Köln ist eine Stadt der Literatur und der Verlage, der Buchhandlungen, der Bibliotheken und Archive. Das jährliche Festival lit.Cologne, das Literaturhaus Köln, in dem internationale Autorinnen, Autoren, junge Nachwuchsliteratinnen und Nachwuchsliteraten von Weltrang zu Gast sind, sowie eine Vielzahl weiterer täglicher Literaturveranstaltungen engagierter Buchhandlungen und Initiativen prägen das Literaturleben Kölns.

Wir organisieren die Verleihung des städtischen Literaturpreises, der seit 1985 den Namen Heinrich Bölls trägt. Von 1998 bis 2010 haben wir auch den privat gestifteten Heimito von Doderer-Literaturpreis ausgerichtet.

Heinrich-Böll-Preis

Im Gedenken an einen ihrer größten Söhne, den Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll, vergeben wir seit 1980 den nach ihm benannten Ehrenpreis. Er ist mit 30.000 Euro dotiert und ehrt jeweils ein literarisches Lebenswerk. Bis 1992 wurde der Preis jährlich vergeben, danach nur noch alle zwei Jahre. Der Jury gehören neben Oberbürgermeisterin Henriette Reker sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Rat und Verwaltung als Fachjuroren Professor Dr. Christof Hamann, Guy Helminger, Ulrich Peltzer und Andreas Platthaus an.

Der Preisträger 2017

Die Jury des Heinrich-Böll-Preises hat sich für den in Bulgarien geborenen Schriftsteller Ilija Trojanow als Träger des diesjährigen Heinrich-Böll-Preises der Stadt Köln entschieden. Die Begründung der Jury lautet:

© Robert Bosch Stiftung/Yves Noir

Kaum ein anderer hiesiger Schriftsteller setzt das politische Engagement von Heinrich Böll so konsequent und literarisch ambitioniert fort wie Ilija Trojanow: in seinen Büchern, aber wie der Kölner Literaturnobelpreisträger auch mit seinem gesellschaftlichen Wirken. Beide Autoren haben leidvoll erfahren müssen, was Totalitarismus bedeutet: Böll, geboren 1917, während der Zeit des Nationalsozialismus, Trojanow, geboren 1965, als Sohn einer bulgarischen Familie, die 1971 nach Deutschland floh. Konsequenterweise hat sich Trojanow nicht nur als kompromissloser Kritiker des Überwachungsstaats profiliert, sondern auch als rastloser Helfer für verfolgte und exilierte Schriftsteller.

In der von ihm herausgegebenen Reihe "Weltlese" erscheinen Bücher aus der ganzen Welt in Erstübersetzungen, und Trojanow selbst, der in Kenia aufgewachsen ist, hat als Publizist unter anderem in Bombay und Kapstadt gelebt, ehe er 2007 nach Wien zog, wo er bis heute lebt.

Seit dem 2006 erschienenen Roman "Der Weltensammler" zählt er zu den international bekanntesten deutschen Schriftstellern, und 2015 krönte Trojanow sein bisheriges Prosawerk mit dem Roman "Macht und Widerstand", eine beeindruckende "Ästhetik des Widerstands", die von zwei ineinander verwobenen Schicksalen im kommunistischen Bulgarien erzählt: dem eines Systemgegners und dem eines Stasioffiziers.

Die Summe seines Nachdenkens über das die eigene Biographie prägende Grunderlebnis des Exils hat er gerade erst mit dem aphoristischen Essayband "Nach der Flucht" gezogen. Im Jahr des 100. Geburtstags von Heinrich Böll bestätigt Ilija Trojanow mit diesem Buch einmal mehr, wie sehr er in der Lage ist, Politik und Ästhetik auf höchst kunstvolle Weise miteinander zu verbinden.

Die Verleihung wird am 24. November 2017, 18:30 Uhr, im Historischen Rathaus stattfinden.

Die Preisträgerin 2015

Den Heinrich-Böll-Preis 2015 erhielt Herta Müller mit folgender Begründung der Jury:

© Stadt Köln, Fotograf: Ikhlas Abbis

Die Stadt Köln verleiht ihren Heinrich-Böll-Preis 2015 an Herta Müller. Man könnte meinen, dass es nach dem Literaturnobelpreis von 2009 keinen Grund mehr gäbe, das Werk der 1953 im Banat geborenen, deutschsprachig aufgewachsenen und seit 1987 in der Bundesrepublik lebenden Schriftstellerin abermals zu würdigen, doch das Gegenteil ist der Fall. Nicht nur, dass Herta Müller in den vergangenen sechs Jahren weitere wichtige Bücher publiziert hat, so zuletzt den Essayband "Hunger und Seide", keine andere Autorin ist in ihrem Schaffen dem künstlerischen und kritischen Geist Heinrich Bölls so verwandt.

Der Grundtrieb des Böllschen Schreibens findet sich darin wieder: das Aufwachsen in einem repressiven Heimatland und dann das Erlebnis der Befreiung in einer neuen Gesellschaft; im Falle Bölls im selben Land nach 1945, im Falle Müllers durch die Ausreise nach Deutschland.

Mit dem noch in Rumänien geschriebenen, aber dort nur in zensierter Form 1982 veröffentlichten Band "Niederungen", dessen Erzählungen erst zwei Jahre danach in der Bundesrepublik in ihrer ursprünglichen Form publiziert werden konnten, hat Herta Müller ihre rumänische Heimat als literarischen Ort neu für die deutsche Sprache gewonnen, sich mit ihren schonungslosen Schilderungen aber auch die Kritik der Banater Schwaben zugezogen - eine Parallele zur Rezeption des Böllschen Werks in der Bundesrepublik. Mit ihren Romanen wie "Reisende auf einem Bein", "Der Fuchs war damals schon der Jäger", "Herztier" und vor allem dem bislang letzten, "Atemschaukel" von 2009, entwickelte sie eine Poetik, in der sprachliche Originalität und zeitgeschichtliche Durchdringung der Stoffe eine höchst individuelle Stimme schufen, deren Aussagekraft weit über die Banater Wurzeln und auch weit über den deutschen Sprachraum hinausgehen.

Heinrich Böll wie Herta Müller haben durch ihre Erfahrungen im Totalitarismus einen besonders scharfen Blick für die Risiken auch in der freien Gesellschaft gewonnen, was ihre Romane ebenso prägt wie die jeweiligen essayistischen Einlassungen. Sie sind beide große literarische Chronisten der Abgründe des zwanzigsten Jahrhunderts – und beide große Hoffnungsmacher nicht nur der Literatur, sondern der Menschlichkeit als ganzer.  

Andreas Platthaus

Rede von Oberbürgermeisterin Henriette Reker zur Preisverleihung
Laudatio von Friedmar Apel
PDF, 28 kb
Dankesrede von Herta Müller
PDF, 106 kb
Alle bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger
PDF, 18 kb
Jahresprogramm zum 100. Geburtstag von Heinrich Böll

Heimito von Doderer-Literaturpreis

Der Heimito von Doderer-Literaturpreis wurde von 1996 bis 2010 elf Mal verliehen. Der in Köln lebende deutsche Autor, Übersetzer und Mäzen Dr. Henner Löffler stiftete anlässlich des 100. Geburtstags Heimito von Doderers den gleichnamigen Preis. Hier erhalten Sie weitere Informationen:

Heimito von Doderer-Literaturpreis