Oberbürgermeister Fritz Schramma: "Würdigung seiner Verdienste für Palermo und Europa"

Am Donnerstag, 18. September 2008, ist Professor Dr. Leoluca Orlando im Kölner Rathaus feierlich der Konrad-Adenauer-Preis 2008 verliehen worden. Die Stadt Köln ehrte damit den ehemaligen Bürgermeister von Palermo für sein europaweit bekanntes Engagement gegen die Mafia und gegen Korruption. Der italienische Politiker trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein.

In seiner Rede ging Oberbürgermeister Fritz Schramma auf die besonderen Leistungen und Verdienste Orlandos für Palermo, Sizilien, Italien und Europa ein:

Als Bürgermeister von Palermo hat er von Beginn an alles daran gesetzt, den Einfluss der Mafia zurückzudrängen. Er kämpfte mutig gegen Korruption und organisierte Kriminalität - mit großem Erfolg. Wie auch Adenauer steht er für den Neuanfang, für den Wiederaufbau seiner Stadt, in die er Kultur und Zivilisation zurückkehren ließ. Unter seiner Leitung ist Palermo als Metropole wieder aufgeblüht. `Frühling von Palermo´ und `Renaissance von Palermo´, die beiden Schlagworte beschrieben es sehr eindrucksvoll. ... Und genau wie Konrad Adenauer hat Leoluca Orlando sich nicht damit zufrieden gegeben, mehr Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit in seine Stadt zu bringen, das ist selbstverständliche Voraussetzung. Genau wie Konrad Adenauer hat er sich auch national und europaweit dafür eingesetzt.

Die Laudatio hielt Dr. Heribert Prantl, Leiter des Ressorts Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung. Er hatte Leoluca Orlando in dessen Zeit als Bürgermeister von Palermo kennengelernt und betonte, dass Orlando mit Antritt des Amtes in Palermo mit einzigartiger Konsequenz und beeindruckendem Mut den politischen Bruch mit der Mafia vollzogen hatte:

Die alten Verhältnisse: Da war der Verfall der Altstadt, der der mafiösen Sippschaft gar nicht schnell genug gehen konnten, weil sie am liebsten alles platt gewalzt hätte, um auch dort noch billige Wohntürme hochzuziehen. Die alten Verhältnisse: Das waren die Jahre, in denen in Palermo selbst die Straßenlaternen nur leuchteten, wenn die Mafia es wollte. In diesen alten Verhältnissen gab es in Palermo an die 250 Morde im Jahr, die auf das Konto der Mafia gingen. Am Ende Ihrer Amtszeit als Bürgermeister gab es in Palermo noch acht Morde im Jahr - und diese ohne Beteiligung der Mafia. Palermo wurde unter Ihrer Ägide zur sichersten Stadt Italiens. ...Sie, Leoluca Orlando, standen als nächster auf der Todesliste. Als das in einem Zeitungsinterview angedeutet wurde, boten sich Tausende von Frauen aus Palermo in einer Unterschriftenliste an, Orlando künftig mit ihren Kindern in dessen Dienstwagen zu begleiten.

In seiner Dankesrede hob Leoluca Orlando hervor, dass die Arbeit von Konrad Adenauer großen Einfluss auf seinen kulturellen und politischen Werdegang gehabt habe:

In meinem Kampf gegen die alte und neue Mafia in Italien, die ihr Unwesen weltweit treibt, war mir mein kultureller Werdegang eine Hilfe, nämlich die Erziehung in meiner Familie, in der Schule der Jesuiten und an der Universität, und schließlich die Herausbildung meiner politischen Überzeugungen mit solchen Vorbildern wie Konrad Adenauer, Alcide De Gasperi und Piersanti Mattarella.

Orlando lobte in seiner Rede auch das Engagement von Oberbürgermeister Fritz Schramma im Zusammenhang mit dem geplanten Bau einer repräsentativen Moschee in Köln:

Das heißt, ich muss meiner Bewunderung für die Entscheidung des Oberbürgermeisters der Stadt Köln Ausdruck geben, den Bau einer großen Moschee in dieser wunderschönen Großstadt zu unterstützen, deren Wahrzeichen der Dom ist, dieses großartige Zeugnis christlicher Werte.

Ein Bürgermeister habe die Pflicht, trotz aller Widerstände und über alle Widerstände hinaus das zu tun, was er für richtig halte, sagte Orlando:

Das ist Deine, meine - unsere Art, die Lehren von Konrad Adenauer fortzusetzen und zu ehren. Als Bürgermeister - wenn auch in anderen Zusammenhängen und mit anderen Problemen - habe ich versucht, mich so zu verhalten, wie Du Dich jetzt verhältst.

Am Freitag 20. September 2008, 11 Uhr wird Leoluca Orlando im Historischen Rathaus, Rathausplatz, Köln-Innenstadt, Raum 2.01 sein neues Buch zum ersten Mal in Deutschland vorstellen und signieren. Es ist im September erschienen und trägt den Titel "Die Mafia - Von Palermo in die ganze Welt". Die Buchvorstellung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.

Der Konrad-Adenauer-Preis wird alle zwei Jahre verliehen zum Gedenken an Konrad Adenauer, den Kölner Ehrenbürger, früheren Oberbürgermeister von Köln und ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Mit seinen in die Zukunft weisenden Projekten und nachhaltigen Ideen hat Adenauer das Stadtbild Kölns für Generationen nach ihm geprägt und die europäische Einigung wesentlich vorangetrieben. Der Preis soll herausragende Persönlichkeiten würdigen, die sich - wie Adenauer zu seiner Zeit - verdient gemacht haben um die Entwicklung einer lebenswerten Großstadt, die Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung sowie die Förderung der europäischen Integration.

Die Auszeichnung wurde erstmals im April 2004 an Raymond Barre vergeben. Dessen Vita als Bürgermeister von Lyon, Premierminister Frankreichs und Vizepräsident der Europäischen Kommission weist bemerkenswerte Parallelen zur Biographie Adenauers auf. Im Jahr 2006 wurde der Staatspräsident von Rumänien und vormalige Bürgermeister der Stadt Bukarest, Traian Bãsescu, für seine konsequente und demokratische Reformpolitik und die Öffnung Rumäniens nach Westeuropa mit diesem Preis geehrt.

Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit