Bürgerschaftliches Engagement findet im Sozialraum, Stadtteil oder Veedel in den verschiedensten Institutionen oder Initiativen statt. Es ist freiwillig, selbst gewählt und selbst bestimmt.

Unsere Arbeitgruppe "Bürgerschaftliches Engagement im Sozialraum" erarbeitete 2007 Handlungsempfehlungen zur Förderung und Stärkung des Bürgerschaftlichen Engagements im Sozialraum.

Handlungsempfehlungen zur Stärkung des Bürgerengagements im Sozialraum
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Auf Grundlage dieser Handlungsempfehlungen entwickelte die Arbeitsgruppe die folgenden zwei Projekte:

"Veedelskarten"

Nachdem die Arbeitsgruppe "Bürgerengagement im Sozialraum" im Jahr 2007 die Bedingungen unter denen sich Bürgerengagement im Stadtteil gut entfalten kann, identifiziert hatte, wurde das Projekt "Veedelskarten" geplant und erfolgreich unter der Leitung von Oliver Stöber vom Vingster Treff e. V. umgesetzt.

Ziel ist es, das Bürgerengagement im Stadtteil sichtbar, wahrnehmbar und öffentlich zu machen, und dadurch zum Mitmachen zu motivieren und den Engagierten mehr Anerkennung und Wertschätzung zu Teil werden zu lassen.

Bürgerengagement im Sozialraum sichtbar machen

Für die Realisierung der Veedelskarten wurden aktive Ehrenamtliche bei 20 Vereinen und Initiativen in Höhenberg und Vingst fotografiert und im Postkartenformat vorgestellt. Ein von der Gruppe selbst formulierter Slogan ist mitsamt Foto auf der Vorderseite abgedruckt. Auf der Rückseite befinden sich eine Kurzbeschreibung der Initiative und deren Adresse. Die Veedelskarten wurden in den Geschäften an der Ostheimer und Olpener Straße ausgelegt.

Die Aktion erfuhr begeisterte Unterstützung durch die Engagierten in Vingst und Höhenberg und hat ihnen große Wertschätzung für ihre Tätigkeit zurückgegeben.

Die Veedelskarten wurden im Rahmen einer gelungenen nachbarschaftlichen Einführungsveranstaltung in Vingst/Höhenberg großformatig ausgestellt und auf der Netzwerk-Jahresveranstaltung "Kölner Netzwerk Bürgerengagement - eine Investition in die Zukunft!" von Oliver Stöber der Öffentlichkeit vorgestellt. Ausstellungen der Veedelskarten fanden außerdem in den Bürgerämtern Kalk und Chorweiler sowie den Kirchen Sankt Elisabeth in Höhenberg und Sankt Theodor in Vingst statt.

Veedelskarte Hövi rockt
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Veedelskarte Senioren-Netzwerk Höhenberg
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"Ehrenamt im benachteiligten Veedel"

Die Arbeitsgruppe "Bürgerengagement im Sozialraum" startete 2008 mit der Ermittlung von Zugängen zum bürgerschaftlichen Engagement, die sich für Menschen in benachteiligten Stadtteilen bewährt haben. Die Projektleitung wurde der bürgernah und gemeinwesenorientiert arbeitenden Outback Stiftung, Sozialraumkoordination Bickendorf-Westend-Ossendorf, übertragen.

Als Projektpartner waren an der Untersuchung das "Begegnungscafé Bickolo" und das "Familienhaus Ossendorf-Park" sowie in beratender Funktion die Agentur "Nachbarschaftshilfen Kölsch Hätz" beteiligt.

Niedrigschwelliger Zugang

Sowohl die Entwicklung des Projektes als auch die Untersuchungsergebnisse wurden 40 Vertreterinnen und Vertretern gemeinnütziger Einrichtungen im April 2010 im Familienhaus Ossendorf-Park vorgestellt. Die Mitarbeiterinnen des Café Bickolo und des Familienhauses Ossendorf-Park machten die Handlungsempfehlungen zur Förderung niedrigschwelliger Zugänge für die Teilnehmenden anhand guter Beispiele aus der eigenen Arbeitspraxis problemlos nachvollziehbar.

Die Resonanz der Gäste war ausgesprochen positiv. Viele im Sozialbereich Tätige fühlten sich in ihrer Arbeit bestätigt. Angemerkt wurde, die Untersuchung verdeutliche, dass die Methoden der Gemeinwesenarbeit eine hervorragende Verknüpfung zu dem aktivierenden Anliegen des Bürgerengagements darstelle. Auch könne diese Verknüpfung zu mehr Politikbewusstsein im Bürgerengagement verhelfen.

Das niedrigschwellige Ehrenamt unterstützt Menschen dabei, an der Gemeinschaft zu partizipieren. Es wird auch eine Parallele zur Selbsthilfe gesehen, da die Menschen in benachteiligten Stadtteilen zumeist erst mit einem eigenen Anliegen in die Einrichtung kommen, um sich dann später selbst dort einzubringen.

Fazit: Es besteht Bedarf an niedrigschwelligen Fortbildungen, der nirgendwo befriedigt wird. Hieraus folgt: Niedrigschwellige Fortbildungsangebote müssen entwickelt und durchgeführt werden.

Ehrenamt im benachteiligten Veedel - Niedrigschwelliger Zugang zum Bürgerengagement in benachteiligten Stadtteilen
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Wie definiert sich bürgerschaftliches Engagement im Sozialraum?

Um das bürgerschaftliche Engagement im Sozialraum treffend zu beschreiben, ergänzte die Arbeitsgruppe die allgemeine Definition von Bürgerengagement um die nachfolgend benannten Aspekte:

Bürgerschaftliches Engagement im Sozialraum:

  • Ist in seiner Form äußerst vielfältig und wird von den Engagierten selbst oft als solches gar nicht angesehen.
  • Wird vor allem von Menschen betrieben, die viel Zeit im Stadtteil verbringen (Familien, Eltern mit kleinen Kindern, Senioren, Erwerbslose, Geschäftsleute) und die den Stadtteil nicht nur zum Schlafen und Wohnen nutzen.
  • Zielt gleichzeitig in seiner Ausrichtung insbesondere auf die Menschen, für die der unmittelbare Lebensraum sehr wichtig ist.
  • Entsteht oft durch die Selbstorganisation der Bürgerinnen und Bürger und ist nicht an Institutionen gebunden. Solche Formen des Engagements können nicht verordnet oder von "oben" organisiert werden.
  • Geht vom Interesse/der Leidenschaft der Bürgerinnen und Bürger im Stadtteil aus (Bürgervereine, Bürgerinitiativen, Stiftungen et cetera).
  • Ist dann besonders hoch, wenn den Menschen etwas weggenommen wird oder ihnen etwas "stinkt", wenn es brennt.
  • Geht manchmal von einem anderen Ausgangspunkt (zum Beispiel Sport) aus und "strahlt" dann in den Stadtteil hinein.
  • Ist für viele Menschen eine Möglichkeit, "frech", "frei" und "selbstbestimmt" zu handeln.