Die aktuelle Situation rund um das Corona-Virus ist mit starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens und der sozialen Kontakte verbunden. Vor allem für Frauen und Kinder steigt die Gefahr häusliche beziehungsweise familiäre und sexualisierte Gewalt zu erfahren. Zurzeit ist noch kein Anstieg bei häuslicher Gewalt festzustellen. Jedoch sind die Zahlen vorläufig und nicht verlässlich, denn aufgrund der Ausgangsbeschränkungen und der häuslichen Enge ist es im Moment für Frauen sehr schwierig, Hilfe zu holen. Opferverbände, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen vor einem Anstieg der Fälle.

Frauenrechtsorganisationen aus China berichteten, dass sich während der Epidemie dreimal mehr Frauen wegen häuslicher Gewalt an die Hilfeorganisationen gewandt hätten. Auch die chinesische Polizei konnte eine Verdopplung der Anrufe feststellen,

sagt die Gleichstellungsbeauftragte Bettina Mötting. Unser Krisenstab ist für diese Problematik sensibilisiert und hat darauf reagiert. Durch das vielfältige Angebot und die gut ausgebaute Hilfestruktur können wir auch kurzfristig gezielt reagieren.

Hilfe und Beratung

Sie können sich an folgende Stellen wenden – auch im Zweifelsfall:

Im akuten Notfall gilt immer: 110.
Die Polizei kann die gewalttätige Person aus der Wohnung verweisen. Im Notfall halten wir Unterbringungsplätze für die Täterinnen und Täter bereit.

Es gibt ein Hilfenetzwerk in Köln, in dem schnell und fachlich kompetent geholfen wird:

  • Gewaltschutzzentrum linksrheinisch: Sozialdienst katholischer Frauen e. V.
    Telefon: 0221 / 126950        
  • Gewaltschutzzentrum rechtsrheinisch: Der Wendepunkt – Diakonie Michaelshoven
    Telefon: 0221 / 99564444
  • Agisra e. V. – Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen
    Telefon: 0221 / 124019
  • Frauenberatungsstelle FrauenLeben e. V.
    Telefon: 0221 / 9541660
  • Frauenberatungszentrum Köln e. V.
    Telefon: 0221 / 4201620
  • Autonome Frauenhäuser in Köln
    Telefon: 0221 / 515502 und 0221 / 515554

Auch Männer haben bei erlebter häuslicher Gewalt die Möglichkeit, sich an die beiden oben genannten Gewaltschutzzentren zu wenden. Darüber hinaus bietet der Sozialdienst katholischer Männer Beratung an.
Telefon: Klaus Schmitz 0176 / 15067623 und Michael Zeihen 0151 / 59164631

Das Jugendamt unterstützt in Krisen- und Notfallsituationen und ist erreichbar per E-Mail und telefonisch von 8 bis 16:15 Uhr. Sofortigen Schutz für gefährdete Kinder und Jugendliche bietet der Kinderschutzdienst (Gefährdungsmeldungs-Sofort-Dienst) des Jugendamtes rund um die Uhr, auch am Wochenende. Die Telefonnummer finden Sie beim jeweiligen Jugendamt in Ihrem Bezirk. 

Außerdem stehen folgende Hotlines- und Internetseiten für Betroffene und Bezugspersonen 24 Stunden täglich zur Verfügung, kostenfrei und bei Bedarf auch anonym:

  • Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 08000 / 116016
    Beratungen per E-Mail oder Sofort-Chat sind möglich. Zudem sind telefonische Beratungen in 17 Sprachen sowie in Gebärdensprache (online) verfügbar.
  • Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: 0800 / 2255530
Familienberatungsstellen von Jugendamt, Familienberatung und weiteren Einrichtungen
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen
Hilfetelefon Sexueller Missbrauch

Nicht weghören

Darüber hinaus ist es von großer Bedeutung, dass alle Kölnerinnen und Kölner in der aktuellen Situation wachsam sind und nicht weghören, wenn Geräusche aus der Nachbarwohnung dringen, die möglicherweise auf Gewalt schließen lassen. Die Gleichstellungsbeauftragte Bettina Mötting appelliert, solidarisch zu sein und aktiv zu werden, um Frauen und Kindern bei häuslicher Gewalt zu helfen.

Zusätzliche Kapazitäten der Unterbringung

Für die Unterbringung von häuslicher Gewalt betroffener Frauen und ihrer Kinder stehen in Köln zwei Frauenhäuser zur Verfügung. Sollten diese Kapazitäten nicht ausreichen, muss kurzfristig zusätzlicher Wohnraum bereitgestellt werden. Auch für Täterinnen und Täter, die eine Wegweisung aus der gemeinsamen Wohnung erhalten haben, ist dies erforderlich. Wir haben diese Problematik im Blick und stellen bei Bedarf zusätzlichen Wohnraum zur Verfügung. Die gute Vernetzung und Zusammenarbeit mit den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren ermöglicht es, sofort zu reagieren, wenn die vorhandenen Unterbringungskapazitäten nicht mehr ausreichen sollten.