Restaurierung von mittelalterlicher Buchmalerei bis moderner Fotografie

Durch den Einsturz des Historischen Archivs ist fast der gesamte Archivbestand aus über 1.200 Jahren Stadt-, Regional- und Kirchengeschichte sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Insgesamt weist das aus den Trümmern geborgene Archivgut - egal um welches Material es sich dabei handelt - ganz charakteristische Schäden auf - die Kölner Schadensbilder.

Mechanische Beschädigungen

Mechanische Beschädigungen sind besonders typisch für massive Erschütterungen. Es handelt sich hierbei um Risse, Schnitte, Brüche und Fehlstellen sowie Knicke und Stauchungen.

Je nach Materialtyp ist das Schließen von Rissen oder Fehlstellen und das Glätten von Knicken und Stauchungen unterschiedlich aufwändig.

So lassen sich derartige Beschädigungen in einer Akte aus Papier in der Regel recht einfach bearbeiten. Bei einer mittelalterlichen Handschrift, die aus mehreren Materialien wie Pergament, Leder, Holz und Metall besteht, ist dies jedoch wesentlich komplizierter.

Teilweise sind durch den Einsturz auch starke Deformierungen entstanden. Sogar ganze Buchblöcke konnten dem immensen Druck nicht standhalten und sind verformt worden. Die mechanischen Schäden findet man an allen Materialtypen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass gute Schutzverpackungen oder auch die massiven mittelalterlichen Holzdeckeleinbände in vielen Fällen eine vollständige Zerstörung verhindert haben.

Verschmutzungen

© Historisches Archiv

Zu den mechanischen Schäden kommt hinzu, dass alle Fundstücke verstaubt und durch die teilweise monatelange Berührung mit Grundwasser, Erdreich und Bauschutt enorm verschmutzt sind.

Die verschiedenen Materialien erfordern unterschiedliche Reinigungsverfahren. So kann zum Beispiel eine oberflächliche Verschmutzung auf einem Papier durch Abkehren mit einem Pinsel entfernt werden. Bei fotografischen Materialien würde dieses Verfahren hingegen die empfindliche Emulsionsschicht massiv beschädigen.

Wasserränder

An vielen Stücken sind Feuchtigkeitsschäden durch Kontakt der Dokumente mit dem Grundwasser und als Folge von Witterungseinflüssen während der Bergung entstanden. Durch die Feuchtigkeit kommt es zu Wasserrändern, zum Ausbluten von Farbmitteln, und es können - je nach Material - sehr starke Verwellungen entstehen.

Wir konnten jedoch erstaunt feststellen, wie widerstandsfähig vor allem Papiere sind. So haben wir unter anderem einzelne Akten geborgen, die seit 19 Monaten im Grundwasser gelegen haben und doch noch lesbar und recht gut erhalten sind.

Die von Regen- und Grundwasser stark durchnässten und verdreckten Archivalien wurden sofort mit klarem Wasser abgebraust, in Stretchfolie verpackt und bei minus 25 Grad schockgefroren.

Mikrobieller Befall

© Historisches Archiv

Die feuchten und verschmutzten Archivalien sind anfällig für einen Befall durch Mikroorganismen. Daher sind viele Stücke partiell oder auch vollständig verschimmelt. Sie müssen schnellstmöglich gereinigt werden, da es ansonsten zum Abbau der chemischen Strukturen kommt. Davon abgesehen stellen sie natürlich auch ein Gesundheitsrisiko für die Benutzerinnen und Benutzer dar.

Schäden an Text- und Schriftbild

Durch Fehlstellen, Verschmutzungen und Feuchtigkeitsschäden ist es auch zu erheblichen Verlusten der Textinhalte gekommen. Bei den empfindlichen fotografischen Materialien und den AV-Medien ist dies besonders ausgeprägt.

Lediglich 60 Prozent der Bild- und Tonträger konnten in einem restaurierbaren Zustand geborgen werden. Hinzu kommt, dass der Großteil (55 Prozent) der geborgenen AV-Medien in einem stark geschädigten Zustand ist, der eine Benutzung nicht zulässt. Die Restaurierung dieser Materialien stellt eine besonders große Herausforderung dar.

Neben den zahlreichen durch den Einsturz bedingten Schäden existieren aber auch Altschäden. Denn bereits vorher waren Teile der Archivbestände für eine Restaurierung vorgesehen.

So sind durch Überlagerung und Kombination bisweilen sehr komplexe Schadensbilder entstanden, was die Restaurierung der Dokumente zusätzlich erschwert.