© Landeszentrale für Politische Bildung im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

Seit 2017 beteiligen wir uns am Förderprogramm NRWeltoffen des Landes Nordrhein-Westfalen. Es richtet sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Ein von uns eingesetztes Steuerungsgremium aus Vertreter*innen von städtischen Ämtern, externen Träger*innen und Verbänden setzt das Programm um und entscheidet über die Vergabe der Mittel. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Förderung von Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt, die eine kritische Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Rassismus und Diskriminierung ermöglichen sollen. Daneben legen wir den Fokus auch auf gezielte Präventionsarbeit und einen engen Austausch mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen.

Seit Beginn der Förderung stellen wir jährlich einen Antrag auf Fördermittel aus NRWeltoffen. Durch die vom Steuerungsgremium bewilligten Mittel werden Projekte gefördert, die in Zusammenarbeit mit Kooperationspartner*innen entwickelt und durch uns oder die Kooperationspartner*innen realisiert werden.

Förderprogramm NRWeltoffen des Landes Nordrhein-Westfalen

Projekte 2020

Queer TV

Das Projekt gibt mehrfachdiskriminierten Personen eine Stimme und sorgt für eine breitere öffentliche Wahrnehmung ihrer Belange. Durch die Darstellung der direkten Verbindung der Dimensionen sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität (LSBTI - Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und intergeschlechtliche Menschen) sowie Migration und Islam, verdeutlicht das Projekt, wie häufig sich verschiedene Formen von Diskriminierung überschneiden oder auch gleichzeitig erfolgen. In unterschiedlichen Formaten wie Interviews, Reportagen, Diskussionsrunden und Shows kommen Menschen direkt zu Wort und teilen ihre Erfahrungen und Geschichten. Hierbei stehen die vielfältigen Dimensionen der Diskriminierung und Ausgrenzung im Vordergrund: So etwa die Ausgrenzung aufgrund rassistischer und antimuslimischer Mechanismen innerhalb der LSBTI-Community oder die Ausgrenzung als LSBTI in der migrantischen oder religiösen Community. Das Projekt soll zum Dialog anregen, Mehrfachdiskriminierung thematisieren und mehr Verständnis schaffen.

Begleitet wurde das Projektvorhaben von Workshops zu Moderationstechniken, Präsentationstechniken sowie zur Produktionstechnik, zur Stärkung des Selbstwertgefühls und des Selbstbewusstseins der Menschen, die ihre Geschichten im digitalen Raum präsentiert haben.

Das Projekt Queer TV wurde von jungen Menschen selbst entwickelt und orientiert sich an ihren Ideen und Wünschen. Das Hauptziel des Projektes bestand im Aufbau einer Plattform, auf der mit verschiedenen Formaten diverse Themen, insbesondere aus der LSBTI und BIPoC* Community sowie Verbündeten, aufgearbeitet wurden.

Queer TV

Postkoloniale Gedenkorte und Erinnerungsorte

Das Projekt Postkoloniale Gedenkorte und Erinnerungsorte hatte den Aufbau einer interaktiven Karte zum Ziel, die Orte mit kolonialen Bezügen in Köln erkennbar macht. Die Internetseite richtet sich an alle Menschen, die etwas über das koloniale Erbe der Stadt Köln erfahren möchten. Im Projektzeitraum sind bestehende Beiträge und Aktivitäten rund um das Thema "Köln und die Kolonialzeit" analysiert und entsprechend digitalisiert worden. Ziele des Projektes sind, die Kölner Bevölkerung für das Thema Postkolonialismus zu sensibilisieren, über die Themenschwerpunkte aufzuklären und sie zu motivieren, sich weiterhin aktiv mit diesem Erbe auseinanderzusetzen.

Bei Erstellung der Inhalte wurde darauf geachtet, den Zugang zu dem komplexen Thema möglichst niedrigschwellig zu halten. Die Texte wurden in einfacher, verständlicher Sprache verfasst. Die Beiträge sind im Audioformat und Textformat abrufbar. Dadurch lassen sich alle Audiobeiträge problemlos anhand der Transkriptionen nachverfolgen. Darüber hinaus liegen die Texte auch in englischer und französischer Sprache vor.

Die erarbeiteten Stationen wurden um Fotos erweitert, die auf die Straßennamen und andere Erinnerungsorte hinweisen. Die Internetseite beinhaltet zudem ein Glossar, das die Beschreibung notwendiger Begrifflichkeiten umfasst, sowie eine Literaturliste, die zur Vertiefung der Inhalte anregt.

Integrationshaus e. V.

Awareness-Informationsmaterialen

Bei dem Projekt "Erstellung von Awareness-Informationsmaterialien" handelt es sich um eine Fortführung des im Jahr 2019 geförderten Projekts "Veranstaltungsreihe - Kritische Auseinandersetzung mit postkolonialen Perspektiven". Die damalige Verwaltungsreihe "Awareness", siehe unter Projekte 2019, wurde sehr positiv bewertet und auch im Nachgang noch stark nachgefragt, sodass es nahe lag, ein Folgeprojekt zu initiieren.

Das Konzept von Awareness bedeutet Räume, Orte und Begegnungen zu ermöglichen, die frei von Diskriminierung sind und einen verantwortungsvollen und sensiblen Umgang im Miteinander gewährleisten. Besonders dort, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft, sexueller Orientierung, unterschiedlichen Geschlechts oder Menschen mit Behinderung aufeinandertreffen, können Ungleichheiten verstärkt und gesellschaftliche Verhältnisse wie Rassismus und Diskriminierung erkennbar werden.

Nach Ende der Veranstaltungsreihe 2019 gab es zahlreiche Nachfragen und Anfragen zum Awareness-Konzept sowie der Umsetzung der Awareness-Methode als Mittel gegen Rassismus und Diskriminierung. Um diesen Nachfragen dauerhaft nachzukommen, ist das durch die Veranstaltungsreihe erarbeitete Konzept in Form einer Broschüre aufgearbeitet, gedruckt und verbreitet worden.

Awareness - Pamoja Afrika e. V. Köln

Projekte 2019

Dekolonialisiert die Integration

In zwei Workshops wurden Multiplikator*innen, die ehrenamtlich und hauptamtlich in der Fluchtarbeit und Migrationsarbeit im Raum Köln tätig sind, sensibilisiert, Veranstaltungen so zu gestalten, dass diese frei von Rassismus und Diskriminierung und offen für Vielfalt sind. Diversität und Postkolonialismus wurden dabei als miteinander verflochtene Themen betrachtet. Ziel der Veranstaltungsreihe war es, konkrete Lösungsansätze zu entwickeln, um Veranstaltungen mit postkolonialer und rassismuskritischer Perspektive organisieren und realisieren zu können.

Der erste Workshop beinhaltete eine Einführung in das Thema Postkolonialismus. Thematisch im Mittelpunkt standen die historische Dimension des Kolonialismus, die Entstehung der heutigen globalen Mächtekonstellation sowie die Analyse der damit einhergehenden Ursachen von Diskriminierung und Rassismus.

Im zweiten Workshop formulierten die Teilnehmenden praktische Handlungsempfehlungen und Tipps, um rassismuskritische und postkoloniale Veranstaltungen zu ermöglichen. Darüber hinaus wurden die Teilnehmenden im Umgang mit unbewusster Voreingenommenheit sensibilisiert. Ein besonderer Fokus wurde auf den Zusammenhang und das Zusammenwirken von Postkolonialismus, institutionellem Rassismus, zum Beispiel innerhalb des Weltwirtschaftssystems, und Rassismus auf der Alltagsebene, zum Beispiel gruppenbezogene Stereotypisierungen und Diskriminierungen, gelegt.

Die Workshops liefen als Teil einer Kooperation von Migrafrica e. V. und dem Integrationshaus e. V. im November 2019 in den Räumen des Integrationshauses. Als eines der Ergebnisse ist ein Leitfaden entstanden, der Akteur*innen dafür sensibilisieren und dazu ermutigen soll, Veranstaltungen unter der rassismuskritischen Perspektive zu organisieren.

Leitfaden "Rassimuskritische Perspektive bei der Organisation von Veranstaltungen"

Veranstaltungsreihe "Awareness"

Die Veranstaltungsreihe von Pamoja Afrika e. V. wurde als eine Plattform des kritischen Austausches, der individuellen Fortbildung und der gemeinsamen Entwicklung von Ideen genutzt, um sich im Weiteren vertieft mit den Themen Awareness (Bewusstsein) und Empowerment (Selbstbefähigung) auseinandersetzen zu können. Die Teilveranstaltungen boten den Teilnehmenden und Beteiligten Raum für Erfahrungsaustausch und Reflexion. So wurde beispielsweise die eigene (weiße) Position der Teilnehmenden im Kontext von Rassismus hinterfragt und eine machtkritische Selbstreflexion angeregt. Im Vordergrund stand die Behandlung der Themen Kolonialismus und Neokolonialismus, Machtkritik und Rassismus, rassistische Stereotype und Vorurteile sowie rassismuskritischer Sprachgebrauch und gesellschaftliche Verantwortung.

Die Veranstaltungsreihe hat zur Selbstreflexion der Beteiligten mit Blick auf die genannten Themen beigetragen und Handlungsperspektiven zu dem Thema Empowerment und Awareness aufgezeigt.

Die Veranstaltungen dienten als Impuls, um auch weiterhin nachhaltige Strukturen von Awareness und Empowerment im postkolonialen Zeitalter zu schaffen, auf individueller und struktureller Ebene.

In 2020 sind die Ergebnisse der Veranstaltungsreihe in einem weiteren Projekt zu einer Handreichung zusammengetragen worden, siehe unter Projekte 2020.

Projekt 2018

Unsere Vielfalt. Kölns Stärke!

© Stadt Köln
Kölner Vielfaltskampagne Motiv 1

Die Öffentlichkeitskampagne "Unsere Vielfalt. Kölns Stärke" wurde 2018/2019 realisiert. Sie rückte die Vielfalt der Stadt in den Fokus und setzte ein deutliches Zeichen gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und für das offene und vielfältige Köln.

Die Kampagne umfasste eine Social-Media-Kampagne sowie die Entwicklung von fünf Printplakaten. Letztere waren wiederkehrend im Kölner Stadtbild zu finden und werden zu bestimmten Anlässen plakatiert, zum Beispiel am Tag der Toleranz. Zusätzlich sind sechs Roll-ups entstanden, die bei unseren Veranstaltungen verwendet werden können, um Zeichen für das vielfältige Köln zu setzen.

Bei der Entwicklung der Kampagne haben in einem großen Beteiligungsverfahren 20 Personen aus unterschiedlichen städtischen und nichtstädtischen Gremien und Arbeitskreisen zusammengewirkt und die inhaltliche Ausrichtung der Kampagne erarbeitet.

Erklärtes Ziel war es, eine Kampagne zu gestalten, die Stereotype abbaut, Menschen stärkt und die Gemeinsamkeiten aller Menschen in den Vordergrund rückt – unabhängig von Geschlecht, Alter, Behinderung, Religion, Ethnie oder Hautfarbe sowie sexueller Identität. Großen Wert wurde dabei auf Authentizität gelegt. Daher sind auf den Plakaten ausschließlich Menschen zu sehen, deren Heimatstadt Köln ist, die hier eine Heimat gefunden haben oder die einfach hier leben und sich mit der Stadt identifizieren.

Verbindendes Element aller Motive ist eine klassische Kölner Parkbank. Auf dieser Bank begegnen sich täglich Menschen und tauschen sich aus - geplant oder ganz spontan. Damit wird die Bank zu einem Ort, der nicht die Unterschiede betont, sondern den Dialog in den Vordergrund rückt. Ziel war es, eine Situation darzustellen, die den Betrachtenden der Bilder vertraut ist, mit der sie sich identifizieren und in der sie sich wiederfinden können.

Neben uns waren folgende Institutionen an der Entwicklung der Kampagne beteiligt:

  • Arbeitskreis Kölner Frauenvereinigungen (AKF)
  • Integrationsrat Köln
  • Kölner Forum gegen Rassismus und Diskriminierung
  • Kölner Jugendring
  • Rat der Religionen Köln
  • Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik
  • Stadtarbeitsgemeinschaft Lesben, Schwule und Transgender
  • Stadtarbeitsgemeinschaft Seniorenpolitik
Entstehungsgeschichte und Hintergründe der beteiligten Personen auf den Plakaten
Mehr zur Kampagne "Unsere Vielfalt. Kölns Stärke!"

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