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Weihnachten, für allen Christ*innen das Fest der Liebe, das Fest des Friedens, das Fest der Freude – in diesem Jahr überschattet insbesondere vom Krieg in der Ukraine, von Gewalt und Elend.

Wie werden die Bürger*innen in unserer neuen Projektpartnerstadt Dnipro dieses Weihnachtsfest erleben? Werden die Angriffsraketen in diesen Tagen schweigen? Werden für ein paar Stunden keine neuen Opfer und Verletzte zu beklagen sein? Werden keine Familien durch Bombeneinschläge ihr Zuhause verlieren? Werden keine Frauen, Mütter, Väter und Kinder die Nachricht vom Tod eines nahestehenden Menschen empfangen müssen?

Wie werden die Frauen, Mütter, Väter und Kinder in unserer russischen Partnerstadt Wolgograd diese Weihnachtstage erleben, wissend, dass ein naher Angehöriger im Nachbarland in den Kriegt ziehen muss?

Wir möchten Ihnen hier die Weihnachtskultur der Ukraine und Dnipro ein Stück näher bringen, auch wenn es für unsere Freund*innen in Dnipro in diesem Jahr wohl keine unbeschwerten Feiertage geben wird.

Weihnachten in Dnipro und in der Ukraine

Anders, als Christ*innen der römisch-katholischen Kirche, der anglikanischen Kirche, der reformierten Kirche sowie des Lutherischen Weltbundes, feiern orthodoxe Christ*innen das Weihnachtsfest nach dem julianischen Kalender, so auch in der Ukraine, wo 75 Prozent der Bevölkerung orthodoxen Glaubens sind. Der julianische Kalender weicht um 13 Tage vom gregorianischen Kalender ab, weshalb bis 2100 in der orthodoxen Weihnacht der Heiligabend jeweils auf den 6. Januar fällt und Weihnachten am 7. und 8. Januar gefeiert wird.

 

Eine Besonderheit gibt es seit 2017 in der Ukraine: Im Herbst hatte das ukrainische Parlament beschlossen, auch den 25. Dezember zum offiziellen Weihnachtsfeiertag und gesetzlichen Feiertag zu erklären. Was ein Teil der Bevölkerung als ein Entkommen von den katholischen und protestantischen Christ*innen werten, vor allem in der West-Ukraine (rund 5,1 Prozent der Gesamtbevölkerung), betrachteten andere eher kritisch und als eine zunehmende "Verwestlichung". Politikbeobachter schließen nicht aus, dass mit der Entscheidung des Parlaments zu zwei "Heiligen Festen" auch eine klare politische Botschaft verbunden war.

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Ukrainischer Gemüsebortsch

Wie bei allen Christ*innen geht die vorweihnachtliche Fastenzeit bis zum Heiligen Abend. Dementsprechend kommen auch in der Ukraine traditionell vor allem fleischlose, einfache Speisen auf den Tisch. Serviert werden in Anlehnung an die 12 Apostel 12 Speisen beziehungsweise kleine Gänge mit ganz unterschiedlichen Gerichten. Dabei dürfen ein vegetarischer Gemüsebortsch (ein herzhafter Eintopf aus Rote Beete) gefüllte Teigtaschen (Varenyky) und Krapfen nicht fehlen. Abgerundet wird das Essen im Kreis von Familie und Verwandten mit dem klassischen "Kutja". Hier labt man sich an einem süßen Brei aus gekochten Weizenkörnern mit Walnüssen, Honig, Mohn und Rosinen.

In vielen Familien wird am Heilig Abend der Tisch mit einer Beigabe aus Heu unter dem Tischtuch gedeckt, um an die Geburt Christi im Stall zu erinnern. Mit gemeinsamen Spielen, Musizieren und Singen rund um den Weihnachtsbaum, genannt "Jalynka", klingt der Heilige Abend in der Ukraine aus.

Am ersten Weihnachtstag folgt nach dem Kirchgang das üppige Festmahl zu Ehren Christi Geburt in der vorangegangenen Stillen Nacht. Der zweite Weihnachtstag ist dem Besuch von entfernteren Verwandten gewidmet und viele Kinder und Jugendliche ziehen verkleidet als Sternsinger von Haus zu Haus.

Aber wann dürfen sich orthodoxe Christ*innen über ihre Weihnachtsgeschenke freuen? Nun, die bringt nicht das Christkind oder der Weihnachtsmann, sondern "Väterchen Frost", mit seinem langen weißen Bart und dem wärmenden Pelzmantel in Blau oder Eisgrau. Und der kommt schon am 31. Dezember, zusammen mit seiner Enkelin "Schneeflöckchen" oder auch "Schneemädchen" genannt. Auch hat er keine Rute dabei, sondern einen besonderen Stab. Was er mit ihm berührt wird zu Eis und verwandelt alles in ein Wintermärchen.

Kölner Partnerstädte bereichern den Kölner Krippenweg

Seit 1996 bringt der Kölner Krippenweg Krippenkunst und Weihnachtskultur aus aller Welt nach Köln. Auch in diesem Jahr können sich alle Kölner*innen und Gäste unserer Stadt vom 27. November 2022 bis 6. Januar 2023 auf dem Kölner Krippenweg verzaubern lassen. An über 100 Stationen präsentiert der Krippenfreunde Region Köln e. V. wieder außergewöhnliche Krippenkunst von traditionell bis künstlerisch-avangardistisch.  

Unter der Überschrift "Weihnachten der Städtepartner" wird seit nunmehr zehn Jahren in Kooperation mit den Kölner Städtepartnerschaftsvereinen und Cologne Alliance e. V. ein besonderer Fokus auf Krippenkunst aus unseren Partnerstädten und deren weihnachtliche Bräuche gelenkt.

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Der Blau-Gelbes Kreuz e. V. auf dem Weihnachtsmarkt am Dom

Gerne wäre so kurz nach Abschluss der Projektpartnerschaft mit Dnipro in der Ukraine (27. Oktober 2022) auch eine Krippe aus der Metropole am Dnjepr ausgestellt worden. Der Krieg mit Russland lässt dies jedoch in diesem Jahr nicht zu. Aber der Stand vom Blau-Gelbes Kreuz e. V. auf dem Weihnachtsmarkt am Dom freut sich über Ihren Besuch und eine Spende für die Unterstützung der Menschen in Dnipro.  

 

Umso mehr freuen wir uns, dass aus der polnischen Partnerstadt Katowice wieder ein besonderes Exponat den Weg nach Köln gefunden hat. Junge Künsterler*innen der Oberschule "Plastyk" haben das berührende Werk "Maria mit Kind" gestaltet.
Katowice, in der Woiwodschaft Schlesien/Polen und rund 1.350 Kilometer von Dnipro entfernt, hat nach Beginn des russischen Angriffskrieges viele ukrainische Flüchtlinge aufgenommen und auch, durch unsere Unterstützung, versorgt. Katowice war auch der Ort, an dem der Letter of Intend zur Vorbereitung der Projektpartnerschaft unterzeichnet wurde. Insofern können wir den Beitrag aus unserer polnischen Partnerstadt auch als besonderen Friedensapell und als Brücke nach Dnipro betrachten. 

Erstmals wird in diesem Jahr eine Krippe aus Esch-sur-Alzette im Rahmen von "Weihnachten der Städtepartner" beim Kölner Krippenweg gezeigt. Unsere luxemburgische Partnerstadt trägt 2022 den besonderen Titel "Europäische Kulturhauptstadt" und zeigt bei einer Krippenausstellung mit Krippen aus den 27 EU-Mitgliedsstaaten in Esch eine Kölnische Krippe der Künstlerin Doris Broicher. 

Weihnachtliches aus Kölns Partnerstädten

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Stationen auf dem Kölner Krippenweg und den Weihnachtsmärkten

  • Nr. 2 Weihnachtsmarkt am Kölner Dom
    Stand 31 Städtepartnerschaften:
    Blau-Gelbes Kreuz - Deutsch-Ukrainischer Verein e. V. im Rahmen
    der Projektpartnerschaft Köln-Dnipro; Informationsangebot 
  • Nr. 9 Kölntourismus
    Krippe aus Esch-sur-Alzette, Luxemburg
    (in Kooperation mit Köln-Esch-sur-Alzette)
  • Nr. 12 Bürgerbüro
    Themenfenster "Maria"
    (in Kooperation mit Köln-Istanbul)
  • Nr. 28 Vringstreff
    Olivenholzkrippe aus Bethlehem
    (in Kooperation mit Köln-Bethlehem)
  • Nr. 45 Markt der Engel
    Hänneschenkrippe mit Besuch aus Barcelona und Liverpool
    Minikrippenhäuschen, Weihnachtsbote "Räuchertürke"
  • Nr. 49 Mieterverein Köln
    Katalanische Krippe von Montserrat Ribes
    (in Kooperation mit Köln-Barcelona)
  • Nr. 59 St. Gertrud
    Künstlerkrippe der Oberschule "Plastyk" aus Katowice
    (in Kooperation mit Köln-Kattowitz)
Der Kölner Krippenweg mit allen Infomationen
Köln - Dnipro: Alle Informationen zur Projektpartnerschaft
Blau-Gelbes Kreuz - Deutsch-Ukrainischer Verein e. V.