Arbeitsgruppe "Junges Ehrenamt"

© Paul Schöpfer

In Zeiten, in denen die Bindewirkung etablierter Organisationen und Vereine abnimmt, müssen neue Wege entwickelt werden, um junge Menschen für ein Engagement zu gewinnen. So das Ergebnis einer Befragung des Kölner Netzwerks Bürgerengagement. Hieraus resultierte der Beschluss zur Einrichtung der AG "Junges Ehrenamt", die sich Anfang 2015 konstituierte.

In der AG "Junges Ehrenamt" arbeiten, vertreten durch den Kölner Jugendring, Jugendverbände sowie Vereine, die an der Zusammenarbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen interessiert sind.

Vereine, bei denen es sich nicht per se um Selbstorganisationen junger Menschen handelt, müssen sich fragen, ob sie wirklich am Engagement und damit an den Ideen und der Förderung junger Menschen interessiert sind oder ob es primär darum geht, sich den Anschein der Veränderungsbereitschaft zu geben und gleichzeitig auf eingefahrenen Strukturen zu beharren.

Setzt man voraus, dass die Mitwirkung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen wirklich gewollt ist, stellt sich die Frage, was Jugendliche und junge Erwachsene zu einem Engagement motivieren kann.

Welche Themen interessieren sie und was können und wollen sie unter veränderten Bedingungen wie verkürzten Schulzeiten (G8), verdichteten Ausbildungs- und Studiengängen sowie einem veränderten Freizeitverhalten noch leisten?

Dr. Karin Wehmeyer stellte dazu die Studie der TU Dortmund und des Deutschen Jugendinstituts "Keine Zeit für Jugendarbeit?!" vor. Diese belegt die Erfahrungen von Jugendverbänden, Familien und den Betroffenen selbst, dass neben der Schule, dem Studium, dem Nebenjob, der Ausbildung, dem Wunsch Freundinnen und Freunde zu treffen und Beziehungen zu führen, für Engagement kaum Zeit bleibt. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass es eine Vielzahl junger Menschen gibt, die sich trotz aller Belastungen explizit Zeit für "ihr" Engagement nehmen, was auch in der aktuellen Flüchtlingskrise eindrucksvoll belegt wird.

Engagierte Jugendliche und junge Erwachsene kommen meist selbst aus Elternhäusern und einer Peergroup, in denen sie Engagement gelernt haben und in denen Engagement, Ausbildung/Arbeit und Freundeskreis ineinander übergehen.

Neben fehlender Zeit und Lernerfahrung sind geschlossen wirkende Systeme mit ihren eigenen Codes für Jugendliche ein weiteres Hemmnis beim Zugang zu einem Engagement.

Die etablierten Organisationen, auch die Jugendorganisationen, müssen sich also fragen:

  • Brauchen oder wollen wir eigentlich neue Mitglieder und Ehrenamtliche, und wozu?
  • Wie durchlässig sind unsere Strukturen und sind wir bereit zu Veränderung?
  • Was sind unsere Anforderungen und was unsere Möglichkeiten?
  • Was haben wir bereits unternommen, um neue Mitglieder und Mitarbeitende zu gewinnen?  

Neben der Analyse des Ist-Zustandes wurden erste Lösungen erarbeitet. Diese könnten in der Konzeption kurzfristiger und befristeter Engagements bestehen, die zum Beispiel eine intensive Mitarbeit an den Wochenenden, in den Schul-, und Semesterferien oder im Rahmen einer Projektarbeit vorsehen. Zudem könnten Partizipationsformen verbessert werden, indem Jugendliche und junge Erwachsene durch einen Beirat "Junges Ehrenamt" oder als kooptierte Vorstandmitglieder unmittelbar in Entscheidungen der Leitungsebene eingebunden werden.

Darüber hinaus sollten Vereine und Organisationen ihre Methoden zur Ansprache von neuen Engagierten kontinuierlich überprüfen und flexibel anpassen.