60 Jahre Ringpartnerschaft mit Esch-sur-Alzette, Lille, Lüttich, Rotterdam und Turin

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2018 würdigen wir zusammen mit Esch-sur-Alzette (Luxemburg), Lille (Frankreich), Lüttich (Belgien), Rotterdam (Niederlande) und Turin (Italien) 60 Jahre Ringpartnerschaft. Dieser Städteverbund wurde ein Jahr nach Abschluss der Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, dem Vorläufer der heutigen EU gegründet, um die europäische Idee auf kommunaler Ebene zu verankern und den Bürgerinnen und Bürgern nahe zu bringen. Ein Anliegen, das nie an Bedeutung verloren hat und heute aktueller ist denn je. Dieses besondere städtepartnerschaftliche Band gerade zu Weihnachten, dem Fest des Friedens, in den Fokus zu rücken, soll einmal mehr den Wert der Europäischen Gemeinschaft unterstreichen. Denn nicht zuletzt sichert sie uns in Europa seit über 70 Jahren Frieden.

Weihnachten in unseren Partnerstädten

Frohe Weihnachten! – Buon Natale! – Schéi Chrëschtdeeg! – Vrolijk Kerstfeest! – Joyeux Noël! In unseren Partnerstädten gibt es ähnlich wie bei uns in Deutschland besondere Traditionen. Ein paar Bräuche und Besonderheiten möchten wir Ihnen vorstellen: 

Lille - Frankreich

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Bûche de Noël

In Frankreich spielt das klassische Weihnachtsessen, "Le Réveillon" eine besondere Rolle, das nach dem Besuch der Christmesse auf den Tisch kommt. Kennzeichen sind der mit Kastanien gefüllte Truthahn oder der Kapaun (im Alter von etwa 12 Wochen kastriertes Masthähnchen) mit Pflaumenfüllung. Neben weiteren Delikatessen runden Champagner und der "Bûche Noël", der Weihnachtsbaumkuchen, das Festessen ab. Dieser Kuchen ist auf den Brauch zurückzuführen, am Weihnachtsabend einen Baumstamm zu verbrennen. Dessen Asche wurde nach den Feiertagen auf die Felder ausgebracht, was Glück und eine reiche Ernte bescheren sollte. Die Geschenke bringt der Père Noël (Vater Weihnacht), der im Kinderlied "Petit Papa Noël" gerne besungen wird.

Esch-sur-Alzette - Luxemburg

In Luxemburg bringt nicht der Weihnachtsmann die Geschenke, sondern das "Chrëschtkëndchen" (Christkind). Auch hier findet sich die Familie nach der Messe zu einem Festessen zusammen. Alte Tradition ist Träipen, eine Blutwurst, die zusammen mit Kartoffelbrei und Apfelsoße gereicht wird. Dieser Brauch erinnert an ein sehr kölsches Ganzjahresgericht: "Himmel un Ääd". Weitere typische luxemburgische Weihnachtsschmankerl sind Gromperekichelcher (Kartoffelpuffer), Boxenmänncher (Stutenkerle). In flüssiger Form gehört "Egg Nogg" zur Weihnachtszeit, ein süßes Getränk mit Sahne, Vanille und Rum. Leckereien, die es auch auf den Weihnachtsmärkten in der ganzen Adventszeit zu finden gibt. In unserer Partnerstadt Esch-sur-Alzette eröffnet der Weihnachtsmarkt schon ganz besonders früh am 18. November.

Im Zentrum steht natürlich auch hier der Weihnachtsbaum, der in diesem Jahr stolze 14,5 Meter misst. Untrennbar mit Weihnachten sind in Luxemburg, besonders in den ländlichen Regionen, die von Kindern aufgeführten Krippenspiele verbunden. Ein weiterer Höhepunkt in der Vorweihnachtszeit ist die Escher Nikolaus-Parade.

Rotterdam - Niederlande

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Zum Sinterklaas gibt es Schokobuchstaben

Wie in den Niederlanden allgemein steht auch in Rotterdam nicht der Heilige Abend und das Weihnachtsfest im Zentrum der Weihnachtszeit, sondern der Nikolaustag. Zurück geht die Tradition auf den Bischof Sankt Nikolaus aus Myra. Er gilt auch als Schutzpatron der Kaufleute und Seefahrer und wird wohl auch deshalb in den Niederlanden als erfolgreich Handel betreibende Seefahrernation besonders gewürdigt. Dem "Sinterklaas" wird deshalb nicht nur mit einer Nikolaus-Parade Aufmerksamkeit geschenkt. Die Festzeit von "Sinterklaas" beginnt der Legende nach schon drei Wochen vor dem 6. Dezember, findet aber anlässlich am Nikolausabend ihren Höhepunkt. Gab es seit Mitte November schon regelmäßig kleine Süßigkeiten in abends herausgestellten Schuhen, werden die größeren Geschenke im Säckchen am Nikolausabend vor die Türe gelegt.

Kennzeichen der "Surprises" sind die besonders kreativen und kunstvollen Verpackungen und kleine Sinterklaas-Gedichte, die laut verlesen werden müssen. Sie enthalten gute Taten und Eigenschaften, aber gerne auch einen Seitenhieb auf eher schlechte Gewohnheiten, kleine Marotten. Als Zuckerwerk gesellen sich dazu die Anfangsbuchstaben des Namens vom jeweilig Beschenkten. Diese Chocoladeletters sind bereits seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts ein fester Bestandteil der Nikolaus-Tradition. Allerdings ist diese Tradition noch älter. Bevor sich die Schokoladenbuchstaben durchgesetzt haben, wurden sie aus Brot- oder Keksteig gefertigt. Heute noch beliebt sind die Banketletters. Eine Köstlichkeit aus Blätterteig mit einer Marzipanfüllung. Gefeiert wird der Nikolausabend im Familienkreis mit einem großen Festessen. Ebenso wie im belgischen Flandern endet die Weihnachtszeit in den Niederlanden am Dreikönigstag.

Lüttich - Belgien

In Belgien, vor allem in Flandern, ist Sinterklaas ebenfalls Höhepunkt der Weihnachtszeit. Holländische und belgische Weihnachtsbräuche ähneln sich in diesem Punkt sehr. Mit Festen und Umzügen wird der Heilige Nikolaus geehrt. Das eigentliche Weihnachtsfest wird mit religiösem Brauchtum kleiner, aber auch als Familienfest gefeiert. Eine Besonderheit der Lütticher Weihnacht ist die Tradition des Puppentheaters. Gleich einer lebendigen Krippe wird mit "La Naissance" (Die Christgeburt) die Weihnachtsgeschichte nachgespielt. Diese Tradition findet in diesem Jahr auch in Köln mit einem Gastspiel des "Musée Tchantchès" im Comedia Theater ihren Platz.

Tradition sind in Belgien auch die Weihnachtsmärkte. Ein ganz besonderer Weihnachtsmarkt findet sich in unserer Partnerstadt. Dieser Weihnachtsmarkt ist mehr ein Weihnachtsdorf mit allem, was ein echtes Dorf ausmacht: So sind die Holzchalets unter anderem gestaltet als Rathaus, Kirche und Postamt. Auch der Aufbau spiegelt den dörflichen Charakter mit Straßen, kleineren Gässchen und Plätzen wider. Das folkloristische Programm wird vom "Mayeur" (Bürgermeister), den "Schöffen" als stellvertretende Bürgermeister und "Ratsmitgliedern" gestaltet. Auf der Dorfbühne treten Chöre, Musikgruppen, Tanzgruppen, Ballonkünstler und viele mehr auf. Besondere Attraktionen sind das Riesenrad, sowie die Eislauf- und Rodelbahn. In über 30 Jahren ist das Lütticher "Weihnachtsdorf" in Größe, Dauer und Atmosphäre zum wichtigsten Weihnachtsmarkt in Belgien geworden. 

Turin - Italien

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Weihnachtsstimmung in Turin

Das italienische Weihnachtsfest dominieren zwei Tage: Der Heilige Abend und der Epiphanias-Tag. Gefeiert werden beide Tage, die Geschenke gibt es aber in der Regel erst am 6. Januar des neuen Jahres, dem Dreikönigs- oder Epiphanias-Tag.

Zurück geht dieser Brauch auf die mythische Figur der Hexe Befana, die auf zwei Legenden beruht: Danach empfing die Befana von den Hirten die frohe Botschaft von der Geburt des Jesuskindes. Als sie sich aber auf den Weg zur Krippe machte, war der Stern von Bethlehem bereits erloschen. In der Hoffnung, das gesegnete Kind doch noch beschenken zu können, flog sie auf ihrem Besen von Haus zu Haus und machte gleich allen Kindern Geschenke. Eine andere Erzählung besagt, dass die Befana in Palästina war, um für ihr eigenes Kind ein Geschenk zu finden. Als sie zurückkehrte, fand sie es von Herodes Soldaten getötet und verlor darüber den Verstand. Seitdem soll sie auf ihrem Besen unterwegs sein, um Kinder zu finden, die sie beschenken kann.

Ein besonderer Tag für die italienische Weihnacht ist der 8. Dezember, wenn das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis gefeiert wird. Zu diesem Tag werden Tannenbaum und Krippe aufgestellt und es wird weihnachtlich festlich geschmückt. 

Ein Lied geht um die Welt: Stille Nacht - Heilige Nacht

Was aber allen christlichen Kulturen zum Weihnachtsfest weltweit gemein ist, ist das Lied "Stille Nacht – Heilige Nacht". 1818 wurde es mit dem Text von Joseph Mohr und der Melodie von Franz Xaver Gruber in Oberndorf bei Salzburg uraufgeführt. Von dort trat es in seiner 200-jährigen Geschichte einen Siegeszug rund um den Globus an und wird mittlerweile in rund 300 Sprachen gesungen. 2011 wurde "Stille Nacht, heilige Nacht" von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe Österreichs anerkannt.

Die Ringpartnerstädte zu Weihnachten in Köln

"Folget dem Stern von Krippe zu Krippe…" - Der 23. Kölner Krippenweg

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Der Kölner Krippenweg ist seit jeher international ausgerichtet und zeigt immer wieder auch Weihnachtsdarstellungen aus unseren Partnerstädten. Anlässlich 60 Jahre Ringpartnerschaft präsentieren unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Henriette Reker die Krippenfreunde der Region Köln e. V. in diesem Jahr Krippenkunst aus gleich fünf Partnerstädten. So finden sich vom 26. November 2018 bis 6. Januar 2019 entlang der Kölner Via Culturalis von der Hohen Domkirche bis zur Kirche Sankt Maria im Kapitol an vier Stationen Exponate aus: 

  • Esch-sur-Alzette
  • Lille
  • Lüttich
  • Rotterdam
  • Turin

In Kooperation mit Sammlerinnen und Sammlern aus verschiedenen Ländern verwandelt "Weihnachten der Städtepartner" die traditionsreiche Kulturachse in einen urbanen Ausstellungsraum, der die Diversität europäischer Krippentraditionen und Weihnachtsbräuche zeigt. Während die Partnerstädte Lille (2013), Turin (2014) und Lüttich (2015) beim Kölner Krippenweg schon zu Gast waren, präsentieren Esch-sur-Alzette und Rotterdam erstmals Krippenkunst in Köln.

Rahmenprogramm zum Krippenweg

© Walter Schiestel
"Markt der Engel" - Neumarkt
  • Das Musée Tchantchès zu Gast in Köln
    Wie schon erwähnt, gibt das traditionelle Puppentheater ein Gastspiel im Comedia Theater Köln. Eigens für "Weihnachten der Städtepartner" haben die liebenswerten Helden der belgischen Puppenbühne Deutsch gelernt und geben am 14. und 15. Dezember 2018 jeweils zwei Vorstellungen von "La Naissance - Die Christgeburt" in der Muttersprache ihrer Kölner Freunde.
  • Weihnachtskonzert der "Harmonie municipale Esch-sur Alzette"
    Am 15. Dezember 2018 spielt das Escher Jugendorchester auf dem Weihnachtsmarkt am Dom bekannte und weniger bekannte Weihnachtslieder aus aller Welt.
  • Gaben aus den Partnerstädten
    Auch die beliebte Hänneschenkrippe auf dem Markt der Engel am Kölner Neumarkt würdigt 60 Jahre Ringpartnerschaft: Die Heiligen Drei Könige haben auf ihrem Weg zum Jesuskind Station in Esch-sur-Alzette, Lille, Lüttich, Rotterdam und Turin gemacht. Neben Weihrauch, Gold und Myrrhe bringen sie dem neugeborenen Heiland köstliche Spezialitäten mit, die man ihnen in den Partnerstädten als Geschenk für die Heilige Familie übergeben hat.
  • Weihnachtliches aus den Partnerstädten
    Auf dem Hafenweihnachtsmarkt am Schokoladenmuseum mit seinem maritimen Flair können Kinder besonders schöne Weihnachtsbräuche aus Kölns Partnerstädten erleben sowie bei interessanten, witzigen und teils auch skurrilen Traditionen mitmachen.
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Die Ringpartnerstädte auf dem Kölner Weihnachtsmarkt am Dom

© Walter Schiestel
Weihnachtsmarkt am Dom

Auch auf dem Weihnachtsmarkt am Dom werden die Ringpartnerstädte aus Luxemburg, Belgien, Frankreich und den Niederlanden während der Adventszeit zu Gast sein und sich im Stand 106 abwechselnd präsentieren. Neben vielen Informationen über die jeweilige Stadt werden auch allerhand kulinarische Spezialitäten und typisches Kunsthandwerk angeboten.

  • Lille:
    6. bis 9. Dezember 2018
  • Esch-sur-Alzette:
    10. bis 16. Dezember 2018
  • Lüttich:
    17. bis 21.Dezember 2018
  • Rotterdam:
    22. und 23. Dezember 2018

Zum Auftakt vom 26. November bis 5. Dezember 2018 ist ebendort auch die Kölner Partnerstadt Bethlehem vertreten. Sie ist untrennbar mit dem Weihnachtsfest verbunden. Wer es zu Beginn des Weihnachtsmarktes nicht schafft, diesen Stand zu besuchen, findet Bethlehem vom 17. bis 23. Dezember 2018 am Sozialstand.

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