Gruppe (einem bestimmten Siedebereich) von Einzelsubstanzen.

Was ist Naphtha - ein Überblick

Das Produkt Naphtha verlässt die Erdölraffinerie und wird per Tankschiff, Bahn, Lkw oder, wie in diesem Fall, durch unterirdische Rohrleitungen zu den Kundinnen oder Kunden transportiert.

Eine solche Kundin ist die zur Gruppe der Petrochemie gehörende Firma Basell Polyolefine GmbH in Wesseling. Für diese Firma ist Naphtha ein Grundprodukt und damit der wichtigste Rohstoff für die Herstellung von Polyolefinen. Polyolefine sind Kunststoffe, die aus dem hierfür benötigten Erdölanteil Naphtha produziert werden.

Diese Kunststoffe liegen nach Herstellung als Granulate vor und gelangen von Wesseling aus zur weiteren Verarbeitung etwa zur Automobilindustrie, Herstellung von medizinischen Anwendungen und Gegenständen des täglichen Bedarfs.

Die Umweltrelevanz von Naphtha

Naphtha, auch Rohbenzin genannt, ist ein relativ leichtes und unbehandeltes Erdöldestillat aus der Raffination von Erdöl oder Erdgas und ein wichtiger Rohstoff für die Petrochemie. Es ist ein Kohlenwasserstoffgemisch welches Anteile an aromatischen Kohlenwasserstoffen, vorrangig Xylole sowie Toluol und untergeordnet Benzol enthält. Naphtha ist leicht entzündlich, gesundheitsschädlich und umweltgefährlich. Naphtha hat eine geringere Dichte als Wasser, wodurch es auf dem Grundwasser aufschwimmt (Phase).

Viele der einzelnen Substanzen im Naphtha sind mittel bis leicht flüchtig. Durch die schnelle Verdunstung gelangt ein Teil dieser Substanzen als Gas in die Bodenluft. Bei dem langsamen Transport der im Wasser gelösten Schadstoffe (Fahne) und der Ausdünstungen in der Bodenluft, findet im Untergrund eine starke Verdünnung statt. Naphtha ist durch im Boden vorhandene Mikroorganismen biologisch abbaubar, wobei sich unter Normalbedingungen dieser Abbau nur langsam vollzieht.

Der Schadensfall Naphtha und die Beteiligten

Der Naphtha-Schaden wurde am 23. April 2015 im Rahmen einer turnusmäßigen Grundwasserüberprüfung an einer unterirdischen Rohrleitung auf dem Gelände der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) festgestellt und von der Firma Basell Polyolefine GmbH den zuständigen Behörden gemeldet. Die Leitung wurde unmittelbar danach außer Betrieb genommen. Nach Freilegung der Leitung stellte man ein Leck von elf Quadratmillimeter fest, durch das nach Berechnungen der unabhängigen Gutachter zwischen 250 und 425 Kubikmeter Naphtha über einen Zeitraum von mindestens zehn Tagen ausgetreten sind. Naphtha hat dabei den umgebenden Boden, die Bodenluft und auch das ab etwa acht Meter Tiefe vorhandene Grundwasser kontaminiert.

Die Bezirksregierung Köln ist für die Genehmigung und die Überwachung der Rohrfernleitungsanlagen und die Stadt Köln für die Schadenserkundung und Sanierungsmaßnahmen zuständig. Sanierungspflichtig ist die Firma Basell Polyolefine GmbH. Die Firma hat, wie bei Umweltschäden üblich, zur fachlichen Bearbeitung und Sanierungsdurchführung zwei qualifizierte Sachverständigenbüros, Arcadis Deutschland GmbH und TAUW GmbH, hinzugezogen. Für die Sanierung dieses Schadenfalls arbeiten die Behörden, die Firma und die Sachverständigenbüros auf den einzelnen Fachebenen nahezu täglich zusammen. Alle von den Sachverständigenbüros vorbereiteten Sanierungsschritte werden im Vorfeld detailliert mit den zuständigen Behörden abgestimmt.

Die Erkundung des Naphtha-Schadens

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Naphtha-Schadens begannen die ersten Erkundungsmaßnahmen zur Erfassung des Kontaminierungsausmaßes. Hierzu hat man bereits im Jahr 2015 zahlreiche Sondierungen in den Boden niedergebracht und zum Teil zu Bodenluftmessstellen hergerichtet. Die Untersuchungen zur Erkundung wurden 2016 fortgeführt und im Dezember 2016 mit der Inbetriebnahme der hydraulischen Sanierung fast vollständig abgeschlossen. Insgesamt wurden somit seit Beginn der Sanierung im April 2015

  • 26 Rammkernsondierungen
  • 13 MIP-Sondierungen
  • 63 Bodenluftmessstellen
  • 74 Grundwassermessstellen und
  • 9 Sanierungsbrunnen errichtet

sowie die Raumluftqualität in 30 Häusern kontrolliert und durch Bodenluftuntersuchungen überwacht.

Die nachfolgende thematische Karte zeigt die Lage der Bodenluft- und Grundwassermessstellen mit den zugehörigen Sanierungsanlagen, Stand Oktober 2017:


Thematische Karte: Untersuchungsgebiete zur Grundwassersanierung und -überwachung mit Lage der Grundwassermessstellen, Sanierungsbrunnen, Abwehr- und Brauchwasserbrunnen sowie der Bodenluftmessstellen mit Bodenluftabsauganlagen.

Der Kartenausschnitt wird wie folgt begrenzt: Gemeinschaftsgrundschule Godorfer Hauptstraße 73 im Norden, BAB 555 im Westen, Hafenbecken Godorfer Hafen im Osten und Stadtgrenze zum Rhein-Erft Kreis (rot).

Thematische Karte - Stand: Oktober 2017
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Weitere Grundwasser- und Bodenluftmessstellen sind vorerst nicht geplant. Das Messstellennetz wird nach einem festen und mit dem Umweltamt abgestimmten Untersuchungsplan kontrolliert.

Die Anzahl der zu überwachenden Messstellen und die Häufigkeit der Beprobungen konnte aufgrund des erfolgreichen Sanierungsverlaufes und der stetig sinkenden Gehalte an Schadstoffen im Grundwasser und der Bodenluft deutlich zurückgefahren werden.

Ein Großteil der Grundwassermessstellen im Wohngebiet ist seit längerer Zeit frei von Benzol und anderen leicht löslichen Schadstoffen. Sie wurden aus dem Monitoring herausgenommen. Nur noch die Messstellen im Schadenszentrum weisen höhere Gehalte auf. Durch die dauerhafte hydraulische Sicherung ist eine Verlagerung der Stoffe in Richtung der Wohnbebauung auszuschließen.

Sanierung des Schadens

Der Naphtha-Schaden hat lokal begrenzt den Boden, die Bodenluft und das Grundwasser kontaminiert. Mit fortschreitender Sanierung wird die frei aufschwimmende Naphtha-Phase auf dem Grundwasser abgeschöpft. Zur Verhinderung der Ausbreitung der gelösten Schadstoffe werden zwischen 600 und 1200 Kubikmeter Grundwasser pro Stunde gefördert und mittels einer zentralen Aufbereitungsanlage vor der Einleitung mittels Aktivkohle gereinigt.

Die zur technischen Sanierung bereits durchgeführten und anhaltenden Maßnahmen erfassen alle drei Bereiche:

Bodenluft

In den verschiedenen Schadensbereichen ist Naphtha aus der Naphtha-Phase in die Bodenluft übergegangen und hatte sich dort angereichert. Die kontaminierte Bodenluft wurde anfänglich an dezentralen Bodenluftabsauganlagen mittels Unterdruck abgesaugt, durch Aktivkohle gereinigt oder durch katalytische Verbrennungsanlagen zerstört.

Seit dem Frühjahr 2018 werden die Absaugpegel im Wohngebiet, auf dem nordöstlichen Werksgelände und im zentralen Schadensbereich über eine Sammelleitung über eine zentrale Absaugleitung auf das Werksgelände geführt und dort bei Bedarf mittels thermischer Oxidation zerstört.

Die zu sichernden Areale und auch Anzahl an angeschlossenen Bodenluftabsaugmessstellen konnte aufgrund drastisch gesunkener Schadstoffgehalte deutlich reduziert werden. Im gesamten Wohngebiet liegen die Konzentrationen an Benzol/VOC seit Sommer 2017 im Bereich einer unauffälligen Hintergrundbelastung von deutlich unter 1 Milligramm pro Kubikmeter. Bis auf die tiefe Bodenluftentnahmestelle GWM15 liegen die Bodenluftgehalte ab April 2018 unterhalb den für BTEX und leichtflüchtige Verbindungen (VOC) festgelegten Bestimmungsgrenzen (0,02 Milligramm pro Kubikmeter Luft).

Bei Bedarf wird an den eingerichteten Bodenluftabsaugstellen die Bodenluft abgesaugt. Die Leistung der stationären Anlage ist so dimensioniert, dass auch bei hohen Konzentrationen ein Volumenstrom von rund 1.700 Kubikmeter pro Stunde kontinuierlich abgesaugt werden kann und eine Sicherung gewährleistet ist.

Mit Stand Anfang März 2018 konnten bisher rund 239 Kubikmeter Naphtha über die Bodenluft zurückgewonnen werden. Die Rückgewinnungsraten sind weiterhin stark rückläufig.

Grundwasser

Die Kernmaßnahme zur langfristigen Sicherung des Naphtha-Schadens wurde im Dezember 2016 vollständig umgesetzt. Das Grundwasser wird mit einer Leistung zwischen 800 und 1.200 Kubikmetern pro Stunde aus bis zu neun Sanierungsbrunnen, die nach Bedarf angesteuert werden können, gefördert.

Diese Menge ist aufgrund der hohen Durchlässigkeit der Rheinterrassensedimente im Untergrund und des großen Wasserdargebotes durch den Rhein erforderlich und richtet sich nach den hydraulischen Situationen. Aus wasserwirtschaftlicher Sicht und zur Ressourcenschonung sind die Mengen an Grundwasser auf das erforderliches Maß zu beschränken. Mit fortschreitender Sanierung und abnehmenden Schadstoffgehalten wird die zur Sicherung erforderliche Menge geprüft und bei Bedarf angepasst.

Die Abreinigung des geförderten Grundwassers erfolgt seit Ende 2016 über eine Desorptionsanlage. Hier werden die Schadstoffe im Luftgegenstromverfahren aus dem Grundwasser geblasen und mittels einer regenerativen thermischen Oxidationsanlage (RTO) verbrannt. Das gereinigte Wasser wir nach vorheriger Untersuchung zusammen mit dem Wasser aus der betriebseigenen Wasserbehandlungsanlage ebenfalls in den Rhein geleitet.

Die Menge an Naphtha, die mittels der Grundwasserförderung zurückgewonnen wurde, ist über den bisherigen Sanierungsverlauf konstant geblieben wenn auch auf einem geringeren Niveau im Vergleich zur Bodenluftsanierung. Bis März 2018 konnten bislang ungefähr 21 Kubikmeter Naphtha über das Grundwasser entfernt werden.

Naphtha-Phase

Als Naphtha-Phase bezeichnet man das auf dem Grundwasser aufschwimmende Naphtha. Diese wurde anfänglich auf einer Fläche von rund 20.000Quadratmetern in unterschiedlicher Mächtigkeit zwischen wenigen Zentimetern am Rand bis maximal 70 Zentimetern auf der Grundwasseroberfläche im Schadenszentrum (WP6) nachgewiesen. Die daraus abgeleitete Menge des ausgelaufenen Rohbenzins wurde entsprechend des Volumens und des verfügbaren Porenraumes auf rund 245 bis 425 Kubikmeter geschätzt.

In Zeiten hoher Grundwasserstände (Winterhalbjahr) erfolgte nur eine geringere Rückgewinnung von Naphtha aus der Phase. Erst mit deutlich fallenden Grundwasserständen (August 2016 bis Januar 2017) sammelte sich das Naphtha wieder auf der Grundwasseroberfläche und konnte abgepumpt werden.

Die Menge, die über die Phasenabschöpfung aus den Sanierungsbrunnen und Messstellen gefördert wurde, lag bis Ende März 2017 bei rund 106 Kubikmeter. Mit zunehmender Sanierungsdauer ist eine Verringerung der anfänglich hohen Rückgewinnungsrate zu verzeichnen. Ab April 2017 konnten keine absaugbaren Phasen mehr detektiert werden.

Insgesamt wurden rund 366 Kubikmeter des ausgelaufenen Naphthas wieder aus der Umwelt entfernt. Eine detaillierte Übersicht der kumulierten Mengen der zurückgewonnenen leichtflüchtigen organischen Verbindungen über die Medien Phase, Luft und Wasser ist der als Anlage 4/1 bezeichneten Tabelle/Abbildung des Sachverständigenbüros TAUW, NL Leverkusen zu entnehmen.

Übersicht der kumulierten Mengen der zurückgewonnenen leichtflüchtigen organischen Verbindungen über die Medien Phase, Luft und Wasser
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Boden

Eine Bodensanierung fand bisher nur kleinräumig bei der Freilegung des defekten Rohrleitungsabschnittes statt. Der hierbei ausgehobene kontaminierte Boden wurde gegen sauberen Boden ersetzt und einer ordnungsgemäßen Entsorgung zugeführt. Eine weiträumigere Bodensanierung findet erst im Anschluss an die Entfernung der Phase statt. Wenn kein oder nur noch sehr geringe Mengen Naphtha entnommen werden kann, werden alternative Verfahren zu prüfen sein.

Die Auswertung der bisherigen Bodenuntersuchungen zeigt, dass die Bodenbelastungen auf die Schmierzone (Grundwasserschwankungsbereich) innerhalb des Phasenkörpers beschränkt sind. Sekundäre Bodenbelastungen, verursacht durch die Benzolfahne, konnten nicht festgestellt werden. Im Bereich des Wohngebietes liegen keine Bodenbelastungen durch Naphtha vor.

Ein detailliertes Konzept möglicher Verfahren zur Reinigung des Bodens wird mit Vorlage des Sanierungsplans vorliegen. Die Prüfung der Verfahren bezüglich einer Nutzen-Wirksamkeitsbeurteilung kann nur nach erneuten Bodenuntersuchungen im Bereich des vermuteten Phasenkörpers erfolgen.

Wohnen im Bereich des Naphtha-Schadens

Der nordwestliche Bereich des Naphtha-Schadenszentrums grenzt am Spielplatz an die Wohnbebauung der südlichen Godorfer Hauptstraße. Oberhalb der im Untergrund befindlichen Naphtha-Phase wurden die Ausdünstungen in unterschiedlichen Konzentrationen in der Bodenluft nachgewiesen. Dadurch bestand zu Beginn die Gefahr (abhängig von weiteren Faktoren wie Bodenbeschaffenheit, Abstand (Geländehöhe) Bauart und Zustand der Kellerwände und Bodenplatte), dass in der Bodenluft vorhandene Naphtha-Ausdünstungen bis in den Bereich der Kellerräume der Wohnbebauung vordringen konnten. Aufgrund der umfassenden Sicherungsmaßnahmen und der stark rückläufigen Konzentrationen besteht diese Gefahr heute nicht mehr.

Die Firma Basell Polyolefine GmbH hat die möglicherweise betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner über die Belastung der Bodenluft schriftlich informiert. In Abstimmung mit dem Sachverständigenbüro sowie dem Gesundheitsamt und dem Umweltamt wurde zur Gefahrenabwehr ein Raumluftuntersuchungskonzept erarbeitet, das bis Ende März 2016 erstmalig in 32 Haushalten für die Anwohnerinnen und Anwohner kostenfrei umgesetzt werden konnte.

Die Ergebnisse wurden durch das Gesundheitsamt, das Bundesumweltamt und das Landesumweltamt NRW in Zusammenarbeit bewertet. Die Raumluftmessungen erfolgten auf freiwilliger Basis. Von den insgesamt 30 untersuchten Haushalten konnte nur eine eindeutig durch den Naphtha-Schaden verursachte negative Beeinträchtigung festgestellt werden. Die Notwendigkeit für Sanierungsmaßnahmen zum Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner wurde hier früh erkannt. Bereits zu Beginn des Jahres 2016 kam es zur Umsetzung von Sicherungsmaßnahmen. Der Kellerraum wurde zwischenzeitlich umfassend saniert. In den übrigen Keller- und Wohnräumen waren die festgestellten Schadstoffe auf andere Schadstoffquellen wie Lösungsmittel und Treibgase sowie auf eine defekte Erdgasleitung zurückzuführen. Diese Ergebnisse wurden durch Kontrollmessungen validiert und bestätigt. Bei kontinuierlicher Fortführung der Sanierungs- und Kontrollmaßnahmen ist auch zukünftig eine Gefährdung der Anwohnerinnen und Anwohner nicht zu befürchten.

Verbreitung im Kölner Grundwasser

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Schadstofffahne mit vermuteter Schadstoffphase, Stand: September 2015

Durch den Schadensfall schwimmt Naphtha auf dem Grundwasser auf (Phase). Naphtha-Bestandteile sind im Grundwasser gelöst. Diese gelösten Naphtha-Bestandteile haben mit dem Grundwasserstrom eine ausgedehnte Schadstofffahne ausgebildet.

Im Gebiet des Schadenfalls fließt das Grundwasser natürlicherweise auf den Rhein zu. Der Rheinwasserstand beeinflusst dabei die Richtung des Grundwasserstroms. So fließt das Grundwasser bei Rheinniedrigwasser mehr östlich gerichtet und bei Rheinhochwasser mehr nördlich gerichtet auf den Rhein zu.

Durch ein bestehendes Wasserrecht der Firma Basell Polyolefine GmbH und verstärkt durch den Betrieb der Grundwassersanierungsbrunnen wird die Grundwasserfließrichtung nachhaltig beeinflusst.

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Schadstofffahne mit vermuteter Schadstoffphase, Stand: Januar 2016

Die permanente Grundwasserentnahme in einer jährlichen Menge von bis zu etwa 20 Millionen Kubikmeter als Brauchwasser für Produktionszwecke, zuzüglich der Entnahme von nochmals bis zu rund 9 Millionen Kubikmeter pro Jahr durch die hydraulische Sanierung bewirkt, dass die Fließrichtung im Bereich des Schadensfalls auf das Firmengelände zu gerichtet ist. Die Naphtha-Fahne folgt dem Grundwasserstrom auf das Firmengelände zu und kann sich dadurch nicht weiter in Richtung Rhein oder nach Westen ausdehnen.

Für die Kontrolle der Ausbreitungsentwicklung von Naphtha auf (Phase) und gelöst (Fahne) im Grundwasser wird das Prinzip der doppelten Kontrolle weiterhin angewendet.

Um die zukünftige Entwicklung berechnen zu können, gehen folgende Daten in ein Grundwasserströmungsmodell ein:

  • die bekannten natürlichen Grundwasserschwankungen
  • die Informationen durch die Brauchwasserentnahme
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Schadstofffahne mit vermuteter Schadstoffphase, Stand: März 2016

Der Abgleich der zusätzlich aus den regelmäßigen Geländemessungen und Labordaten erhaltenen Ergebnisse mit denen des Modells hat sich bewährt. Der Vorteil ist, dass beide Methoden sich gegenseitig kontrollieren. Dadurch konnte die weitere Entwicklung besser abgeschätzt und schneller auf Veränderungen reagiert werden. Für die unterschiedlichen hydraulischen Rahmenbedingungen, die im Wesentlichen durch den Rhein und die Grundwasserstände vorgegeben werden, konnten spezielle Förderszenarien entwickelt werden. Je nach Wasserandrang und Fließrichtung werden unterschiedliche Gruppen der Sanierungsbrunnen angesteuert. Somit wird eine unkontrollierte Abdrift von Schadstoffen unterbunden.

Anhand der Karten kann die Entwicklung und Sicherung der Schadstofffahne über den bisherigen Sanierungsverlauf nachvollzogen werden.

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Schadstofffahne mit vermuteter Schadstoffphase, Stand: August 2016
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Schadstofffahne mit vermuteter Schadstoffphase, Stand: Oktober 2016
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Schadstofffahne mit vermuteter Schadstoffphase, Stand: Januar 2017

Die Ausdehnung der Schadstofffahne ist nur unwesentlich größer als die vermutete Phasenausbreitung.

Momentan (April 2018) beträgt die Ausbreitung der Benzol-Schadstofffahne noch knapp 21.000 Quadratmeter und hat damit die bislang geringste festgestellt Ausdehnung erreicht. Sie hat damit ungefähr die Größe der anfänglich festgestellten maximalen Ausbreitung der Naphtha-Phase.

Schadstofffahne mit vermuteter Schadstoffphase und Untersuchungstraversen, Stand: Juli 2017
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Nutzung des Grundwassers als Trinkwasser

Grundwasser ist unterirdisches Wasser, das im Kölner Stadtgebiet die Hohlräume des dort vorhandenen Kieskörpers ausfüllt. Trinkwasser ist dabei derjenige Teil des Grundwassers der nach Förderung und Aufbereitung für den menschlichen Bedarf genutzt wird. Das Grundwasser von Godorf wird nicht zu Trinkwasserzwecken genutzt.

Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. Durch verschiedene gesetzliche Grundlagen sind die hohen Güteanforderungen, die wir an Trinkwasser stellen, streng geregelt. Die Wasserwerke auf Kölner Stadtgebiet verfügen über die notwendigen Aufbereitungsanlagen. Es werden regelmäßige Kontrollen durchgeführt, um der Bevölkerung sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellen zu können. So ist sichergestellt, dass weder mit Naphtha noch mit anderen Schadstoffen verunreinigtes Grundwasser zu Trinkwasser werden kann.

Das am nächsten gelegene Wasserwerk, Köln-Hochkirchen, in dem Grundwasser gefördert und zu Trinkwasser für die Bevölkerung aufbereitet wird, befindet sich in ungefähr fünf Kilometer Entfernung zum Schaden. Auf Grund der Entfernung und der Grundwasserfließrichtung hat die Naphtha-Grundwasserkontamination keinen negativen Einfluss auf diese Grundwasserförderung.

Im Bereich des Naphtha-Schadens gibt es nach unseren Kenntnissen keine Brunnen zur Trinkwassernutzung.

Der Schwerpunkt des Schadens konzentriert sich auf den Bereich des vermuteten freien Phasenkörpers entlang des Tunnels und in Richtung Süden auf das Werksgelände auf die Sicherungsbrunnen hin.

Trotz dieser erkennbaren Entwicklung der Fahne wurden 2016 im näheren Umfeld alle bekannten Gartenbrunnen nachträglich untersucht und die Anwohnerinnen und Anwohner über die Befunde unterrichtet. Bei den Laboruntersuchungen konnten keine "rohbenzinspezifischen" Schadstoffe festgestellt werden. Alle untersuchten Inhaltsstoffe lagen unterhalb der Bestimmungsgrenzen. Insbesondere für den kritischsten Parameter Benzol lag die Konzentration deutlich unter der Bestimmungsgrenze von 0,3 µg/l.

Die Fortführung des Monitorings in der Folgezeit ergaben keine gelösten Kohlenwasserstoffverbindungen im Einzugsbereich der privaten Gartenbrunnen in Köln-Godorf. Anhand der Grundwassergleichen, die seit Beginn der hydraulischen Sicherung berechnet wurde, konnte nachweislich eine stetige Fließrichtung des Grundwassers in Richtung der Sanierungs-/Betriebsbrunnen beobachtet werden. Das Wohngebiet lag zu keiner Zeit abstromig des Naphtha-Schadens. Aufgrund der hydraulischen Situation, der Entwicklung der Gehalte und der Fahnenverkleinerung wurde die empfohlene Nutzungsbeschränkung aufgehoben.und der Fahnenverkleinerung wurde die empfohlene Nutzungsbeschränkung aufgehoben.

Weiterführende Informationen - Bericht und Gutachten

Kontakt

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an das:

Umwelt- und Verbraucherschutzamt
Untere Bodenschutzbehörde und Grundwasserschutz
Telefon: 0221 / 221-34613

E-Mail an das Umwelt- und Verbraucherschutzamt