composed mixed media photography

Der finnische Künstler Ola Kolehmainen wurde 1964 in Helsinki, Finnland geboren und lebt in Berlin. Er beschäftigt sich in der Ausstellung mit der Dualität des Mediums Fotografie als haptisches Objekt mit seiner ganz eigenen Ästhetik auf der einen und als Informationsträger auf der anderen Seite. Dies tut er, ausgehend von historischen Fotografien des Rheinischen Bildarchivs (RBA).

In der Ausstellung werden neue Fotokunstwerke gezeigt, in denen Ola Kolehmainen sakrale Innen- und Außenräume verarbeitet. Mit diesem Thema hat er sich bereits in seinen Projekten der vergangenen Jahre intensiv auseinandergesetzt. Kolehmainen hat sie während seiner Artist Residency im RBA im Rahmen des Photoszene-Projektes Artist Meets Archive erarbeitet. Die Aspekte Licht, Raum und Farbe spielen darin eine entscheidende Rolle. Sein besonderes Interesse gilt dem "alten Licht" und dem Wechselspiel von Licht und Raum in den fotografisch oder auch zeichnerisch überlieferten Räumen. Er hinterfragt die historischen Raum-Lichtverhältnisse und verarbeitet sie unter Verwendung traditioneller und digitaler Fotoprozesse. Im Zentrum der Ausstellung steht eine aufwändige Installation zum Kölner Dom. Der Sakralarchitektur stellt Kolehmainen die "Schatzkunst" gegenüber.

In den aktuellen Arbeiten hat er seine bereits seit 2015/2016 im RBA erprobten Arbeitsprinzipien von der Untersuchung der ästhetischen Werte von Glas- und Filmnegativen auf die beschrifteten Handabzüge des Positivarchivs ausgedehnt. Sichtbaren Kennzeichen der Archivierung und fototypischen Alterungsprozessen widmet er seine Aufmerksamkeit genauso wie den Manipulationen der Fotografen am Negativ in Form von Retuschen, Abklebungen und Farbaufträgen.

Die Fotobestände des Rheinischen Bildarchives werden normalerweise als Dokumentarfotografien um der abgebildeten Motive willen wahrgenommen. Zugleich sind zum Beispiel retuschierte Glasnegativplatten auch ein haptisch fassbare Objekte und bedeutsame Zeugnisse der Fotografiegeschichte. Ola Kolehmainens Ansatz würdigt beide Aspekte auf höchst spannende Art und Weise. Er bricht in seinen Werken mit Sehgewohnheiten und motiviert dadurch zu einem bewussten Sehen. Er holt in seinen hochästhetischen Kunstwerken die historische Aufnahme quasi aus ihrem Schattendasein als Mittel zum Zweck ins Rampenlicht eines künstlerischen Hinterfragens ihrer verschiedenen Qualitäten.

Die Ausstellung wird vom Finnland-Institut unterstützt.

Dom in Coeln 1248 bis 1880; 2019, 209 x 178 cm

Das Kunstwerk basiert auf einer 24 x 30 Zentimeter großen Glasnegativplatte. Sie zeigt eine Außenansicht der Südquerhausfassade des Kölner Doms zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese Fassade mit ihren drei Portalen unter hohen Wimpergen vor Blendmaßwerk war erst Mitte des 19. Jahrhunderts konzipiert und dem gotischen Langhaus vorgeblendet worden. Entworfen hatte sie in enger Anlehnung an die mittelalterliche Formensprache der damalige Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner (1802 bis 1861) in Zusammenarbeit mit Karl Friedrich Schinkel, Sulpiz Boisserée und König Friedrich Wilhelm IV. Die Grundsteinlegung zur Domvollendung erfolgte 1842. Die Sandsteinfassade am Südquerhaus war 1855 fertig gestellt. Sie gehört in ihrer ausgewogenen klassizistischen Formensprache zu den bedeutendsten Werken der Neugotik.

Die Aufnahme der Südquerhausfassade gehört zu einem kleinen Glasnegativ-Bestand aus dem Besitz von Franz Brantzky (1871 bis 1945), der über das Archiv des Kölner Stadtkonservators in das Rheinische Bildarchiv gekommen ist. Brantzky war ab 1904, bis in die dreißiger Jahre in Köln als Architekt, Bildhauer und Maler tätig. Die Aufnahme ist vermutlich zu Beginn seiner Tätigkeit in Köln entstanden. Das Glasnegativ weist auf der Seite mit der lichtempfindlichen Emulsionsschicht altersbedingte Veränderungen auf: Am Rand hat sich ein so genannter Silberspiegel gebildet, der in Kolehmainens Werk als weißlicher Rahmen erscheint. In der rechten unteren Ecke zeichnet sich mit einem wolkenartig ausgefranst wirkenden Rand die Trocknungskante einer eingetrockneten Flüssigkeit ab, die am Original nur in der Aufsicht bei schräg einfallendem Lichteinfall erkennbar ist.

RBA Archiv Köln, RBA 225 861 (Stadtkonservator-Bestand, Mappe Franz Brantzky), Glasnegativ, 28,4 x 33,5 cm, nach 1904/vor 1933

St. Maria vom Frieden 1685; 2019, Größe: 41 x 37 cm

Ausgangssituation für dieses Kunstwerk ist eine großformatige Glasnegativplatte, die flächig mit roter Abdeckfarbe und schwarzem Lack zur Schärfung der Konturen im Dachbereich retuschiert wurde. Veröffentlicht wurde sie zum ersten Mal 1911 in Paul Clemens Publikation "Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln" Band 2, 1, in dem die Marienkirchen behandelt wurden. Sie muss also vorher entstanden sein.

Zu sehen ist die Westfassade der barocken Klosterkirche St. Maria vom Frieden (geweiht 1692) in der südlichen Altstadt von Köln, von der Schnurgasse aus. Ein barockes schmiedeeisernes Gitter grenzt den Vorhof von der Straße ab. Die wohl von einem Laienbruder der Karmeliten erbaute Kirche wurde bei einem Luftangriff im April 1942 von Brandbomben getroffen und durch den Brand weitgehend zerstört. Zwischen 1947 und 1957 wurde sie unter der Leitung des Kölner Dombaumeisters Willy Weyres wieder aufgebaut und ihr altes Erscheinungsbild rekonstruiert. Fotografien wie dieses von Kolehmainen für sein neues Kunstwerk verwendete historische Glasnegativ dienten häufig als Vorlage für die Rekonstruktion zerstörter Kölner Gebäude.

RBA Archiv Köln, RBA 042 901, Glasnegativ, 24,8 x 30,2 cm, vor 1911

Monstranz 19c I, 1968, 2019 und Monstranz 19c II, 1968, 2019 Größe: 59 x 48 cm und 59 x 48 cm

Ausgangspunkt für das zweiteilige Werk ist die Fotografie RBA 127 910, die ein Fotograf des RBA 1968 möglicherweise anlässlich der Erwerbung der Monstranz durch das Museum Schnütgen im gleichen Jahr angefertigt hat. Die Monstranz aus vergoldetem Silberblech stammt vom Ende des 19. Jahrhunderts und diente der Präsentation der geweihten Hostie in einem scheibenartigen Schaugefäß. Mit ihrem zierlichen Ständer und sechseckigen Fuß war sie zum Emporheben beim Segen und Tragen bei Prozessionen geeignet.

Die intensive Verehrung der geweihten Hostie als Unterpfand der physischen Anwesenheit Gottes setzte im 13. Jahrhundert ein. Vorher vertraten liturgische Bücher – das Evangeliar oder das Missale – die Person Christi etwa in Prozessionen. Die Hostie wird seitdem in besonderen Schaugefäßen ähnlich den Ostensorien für Reliquien gezeigt.

Zwei Faktoren begünstigten die Hostienfrömmigkeit:

  • Die Lehre von der Gegenwart Christi in der geweihten Hostie (Transsubstantiationslehre) des Vierten Laterankonzils 1215
  • Die Frauenmystik der Zeit; die "Frommen Frauen" (Protobeginen) des Bistums Lüttich verehrten die Eucharistie und verbanden diese Verehrung mit Visionen. Juliana von Cornillon, Augustinerchorfrau in Lüttich, empfing Traumgesichte, in denen sie von Gott aufgefordert wurde, sich für ein Hochfest des Allerheiligsten Sakraments einzusetzen.

Auf Julianas Initiative hin wurde das Fest der leiblichen Gegenwart Christi im Sakrament in Lüttich erstmals 1246 gefeiert. Papst Urban IV. führte das Fest 1264 per Bulle in der Gesamtkirche ein.

RBA Archiv Köln, RBA 127 910, Glasnegativ, 13 x 18 cm, Fotograf unbekannt, 1968 Museum Schnütgen G 668, Monstranz, 2. Hälfte 19. Jahrhunderts

Weitere Informationen unter Rheinisches Bildarchiv Photoszene-Festival Köln 2018 und 2019