Museumspreis des Europarats 2012 und Nominierung für den EMYA

Das Rautenstrauch-Joest-Museum - Kulturen der Welt wurde im Europaparlament in Straßburg mit der höchsten kulturpolitischen Auszeichnung geehrt, die ein Museum in Europa erhalten kann: dem Museumspreis des Europarates. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro und der Statue - "La femme aux beaux seins" von Joan Miró verbunden, die ein Jahr lang im Besitz der Preisträgerin oder des Preisträgers verbleibt.

Den Preis nahmen am Abend des 24. April 2012 Professor Dr. Klaus Schneider, Direktor des Museums, Dr. Jutta Engelhard, Vize-Direktorin und Projektleiterin der Neukonzeption, sowie die Kuratorinnen Brigitte Majlis und Dr. Clara Himmelheber entgegen. Die Museumsdelegation brachte von der Preisverleihung aus Straßburg die Bronzestatuette "La femme aux beaux seins" von Jean Miró mit nach Köln, die neben anderen Preisen und Auszeichnungen einen Ehrenplatz erhalten hat.

Überzeugt hat die Jury neben der Architektur des neuen Hauses vor allem das innovative Konzept der Ausstellung und dessen gelungene Inszenie­rung durch Atelier Brückner, Stuttgart. Besonders hervorgehoben wurde, dass das Museum mit seinem Gesamtprogramm einen bedeutenden Beitrag zum interkulturellen Dialog leistet.

Museumspreis des Europarats

Seit 1977 widmet sich das European Museum Forum (EMF) der Anerken­nung und Förderung herausragender neuer Projekte und Ideen auf dem Museumsgebiet in allen Mitgliedsstaaten des Europarates. Der Europarat wählt jährlich auf Grundlage einer shortlist des EMF das Museum, das durch einen bedeutenden Beitrag zum Bewusstsein des kulturellen Erbes in Europa besonders hervorgetreten ist. Museen aus 49 Ländern stehen hierbei im Wettbewerb. In den letzten 20 Jahren ging die hohe Auszeich­nung nur dreimal an ein Museum in Deutschland:

  • 1991, Deutsches Salzmuseum in Lüneburg
  • 1995, Haus der Geschichte in Bonn
  • 2002, Buddenbrookhaus in Lübeck
© Council of Europe/Candice Imbert

Die Jury berücksichtigte bei ihrer Wahl insbesondere die überzeugende Präsentation, die kreative Umsetzung und die engagierte Besucherorientie­rung des Museums. Sie lobte die Konzeption und Inszenierung des Themenparcours "Der Mensch in seinen Welten".

Insbesondere die Bereiche "Der verstellte Blick: Vorurteile", "Die Welt in der Vitrine: Museum", "Lebensräume - Lebensformen: Wohnen", "Vielfalt des Glaubens: Religionen" und "ZwischenWelten: Rituale" überzeugten.

Das Museum verstehe es mit seiner Ausstellung, Brücken zwischen den Kulturen zu bauen, soziale und politische Grenzen zu überwinden und Vergangenheit und Gegenwart zu verbinden. Die Ausstellung lehre Bescheidenheit und rege an zu kritischer Selbstreflexion.

Im Rahmen seiner Ausstellungen und bei seinen museumspädagogischen Programmen engagiert sich das Museum stark für ein multikulturelles Publikum - Erwachsene und Kindern gleichermaßen. Alle Besucher werden inspiriert und zum Nachdenken angeregt. Das Museum ist nicht nur ein Fenster zu den Kulturen der Welt, sondern vor allem ein Ort, an dem gezeigt wird, wie sich Kulturen manifestieren und wie sie durch ihre Dar­stellungsweise aus ganz unterschiedlichen Perspektiven wahrgenommen werden können. Das Museum hält Vorurteilen einen Spiegel vor und nimmt seine Besucher mit auf eine Reise, die ebenso schön, wie span­nend, klug inszeniert und anspruchsvoll umgesetzt ist,

heißt es in der Begründung der Jury.

Das Rautenstrauch-Joest-Museum ist damit in der Geschichte der Preis­verleihung nicht nur das erste Kölner Museum, das diesen Preis jemals erhalten hat, sondern auch das erste ethnologische Museum europaweit.

Professor Dr. Schneider, Direktor des Rautenstrauch-Joest-Museums, ist hoch­erfreut über die Anerkennung und dankte vor allem der Projektleitung und dem gesamten Wissenschaftlerteam bestehend aus Dr. Jutta Engelhard, Dr. Burkhard Fenner, Dr. Clara Himmelheber und Brigitte Majlis für die außerordentliche Leistung.

Nachdem das Museum seit seiner Neueröff­nung im Oktober 2010 bereits eine Vielzahl von Preisen wie den Kölner Kulturpreis Kulturereignis des Jahres 2010 und den red dot design award 2011 erhalten hat, ist der Museumspreis des Europarates 2012 jetzt die Krönung. Der Museumspreis des Europarats zeigt, dass das Museum einen überzeugenden Weg gefunden hat, ethnologische Themen in die Gegen­wart zu transportieren,

so Schneider.

Das neue Rautenstrauch-Joest-Museum - Kulturen der Welt hat den ohnehin schon bedeutenden Kranz der Kölner Museen um einen weiteren Edelstein bereichert. Das Haus am Neumarkt hat sich dank seiner heraus­ragenden Ausstellungskonzeption und Architektur nach der Wiedereröff­nung direkt an die zweite Stelle der Besucherstatistik katapultiert. Was die Besucherinnen und Besucher schätzen, überzeugte auch den Europarat. Die Verleihung seines renommierten Preises sehe ich auch als Auszeich­nung der Kulturstadt Köln. Ich danke Professor Dr. Klaus Schneider, seiner Stell­vertreterin Dr. Jutta Engelhard und dem ganzen Team für die ausgezeich­nete Arbeit. Sie hat mit der Preisverleihung die verdiente Anerkennung gefunden,

so Kölns Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes.

European Museum of the Year Award (EMYA)

Das Rautenstrauch-Joest-Museum - Kulturen der Welt wurde außerdem für den "European Museum of the Year Award (EMYA)", dem "Oscar" in der Museumsszene, nominiert. Dieser wurde am 19. Mai 2012 in Penafiel, Portugal verliehen. Vom 16. bis 19. Mai 2012 traf das Europäische Museums Forum (EMF) zu seiner Jahresversammlung in Penafiel, Portugal zusammen.

Den Höhe­punkt des Programms stellte am Abend des 19. Mai die feierliche Verlei­hung des EMYA sowie die erneute Würdigung des Museumspreises des Europarates im Beisein von Alberto Santos, Bürgermeister von Penafiel, und Francisco José Viegas, portugiesischer Kulturminister, dar. Diese beiden begehrten Hauptpreise werden jährlich vom Europäischen Museumsforum und dem Komitee für Kultur, Wissenschaft, Bildung und Medien der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (Committee on Culture, Science, Education and Media of the Parliamentary Assembly of the Council of Europe) vergeben. Der EMYA ging an das Madinat al-Zahra Museum in Cordoba, Spanien.  

Es fühlt sich an, als sei es gestern gewesen, dass wir den Museumspreis des Europarats in Straßburg entgegen nehmen durften. Und jetzt sind wir in Portugal als Preisträger erneut hoch geehrt worden. Viele unserer Kollegin­nen und Kollegen sind auf uns zugekommen; sie sind von unserem Konzept ganz und gar begeistert, und wir sind von ihrem Lob einfach überwältigt,

kommentiert Professor Dr. Klaus Schneider, der zusammen mit Dr. Jutta Engelhard nach Penafiel gereist war.

Mehr als 300.000 Besucherinnen und Besucher haben das Rautenstrauch-Joest-Museum seit seiner Neueröffnung im Oktober 2010 besucht. Das Haus hat mit seinem innovativen und kreativen Präsentationskonzept Maßstäbe für einen vorurteilsfreien und vielschichtigen Kulturvergleich gesetzt und damit höchste Anerkennung bei einem breiten Publikum und auch in Fachkreisen erhalten. Klaus Schneider und sein Team hoffen, dass der Museumspreis des Euro­parates 2012 die öffentliche Wahrnehmung des Museums auch auf natio­naler und internationaler Ebene weiter steigern wird.