Eine öffentliche Ehrung der Preisträgerinnen und Preisträger durch Oberbürgermeister Jürgen Roters erfolgte am 26. September 2010 auf dem Heumarkt. Der Kölner Ehrenamtspreis wird seit 2001 jährlich vergeben. Eine Jury bestimmt die Preisträgerinnen und Preisträger. In diesem Jahr wurden fünf Einzelpersonen, drei Gruppen und ein Unternehmen ausgezeichnet.

Erstmals wurde ein Zusatzpreis für das bürgerschaftliche Engagement von Migrantinnen und Migranten vergeben.

Auszeichnung von Einzelpersonen

In dieser Kategorie erhielten folgende Personen die Preise:

Katharina Reisdorf

Die 83-jährige Katharina Reisdorf ist seit 46 Jahren in der Arbeiterwohlfahrt (AWO) tätig. Seit 16 Jahren leitet sie den Seniorenclub der AWO Neue Stadt im Stadtteil Chorweiler. Ihr Ehrenamt beschäftigt Frau Reisdorf fast die ganze Woche. Montags serviert sie in der Altentagesstätte einem Kegelclub Kaffee, dienstags leitet sie dort den "Altenclub" mit 35 Mitgliedern. Am Freitagnachmittag wechselt sie schließlich in den "Seniorentreff", der jeden Tag im Foyer des Altenzentrums stattfindet. Sie schenkt Getränke aus und hat ein offenes Ohr für die Bewohnerinnen und Bewohner, die sich hier treffen. Samstags und sonntags hilft sie außerdem noch in einer Wohngruppe für 20 Demenzkranke bei der Frühstücksausgabe.

Elisabeth Lorscheid

© Till Müllenmeister

Elisabeth Lorscheid hat den "Kalker Mittagstisch" gegründet und versorgt derzeit etwa 150 Kinder aus Kalk und Umgebung täglich mit einem kostenfreien, warmen Mittagessen. Die Lebensmittel sammelt Frau Lorscheid täglich bei unterschiedlichen Händlerinnen und Händlern. Zu Fuß geht sie los und fragt, wer etwas übrig hat, woraus sie dann ein Mittagessen kochen kann.

Die Räumlichkeiten, in denen eine Küche vorhanden ist und in denen die Kinder essen können, werden von der GAG Immobilien AG kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Kosten für eine neue Küche übernahm "wir helfen e. V.".

Jutta Schulte

Jutta Schulte ist die "Küchenchefin" der Suppenküche für Obdachlose am Dom. Seit 13 Jahren verteilt Sie jeden zweiten Freitag auf der Domplatte einen leckeren selbst gemachten Eintopf an Obdachlose, Hartz-IV-Empfängerinnen und Empfänger sowie Kölsche Originale. Egal bei welchem Wetter. Auf sie ist Verlass, so dass sie schon immer erwartet wird. Das Angebot wird jedes Mal von 80 bis 120 Menschen in Anspruch genommen. Für ihr Projekt sammelt Frau Schulte Sach- und Geldspenden.

Bruder Erwin Echtner 

Bruder Erwin Echtner unterstützt Kinder und Jugendliche aus Afrika. Seit den 1980iger Jahren hilft er ihnen bei der Integration in Köln. Über viele Behördengänge sowie Vorsprachen und die Zusammenarbeit mit Jugendämtern, Schulen und Universitäten sorgt er dafür, dass sie auch ihre Freizeit sinnvoll gestalten, indem er sie in Sportvereinen und Kirchenchören unterbringt.

An der Integrierten Gesamtschule Rodenkirchen ist er Vormund und Betreuer zahlreicher afrikanischer Schülerinnen und Schüler, von denen viele ohne erwachsene Begleitung in Deutschland Zuflucht gefunden haben.

Durch seine Hilfe ist es den meisten Kindern gelungen, eine sehr gute schulische und auch berufliche Zukunft einzuschlagen.

Maria Elisabeth Lüttgen

© Till Müllenmeister

Maria Elisabeth Lüttgen betreibt Sport in der Krebsnachsorge. Sie hat den gleichnamigen Verein vor 20 Jahren gegründet. Über Jahre hat sie eigenständig Übungsstunden abgehalten, zuerst Hallengymnastik, später auch Wassergymnastik. Sie begleitete viele Schicksale durch Freud und Leid und unterstützte nicht zuletzt durch ihre reiche Lebenserfahrung.

Für "ihren Verein", den sie zwischenzeitlich dem Trägerverein "Segeln für Behinderte e. V." angliedern konnte, hat sie aufopferungsvoll gekämpft und so das Fortbestehen gesichert. Für ihren "Beruf" als Übungsleiterin hat sie sich laufend auf eigene Kosten fortgebildet.

Vor einigen Jahren brachte sie ihre Erfahrungen im "Arbeitskreis psychosoziale Krebsnachsorge" ein und arbeitete zusammen mit Marga Broil (Trägerin des Bundesverdienstkreuzes) maßgeblich daran mit, dass der "Kölner Krebskompass" zustande kam. Dieser bietet vielen betroffenen Bürgerinnen und Bürgern Informationen und zeigt Hilfsmöglichkeiten auf.

Auszeichnung von Gruppen

Kinderspielplatz Homarstraße/Ecke Kampgasse e. V.

Seit 35 Jahren hat die Initiative Kinderspielplatz Homarstraße/Ecke Kampgasse e. V. ein Grundstück in Kalk gepachtet. Dort haben die 600 Mitglieder des Vereins in Eigeninitiative einen Kinderspielplatz gebaut und finanziert. Seit 1999 gibt es in einem der angrenzenden Wohnhäuser einen Spielplatzkeller, wohin sich die Kinder und Eltern bei schlechtem Wetter zurückziehen können. Der Spielplatz wird regelmäßig weiter ausgebaut und erneuert. Darüber hinaus unterhält der Verein das Kinder- und Jugendtheater "De Schreihälse", das regelmäßig Vorstellungen unter anderem in Seniorenheimen gibt.

Kölsch Hätz Nachbarschaftshilfen

"Nachbarn zeigen ein Herz für Nachbarn" ist die Idee von Kölsch Hätz Nachbarschaftshilfen, das 1997 gegründet wurde. Gemeinsam organisieren der Caritasverband Köln in Kooperation mit dem Diakonischen Werk des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region und den Kirchengemeinden diese ökumenische Nachbarschaftshilfe.

In mittlerweile 20 Kölner Stadtteilen sind zurzeit 415 Ehrenamtliche zwischen 20 und 75 Jahren und drei Hauptamtliche aktiv. Kölsch Hätz vermittelt an Menschen, die sich eine Gesprächspartnerin oder einen Gesprächspartner wünschen und die bei Spaziergängen oder kleineren Unternehmungen Gesellschaft suchen.

Weiterhin ist Kölsch Hätz eine Hilfe bei Amtsgängen oder Einkäufen. Ein Team von ehrenamtlichen Koordinatorinnen und Koordinatoren bildet die Schnittstelle zwischen Engagementinteressierten und Nutzerinnen sowie Nutzern.

Kids for Future - Faustkämpfer Kalk 1951 e. V.

Sport und Beratung für Kinder und Jugendliche aus sozialen Brennpunkten stellt den Kern der Faustkämpfer dar. Kids for Future wurde von Boxathleten, qualifizierten Trainern, Pädagoginnen und Pädagogen sowie von Faustkämpfer Köln-Kalk e. V. ins Leben gerufen. Diese sehen ihren sozialen Auftrag in der Förderung von Kindern und Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten in Köln. Der Verein bietet den Jugendlichen einen Anlaufort, an dem sie nicht nur lernen, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten, sondern wo sie sich auch bei Fragen und Problemen erwachsenen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern anvertrauen können. Zusätzlich zum sportlichen Angebot werden regelmäßig Sprechstunden einer Sonderpädagogin angeboten.

Sonderpreis

"Mülheim bolzt für Respekt"

© Till Müllenmeister

Der Sonderpreis "Bürgerschaftliches Engagement von Migrantinnen und Migranten" ging an Adnan Tuncer, Turac Cetin, Baran Kargin, Magomed Magomaev mit dem Projekt "Mülheim bolzt für Respekt".

Es handelt sich um vier Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren mit Migrationshintergrund, die früher Zielgruppe integrativer, gewaltpräventiver und gesundheitsfördernder Projektarbeit waren.

Seit dem Frühjahr 2009 engagieren sie sich selbst für interkulturelle, gewaltpräventive und Toleranz fördernde Fußballbegegnungen und ein eigenes Eventformat für Gleichaltrige mit und ohne Migrationshintergrund: "Mülheim bolzt für Respekt".

Eine Maßnahme von benachteiligten Jugendlichen mit Migrationshintergrund für andere Mülheimer Jugendliche. Namensgebung, Organisation und Durchführung der Begegnungen für mehr Toleranz und Respekt, gegen Rassismus, Ausgrenzung und Gewalt erfolgte durch die Jugendlichen Adnan, Baran, Turac und Magomed selbst. Sie sind damit Vorbild für viele Jugendliche aus anderen Jugendeinrichtungen im Wohngebiet Köln-Mülheim, das durch eine besondere Förderwürdigkeit im Jugendhilfebereich wie auch einen besonderen Entwicklungsbedarf mit Blick auf eine sinnvolle Freizeitgestaltung ausgezeichnet ist.

Auszeichnung eines Unternehmens

RANDSTAD Deutschland GmbH und Co. KG

Unter dem Motto "Du bist ein Talent" setzt RANDSTAD Deutschland GmbH & Co. KG ein Förderkonzept um, das Deutschlands Hauptschülerinnen und Hauptschülern im Rahmen mehrjähriger Patenschaften fit für den Arbeitsmarkt macht. Ziel ist die Erhöhung der Abschlussquoten und die Steigerung der Berufsfähigkeit der Jugendlichen. Die Betreuung erfolgt durch Führungskräfte von RANDSTAD Deutschland aus den jeweiligen Niederlassungen vor Ort. Sie stehen während des gesamten Projektes als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Verfügung.

Die Schülerinnen und Schüler der teilnehmenden Hauptschulen lernen innerhalb von drei Schuljahren in speziellen Unterrichtseinheiten unterschiedliche Berufsbilder und Formen der Arbeit kennen. Bewerbungstrainings, Betriebsbesichtigungen, Kontaktaufbau zu Unternehmen und die Vermittlung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen runden die Patenschaften ab.