Stolpersteine erinnern an Hermann Bier und seine Mutter Helene

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte am 24. und 25. September 2012 weitere Stolpersteine in Köln. Dazu zählen zwei Exemplare, die an Helene Bier, geborene Pappenheim (1859 bis 1942), und ihren Sohn Hermann Bier (1885 bis 1943) erinnern. Ein weiterer Stein weist auf die Geschichte des Hauses selbst hin.

Geschichte der Familie Bier bis 1933

Die jüdische Familie Bier, die Kaufleute, Ärzte und Juristen hervorbrachte, lebte seit Generationen in Köln und zählte bis 1933 zu den gutbürgerlichen Kreisen in der Bevölkerung. Das Haus Hülchrather Straße 6 ("Haus Bier") hatten 1904 der Kaufmann Carl Bier und seine Frau Helene errichtet und noch im selben Jahr bezogen. Nach dem Tod ihres Mannes 1921 wohnte Helene Bier weiter als Eigentümerin dort.

Ihr Sohn Hermann Bier, in Köln geboren und aufgewachsen, studierte Jura in Bonn, München und Berlin.

Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg als Soldat - er erhielt das Eiserne Kreuz - begann er eine Verwaltungslaufbahn: 1922 wurde er zum Regierungsrat ernannt, 1923 war er beim Kölner Polizeipräsidium beschäftigt, dann bei der Kölner Bezirksregierung. 1929 schließlich wurde er stellvertretender Regierungspräsident. Hermann Bier war prominentes Mitglied der SPD und engagierte sich in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen.

Schicksal von Helene und Hermann Bier

© NS-Dokumentationszentrum

Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Anfang 1933 wurde Hermann Bier aus seinem Amt entlassen - als Jude und Sozialdemokrat zählte er zu den ersten Opfern der NS-Personalpolitik. Nachdem Bier 1935 in die Niederlande geflüchtet war, bürgerten ihn die NS-Behörden 1938 aus und beschlagnahmten 1939 sein Vermögen. In Amsterdam war Hermann Bier Mitglied des Judenrats (Joodse Raad). Er trat also für die Interessen der jüdischen Bevölkerung ein, zu der auch viele Emigrantinnen und Emigranten aus Deutschland gehörten.

Nach der deutschen Besetzung der Niederlande konnte er sich zunächst schützen, 1943 jedoch wurde er gefasst und im Sammellager Westerbork inhaftiert. Als Mitglied des jüdischen Lagerates setzte er sich für seine Mithäftlinge ein. Am 10. Oktober 1943 starb er im Lager an den Folgen der Haft.

Helene Bier, die in Köln geblieben war und weiter in der Hülchrather Straße 6 wohnte, musste das Haus 1939 verkaufen. Neue Eigentümer wurden ein NSDAP-Parteigenosse und seine in der NS-Frauenschaft organisierte Gattin. In den folgenden Jahren nutzten die Behörden das Gebäude als Ghettohaus. Es gehörte damit zu den vielen Bauten in Köln, in denen die damaligen Machthaber Juden in Vorbereitung der Deportationen konzentrierten. Allein in den sechs Zimmern der Hochparterrewohnung des Hauses Hülchrather Straße 6 drängten sich sieben jüdische Familien.

Helene Bier war nun in ihrem ehemaligen Eigentum zur nur noch geduldeten Mieterin geworden und lebte unter extrem beengten Bedingungen, in wirtschaftlicher Not und ohne Hoffnung auf Flucht oder Emigration. 1942 wurde sie wie andere Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses im Sammellager für Juden in Müngersdorf inhaftiert. Vom Bahnhof Deutz-Tief verschleppte man sie am 27./28. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt. Unter den dortigen unmenschlichen Lebensbedingungen des Ghettos starb Helene Bier am 23. Dezember 1942. Sie wurde 83 Jahre alt.

Die Hochparterrewohnung im Haus Hülchrather Straße 6 hatten die NS-Behörden nach dem Abtransport der sieben jüdischen Familien versiegelt. Etwa ein halbes Jahr später ließen sie deren Habe in den Kölner Messehallen versteigern.