Ergebnisprotokoll der 10. Sitzung am 7. Juli 2017

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

  • Frau Dr. Klein, Stadt Köln, Beigeordnete für Bildung, Jugend und Sport
  • Frau Heuer, Amt für Schulentwicklung, Stadt Köln (Moderation)
  • Herr Overmann, Regionale Bildungslandschaft - Inklusion, Amt für Schulentwicklung (Protokoll)
  • Herr Dr. Bell, Behindertenbeauftragter der Stadt Köln
  • Frau Biermann, ehemalige Kompetenzzentren, UNIS 
  • Herr Bockschewsky, Schulrat Inklusion, Schulamt für die Stadt Köln
  • Herr Edwards, Sprecher der Förderschulen
  • Frau Erxleben, Sprecherin der Hauptschulen
  • Herr Hamerski, Schulpsychologischer Dienst und Familienberatung, Stadt Köln
  • Herr Dr. Imhäuser, Vorstand, Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft
  • Herr Kuhn, Sprecher der Gesamtschulen
  • Herr Linder, Sprecher der Berufskollegs
  • Herr Milbrandt, Sprecher der Grundschulen im Gemeinsamen Lernen
  • Herr Mirtz, GEW AK Inklusion in Vertretung für Frau Kellermann
  • Herr Nolte, Bezirksregierung Köln in Vertretung für Frau Dr. Steffel
  • Herr Pfeuffer, Stabsstelle Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Stadt Köln
  • Herr Prof. Dr. Reich, Internationale Lehr- und Lernforschung, Uni Köln
  • Herr Dr. Seiler-Kesselheim, Schulleiter, Schule für Kranke
  • Herr Dr. Springob, Universität zu Köln, Zentrum für LehrerInnenbildung (ZfL)
  • Frau Thoms, mittendrin e. V.
  • Frau Voggenthaler, Der Paritätische LIGA 
  • Frau Dr. Weidenfeld, LVR in Vertretung für Frau Dr. Schwarz 
  • Frau Bastges, LVR
  • Frau Kempken, Stabsstelle Integrierte Jugendhilfe und Schulentwicklungsplanung, Stadt Köln (Gast)

Begrüßung/Formalia

Frau Dr. Klein und Frau Heuer begrüßen die Anwesenden. Frau Heuer übernimmt die Moderation.

Heute nehmen als neue Mitglieder erstmalig an der Sitzung teil:

  • Frau Voggenthaler vom "Paritätischen" vertritt nun dauerhaft die LIGA
  • Herr Linder vertritt als Schulleiter des BK Ulrepforte die Belange der Berufskollegs

Frau Heuer dankt Frau Volland-Dörmann (Arbeiterwohlfahrt, LIGA) und Herrn Dr. Schneider (Schulleiter am Berufskolleg Deutzer Freiheit) für die intensive, konstruktive und nachhaltige Mitarbeit der vergangenen Jahre.

In der heutigen Sitzung vertritt Frau Stangier Frau Kellinghaus-Klingberg von der Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik und Herr Minartz Frau Kellermann von der GEW. Herr Nolte von der Bezirksregierung vertritt als schulfachlicher Dezernent Frau Dr. Scheffel und Frau Dr. Weidenfeld vertritt heute Frau Dr. Schwarz vom LVR. Entschuldigt hätten sich für die heutige Sitzung Frau Schulz-Krause und Herr Völlmecke.


Genehmigung des Protokolls der letzten Sitzung

Die mit den Mitgliedern abgestimmte Fassung des Protokolls wurde im März 2017 an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer versandt. Das Protokoll ist anschließend auf stadt-koeln.de eingestellt worden. Herr Trapp merkt an, dass das Protokoll nicht barrierefrei zugänglich sei. Herr Overmann sagt zu, dies zu überprüfen und in Zukunft eine entsprechende Version zu erstellen.

Tagesordnungspunkt 1: Informationen der Verwaltung

Teilnahme der Industrie- und Handelskammer zu Köln am Expertenbeirat

Frau Heuer berichtet von verschiedenen Gesprächen und Zusammenkünften mit Herrn Christopher Meier von der Industrie- und Handelskammer und der Idee an seiner Mitarbeit im Expertenbeirat Inklusion. Als Geschäftsführer des Aus- und Weiterbildungsbereichs könne er das Themenspektrum "berufliche Bildung (beziehungsweise duale Ausbildung)" um den Fokus Inklusion ergänzen.

Der Expertenbeirat Inklusion spricht sich einstimmig für Herrn Christopher Meier als neues Mitglied im Expertenbeirat aus.

In diesem Zusammenhang kündigt Frau Heuer eine Anpassung der Geschäftsordnung für eine der nächsten Sitzungen an.  


Personalstelle "Elternberatung Inklusion"

Frau Heuer berichtet von den Schwierigkeiten der Umsetzung. Wie bereits während der Sitzung des Expertenbeirats im November berichtet, soll bei der Stadt Köln eine Personalstelle "Elternberatung Inklusion" eingerichtet werden. Die Person solle vorgängig eine Lotsenfunktion übernehmen. Das Verfahren gestalte sich verwaltungsintern allerdings schwierig. Zudem stünden die Mittel lediglich für ein Jahr zur Verfügung, auch dies sei problematisch. Gespräche auf Dezernatsebene würden in den nächsten Wochen geführt, sie sei zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden werde.  


Inklusionsplan für Kölner Schulen - Zwischenbilanz/Fortschreibung

Frau Kempken stellt den Gliederungsentwurf (Anlage) vor. Zwischenbilanz und Fortschreibung des Inklusionsplans würden regelmäßig erstellt und dienten auch als Grundlage für die Inklusionsplanung der Stadt Köln. Gliederungsentwurf:

  • Einführende Hinweise und Ausgangslage
  • Verantwortungsgemeinschaft von Stadt und Land
  • Qualitätsentwicklung und -sicherung von Bildung und Erziehung an Kölner Schulen im gemeinsamen Lernen
    - Stand der Umsetzung des Kommunalen Inklusionsplans für Kölner Schulen
    - Schulaufsicht für die Stadt Köln: Team Inklusion
  • Inklusionsentwicklung an Kölner Schulen (Zahlen und Erfahrungen)
  • Kölner Expertenbeirat Inklusion: Synopse der Einschätzungen und Empfehlungen der Gruppierungen zur Zwischenbilanz 2017

Wie in der Vergangenheit auch soll der Expertenbeirat über Leitfragen eingebunden werden. Chancen der multiprofessionellen Zusammenarbeit würden am Beispiel einer Schule durch ein Interview mit beteiligten Akteurinnen und Akteuren abgebildet.

Es schließt sich eine intensive Diskussion mit folgenden Kernelementen an:

Im Interview sollten möglichst alle Schulformen (gegebenenfalls über den Expertenbeirat) abgebildet werden. Die Vertreterinnen und Vertreter des Expertenbeirats könnten alternativ auch separat befragt werden.

In der Zwischenbilanz sowie der Fortschreibung des Inklusionsplans für Kölner Schulen sollen die Forderungen aus dem General Comment No. 4, Article 24: Right to inclusive education berücksichtigt werden.

Dem Gliederungsentwurf wird unter den oben genannten Hinweisen zugestimmt.  


"Gute Schule für alle Kinder in NRW jetzt!" Forderungen der Elterninitiative Kölner GU Schulen, Eltern für Inklusion
(Anlage)

Frau Heuer informiert über das konstruktive Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Elterninitiative und stellt deren zentralen Forderungen dar:

  • weniger Kinder pro Schulklassemehr individuelle Förderung durch qualifizierte Lehrkräfte
  • Zeit für pädagogische Arbeit im multiprofessionellen Team
  • Einsatz von gut ausgebildeten Schulbegleitern
  • Umstellung der Lehrerausbildung auf einen inklusiven Pädagogikeinsatz von Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern an allen Schulen
  • Investitionsprogramm für Schulgebäude

Grundsätzlich seien all diese Themen bei der Stadt Köln als Schulträger im Fokus. Bereits jetzt werde fast jede zweite Schule durch Schulsozialarbeit unterstützt, im Bereich der Schulbegleitung ginge Köln erfolgreich mit dem Pool-Modell neue Wege, im Bereich der Sanierung und dem Bau von Schulen gebe es Bewegung. Gerade bei der Neuplanung von Schulen werde "Inklusion" mitgedacht, Mittel stünden im Haushalt zur Verfügung, leider sei die Umsetzung schwierig.

Einige der Forderungen beträfen aber die inneren Schulangelegenheiten und lägen somit in der Zuständigkeit des Landes, so Frau Heuer abschließend.

Frau Thoms erklärt, dass das Thema "Bildung von Schwerpunktschulen" auf Landesebene wieder diskutiert werde. Dies werde neben einer inhaltlichen Debatte auch Fragen zur Erstattung der Schülerfahrtkosten auf den Plan rufen.

Herr Bockschewsky erläutert, dass alle Schulplätze im gemeinsamen Lernen für die Schülerinnen und Schüler benötigt würden, durch Schwerpunktschulen entstünden nicht zwangsläufig mehr Schulplätze. Häufig seien individuelle Lösungen gefragt, um den richtigen Lernort für die einzelnen Kinder zu finden.

Herr Dr. Seiler-Kesselheim wünscht sich eine Debatte um den Inklusionsbegriff, er müsse vom sonderpädagogischen Förderbedarf abgekoppelt werden. Schule müsse Teilhabe von allen Kindern und Jugendlichen am Unterricht gewährleisten und ermöglichen.  


Bildungskoordinatoren bei der Stadt Köln

Frau Heuer gibt einen Überblick über das Projekt "Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte":

  • Projektträger sei das Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Finanziert würden 3 Personalstellen für Köln über den Zeitraum von 2 Jahren
  • Kernaufgabe der Koordinatorinnen und Koordinatoren sei es, die Vielzahl der kommunalen Bildungsakteurinnen und -akteure zu vernetzen sowie die Bildungsangebote und Bildungsbedarfe vor Ort aufeinander abzustimmen. Besonders die zahlreichen zivilgesellschaftlichen Initiativen sollten ganz gezielt mit eingebunden werden. Dazu zählten beispielsweise lokal aktive Stiftungen, Vereine sowie die vielen ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürger.

Der Expertenbeirat werde über die weitere Arbeit der Bildungskoordinatoren regelmäßig informiert, so Frau Heuer abschließend.

Tagesordnungspunkt 2: Informationen seitens der Mitglieder

Frau Thoms erläutert die Beratungssituation/den Informationsstand der Eltern von Kindern mit Behinderungen:

In der Beratungsstelle von mittendrin e. V. berichteten Eltern (vor allem von Kindern mit Schwerbehinderung) unverändert häufig, dass ihnen für ihr Kind die Beschulung an einer Förderschule nahe gelegt werde, und zwar insbesondere von:

  • den sozialpädiatrischen Zentren
  • den Erzieherinnen und Erziehern in (städtischen) Kindertagesstätte,
  • den Ärztinnen und Ärzten des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes

Zumeist werde hier auf Erfahrungen aus früheren Fällen verwiesen, Inklusion gelänge in solchen Fällen ja nicht, oder die pauschale Aussage, die allgemeinen Schulen könnten "das" nicht.

Für die Eltern sei dabei nicht ersichtlich, dass die genannten Stellen kein "Mandat" für eine Schulformberatung hätten, und dafür in den meisten Fällen auch nicht ausreichend qualifiziert seien.

Erfahrungsgemäß verabschiedeten sich Eltern, die in dieser Form beraten würden, schon frühzeitig vom Gedanken der inklusiven Bildung für ihr Kind und nähmen Beratungsangebote, zum Beispiel der Schulaufsicht, gar nicht mehr wahr. In solch einer Situation könne von einer informierten "Elternwahl" bezüglich der Schule nicht die Rede sein.

Folgende Fragen stellten sich daher:

Was kann die Stadt Köln tun, das ungeordnete "Wegberaten" von der Inklusion zumindest durch ihre eigenen Dienststellen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu unterbinden?

Wie können Schulaufsicht und Stadt Köln kooperieren, um sicher zu stellen, dass Eltern durch qualifizierte Information und Beratung erreicht werden?

Welche Maßnahmen können/wollen die Stadt Köln und die Schulaufsicht ergreifen, um die Willkommenskultur an den Schulen zu stärken und damit zu verhindern, dass (besonders im Wechsel zur Sekundarstufe) Eltern von der Wahrnehmung des Rechtsanspruchs auf inklusive Bildung für ihre Kinder abgeschreckt werden, weil vom Schulamt empfohlene Schulen sich abwehrend, ausweichend oder weg-empfehlend verhalten?  

Herr Overmann erläutert, dass es aus dem Elternberatungsnetzwerk heraus mit den städtischen und in einem zweiten Schritt mit den freien Kindertagesstätten eine Veranstaltung zur Vermittlung der gesetzlichen Grundlage zur Schulwahl gebe. Der erste Lernort für Kinder mit Förderbedarf sei die allgemeine Schule.

Herr Bockschewsky ergänzt, dass regelmäßiger Austausch zwischen der Schulaufsicht und dem Jugendamt stattfinde, die Fachberatungen für das Gemeinsame Lernen seien ebenfalls beteiligt. Infoabende in Schulen würden allerdings nur sehr spärlich besucht, die Beratung im Schulamt auch nur rudimentär angenommen. Eltern, die ihre Kinder an einer Förderschule angemeldet hätten, könnten unmittelbar angesprochen und anschließend beraten werden.

Herr Kuhn erklärt, dass es in diesem Schuljahr an der Gesamtschule Rodenkirchen 13 Anmeldungen bei 20 Plätzen im "Gemeinsamen Lernen" gegeben habe. Die Eltern seien momentan skeptisch, was die Inklusion angehe.

Herr Prof. Reich erlebt bei Eltern und Schülerinnen, Schülern aufgrund der aktuellen politischen Diskussion ebenfalls eine große Verunsicherung über die Entwicklung der Inklusion in den Schulen. Die unterschiedlichen Schulformen verhinderten ein inklusives Schulsystem, zudem fehle es an Qualitätsstandards für den Unterricht im "Gemeinsamen Lernen".

Herr Dr. Imhäuser regt einen Blick ins System hin zu den "Einzelfällen" an. Kinder hätten an einem Lernort Erfolg oder würden dort scheitern. Es sollte mehr über Inseln des Gelingens/Inseln des Scheiterns debattiert werden.

Herr Pfeuffer ergänzt abschließend den Hinweis von Herrn Overmann auf die Zusammenarbeit mit den Kindertagesstätten. Auch in der Lenkungsgruppe Inklusion werde unter anderem mit dem Gesundheitsamt das Thema "Beratung" diskutiert. Hier werde noch einmal verstärkt der Dialog gesucht. Ein weiterer Fokus liege aktuell auf dem Übergang von der Kita zur Grundschule.

Frau Heuer weist auf die zentrale Beratung für Eltern zu Fragen der sonderpädagogischen Förderung, einem Schulwechsel, der Suche nach einer Schule im "Gemeinsamen Lernen" bei der Schulaufsicht im Schulamt für die Stadt Köln hin. Institutionen wie Kindertagesstätten/sozialpädiatrische Zentren müssten auf dieses zentrale Beratungsangebot hinweisen. 

Frau Thoms berichtet vom Pilotprojekt "Coaches für Inklusive Bildung" (CiB) des mittendrin e. V. Der Verein beschäftige in dem Projekt nun insgesamt 11 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit eigener Schwerbehinderung, die von Schulen aller Schulformen angefordert werden können. Am 3. Dezember 2015 wurde das Projekt offiziell vorgestellt, viele Schulen hätten sich am gestrigen Donnerstag informiert und Interesse bekundet. Herr Dr. Schneider berichtet von positiven Erfahrungen seiner Schule mit CiB, das Kollegium habe sich erfreulicherweise dem Thema geöffnet. Er regt an, für die Schulen FAQ zum Projekt CiB zu formulieren. Herr Pfeuffer nimmt den Vorschlag auf. Das Angebot könnte im Rahmen des städtischen Internetauftrittes des Regionalen Bildungsbüros zum Thema Inklusion ein geeigneter Ort für die Platzierung der entsprechenden Informationen sein.

Frau Heuer berichtet von ihrer Teilnahme am Hangout On Air zur digitalen Bildung. Das Thema biete Anknüpfungspunkte zur Inklusion. In der Diskussion zeigte sich, dass beide Debatten bisher weitgehend getrennt voneinander geführt würden. Wenn über Inklusion geredet würde, dann schauten wir vor allem auf die Systemebene, auf fehlendes Lehrpersonal, mangelnde Kompetenzen, besorgte Eltern. Beim digitalen Lernen richte sich der Blick meist in Richtung technischer Ausstattung an Schulen, didaktische Anwendbarkeit und Verbesserung der Lernergebnisse. Meist drehe sich die Diskussion dabei um die Menschen im regulären Bildungssystem. Beide Debattenstränge sollten verknüpft werden.

Frau Heuer berichtet abschließend über die Vorbereitungsklassen für Kinder, die erst kürzlich nach Deutschland eingewandert oder geflüchtet seien. Die stetig steigende Anzahl der zugereisten Kinder habe auch die Einrichtung gebündelter Vorbereitungsklassen, die in der Lotharstraße und der Albermannstraße eingerichtet und von der nahe gelegenen Schulen betreut werden, nötig gemacht.

Tagesordnungspunkt 3: Schwerpunktthema Inklusionsentwicklung an Kölner Schulen

Frau Kempken erläutert den vorab verschickten Kurzbericht (Anlage) zur Inklusionsentwicklung an Kölner Schulen.

  • Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf an allen Lernenden der Jahrgangsstufen 1 bis 10 (Förderquote) stagniere im Schuljahr (SJ) 2016/2017 bei einem Wert von rund 7,8 Prozent.
  • Ursächlich für den Anstieg der Förderquote der vergangenen zehn Jahre sei in erster Linie der Anstieg der Schülerzahl mit festgestellten emotional/sozialen beziehungsweise sprachlichen Beeinträchtigungen. Mit Ausnahme der Förderschwerpunkte Lernen und Sehen würden seit dem Schuljahr 2005/2006 alle Förderschwerpunkte vermehrt diagnostiziert.
  • Rund 74 Prozent der förderbedürftigen Lernenden würden aufgrund einer Lern- und Entwicklungsbeeinträchtigung und 26 Prozent in den Bereichen körperliche und motorische Entwicklung, geistige Entwicklung oder Sinne gefördert.
  • Der Anteil der förderbedürftigen Schülerinnen und Schüler, die im "Gemeinsamen Lernen" einer Regelschule gefördert würden, an allen förderbedürftigen Lernenden der Jahrgangsstufen 1 bis 10 sei weiter auf einen Wert von 47,2 Prozent im Schuljahr 2016/2017 angestiegen.  


Exemplarische Beispiele der Kopernikus Schule und der Gesamtschule Rodenkirchen

Frau Heuer erläutert vorab, dass dieser Punkt aufgrund der bereits fortgeschrittenen Zeit kürzer als geplant ausfallen werde.

Frau Erxleben berichtet von ihren Erfahrungen. Die Zusammenarbeit mit den abgeordneten Förderlehrkräften funktioniere gut. Schwierig sei die Arbeit mit einer mittlerweile großen Anzahl von Schülerinnen und Schülern ohne definierten Förderbedarf. Für die Zusammensetzung der Klassen gebe es an der Kopernikus Schule kein festes Muster, es werde nach individuellen Lösungen für die einzelnen Kinder gesucht.

Herr Kuhn berichtet, dass grundsätzlich zu jedem neuen Schuljahr individuell über die Verteilung der Kinder in die verschiedenen Klassen entschieden werde, um für alle Beteiligten die bestmögliche zu finden. Ziel sei aber auch, die Förderschullehrerinnen und -lehrer auf möglichst wenige Klassen zu verteilen, um die Ressourcen so vernünftig einsetzen zu können.  


General Comment No. 4, Article 24: Right to inclusive education

Herr Prof. Reich stellt zentrale Forderungen der allgemeinen Bemerkungen (Anlage) zu Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention vor.

Es gebe erhebliche Diskrepanzen zwischen dem Menschenrechtsmodell der Vereinten Nationen und den Modellen, die in den Bundesländern bildungspolitisch als Inklusion ausgegeben würden.

Vier wesentliche Voraussetzungen, um den Anforderungen der Konvention nach den Allgemeinen Bemerkungen zu entsprechen, ließen sich herausarbeiten:

  • weiten Inklusionsanspruch verwirklichen
  • Struktur verändern, das mehrgliedrige deutsche Schulsystem werde als grundlegendes Strukturproblem und als Ausdruck einer auf Exklusion angelegten Bildung gesehen, zudem existiere in Deutschland keine generell kostenlose Frühförderung (Kindertagesstätten). Ein inklusiver Ansatz könne zudem einen erheblichen Beitrag zur Qualität von Bildung für alle leisten.
  • Sonderpädagogisierung auflösen, keine Unterhaltung von zwei Bildungssystemen: einem allgemeinen Bildungssystem und einem Sonderbildungssystem/auf Segregation beruhenden Bildungssystem
  • Bildungsqualität erhöhen, durch
    -
    Flexible Lehrpläne sowie Lehr- und Lernmethoden, die an die verschiedenen Stärken, Bedarfe und Lernstile angepasst werden
    - Bereitstellung von Unterstützung, angemessenen Vorkehrungen und Frühförderung
    - Bei der Planung von Lehraktivitäten müsse der Schwerpunkt auf den Fähigkeiten und Vorstellungen der Lernenden liegen
    - Entwicklung zugänglicher Lernumgebung mit angemessener Unterstützung
    - Etablierung flexibler Lernwege und einer inklusiven Didaktik mit veränderter Lehramtsausbildung

Qualität benötige Ressourcen und eine inklusive Haltung, nicht nach dem System "Gießkanne", sondern gute Vorbilder und deren Multiplikation sollten unterstützt werden. Leistungsanreize im Schulsystem sollten auf einer klaren inklusiven Grundlage erfolgen. Herr Professor Reich erläutert abschließend, dass es an der Heliosschule die Entwicklung flexibler Lernwege geben werde. Sechs bis sieben Niveaugruppen müssten gebildet werden. Jede Schülerin und Schüler soll den Abschluss erreichen, den sie oder er erreichen könne.

Es schließt sich eine intensive Diskussion mit folgenden Kernelementen an:

Herr Dr. Imhäuser erläutert, dass der Comment eine Präzisierung der Behindertenrechtskonvention vornehme, wenn dies bei Staaten wie Deutschland nötig sei. Die Staaten müssten nun Ideen entwickeln und entsprechende Berichte verfassen, in den Kriterien dargelegt würden, wie die Situation verändert werden solle. Dies könne und solle dann zu einer intensiven Debatte über konkrete Umsetzungsmöglichkeiten führen. Für einige Forderungen sei die Umsetzung aufgrund der unterschiedlichen Zuständigkeiten (Kommune/Land/Bund) schwierig. Zahlreiche Dinge könnten aber bereits jetzt mit einer entsprechenden Prioritätensetzung realisiert werden. Aktuell müsse zudem die Debatte um die Digitalisierung der Schulen dringend inhaltlich mit bildungsrelevanten Themen gefüllt werden. Eine rein technische Ausstattung der Schulen reiche nicht aus, so Dr. Imhäuser.

Herr Dr. Springob ergänzt, dass die Lehramtsausbildung der Universität zu Köln bereits inklusive Bausteine anbiete. Frau Thoms berichtet, dass der Fachbeirat Inklusion auf Landesebene (vor der Landtagswahl) beschlossen habe, sich mit dem General Comment No. 4 auseinander setzen zu wollen. Zudem habe die neue Landesregierung eine Verordnung zu den Mindestgrößen der Förderschulen angekündigt: Unterschreite die Schülerzahl einer Förderschule die Schülerzahl, so könne der Schulträger die Fortführung beschließen. Dies werde die Förderschulen und ihre einzelnen Standorte stärken und vermittle eine Abkehr vom 9. Schulrechtsänderungsgesetz, nachdem der erste Lernort für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Förderung die allgemeinen Schulen seien.

Herr Pfeuffer erklärt, dass in Köln aktuell keine Förderschule unter die Mindestgröße falle. In der Vergangenheit seien einige Standorte zusammengelegt worden, um stabile Größenordnungen zu erreichen. Momentan bestehe kein Bedarf, Förderschulen zu schließen. Er regt an, dass sich die im Expertenbeirat vertretenen Gruppierungen den im Comment aufgeworfenen Fragen stellen, auch die Stadt Köln werde dies tun. Der Handlungskatalog im Inklusionsplan werde überprüft und gegebenenfalls angepasst.

Herr Dr. Bell regt eine enge Verzahnung des Comments mit der Fortschreibung des Inklusionsplans an. Die Stadt Köln solle zudem für sich definieren, welchen Inklusionsbegriffe - den engen oder den weiten - sie ihren Maßnahmen und Aktivitäten zu Grunde lege.

Herr Bockschewsky weist auf die sinnvolle Schulbauleitlinie der Stadt Köln als Schulträger hin. Aktuell fehle es aber einfach an Räumen für Schulklassen. Bei den zehn wichtigsten Bauvorhaben der Stadt kämen Schulgebäude leider nicht vor. Hier müsse dringend nachgebessert werden. Inklusion sei ein großartiger Auftrag, so Herr Bockschewsky. Auch der Diensteid für Landesbeamte bilde den Inklusionsgedanken ab: " …Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde". Die neue Schulministerin habe zudem angekündigt, die Inklusion stärken zu wollen.

Herr Prof. Reich erklärt, dass sich die Anmeldungen und Schulbesuche im Gemeinsamen Lernen klar auf die Gymnasien und Gesamtschulen fokussierten, dies werde sich in Zukunft weiter verstärken und müsse auch für die Inklusion berücksichtigt werden.

Herr Dr. Seiler-Kesselheim fordert, dass gerade nach den Ergebnissen der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen die Debatte um Inklusion in die Gesellschaft hinein getragen werden müsse. Schule allein könne dies nicht gewährleisten.

Herr Linder wünscht sich mit Schulen und dem Schulträger eine gemeinsame Debatte zu "großen Linien", um kleine und erfolgreiche Schritte machen zu können. 

Vereinbarungen/nächster Termin

Themenvorschläge für die nächste Sitzung des Expertenbeirats Inklusion Köln

  • Tätigkeitsschwerpunkte der Inklusionsfachberater
  • Internationale Vorbereitungsklassen

Die nächste Sitzung findet statt am Freitag, 8. Dezember 2017 von 13:30 bis 17 Uhr,

LVR, Horion-Haus, Raum Rhein
Hermann-Pünder-Straße 1
50679 Köln - Deutz

Die im Protokoll aufgeführten Anlagen können Sie im Regionalen Bildungsbüro unter der Telefonnummer 0221 / 221-28772 bestellen.