Was Sie tun können, um Spatzen das Leben leichter zu machen

Die Bestände des Haussperlings gehen in Deutschland kontinuierlich zurück. War er noch vor einigen Jahren der zweithäufigste Vogel in Deutschland, so ist er inzwischen auf Platz vier gefallen. Der starke Rückgang führte dazu, dass er bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten verzeichnet ist.

Warum aber gibt es den typischen Stadtvogel heute nur noch so selten, wo er doch als Kulturfolger schon seit Jahrtausenden immer in enger Gesellschaft des Menschen lebt?

 

Im Folgenden wollen wir die Gründe für den stetigen Rückgang des Spatzens aufzeigen. Es werden auch Maßnahmen vorgestellt, mit denen Sie diesem sympathischen Vogel helfen können. Bereits kleinere Aktivitäten vor der eigenen Haustür, die mit relativ wenig Aufwand umsetzbar sind, können für den Spatz eine große Hilfe sein. Dabei können wir alle mithelfen!

Nistplätze und Nisthilfen

© Betina Küchenhoff

Durch die Modernisierung und den Ordnungssinn der Städte findet der Spatz trotz seiner guten Anpassungsfähigkeit immer weniger für ihn geeignete Bereiche. In erster Linie fehlen ihm Nistplätze.

Die Fassaden der modernen Gebäude sind glatt und ohne Lücken, daher eignen sie sich kaum noch für den Nestbau. Auch die meisten Altbauten werden modernisiert und dadurch alle Lücken in Mauern und Dächern beseitigt. Der Spatz benötigt diese aber für den Bau seines Nestes und somit findet er kaum noch Möglichkeiten zu brüten.

Nisthilfen

Abhilfe kann hier schnell durch das Aufhängen geeigneter Nisthilfen geschaffen werden. Es gibt eine ganze Reihe von Modellen im Handel zu kaufen, aber auch Bauanleitungen zum Selbstbauen für geschickte Handwerkerinnen und Handwerker. Bei der Sanierung alter Gebäude oder bei Neubauten können Nisthilfen auch direkt in die Fassade integriert werden. 

Verschiedene Nistkasten-Modelle

Tipps zum richtigen Anbringen der Nistkästen:

  • Bitte hängen Sie die Kästen in mindestens 3 Meter Höhe auf.
  • Ideal ist eine Ostfassade, damit es in der Brutkammer weder zu warm, noch zu kalt wird. Südfassaden sind aufgrund des hier entstehenden Wärmestaus eher ungeeignet. Auf der Westseite ist der Kasten zu stark Regen und Wind ausgesetzt.
  • Ein freier Anflug des Einflugloches sollte möglich sein. Bäume im direkten Anflugbereich sind daher eher ungünstig.
  • Spatzen brüten gerne in Gesellschaft. Wenn möglich, bringen Sie doch gleich mehrere Nistkästen in einem Bereich an.

Nahrung

Auch die Nahrung wird immer knapper. Gärten und Parks werden so intensiv gepflegt, dass Wildblumen und mit ihnen auch die Insekten, die der Spatz unbedingt zum Füttern seiner Jungen benötigt, kaum mehr zu finden sind.

Häufig kommt es auch zur Anpflanzung fremdländischer Gehölze, deren Früchte der Spatz nicht als Nahrung nutzen kann.

© Betina Küchenhoff

Aufgrund des Einsatzes hoch effizienter Erntemaschinen in der Landwirtschaft fehlt Nahrung für die Tierwelt. Nach der Ernte verbleiben kaum noch Getreidekörner auf den Ackerflächen.

Zusätzlich trägt auch der Rückgang der Kleintierhaltung, in dessen Rahmen immer auch Körner für den Spatz abfielen, zu weiteren Nahrungsengpässen bei. Und auch wenn der Haussperling in menschlicher Nähe gerne Brotkrümel, Pommes Frites und Kuchenreste nascht, stellen diese keinen Ersatz für eine ausgewogene Ernährung dar.

Nahrung für den Spatz

Die Aussaat von Wildblumen im eigenen Garten, im Schrebergarten, in kleinen Grünanlagen oder auf Baumscheiben kann entsprechende Strukturen schaffen, die Insekten als Futter für die Jungvögel anlocken. Auch Samen und Blättchen für die Altvögel entstehen.

Das Pflanzen von Sträuchern mit heimischen Beeren, wie Wildrosen und Weißdorn, trägt zum Futterangebot bei. Steht nur wenig Platz zur Verfügung, können auch schon einige Getreidehalme oder Sonnenblumen das Angebot ergänzen.

Weitere Informationen der Deutschen Wildtier Stiftung
© Betina Küchenhoff

Zusätzlich können Sie Spatzen helfen, in dem Sie die Vögel im Winter füttern. Dies wird bei knappen Nahrungsangebot und insbesondere bei frostigen Temperaturen zu einem wesentlichen Überlebensfaktor, nicht nur für den Spatz, sondern auch für eine Reihe anderer Singvögel. Eine Futterstelle bietet zugleich gute Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung.

Praktische Tipps für die Futterstelle

Da an Futterstellen sehr leicht Krankheiten übertragen werden können, ist zur Vermeidung von Infektionen besondere Sorgfalt geboten. Folgende Hinweise sollten Sie daher beachten:

  • Das Futter muss stets trocken sein.
  • Die Futterstelle sollte so gestaltet sein, dass die Vögel das Futter nicht durch Kot verunreinigen können.
  • Richten Sie den Futterplatz so ein, dass eine freie Sicht zur Gefahrenerkennung für die Vögel möglich ist. Sträucher und Bäume in einigen Metern Abstand sind ideal als Deckung für die Tiere. Zum Schutz vor Katzen sollte die Futterstelle mindestens 1,5 Meter oberhalb des Bodens angebracht sein. 
  • Essensreste und salzige Speisen sollten Sie nicht verfüttern.
Weiterführende Informationen: Vogelfütterung - ein sinnvoller Vogelschutz mit Faltblatt, Stadt Gütersloh

Trink- und Bademöglichkeiten

© Stadt Köln/Betina Küchenhoff
© Stadt Köln/Betina Küchenhoff
© Stadt Köln/Betina Küchenhoff

In den zunehmend stärker versiegelten Bereichen der Stadt fehlen Wasserstellen zum Trinken und Baden sowie Sandbereiche für das Staubbad. Dadurch nehmen Krankheiten und Parasitenbefall zu, die beide einen frühzeitigen Tod herbeiführen können.

Die Pfützen kann schon ein mit Wasser gefüllter Blumenuntersetzer oder ein kleiner Brunnen ersetzen. Diese müssen sich allerdings an einem gut einsehbarem Platz befinden, damit der Spatz herannahende Feinde, vor allem Hauskatzen, früh genug erkennt.

Wichtig ist, dass das Wasser möglichst täglich erneuert wird, da sich auch hier Krankheitskeime schnell ausbreiten können.

Für das Staubbad reichen bereits kleine, unbewachsene Flächen mit Erde zwischen Sträuchern oder auf Baumscheiben aus. Auch Sandbereiche auf Spielplätzen werden gerne genutzt. Hier können Spatzen ihr Gefieder von lästigen Parasiten, wie etwa Zecken oder Milben, reinigen.

Verstecke

© Betina Küchenhoff

Hecken werden meist intensiv beschnitten und bieten Vögeln dadurch kaum noch genügend Schutz. Auch das Entfernen von Fassadenbegrünungen trägt zu einem weiteren Verlust von Versteckmöglichkeiten und Ruheplätzen bei. Spatzen sind so vermehrt Feinden, insbesondere Katzen, ausgesetzt.

Die Vögel benötigen Deckung, um sich sicher zu fühlen. Zum Wohlbefinden tragen kleine Hecken, einzelne nicht so stark beschnittene Sträucher oder auch eine Fassadenbegrünung bei.

Pflanzempfehlungen für Ihren Garten können Sie dem Faltblatt der Deutschen Wildtier Stiftung entnehmen.

Deutsche Wildtier Stiftung: Welche Pflanzen braucht der Spatz?

Vogeltod durch Autoverkehr und Fassaden

Neben den natürlichen Feinden tragen auch der zunehmende Autoverkehr und die Verglasung von Fassaden zu weiteren Verlusten bei. Man spricht hierbei von sogenannten Zivilisationsstrukturen.

Bei der Auswahl der Glasfassaden für Gebäude können die Verluste durch die Verwendung von vogelschlagsicheren Scheiben deutlich reduziert werden.

Eine Reihe von Möglichkeiten für die Gestaltung steht zur Verfügung wie beispielsweise:

© Betina Küchenhoff
  • Vorhänge
  • Außenjalousien
  • Musterungen, die sichtbar oder sogar unsichtbar für den Menschen sind

Diese Maßnahmen reduzieren den tödlichen Vogelschlag, da die stark spiegelnden Fassaden von den Tieren als Gebäude wahrgenommen werden können.

Bayerisches Landesamt für Umwelt: Weitere Informationen zum Vogelschlag

Fazit

Die Hilfen für den Spatz machen nicht nur dieser Vogelart das Leben leichter. Sie fördern zusätzlich die Artenvielfalt insgesamt und erhöhen auf diese Weise die Lebensqualität auch für den Menschen.

Naturnahe Strukturen tragen nicht nur zu einer Verschönerung des Stadtbildes bei sondern führen auch zu einem größerem Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner. Sträucher, Hecken, Wiesen, Bäume erfüllen wichtige Funktionen, wie die Filterung der Luft, Abkühlung bei Hitze im Sommer sowie Verringerung von Überflutung bei Starkregen.

Da jede Form von naturnahem Grün zur Verbesserung der biologischen Vielfalt beiträgt, sollten Sie, wo immer möglich, ein wenig "Wildnis" schaffen. Ob im Garten, auf dem Balkon, auf einer Baumscheibe oder am Straßenrand: Natur können Sie auch auf kleinem Raum verwirklichen!

Durch eine Vielzahl solcher Maßnahmen lässt sich ein Band grüner Strukturen durch die Stadt ziehen, damit der Spatz und viele andere heimische Arten uns auch morgen noch erfreuen nach dem Motto: Mit der Natur ein gutes Umfeld schaffen - nicht gegen sie!