Künstlerresidenz Köln-Beirut 2015

Für das vom UMAM Documentation & Research/The Hangar und Arab Image Foundation (AIF) in Beirut, Libanon, im Herbst 2014 zum dritten Mal ausgelobte Künstlerstipendium "Kunst und Dokument. Köln-Beirut" haben die Auswahljurys in Köln und Beirut unter einer beachtlichen Zahl qualifizierter Bewerbungen ihre Entscheidung getroffen.

  • ©Marta Bogdanska
    Am Strand von Beirut
  • ©Tomasz Wodzynski
    Beiruts Küste
  • ©Tomasz Wodzynski
    Ruhepause an Beiruts Küste
  • ©Marta Bogdanska
    Panorama von Beirut
  • ©Tomasz Wodzynski
    Blick auf Beirut
  • ©Tomasz Wodzynski
    Hinweisschilder in Beirut
  • ©Zosia Jeziorna
    Beirut Souks
  • ©UMAM Documentation & Research
    Der Bus von Ain Roumaneh im Hangar
  • ©UMAM Documentation & Research
    Ausstellung im Hangar
  • ©Reem Akl
    Ausstellung von Reem Akl, der Stipendiatin 2012
  • ©Kassem Dabaji
    Arab Image Foundation: Recherche-Arbeitsplatz
  • ©Arab Image Foundation
    Arab Image Foundation: Collection Chadirji

Für die Residenz in Köln in der Zeit vom 1. April bis 30. Juni 2015 wurde die libanesische Künstlerin Alia Hamdan für den Bereich Choreographie und experimenteller Tanz ausgewählt. Im Gegenzug ging die Kölner Künstlerin Therese Schuleit vom 15. April bis 15. Juli 2015 nach Beirut.

In Köln stellte das NS-Dokumentationszentrum seine Archive und Dokumente für die Recherche der Künstlerin aus Beirut zur Verfügung, in Beirut arbeitete die ausgewählte Künstlerin mit dem Archiv des UMAM und AIF.

Die Jurys in Köln und Beirut bestanden aus Vertretungen der vor Ort beteiligten Kooperationspartnerinnen und -partnern sowie unabhängigen lokalen Kunstschaffenden. Sie würdigten in beiden Bewerbungen die überzeugende Vorrecherche, das Eingehen auf die Archivpraktiken in zeitgenössischer Kunst und Literatur sowie den starken lokalen Bezug auf die beiden Residenzstädte.  

Das Künstlerstipendium wird ermöglicht durch die städtischen Kulturämter in Köln und Beirut, die RheinEnergie Stiftung Kultur, das UMAM Documentation & Research Beirut, die Arab Image Foundation Beirut, den Bundesverband Bildender Künstler Köln e. V. und das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln. Die Schirmherrschaft hat die Deutsche Botschaft in Beirut übernommen. Konzeption und Leitung liegen in den Händen des in Köln lebenden polnischen Autors Stanislaw Strasburger. 

Informationen zu den aktuellen Stipendiatinnen

© Alia Hamdan

Alia Hamdan wurde 1979 in Beirut geboren. Sie reiste nach dem Abitur nach Frankreich, um Zeitgenössischen Tanz und Philosophie zu studieren. Von 1999 bis 2005 absolvierte sie eine tänzerische Ausbildung an der Musikhochschule in Montpellier und am National Choreographic Center, wo sie gemeinsam mit Monnier, Jobin, Ribot und Tompkins trainierte und auftrat. Sie nahm an diversen Workshops teil und erhielt unter anderen im Jahr 2003 das Stipendium "Danceweb" (ImPulsTanz Festival, Wien). Neben dem Tanzen schloss sie in Frankreich die Studiengänge Philosophie (Sorbonne) und Urbanistik (Nanterre) mit einem Mastertitel ab. 2005 kehrte sie nach Beirut zurück und arbeitete dort als Stadtforscherin mit Schwerpunkt auf städtischem Wiederaufbau und den entsprechenden Rechtsfragen. Ihr erstes Choreographie-Projekt entstand 2004: In "When the HOLIDAY INN Became Again" (Beirut) verbindet sie Tanz mit den urbanen Spuren des Krieges, indem sie sich speziell mit dem genannten Gebäude, einem Markenzeichen der Stadt, auseinandersetzt. Seit 2011 hat Alia Hamdan ihre schöpferische Kraft und ihre Aufmerksamkeit der Choreographie zugewandt und befasst sich im Rahmen ihrer Promotionsforschung mit der Begegnung zwischen Choreographie und anderen Bereichen, wie zum Beispiel Philosophie und Kino (Universität Paris 8).

Ihre Performance "Someday" (2011, Bipod, Beirut) untersucht kinematographische Bilder, die speziell für die Bühne mit Bezug auf performative Elemente entwickelt wurden. Momentan arbeitet sie an einem Choreographie-Film und lehrt an der ALBA Universität in Beirut Ästhetik.

Therese Schuleit hat audiovisuelle Medien, vergleichende Literaturwissenschaft und Illustration in Köln, Florenz und Mainz studiert. 2008 hat sie ihr Diplom an der Kunsthochschule für Medien in Köln abgeschlossen. Seitdem arbeitet sie als Künstlerin an den Schnittstellen Sound und Raum sowie zusammen mit den Kollektiven Raumfaltung, Mühlenkampf, Innen. Mit Echo Ho konzipiert sie das Festival für angewandte Akustik. Elektronentoto ist ihr spontanes Experimentierfeld für Kleinformatvisionen, Konzerte und mini urban summits. Seit 2014 ist sie im Vorsitz der Opekta Ateliers. Ihre Arbeiten hinterfragen Wahrnehmungsprozesse, semantische Strukturen, die Verwendung von Materialien und die Beschaffenheit und Nutzung von Orten in Mixed Media Installationen, Interventionen und Dialogen.

Präsentation der Arbeitsergebnisse

Die Stipendiatinnen stellten die Ergebnisse ihrer Arbeit in zwei Ausstellungen vor. Diese waren vom 7. April bis 5. Mai 2016 im Matjö-Raum für Kunst (Alia Hamdan) und im NS-Dokumentationszentrum (Therese Schuleit) zu sehen.

Alia Hamdan: A False Disap­perance (Haikus for Edelweiß) Therese Schuleit: untaped

Informationen zum Stipendium

Beirut ist eine lebhafte und moderne Stadt sowie wichtige Schnittstelle und Zufluchtsort für Künstlerinnen und Künstler aus der gesamten Region. Zahlreiche Kunsteinrichtungen widmen sich sowohl traditionellen wie zeitgenössischen Projekten. Das vielfältige Kulturangebot der Stadt beinhaltet tägliche Film- und Theatervorführungen, Konzerte, Performances, Ausstellungen, Lesungen und vieles mehr.

© Zosia Jeziorna

Inhaltlich liegen dem Residenzprogramm gemeinsame Züge der turbulenten Kriegs- und Nachkriegsgeschichte beider Städte zugrunde. In Beirut wie auch in Köln spielten die Aufarbeitung des (Bürger-)Krieges, die neue Stadtgestaltung, die Gedenkkultur und die Präsenz des Krieges im Stadtbild eine wichtige Rolle in der zeitgenössischen Kunstproduktion und der Literatur. Speziell heutzutage wenden sich aber viele Kunstschaffende vermehrt auch anderen historischen und sozialen Fragestellungen zu.

Ziel des Aufenthaltes ist es, sich mit der Vergangenheit und der Aktualität der Partnerstadt durch (Kunst-)Dokumente und persönliche Erfahrungen vertraut zu machen.

Des weiteren sollen die Stipendiatin oder der Stipendiat ein Projekt entwickeln, das auf Dokument- und Archivpraktiken in zeitgenössischer Kunst beziehungsweise Literatur eingeht und von den besonderen Erfahrungen im Residenzort inspiriert ist. Aspekte der Vergangenheit können dabei hervorgehoben werden.

Weitere Ziele der Residenz sind:

  1. Schaffen einer künstlerischen Arbeitsplattform, die einerseits international ist, gleichzeitig aber eine starke lokale Komponente hat.
  2. Förderung von interkulturellem Austausch mit besonderer Berücksichtigung von künstlerischer Aufarbeitung historischer und gesellschaftlicher Probleme.
  3. Publikumswirksame Präsentation von Kunst, die sich sozialen und geschichtlichen Aspekten der jeweiligen lokalen Lebenswelten widmet, aber auch nach einem interkulturellen Dialog, Erfahrungsaustausch und neuen Inspirationsfeldern sucht.
  4. Förderung von nachhaltigen Kontakten zwischen Künstlerinnen und Künstlern, Kunsteinrichtungen und Kulturschaffenden aus beiden Ländern und Städten.

Umfang unserer Förderung und Aufenthaltsprogramm

  • kostenlose Nutzung eines Wohnateliers in Beirut für drei Monate
  • Flugticket hin und zurück
  • Förderung in Höhe von 3.750 Euro (gestaffelte Auszahlung gemäß Fördervertrag)
  • sprachliche und ortskundige Unterstützung in Beirut

Die Residenz wird folgendermaßen gestaltet:

  • Einführung in die Kulturszene und die entsprechenden Archive/Dokumentsammlungen in Beirut. Das genaue Programm wird im Hinblick auf die spezifischen Interessen der Stipendiatin oder des Stipendiaten erarbeitet.
  • Studien an Dokumenten und/oder in Archiven mit besonderem Fokus auf das UMAM Documentation & Research Archiv und/oder das Arab Image Foundation Archiv. Mit den Dokumenten, Kunstobjekten, audio- und visuellen Materialien werden der Stipendiatin oder dem Stipendiat zum Teil früher nie gewährte Einblicke in die libanesische und regionale Historie und Kunst ermöglicht.
  • Frei verfügbare Zeit zum Ausarbeiten des Kunstprojektes.

Zum Anfang und zum Abschluss der Residenz findet ein öffentliches Treffen mit der Stipendiatin oder dem Stipendiaten in Beirut statt.

Die Arbeitsergebnisse sollen bis spätestens Ende November abgeliefert werden. Im Laufe des Jahres werden sie in beiden Städten mit gesonderter Unterstützung vorgestellt. Die Produktionskosten können mit einem Zuschuss von bis zu 3.000 Euro gefördert werden. Diese Förderung muss spätestens bis zum 15. Juli beantragt werden und wird nur in Form der Rückerstattung der angefallenen Kosten gezahlt. Die Zahlung ist von der Entscheidung der Jury und der Mittelzuweisung abhängig.

Das Auswahlverfahren

Die Auswahl der Stipendiatin oder des Stipendiaten erfolgt nach der Qualität des eingereichten Projektvorschlags und der Qualität ihrer bisherigen künstlerischen Tätigkeit. Das Votum der Jury ist unanfechtbar und der Rechtsweg ausgeschlossen.

Das Auswahlverfahren ist zweistufig. Eine Vorauswahl wird in Köln getroffen. Die Stipendiatin oder der Stipendiat wird anschließend in Beirut gewählt. Die Zusammensetzung der Jury wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Archiv: Die bisherigen Stipendiatinnen und Stipendiaten

Die wichtigsten Informationen zu den bisherigen Stipendiatinnen und Stipendiaten haben wir hier für Sie zusammengestellt:

2014: Doris Frohnapfel und Siska (Eli Alexandre Habib) 2012: Reem Akl und Rainer Merkel

Sie wollen mehr wissen?

Erfahren Sie mehr zu Beirut und der Künstlerresidenz auf den Internetseiten unserer Partnerinnen und Partner.

© UMAM Documentation & Research

UMAM Documentation & Research (UMAM D&R) ist eine libanesische Organisation, die 2004 von Monika Borgmann und Lokman Slim gegründet wurde. UMAM's vorrangiges Ziel ist die Aufarbeitung des libanesischen Bürgerkrieges (1975 bis 1990). Dazu baut die Organisation seit Jahren ein umfassendes Archiv auf, das sowohl schriftliche Dokumente (Bücher, Zeitschriften, Zeitungen und "Graue Literatur") wie auch audio-visuelles Material und Fotos umfasst. Zigtausende der bereits digitalisierten Dokumente sind auf der Datenbank "Memory at Work" frei zugänglich. Gleichzeitig organisiert UMAM Workshops, Konferenzen und Ausstellungen libanesischer und ausländischer Künstlerinnen und Künstler, die sich im weitesten Sinne mit dem Thema Erinnerung auseinandersetzen.

UMAM Documentation & Research Memory at Work

Die Arab Image Foundation (AIF) ist eine gemeinnützige Organisation, die sich der Sammlung, dem Erhalt und dem Studium von Fotografie und anderen visuellen Materials aus dem Nahen Osten, Nordafrika und der arabischen Diaspora widmet. Sie wurde 1997 in Beirut gegründet und hält eine Sammlung von über 600.000 Fotos aus der Zeit von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Die AIF macht ihre Sammlung der Öffentlichkeit durch ein weites Spektrum an Aktivitäten zugänglich; darunter Ausstellungen, Buchveröffentlichungen, Workshops, Videos, eine Internetseite und eine Online-Datenbank. Das Forschungszentrum der AIF beherbergt außerdem 1.200 Bücher, Monografien, Kataloge, Magazine und eine zusätzliche Videothek.

Die Bibliothek ist täglich geöffnet und ist eine aktive und anregende öffentliche Einrichtung für das Studium von Fotografie. Sie stützt sich auf die Kenntnis und Erfahrung der Stiftung in der Förderung neuer Werke, Formen und Ideen.

Arab Image Foundation (AIF) Stadt Beirut NS-Dokumentationszentrum Bundesverband Bildender Künstler Köln e. V. Deutsche Botschaft in Beirut

Kontakt

Für weitere Informationen zum Stipendium in Beirut wenden Sie sich per E-Mail bitte direkt an Stanislaw Strasburger, den Leiter des Projektes.

E-Mail an Stanislaw Strasburger