Bisherige Anlage im Botanischen Garten war praktisch abrissreif

Auf Vorschlag von Oberbürgermeister Jürgen Roters hat der Rat in seiner Sitzung am 23. Juni 2015 entschieden, die bisherigen Schaugewächshäuser im Botanischen Garten durch einen Neubau zu ersetzen. Die Kosten liegen nach derzeitigem Planungsstand bei circa 11,4 Millionen Euro. Die darin enthaltenen Ausgaben für die Planung in Höhe von rund 380.000 Euro stellt der "Freundeskreis Botanischer Garten Köln" als Geschenk zur Verfügung. Am 29. Mai 2015 hatte Roters die entsprechenden Pläne der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das derzeitige große Tropenhaus ist so marode, dass es nur dank aufwändiger und teurer provisorischer Abstützungen für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben konnte. Nach Ablauf der dafür erforderlichen Genehmigung im Januar 2016 darf das Haus nicht mehr betreten werden und müsste abgerissen werden. Damit hätte Köln eine unersetzliche Sammlung von seltenen, einzigartigen Pflanzen und gleichzeitig auch eine herausragende Umweltbildungseinrichtung verloren.

2004 war der Botanische Garten gezwungen, das Schaugewächshaus wegen Einsturzgefahr zu schließen. Eine provisorische Ertüchtigung durch den Einbau zusätzlicher Stützen ermöglichte die Wiedereröffnung im Dezember 2005. 2013 musste das Haus erneut geschlossen werden, weil wegen erheblicher Risse im Mauerwerk die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war. Eine aufwändige Stahlkonstruktion machte im Januar 2014 den Betrieb für ein weiteres Jahr möglich und genehmigungsfähig. Diese Betriebserlaubnis wurde zuletzt bis zum Januar 2016 verlängert.

Ein "tragwerkplanerisches Gutachten" zur Wirtschaftlichkeit einer Sanierung des Altbaus kam zu dem Ergebnis, dass die Kosten alleine für die Wiederherstellung der Standsicherheit und der Dichtigkeit der Häuser unverhältnismäßig hoch gewesen wären. Deshalb kam die städtische Gebäudewirtschaft in Übereinstimmung mit dem Amt für Landschaftspflege und Grünflächen zu dem Schluss, dass eine Sanierung des Schauhauses im Botanischen Garten wirtschaftlich nicht möglich ist. Gerade in Hinblick auf eine nachhaltige Lösung sahen beide Ämter in dem Neubau mit einer erwarteten Lebensdauer von 80 Jahren die einzige wirtschaftlich vertretbare Lösung.

Das neue verglaste Schaugewächshaus soll nach den Plänen des Kölner Architekturbüros Königs an derselben Stelle um den als Ensemble denkmalgeschützten Tropischen Hof entstehen. Die Anordnung der drei Flügel und die Grundflächen bleiben daher nahezu unverändert. Der Eingangsbereich wandert in den nördlichen Flügel und liegt dann als zentrale Anlaufstelle auf den beiden sich dort treffenden historischen Achsen des Gartens. Eine Orangerie stellt eine ebenfalls verglaste Verbindung zum 100 Meter entfernten Subtropenhaus her. Der rund fünf Meter hohe Bau vergrößert die Ausstellungsfläche zum Beispiel für die international ausgezeichnete Kamelien-Ausstellung im Winter (80.000 Besucher von Januar bis März 2014). Das separat liegende Subtropenhaus bleibt wegen seiner noch guten Bausubstanz stehen.

Der gesamte Komplex wird für die Besucherinnen und Besucher barrierefrei angelegt. Neben der allgemeinen didaktischen Ausstattung sind zusätzlich an besonderen Lernstationen Informationen zu den Pflanzenthemen für Sehbehinderte geplant. Für alle Besucherinnen und Besucher soll es zudem spezielle Führungen mit sinnlichen Pflanzenerlebnissen, wie "Tasten und Riechen" geben.

Mit bis über 1,2 Millionen Gästen pro Jahr gehören Flora und Botanischer Garten Köln zu den besucherstärksten deutschen Anlagen. Das dazu gehörige Schaugewächshaus stärkt das Bewusstsein der Bevölkerung für die große Bedeutung der Pflanzen für Ernährung, Medizin und Technik. Es beinhaltet sehr wertvolle, einzigartige und teils sehr alte große Gewächse und viele botanische Seltenheiten. Sie gilt es, sowohl im Rahmen der Bemühungen um den Erhalt der Biodiversität als auch der Bildung für nachhaltige Entwicklung zu erhalten. Beispielhaft seien die wertvollen Sammlungen von Aloen, Kakteen, Sukkulenten, Palmen und strengstens geschützten, stark gefährdeten Palmfarnen erwähnt.

Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit