U-Bahnstationen sollten mehr sein als anonyme Knotenpunkte des großstädtischen Verkehrs. Als urbane Räume, durch die sich Tausende von Menschen tagtäglich bewegen, bieten sie die einmalige Chance, zeitgenössischer Kunst ein großes Forum zu bieten und zugleich für die Fahrgäste ein ebenso spannendes wie markantes Ambiente zu schaffen.  

In Köln hat man diese Möglichkeiten bald erkannt: Nachdem künstlerische Aspekte anfangs nur als untergeordneter Teil der Haltestellenarchitektur zum Tragen kamen, fand Ende der 1960er Jahre in der Haltestellte Neumarkt zum ersten Mal eine eigenständige künstlerische Ausgestaltung statt. Vorangegangen war ein Wettbewerb. Den Vorsitz der Jury hatte der Beigeordnete für Kunst und Kultur, Kurt Hackenberg, der in diesen Jahren die prägende Gestalt der Kölner Kulturpolitik war.  

Ausgewählt wurden Heribert Multhaupt, Architekt und Schwiegersohn Konrad Adenauers, sowie der Maler und Bildhauer Manfred M. Ott. Er schuf die Skulptur "Der Unterwanderer" aus Kupfer und Aluminium, die am Ausgang zum Josef-Haubrich-Hof aufgestellt und später auf die Verteilerebene der Station Friesenplatz versetzt wurde, wo sie sich heute befindet.  

Zur Ausgestaltung der Haltestelle Neumarkt gehörte auch ein von Ott entworfenes farbiges Deckenrelief aus Platten und Halbkugeln, das in der Nordhalle, in dem Durchgang Richtung Schildergasse, installiert wurde. Dieses Kunstwerk musste demontiert werden, als im Jahr 2000 die Verteilerebene am Neumarkt umgestaltet wurde. Seitdem ist das Relief eingelagert, da es aus brandschutztechnischen Gründen nicht wieder eingebaut werden durfte. 

Foto-Collagen und Spiegelwände

© Christoph Seelbach Fotografie
Leuchtwände mit Fotocollagen, geschaffen von den Fotografen Stefan Worring und Wolfgang Zurborn in der Haltestelle Neumarkt.

Bereits 1969 hatte der Architekt Peter Trint die Wände der Haltestelle Neumarkt mit Aluminium-Wellplatten und einem rosa umrandeten Fries in der Mitte verkleiden lassen. Sein Ziel war es, auch der Fotokunst im öffentlichen Raum in Köln – immerhin die Stadt der "photokina" – ein Forum zu geben.  

1987 beauftragte er die Fotografen Stefan Worring und Wolfgang Zurborn mit einer fotokünstlerischen Installation in der Haltestelle Neumarkt. Das Ergebnis waren auf Aluminiumwände gezogene Fotocollagen, die ein flirrendes Panorama aus farbig und schwarzweiß aufgenommenen Details der Umgebung und Menschen in unterschiedlichsten Situationen zeigten.

Als 2004 die Haltestelle zugunsten der Barrierefreiheit umgebaut wurde, mussten die Wellblechverkleidung und die Aluwände weichen. Die Fotocollagen blieben aber in anderer Form erhalten: Sie wurden zu Leuchtwänden umgestaltet. 

Ein Glanzlicht der Kölner U-Bahnkunst ist auch die Haltestelle Rudolfplatz, die 1987 eröffnet wurde. Hier entstand in Zusammenarbeit zwischen dem Architektenteam Faber & Partner und der Künstlerin Margarete Czischke-Sabata eine Spiegelwand, die die Decke durchbricht und so die Fahrebene mit der Verteilerebene verbindet. Die eine Seite der Wand zeigt den geätzten Umriss des Hahnentors, die andere ein ebenfalls geätztes Foto der Alten Oper, die bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und dem folgenden Abriss in den 1950er Jahren am Habsburgerring stand. Indem die Spiegelwand Oberwelt und Unterwelt verknüpft, symbolisiert sie die Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit.

Schwarzfahrer aufgepasst!

Vor dem Eingang zur Haltestelle Akazienweg steht ein Tor, das auf einer Seite die lateinische Inschrift VIATORI ILLEGALI trägt. Gewarnt wird so der "illegal Reisende", im Klartext: der Schwarzfahrer. Wer die U-Bahnstation verlässt, liest auf der anderen Seite des Tors IANVA IVDICII, zu Deutsch das "Tor des Gerichts". Dass die Strafe nicht nur in einer Geldbuße bestehen könnte, macht ein goldener Findling deutlich, der auf dem Torsturz so kippelig zu liegen scheint, als könne er dem Missetäter jeden Moment auf den Kopf fallen.  

Torinstallationen, die an die Antike erinnern, befinden sich auch auf der Fahrebene im Bereich der Tunneleinmündungen. Die moralisch-ironische Zeichengebung verdankt die Station dem Künstler Heinrich Brummack in Zusammenarbeit mit dem Architekten Jochen Scharf. Die Station Akazienweg ist eine von insgesamt sechs Haltestellen der Ehrenfelder U-Bahnstrecke, die zwischen 1989 und 1992 von international bekannten Künstlern, darunter Gerd Winner und Karl Heinz Marohn, gestaltet wurden und so jede ihr eigenes Gepräge erhielten. 

Kölner Köpfe

© Christoph Seelbach Fotografie
Portrait-Graffitis in der Haltestelle Appellhofplatz

Wer in die Station Appellhofplatz einfährt, dessen Blick gleitet an Alfred Biolek, Willy Millowitsch und anderen bekannten Kölnern vorbei – genauer gesagt an ihren Gesichtern, die dort als Porträt-Graffitis auf den Pfeilern zwischen den Bahnsteigen prangen.  

Die "Kölner Köpfe" entstanden 1990, geschaffen von den Künstlern Andreas Paulun, Ralf Jesse und Justus Herrmann, die sich unter dem Namen "Tabot Velud" zusammengetan hatten. Als Vorlage dienten Fotografien, nach denen Schablonen gefertigt wurden, um die Motive auf die Pfeiler zu sprühen. Nicht nur Gesichter von Prominenten finden sich in dieser Reihe, sondern auch Menschen von der Straße sind hier porträtiert – einige der vielen Kölner Bürgerinnen und Bürger eben, die dieser Stadt tagtäglich ihr Gesicht geben.  

Die Kölner Graffiti-Köpfe gelten als ein frühes Beispiel legaler Straßenkunst in der Stadt – auch wenn es sich um U-Bahnkunst handelt. 

Farbenrausch und Geisterzug

© Christoph Seelbach Fotografie
Werner Reiterers "Geisterzug" in der Haltestelle Heumarkt

Kunst der Spitzenklasse genießt auch, wer mit der Nord-Süd Stadtbahn unterwegs ist: Für diesen jüngsten Streckenabschnitt im Kölner U-Bahnnetz wurden vier international renommierte Künstlerinnen und Künstlergewonnen, die vier Haltestellen dieser Linie eine beeindruckende künstlerische Qualität und Originalität verliehen haben. Das Spektrum reicht von Katharina Grosses farbgewaltiger Wandmalerei in der Station Chlodwigplatz über Werner Reiterers spukhafte Klanginstallation "Geisterzug" in der Haltestelle Heumarkt und Heimo Zobernigs verrätselten Aluminum-Wandfries in der Station Rathaus bis zu Tue Greenforts Installation NEOBIOTA, die die Fahrgäste in der Haltestelle Breslauer Platz über Bildschirme und eine Schallglocke am Leben und Treiben der Alexandersittiche in Köln und Umgebung teilhaben lässt.  

Seit Jahrzehnten schon zeigt die lebhafte Resonanz der Kölner Bürgerinnen und Bürger auf ihre "kunstvollen" U-Bahnstationen in allen Bereichen des Netzes, dass das dahinter stehende Konzept aufgeht: Kunst ist hier keine Ansammlung toter Objekte, sondern Anregung für Verstand und Sinne, Aufforderung zum engagierten Dialog in einer Metropole zukunftsorientierter Mobilität.