Der Preisträger 2017 ist René Kemp.

Begründung für die Preisvergabe

© René Kemp

René Kemp (geboren 1982) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf (2010 bis 2016) und an der Kunsthochschule für Medien in Köln (2008 bis 2010). In den vergangenen Jahren zeigte er seine Werke bereits in einigen Einzelausstellungen, so zum Beispiel zuletzt in den Ausstellungsräumen 8Q (2017) und Sprungturm (2012) in Köln sowie in der der Galerie Julia Garnatz (2013, 2015). Zudem war er in zahlreichen Gruppenausstellungen vertreten. 2010 war er Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. 2011 erhielt er eine Ehrung durch die Kunststiftung Perdita und Hans-Peter Kunze.

René Kemps bisheriges künstlerisches Oeuvre/Arbeiten umfasst Zeichnungen, Drucke, Malerei. Er schreibt, zeichnet und malt, druckt und lässt von seriell arbeitenden Maschinen Unikate sticken.

Zudem setzt er mitunter kulturelle Artefakte wie zum Beispiel Schallplatten, Textilien oder Aufnäher ein. Oftmals kombiniert er Techniken. In vielen Arbeiten verwendet er Text - Textblöcke, Zitate, Feuilletons und Meldungen - als visuelles  Element der Werkkomposition oder als ergänzende Werktitel. Die Verweissysteme seiner verwendeten Materialien und Techniken variieren: sie entstammen der Hoch- und Populärkultur, verweisen auf politische Ereignisse oder private Erfahrungen, sind unterschiedlicher Provenienz, Historizität und Qualität. Im Zusammenspiel entfalten sie eine komplexe Wirksamkeit, versuchen sich der

unwirklichen Attitüde des Einzelgängers

zu bedienen - wie Rainald Goetz in "Abfall für Alle" schreibt - ohne sich dabei vom Sozialen abzukoppeln, ohne romantisch verklärtes Exil.

René Kemp versucht der Komplexität der Welt eine Form zu geben. Er versucht auf eine

Überempfindlichkeit einer Welt zu reagieren, die, so scheint es, auf gar nichts anderes mehr als auf ihr eigenes Ende spekuliert.

Philipp Wüschner, 2017

In seinen neuesten Arbeiten wagt er dieses Unterfangen ausschließlich mit den Mitteln der Malerei. Die Verwendung von Textelementen und anderen Zitaten tritt zurück zugunsten eines

lebensnahen Geschmieres,

wie er selbst sagt. Auf den zweiten Blick wirken die Gemälde undurchdringbar. Auf den dritten Blick glaubt die Betrachterin Orientierung gefunden zu haben, die auf dem vierten Blick dem Zweifel weicht.

Die Jury freut sich sehr darüber, René Kemp mit dem Friedrich-Vordemberge-Stipendium für bildende Kunst der Stadt Köln in seinem aktuellen Arbeitsvorhaben unterstützen zu können, das er wie folgt beschreibt:

Im Gegensatz zum eher schnellen, direkten Arbeiten der Jahre zuvor, dessen Rhythmus nahezu hysterisch an die Ereignisse der Welt gekoppelt war, und sich somit immer mehr zu beschleunigen schien, wollte ich zurück zur Langsamkeit. Das Arbeitsvorhaben ist das Konzentrierte Weiterarbeiten an den größeren, zeitintensiveren Formaten. Es geht in diesen neuen Bildern weniger um das vollständige Abstrahieren, denn vielmehr um die Annäherung an ein neues Verständnis von Realismus.

Heike Kropff für die Jury

Weitere Informationen

Die Biografie des Preisträgers und die Laudatio von Heike Kropff haben wir für Sie bereitgestellt:

Biografie von René Kemp
PDF, 42 kb
Laudatio von Heike Kropff
PDF, 44 kb

Wer war Friedrich Vordemberge?

Friedrich Vordemberge, deutscher Maler und Kunstprofessor, wurde 1897 in Osnabrück geboren und starb 1981 in Köln. 1945 gründete er die Rheinische Künstlergemeinschaft, von 1959 bis 1965 war er Direktor der Kölner Werkschulen.

Seit 1977 ist das jährlich zu vergebende Stipendium der Stadt Köln im Bereich Bildende Kunst nach ihm benannt. Weitere Eckdaten zu Friedrich Vordemberge sowie eine alphabetische Übersicht der bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger stehen zur Verfügung:

Friedrich Vordemberge Preisträgerinnen und Preisträger alphabetisch