Der Wiederaufbau der Archivbestände ist nicht die einzige gigantische Herausforderung, die es zu bewältigen gilt. Auch der Neubau eines geeigneten Gebäudes für das Historische Archiv ist eine große Aufgabe.

© Waechter + Waechter Architekten

Seit dem Einsturz ist das Archiv auf zwei provisorische Standorte verteilt. Zum einen ist am Heumarkt 14 die Verwaltung untergebracht sowie ein digitaler Lesesaal und ein Ausstellungsraum. Zum anderen steht in Köln Porz das RDZ mit der großen Restaurierungswerkstatt, dem Magazin und einem digitalen Lesesaal. Diese Aufteilung führt zu einem großen logistischen Aufwand und erschwert einige Arbeitsabläufe erheblich.

Damit das Arbeiten im Archiv für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch für alle Bürgerinnen und Bürger wieder einfacher wird, gilt es, so schnell wie möglich den Neubau zu beziehen.

Hier bekommen Sie einen Einblick in die aktuelle Entwicklung sowie Informationen zu Planung und Leitidee des Neubaus.

© Stadt Köln
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Der aktuelle Stand

© Waechter + Waechter Architekten

In seiner Sitzung am 12. Mai 2015 hatte der Rat der Stadt Köln den Neubau des Historischen Archivs mit Rheinischem Bildarchiv am Standort Eifelwall auf der Basis der vorliegenden Baupläne der Büros Waechter & Waechter beschlossen. Damit war die letzte Hürde zur Realisierung des Neubaus genommen.

Nachdem die Bodendenkmalpfleger das Areal untersucht hatten und das Baufeld frei gemacht worden war, begannen im Frühjahr 2016 mit der Kampfmittelsondierung die Tiefbauarbeiten am Eifelwall. Ab September wurden die ersten Pfahlbohrungen vorgenommen.

Dabei kam ein Großbohrgerät mit einer Höhe von 20 Metern und einem Gewicht von 100 Tonnen zum Einsatz. Pfahlbohrungen dienen dazu, die Lasten des Gebäudes auf die Bodenplatte zu verteilen. Bei der Pfahlgründung werden Pfähle in den Baugrund gebohrt bis in der Regel eine tragfähige Boden- oder Gesteinsschicht erreicht ist. Der Erdkern wird anschließend entfernt, der Hohlraum dann mit Beton verfüllt und das Rohr wieder aus dem Boden gezogen. Diese Betonpfähle dienen schließlich als Stützen und Fundament für das neue Gebäude.

Probebohrungen hatten im Vorfeld wichtige Erkenntnisse zur Planung der einzelnen Bohrpfähle am Eifelwall erbracht. Mit diesen Daten wurde eine wichtige Grundlage für den Statiker geschaffen, der über die notwendige Dimensionierung der Pfahlgründung entschieden hatte.

© Historisches Archiv/Andreas Berger
Die Baustelle am 5. Oktober 2017

Auf dem Gelände des künftigen Historischen Archivs wurden insgesamt 186 Ortbetonpfähle mit einem Durchmesser von 90 bis 120 Zentimetern in den Baugrund eingebracht. Während der Beton der Pfahlbohrungen aushärtete, wurden bereits die Baucontainer sowie ein Baukran aufgestellt. Ein zweiter Kran wurde Anfang März 2017 errichtet, ein dritter ist geplant. Sie dienen dazu, die Schwerlasten der Baustelle zu tragen. Die Phase der Tiefgründungsarbeiten ist inzwischen abgeschlossen, die der Rohbautätigkeiten hat begonnen. Die erste Aufgabe beim Rohbau bestand in der Erstellung der Bodenplatte im Bereich des künftigen Foyers. Auf dieser Bodenplatte fand am 17. März 2017 die Grundsteinlegung statt.

Bauzaun in ein Kunstprojekt verwandelt

© Rheinisches Bildarchiv Köln/Jonas Klein

Elisabeth-von-Thüringen-Gymnasium

Vom 20. bis 28. November 2017 haben Schülerinnen und Schüler der Kunstleistungskurse Schwarz-Weiß-Porträts mit roten Akzenten auf dem Bauzaun verewigt. Dabei widmete sich das Kunstprojekt den Porträts des Fotografen Peter H. Fürst aus den Beständen des Rheinischen Bildarchivs Köln. Zudem wurden Kölner Persönlichkeiten aus unserer Sammlung integriert.

Der Fotograf Peter H. Fürst hatte in den 1980er und 90er Jahren dem Phänomen "Kölner Persönlichkeiten" nachgespürt. Die Aufnahmen wurden im Kölnischen Stadtmuseum mit großem Erfolg ausgestellt.

Mit diesen Arbeiten begab sich Fürst auf ein Terrain, das ihm als Spezialist für Beauty und Mode zwar nicht fremd war, aber andere Akzente setzte. Seine Kölnerinnen und Kölner sind Persönlichkeiten, die gleichsam einen Querschnitt durch kölnische Gesellschaftsstrukturen bieten, deren Auswahl jedoch subjektiven Vorlieben des Fotografen folgt.

© Rheinisches Bildarchiv Köln/Jonas Klein

Kunstlehrer Björn Föll beschrieb das Projekt bei dessen Start wie folgt:

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Kölner Köpfen, genauer gesagt mit Fotoporträts, die sie im Bestand des Rheinischen Bildarchivs und des Historischen Stadtarchivs ausgewählt haben, auseinander. Nach vielen Übungen und Vorzeichungen werden sie nun großformatig mit diesen Kölnern den Bauzaun bemalen. Insbesondere das Übertragen der kleinen Fotovorlagen in das übergroße Format stellt eine besondere Herausforderung dar.

Peter H. Fürst
© Rheinisches Bildarchiv Köln/Rico Burgmann

Hildegard-von-Bingen-Gymnasium

Ein Kunst-Leistungskurs des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums mit 15 Schülerinnen und Schülern gestaltete vom 3. bis 6. Juli 2017 die erste Hälfte des Holzzaunes. Dabei dienten Eindrücke, welche die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Lehrer Marcus Brambach im Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum des Historischen Archivs gewonnen hatten, als Grundlage.

Das Kunstprojekt stand unter dem Motto "Erinnern, Bewahren, Sammeln, Wiederentdecken".

Der Zaun am Eifelwall wurde mit Lack-Markern bemalt - das ist auf einer so großen Fläche ungewöhnlich und sehr aufwendig.

© Stadt Köln

Malerei (Fläche) und Grafik (Linie) wurden vermischt - das führt zu spannenden und abwechslungsreichen Elementen. Das erste Bild auf dem Bauzaun beginnt mit dem Einsturz des Stadtarchivs 2009.

Das Stadtarchiv nimmt in unserem Kunstprojekt ab dem Einsturz eine neue Form an. Bücher klappen, im Stil an van Gogh angelehnt, auf. Dynamische Linien im Stil von David Hockney führen schließlich zu Platinen,

erklärte Kunstlehrer Marcus Brambach das Werk.

Bauzaun des Archiv-Neubaus in ein Kunstprojekt verwandelt
Banner am Bauzaun des Neubaus
PDF, 31435 kb
Drohnenflug über den Neubau

Grundsteinlegung

Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat am 17. März 2017 im Beisein vieler Gäste den Grundstein für das neue Historische Archiv und das Rheinische Bildarchiv gelegt.

Unsere Bildergalerie vermittelt Ihnen einen Eindruck vom Festakt und dem Stand der Bauarbeiten zu diesem Zeitpunkt.

Informationen zur Grundsteinlegung am 17. März 2017
Weitere Details zum Bauprojekt

Planungsphase

© Stadt Köln/Carsten Gruss

Bereits im September 2009, sechs Monate nach dem Einsturz in der Severinsstraße, hat der Rat der Stadt Köln den Neubau des Historischen Archivs am Eifelwall/Luxemburger Straße beschlossen, in den auch die Kunst- und Museumsbibliothek mit dem Rheinischen Bildarchiv einziehen sollten.

Daraufhin wurde der Wettbewerb für den Neubau des Historischen Archivs von der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln ausgelobt. Durchführung und Begleitung erfolgte durch das Darmstädter Architekturbüro Freischlad + Holz. Von den Teilnehmerinnen und -teilnehmern des Wettbewerbs wurden städtebaulich, architektonisch und funktional anspruchsvolle Entwürfe erwartet.

Bereits die Planung eines Gebäudes für derart bedeutende wissenschaftliche Einrichtungen wie das Historische Archiv und die Kunst- und Museumsbibliothek erforderte eine intensive Auseinandersetzung aller Beteiligten mit den verschiedenen Aufgabenbereichen, Inhalten und Zielen der künftigen Nutzerinnen und Nutzer.

Eine wichtige Forderung war, dass die unterschiedlichen Einrichtungen einerseits eigenständig genutzt und betrieben werden können und andererseits einladende gemeinsame Foyer- und Veranstaltungsräume vorhanden sind.

Die hohen baulichen und klimatischen Anforderungen an die Sicherheit der Magazinräume stellten eine besondere Herausforderung dar. Die Magazinräume müssen größtmöglichen Schutz vor schädlichen Umwelteinflüssen, Vandalismus, Diebstahl und Naturkatastrophen gewährleisten, wobei auch das hohe Eigengewicht der Regalanlagen und Planschränke sowie der eingelagerten Bestände berücksichtigt werden muss.

© Stadt Köln/Carsten Gruss
Professor Carlo Weber, Beigeordneter Professor Georg Quander, Oberbürgermeister Jürgen Roters und Beigeordneter Bernd Streitberger

Falsche Klimabedingungen führen zu irreparablen Schädigungen des Archiv- und Bibliotheksguts. Deshalb müssen Schwankungen der Temperatur und Luftfeuchtigkeit soweit wie möglich reduziert werden.

Aus insgesamt 40 Entwürfen von nationalen und internationalen Architektenteams hat das Preisgericht in seiner Tagung am 17. und 18. Juni 2011 den Sieger gewählt. Unter dem Vorsitz von Professor Carlo Weber stimmte das Preisgericht für den Entwurf des Büros Waechter + Waechter Architekten Darmstadt.

Die Stadt Köln hat es sich zum Ziel gesetzt, das sicherste und modernste Archiv Europas zu errichten. Diesen Anspruch haben wir an die Architekten gestellt, und ich bin zuversichtlich, dass wir dies jetzt auch erreichen werden,

so Oberbürgermeister Jürgen Roters bei der Vorstellung der Preisträgerentwürfe am 19. Juni 2011.

Die Leitidee des Neubaus

Das erklärte Ziel ist es, mit dem Neubau ein Bürgerarchiv entstehen zu lassen, das sich der Öffentlichkeit transparent und einladend präsentiert.

Entstehen soll ein einladendes, offenes und gleichzeitig hoch funktionales Haus, das sowohl interessierte Bürgerinnen und Bürger als auch Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, Studentinnen und Studenten sowie Kundinnen und Kunden des Bildarchivs anspricht. Dabei sollen gleichzeitig strengste konservatorische Erfordernisse mit Energieeffizienz und möglichst geringen Betriebskosten vereint werden.

© Stadt Köln/Carsten Gruss

Durch die unmittelbare Nähe zur Universität eröffnen sich zudem ganz neue Möglichkeiten der wissenschaftlichen Zusammenarbeit.

Das Herzstück des Neubaus wird das Magazin sein, in dem die Kölner Kulturschätze aus über 1.000 Jahren Geschichte eine neue, sichere und an den modernsten konservatorischen Anforderungen ausgerichtete Heimat bekommen.

Um das "Schatzhaus" herum entsteht das Mantelgebäude, das sich, so das Urteil des Preisgerichtes

durch seine Transparenz ausstrahlende Glasfront auszeichnet.

Das lichtdurchflutete Foyer strahlt eine einladende Atmosphäre aus. Mit Blick in den grünen Innenhof kann man im Lesesaal in einer schönen Umgebung recherchieren und Quellen studieren.

Die neuen Räume und Magazinflächen für das Historische Archiv und das Rheinische Bildarchiv entstehen auf einer Nutzfläche von 14.493 Quadratmetern/Bruttogrundfläche von 22.510 Quadratmetern.

Für die Bestände des Historischen Archivs stehen im Neubau rund 50 Regalkilometer für kartoniertes Archivgut zuzüglich Flächen für Urkunden und Großformate sowie 460 Planschränke zur Verfügung.

Für das Rheinische Bildarchiv werden eigene Magazinräume eingerichtet.

Die Baukosten belaufen sich auf rund 80,53 Millionen Euro brutto.