Wenn Sie Opfer einer Sexualstraftat geworden sind, befinden Sie sich körperlich und psychisch in einer schwierigen Situation. Sie sollten sich auf jeden Fall medizinisch untersuchen lassen, auch wenn Sie selbst keine Verletzungen bemerken.

Bei einer Sexualstraftat stellt sich immer die Frage einer Anzeigenerstattung. Bei vielen Opfern ist dies zunächst mit Angst verbunden oder sie sind auf Grund der traumatischen Erfahrung nicht in der Lage, zeitnah eine Entscheidung zu treffen. Da die Verjährungsfristen in allen Fällen von sexualisierter Gewalt mehrere Jahre betragen (bei Vergewaltigung in der Regel 20 Jahre), haben Sie auf jeden Fall Zeit, sich eine Anzeigenerstattung in Ruhe zu überlegen.

Wichtig für die spätere Beweisführung ist, dass mögliche Tatspuren (zum Beispiel Sperma, Verletzungen) direkt gesichert werden. Im Rahmen der ärztlichen Untersuchung in einer der unten genannten Kliniken stehen Ihnen dabei zwei Wege offen.

  1. Wenn Sie sicher sind, dass Sie direkt eine Anzeige erstatten möchten, bitten Sie die Ärztin oder den Arzt in der Klinik um eine Kontaktaufnahme mit der Kriminalpolizei. Diese leitet dann alle erforderlichen Schritte ein.
  2. Wenn Sie sich eine Anzeigenerstattung zunächst noch nicht vorstellen können und noch mehr Zeit für die Entscheidung brauchen, kann die Ärztin oder der Arzt trotzdem mögliche Tatspuren sichern, sofern Sie damit einverstanden sind. Bitten Sie dann bei der Untersuchung um eine anonyme Spurensicherung (ASS). Ihre Spuren werden mit einer Chiffrenummer anonym im Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Köln gelagert. Davon erfährt die Polizei nichts.

Überblick über das Verfahren der anonymen Spurensicherung

Sie suchen eines der unten genannten Krankenhäuser auf. Wenn Sie keine Anzeige erstatten möchten, bitten Sie um eine anonyme Spurensicherung. Das Krankenhaus hält ein Spurensicherungsset bereit.

Der ärztliche Untersuchungsbericht mit Ihren Daten verbleibt im Krankenhaus. Die gesicherten Spuren (zum Beispiel Kleidung oder Spermaspuren) werden anonymisiert im Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Köln gelagert. Sie unterschreiben eine Erklärung, dass Sie eine anonyme Spurensicherung und Lagerung bis zu zwei Jahren wünschen. Davon erhalten Sie eine Durchschrift.

Vor Ablauf der zwei Jahre kann diese Frist auf Ihren Antrag hin verlängert werden. Mit Hilfe der Chiffrenummer, unter der Ihre Spuren anonymisiert gelagert sind, können diese Ihnen beziehungsweise Ihren Akten bei einer späteren Anzeigenerstattung zugeordnet werden.

Wenn Sie zu einem späteren Zeitpunkt eine Anzeige erstatten, weisen Sie darauf hin, dass die Tatspuren anonym gesichert wurden. Entbinden Sie die Ärztin oder den Arzt von der Schweigepflicht, damit auch der damalige Untersuchungsbericht verwendet werden darf. Die Polizei kümmert sich dann um die notwendigen Schritte.

Erfolgt keine Anzeige und wird kein Antrag auf Verlängerung der Aufbewahrungszeit gestellt, werden die Spuren nach zwei Jahren vernichtet.

Hintergrundinformationen

Eine Gruppe des Kölner Arbeitskreises "Gegen Gewalt an Frauen und Kindern" hat in Anlehnung an das Modell des AK Opferschutz Bonn/Rhein-Sieg und in Kooperation mit dem Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Köln ein Verfahren entwickelt, das eine anonyme Spurensicherung nach einer Sexualstraftat ermöglicht. Nach der ärztlichen Untersuchung, einer Verletzungsdokumentation und der Spurensicherung in einem der unten aufgeführten Krankenhäuser werden die Spuren zwei Jahre anonymisiert beim Institut für Rechtsmedizin gelagert. Sofern Sie vor Ablauf dieses Zeitraumes einen entsprechenden Antrag stellen, kann diese Aufbewahrungsfrist verlängert werden. Erfolgt im Zeitraum der Lagerung eine Anzeige, können die Spuren als wichtiges Beweismittel dienen.

Wenn Sie sich über dieses Verfahren informieren möchten oder generell Beratung, Hilfe und Unterstützung benötigen, wenden Sie sich bitte an die unten angegebenen Beratungsstellen.

Krankenhäuser und Beratungsstellen

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ASS - Informationen für Opfer einer Sexualstraftat
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