17. April 1852 bis 10. Dezember 1916

Der Nachlass des Kölner Lehrers und Hobbyfotografen Heinrich Ewertz gelangte 2008 als Schenkung der Erbin in den Besitz des Rheinischen Bildarchivs. Er umfasst 140 Autochromeplatten, 56 Glasnegative verschiedenen Formats, fünf Fotoalben mit diversen Postkarten, ein Album mit S/W-Abzügen im Format 9 mal 12 Zentimeter sowie zwei Mappen mit Schwarz-Weiß-Fotos in den Formaten 13 mal 18 Zentimeter und 18 mal 24 Zentimeter.

Experimentelle Aufnahmen

Die Autochromeplatten (9 mal 12 Zentimeter) gehören zu den wenigen überlieferten Beispielen früher Farbfotografien. Ewert experimentierte mit den neuen Möglichkeiten des um 1904/1907 aufgekommenen Kornrasterverfahrens. Er färbte winzige, aus rohen Kartoffeln gewonnene transparente Stärkekörner mit den drei Grundfarben Rot, Blau und Grün ein, brachte die getrocknete, vermischte Substanz auf eine mit Leim präparierte Glasplatte und überzog jene mit einer panchromatischen Emulsion. In der Umkehrentwicklung entstand dann ein farbiges Diapositiv. Die Motive für seine Farbaufnahmen fand Ewertz im privaten Umfeld und in seiner näheren Heimat. Mit Vorliebe setzte er seine Frau und Kinder aus der Verwandtschaft vor üppigen Blumenrabatten ins Bild oder fotografierte Landschaften an Rhein und Ruhr.

Auch die Positivabzüge seiner Alben sind eher privater Natur. Entstanden im Kontext verschiedener Reisen zeigen sie das Leben der Menschen im Siebengebirge und der Eifel. Zu sehen sind Landschaften, Dörfer, Burgen, bäuerliche Wirtschaften und industrielle Kleinbetriebe.

Innerhalb des Nachlasses trägt ein Komplex von etwa 50 Positivabzügen im Format 18 mal 24 Zentimeter eindeutig dokumentarische Züge. Vermutlich als Auftragswerk, möglicherweise in Vermittlung über den Eifelverein, dessen Mitglied Ewert war, ist der Bauverlauf der Urfttalsperre für den damals größten europäischen Stausee im Kreis Euskirchen zwischen 1900 und 1905 in allen wichtigen Bauphasen fotografiert. Zu besonderen Anlässen fertigte Ewertz Porträt- und - für die damalige Zeit auf Grund der langen Belichtungszeiten schwierige - Großgruppenaufnahmen der am Bau beteiligten Belegschaft an. Er leistete mit diesen Aufnahmen einen wichtigen Beitrag zur frühen Industriefotografie. Der Bestand bietet interessante Einblicke in eines der wichtigsten Bauvorhaben der Rheinlande kurz nach der Jahrhundertwende.

Evelyn Bertram-Neunzig

Heinrich Ewertz auf Kulturelles Erbe Köln