Der Kölner Innovationspreis wurde 2015 bereits zum siebten Mal ausgeschrieben. Insgesamt bewarben sich 23 Projekte. Drei Projekte erhielten einen Preis. Vier weitere Projekte erhielten eine Belobigung.

Grußwort des Oberbürgermeisters a. D. zum KIB 2015

Liebe Kölnerinnen und Kölner,

der Rat der Stadt Köln hat im Jahre 2009 das Handlungskonzept zur Kölner Behindertenpolitik beschlossen. In diesem Konzept sind zahlreiche Maßnahmen aufgeführt, wie Barrieren für Menschen mit Behinderung beseitigt werden können. Unsere Stadtverwaltung verfolgt dieses Konzept mit großem Einsatz.

Und auch eine große Anzahl an Kölner Gruppen, Vereinen und auch Einzelpersonen setzt sich für die Belange von Menschen mit Behinderung ein. Darüber freue ich mich sehr! Ganz wichtig ist mir dabei das Engagement der Menschen mit Behinderung selbst. Sie sind Experten in eigener Sache und können uns wertvolle Anregungen und Tipps geben, wie Barrierefreiheit in unserer Stadt noch besser umgesetzt werden kann. Dieser vielfältige Einsatz verdient nicht nur die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit sondern auch die Anerkennung in Form einer besonderen Auszeichnung.

Machen Sie mit beim 7. Kölner Innovationspreis Behindertenpolitik und stellen Sie uns Ihr Projekt für eine bessere Teilhabe von Menschen mit Behinderung in Köln vor!  

Ihr

Jürgen Roters
Oberbürgermeister der Stadt Köln a. D.

Preisverleihung im VHS-Forum am 30. November 2015

Der Kölner Innovationspreis Behindertenpolitik (KIB) wurde zum siebten Mal verliehen. Die Preisverleihung fand im Forum der Volkshochschule im Rautenstrauch-Joest-Museum statt. Oberbürgermeisterin Henriette Reker hielt vor über 250 Gästen die Eröffnungsrede. Sie betonte, dass Projekte ausgezeichnet würden, die ihr besonders am Herzen liegen. Sie dankte allen diesjährigen Bewerberinnen und Bewerbern.

Auch diesmal erreichten die Jury wieder großartige Einsendungen aus den verschiedensten Bereichen wie etwa Mobilität und Freizeit, Gesundheit, Wohnen, Umwelt, Arbeit, Sport, Kinder- und Jugendhilfe sowie Kunst und Kultur. Ich danke herzlich auch den Mitgliedern der Jury. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, aus den vielen Bewerbungen eine Auswahl zu treffen. Denn ich durfte die heutigen Preisträgerinnen und Preisträger selbst mit ermitteln! Als Sozialdezernentin war ich viele Jahre Mitglied der Jury und für das wichtige Thema Behindertenpolitik zuständig.

Die Jury hatte beschlossen, die Preisträgerinnen und Preisträger auch diesmal erst bei der Preisverleihung bekannt zu geben. Die Spannung war deshalb natürlich sehr groß.

Es wurden ein erster und zwei zweite Preise vergeben. Auch in diesem Jahr fiel die Entscheidung der Jury nicht leicht.

Durch den Abend führte der Behindertenbeauftragte Dr. Günter Bell.

Der mit 2.000 Euro dotierte erste Preis wurde an das Kunsthaus KAT 18 vergeben. Die Laudatio hielt die diesjährige Schirmherrin Shary Reeves - Moderatorin, Schauspielerin, Autorin, Hörbuchsprecherin und ehemalige Bundesligafußballspielerin sowie Sportbotschafterin der Stadt Köln.

Den ersten der beiden zweiten Preise sowie 1.500 Euro erhielt die Anlaufstelle Rheinland in Köln. Die Laudatio hielt Michael Paetzold, Vorsitzender des Ausschusses Soziales und Senioren.

Den anderen zweiten Platz sowie ebenfalls 1.500 Euro erhielt das Projekt Look & Roll Barrierefreie Kulturangebote - auch für Menschen mit Behinderung. Die Laudatio hielt Horst Ladenberger, Jurymitglied des diesjährigen KIB und Mitglied der Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik. 

Außerdem wurden vier Projekten Belobigungen ausgesprochen. Diese gingen an das Inklusive Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung und Studierende, Schrei mich an - Ein Theaterstück, Alle Pänz in einem Pott und Ansichten über Jacqueline du Pré.

Musikalisch begleitet wurde der Abend durch den Chor "Herzklopfen", einem Inklusiven Chor der Lebenshilfe Köln. Zuerst präsentierte der Chor im Anschluss an die Begrüßung durch Oberbürgermeisterin Henriette Reker den bekannten Gospel-Song "Oh happy Day". Vor der Verleihung des ersten Preises interpretierte der Chor mit dem Lied "Wonke Umuntu" den Artikel 3 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Zulu (südafrikanische Sprache) sowie "Et jitt kei Wood" von Cat Ballou.

Im Anschluss an die Preisverleihung präsentierten sich die teilnehmenden Gruppen mit ihren Projekten im Foyer. Dort gab es ausgiebig Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und mögliche Kooperationen zu besprechen. Das ganze fand bei einem Umtrunk statt, bei dem die Preisträgerinnen und Preisträger mit den vielen Gästen feierten.

Preisträgerinnen und Preisträger 2015

1. Preis: KUNSTHAUS KAT 18

© Marcus Laufenberg

Das KUNSTHAUS KAT18 ermöglicht es, dass Beschäftigte bei der GWK ihrem Beruf als Künstlerin beziehungsweise Künstler erstmals unter professionellen Bedingungen nachgehen können. Im Atelier arbeiten behinderte und nicht behinderte Menschen künstlerisch miteinander. Begabungen werden gefördert, weiterentwickelt und von professionellen Künstlerinnen und Künstlern assistierend begleitet.

Zum KUNSTHAUS KAT18, angesiedelt in einer ehemaligen Brauerei in der Kölner Südstadt, gehören zwei Ateliers, eine Galerie mit Kaffeebar und Veranstaltungsräume in historischen Kellergewölben. Insgesamt arbeiten hier rund 45 Menschen zusammen.

In der Ateliergemeinschaft des Kunsthauses arbeiten 23 Künstlerinnen und Künstler mit Lernschwierigkeiten in Vollzeit und Teilzeit unter professionellen Bedingungen. Sie werden begleitet und ausgebildet durch künstlerische Assistentinnen und Assistenten. Zurzeit sind dies 8 Personen – alle mit einer künstlerischen Ausbildung – und 2 junge Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr.

In der Küche und im Service der in der Galerie integrierten Kaffeebar arbeiten zurzeit 10 Beschäftigte, angeleitet von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern und einer Köchin.

Das KUNSTHAUS KAT18 versteht sich als Entwicklungsraum, in dem jeder Künstler und jede Künstlerin eine eigene künstlerische Position hervorbringen kann. Und der darüber hinaus – als Ganzes – mit ästhetischen Mitteln in die Gesellschaft und in den Sozialraum hinein wirkt.

Informationen zum KUNSTHAUS KAT 18

2. Preis: Anlaufstelle Rheinland in Köln

© Marcus Laufenberg

Behinderung entsteht aus der Wechselwirkung zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und einstellungs- und umweltbedingten Barrieren

heißt es in der UN-Behindertenrechtskonvention. Die Anlaufstelle Rheinland in Köln wusste schon lange vorher um den großen Bedarf an einer alternativen Beratung von Betroffenen für Betroffene, die sich von dem Beratungsangeboten der professionellen Seite unterscheidet.

Hier organisieren die Betroffenen alles selbst – ohne sozialpsychiatrische Profis wie Sozialarbeiterinnen, Sozialarbeiter, Psychologinnen, Psychologen, Psychiaterinnen oder Psychiater. Dadurch wird Betroffenen Gelegenheit gegeben, ihr Bewusstsein für die eigenen Fähigkeiten zu schärfen: eine Grundlage, dass diese Fähigkeit auch für Gesellschaft sichtbar werden kann.

An erster Stelle stehen die Selbsthilfe und die Emanzipation der Psychiatrie-Erfahrenen von den Profis.

Die Anlaufstelle liegt in Köln-Mülheim und verfügt neben dem Büro über einen separaten Gruppenraum, eine Küche, sowie über ein Bad mit WC und Badewanne. Für Menschen mit seelischen Krisen wurde ein Zimmer eingerichtet.

Das Krisenzimmer stellt eine Alternative zur Psychiatrie dar. Hier eröffnet sich die Möglichkeit, eigenverantwortlich seelische Ausnahmesituationen zu überwinden. Der Gedanke hierbei: Krisen gehören zum Leben und haben meistens eine Ursache, die mit Medikamenten "zugedeckelt" wird. Die Psychopharmaka verhindern so, dass die Krise bearbeitet werden kann. In jedem Menschen ist jedoch alles vorhanden, was er oder sie braucht, um eine Krise zu lösen.

Bisher konnten 15 bis 20 Menschen im Krisenzimmer die Chance nutzen, Aufenthalte in der stationären Psychiatrie zu vermeiden. Der übliche Betrieb der Anlaufstelle wird während eines Krisenaufenthaltes aufrechterhalten.

Neben verschiedenen regelmäßigen Treffen gibt es beispielsweise auch Aktivitäten an den Weihnachtsfeiertagen.

Informationen zur Anlaufstelle Rheinland

2. Preis: LOOK & ROLL BARRIEREFREIE KULTURANGEBOTE – AUCH FÜR MENSCHEN MIT BEHINDERUNG

© Marcus Laufenberg

In der Schweiz findet das internationale Kurzfilmfestival LOOK & ROLL seit 2006 alle zwei Jahre statt. Einen besonders hohen Stellenwert genießt die vollständige Erschließung der Veranstaltung für Besucherinnen und Besucher mit Behinderung.

LOOK & ROLL KölnBonn startete mit zwei gut besuchten Filmabenden in Köln und Bonn im Mai 2015 die Zusammenarbeit mit LOOK & ROLL Schweiz. An diesen beiden Filmabenden zeigte LOOK & ROLL KölnBonn die besten Beiträge des erfolgreichen Schweizer Kurzfilm-Festivals: Internationale Filme mit und über Menschen mit Behinderung.

Zu den Aspekten der Barrierefreiheit gehören:  

  • Barrierefreie Locations
  • Filme in der Originalsprache und untertitelt
  • Live-Audiodeskription für Menschen mit einer visuellen Einschränkung und Problemen beim Lesen
  • Gebärdendolmetscher für alle Moderationen und Diskussionen im Publikum  

Im Mittelpunkt der Filmabende stehen zwei Elemente: Ein Kurzfilm bietet den Einstieg in das jeweilige Thema. Anschließend gibt es ein Gespräch, deren Leitung Betroffene übernehmen.

Die Filme müssen jeweils exakt zur Veranstaltung und Moderation passen. Zwar dürfen sie kontroverse Reaktionen hervorrufen, müssen aber grundsätzlich auf den Appell ans Mitleid der Betrachterin oder des Betrachters verzichten und auch filmästhetisch überzeugen.  

Informationen zum Projekt Look & Roll

Belobigungen

Folgende Projekte wurden belobigt: 

  • Inklusiv wohnen Köln e. V. für ihr "Inklusives Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung und Studierende"
Informationen zu Inklusiv wohnen
  • Intakt e. V. für das Projekt "Schrei mich an – Ein Theaterstück"
Informationen zu Intakt e. V.
  • De Pänz us dem ahle Kölle für das Projekt "Alle Pänz in einem Pott"
Informationen zu De Pänz us dem ahle Kölle
  • Goldgräber – Hörspielgruppe des DMSG OV Köln e. V. für das Projekt "Ansichten über Jacqueline du Pré"
Informationen zum Projekt "Ansichten über Jacqueline du Pré"