Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um das Projekt und Schutzstreifen im Allgemeinen haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Warum wird dieses Projekt durchgeführt?

Mit den Schutzstreifen soll insbesondere in ländlichen Regionen, in denen aus Sicherheitsgründen bauliche Radwege nicht unbedingt erforderlich sind und ein alternatives Wegenetz nicht vorhanden ist, ein Angebot geschaffen werden. Nun sollen auf sechs Modellstrecken in vier Bundesländern auf gering befahrenen Straßen mit maximal 4.000 Fahrzeugen am Tag Erfahrungen gesammelt werden. Die Fahrzeugzahlen auf den Modellstrecken liegen in Köln zwischen 2.400 und 3.850 am Tag.

Bleibt die Mittelmarkierung auf der Straße bestehen?

Nein. Die Projektstrecken werden völlig neu markiert. Neben einer Erneuerung der Fahrbahnbegrenzung am Rand werden in beiden Richtungen die auffälligen Schutzstreifen markiert, wie sie aus Ortslagen bereits seit 1997 bekannt sind. Sie werden durch eine Leitlinie (Abfolge Strich-Lücke) vom Rest der Fahrbahn abmarkiert.

Wenn markiert ist, wo müssen die Autofahrerinnen und Autofahrer fahren?

Nach der Markierung der Schutzstreifen verbleibt in der Mitte der Straße eine so genannte Kernfahrbahn. In dieser müssen Kraftfahrzeuge fahren. Nur bei Bedarf, beispielsweise bei Gegenverkehr durch andere Kraftfahrzeuge, darf auf den Schutzstreifen ausgewichen werden.

Wie breit ist die Spur für Kraftfahrzeuge?

Die Kernfahrbahn ist mindestens 2,75 Meter breit und damit so bemessen, dass ein Befahren des Schutzstreifens im Regelfall (ohne Gegenverkehr) nicht erforderlich ist. Sie kann stellenweise breiter sein, da auch bei wechselnder Straßenbreite die Schutzstreifen für den Radverkehr immer gleich breit ausgeführt werden.

Darf auch weiterhin auf der rechten Spur gefahren werden?

Es gibt keine rechte Fahrspur mehr. Es gibt nur noch die Kernfahrbahn. Auf der Kernfahrbahn muss man sich möglichst mittig halten.

Darf die Markierung mit Kraftfahrzeugen überfahren werden?

Wie bei den Schutzstreifen in den Ortslagen gilt auch hier: Der Schutzstreifen darf nur bedarfsweise und ohne Behinderung des Radverkehrs überfahren werden. Autofahrerinnen und Autofahrer halten sich grundsätzlich in der Kernfahrbahn auf.

Wie verhalten sich Autofahrerinnen und Autofahrer im Begegnungsverkehr richtig?

Im Begegnungsfall zweier Kraftfahrzeuge - wie auch vor Kuppen oder Kurven - kann der Schutzstreifen selbstverständlich nach rechts kurzzeitig überfahren werden. Allerdings darf der Radverkehr dabei nicht behindert werden. Sollte ein Fahrrad in Fahrtrichtung auf gleicher Höhe sein, müssen Autofahrerinnen und Autofahrer hinter der Radfahrerin und dem Radfahrer bleiben, bis der eigene Gegenverkehr vorbei gefahren ist beziehungsweise die Kuppe überquert oder die Kurve durchfahren ist.

Ist es für Radfahrerinnen und Radfahrer ersichtlich, wo gefahren werden soll?

Etwa alle 300 Meter wird auf dem Schutzstreifen ein Fahrrad-Piktogramm angebracht. Die Zeichen besagen - wie auch innerhalb geschlossener Ortschaften - dass Radfahrerinnen und Radfahrer im Bereich des Schutzstreifens fahren müssen. Sie dürfen den Schutzstreifen nur bedarfsweise nach links verlassen, wenn dabei der Kraftfahrzeugverkehr nicht behindert wird.

Wie breit ist die Spur für Radfahrerinnen und Radfahrer?

Der Schutzstreifen ist grundsätzlich 1,25 Meter breit. Da die Kernfahrbahn in jedem Fall mindestens 2,75 Meter breit sein muss, kann der Schutzstreifen bei Straßenbreiten von weniger als 5,75 Meter auch schmaler ausfallen (zu berücksichtigen sind noch die Randbegrenzungslinien). Auf unseren drei Modellstrecken können aufgrund der Fahrbahnbreite stets Fahrradschutzstreifen mit einer Breite von 1,25 Meter beziehungsweise 1,50 Meter markiert werden. Die Kernfahrbahnbreite schwankt auf den einzelnen Streckenabschnitten von 2,75 und 3,50 Meter.

Holzlaster und landwirtschaftliche Fahrzeuge sind wesentlich breiter als Personenkraftwagen. Wie sollen diese Fahrzeuge fahren?

Holzlaster sind, wie auch Müllfahrzeuge, nicht breiter als die Kernfahrbahn. Fahrzeuge mit Überbreite brauchen bereits heute besondere Genehmigungen, um die Straßen zu nutzen. Sie sind zur besonderen Rücksichtnahme verpflichtet und halten sich nach aller Erfahrung auch daran.

Wird es Geschwindigkeitsbeschränkungen geben?

Auf allen Versuchsstrecken wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 70 Kilometer in der Stunde, stellenweise auf 50 Kilometer, beschränkt. Autofahrerinnen und Autofahrer, die mit Tempo 70 oder 50 unterwegs sind, und von nachfolgenden schnelleren Fahrzeugen bedrängt werden, sollten keinen Konflikt suchen. Es ist Aufgabe der Polizei und nicht der Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer, Regelverstöße zu ahnden.

Werden durch dieses Projekt mit schmaleren Fahrspuren und Tempo 70 und 50 nicht auch Unfälle provoziert?

Die Kernfahrbahn ist für Personen- und Lastkraftwagen mit der Höchstgeschwindigkeit von bis zu 70 Kilometern in der Stunde als ausreichend breit anzusehen. Aufgrund von Erfahrungen in den Niederlanden ist davon auszugehen, dass durch die Maßnahme nicht nur eine Verbesserung der Sicherheit aus Sicht des Radverkehrs erzielt werden kann. Es besteht die berechtigte Annahme, dass sich die Maßnahme auch positiv auf die Sicherheit für den Kraftfahrzeugverkehr auswirkt. Etwa durch eine verringerte Fahrgeschwindigkeit in Verbindung mit einem angepassten Spurverhalten, was Unfällen durch Abkommen von der Fahrbahn vorbeugen soll.

Können Autofahrerinnen und Autofahrer trotz fehlender Mittelleitlinie die Fahrbahn richtig einschätzen?

Bereits heute gilt: Eine Mittelmarkierung wird nur aufgebracht, wenn sich die Verkehrsteilnehmerin und der Verkehrsteilnehmer durchgehend darauf verlassen kann, dass sich gefahrlos auf beiden Fahrspuren Lastkraftwagen begegnen können. Die Markierung der Schutzstreifen und die Einrichtung der Kernfahrbahn ändert nichts an der vorhandenen Straßenbreite. Wo sich bisher zwei Lastkraftwagen gefahrlos begegnen konnten, wird dies auch weiterhin möglich sein, wenn beide Fahrzeuge kurzzeitig von der Kernfahrbahn rechts über den Schutzstreifen fahren. Wo eine Begegnung von zwei Lastkraftwagen schon jetzt nicht gefahrlos möglich ist, wird auch weiterhin Vorsicht geboten sein. Bei markierten Schutzstreifen sind in beiden Fällen allerdings auf gleicher Höhe fahrende Radfahrerinnen und Radfahrer vorrangig zu beachten.

Wie lange dauert dieser Versuch?

Der Versuch war bis zum 31. Dezember 2016 geplant. Da der Abschlussbericht zum Modellversuch von dem zuständigen Bundesverkehrsministerium noch nicht freigegeben ist, läuft der Modellversuch bis zum Projektabschluss weiter. Ein genauer Zeitpunkt des Projektabschlusses kann aktuell noch nicht genannt werden. 

Wird die Randmarkierung nach Beendigung des Projektes wieder entfernt?

Für die Modellstrecken gibt es Ausnahmegenehmigungen bis zum 31. Dezember 2016. Diese Ausnahmegenehmigung ist jetzt bis zum Projektabschluss verlängert. Grundsätzlich müssten die Strecken danach wieder in den vorherigen Zustand versetzt werden. Allerdings bleibt abzuwarten, zu welchen Erkenntnissen der Modellversuch führt und welche Veränderungen sich für die Straßenverkehrs-Ordnung und deren Ausführungsbestimmungen gegebenenfalls daraus ergeben.