Das Archiv stellt sich vor

Das Historische Archiv der Stadt Köln ist eines der bedeutendsten europäischen Kommunalarchive, das sich durch die hohe Anzahl bedeutsamer Einzelbestände, ihre Kontinuität und die außergewöhnlich hohe Überlieferungsdichte auszeichnet. Es bildet das schriftliche "Kölner Stadtgedächtnis", denn es verwahrt eine Vielzahl von Unterlagen aus der Kölner Stadtgeschichte sowie der Geschichte des Rheinlandes und macht sie für seine Nutzerinnen und Nutzer zugänglich.

In den Beständen des Historischen Archivs befinden sich nicht nur Urkunden und Akten der städtischen Verwaltung, sondern auch Nachlässe und Sammlungen bedeutender Persönlichkeiten.

Nicht zuletzt beherbergt es auch zahlreiche Handschriften und Originale, unter anderem von Albertus Magnus, Jacques Offenbach, Giuseppe Verdi, Karl Marx, Konrad Adenauer und Heinrich Böll.

Das Historische Archiv dient als Informationsquelle für Wissenschaft und Forschung in aller Welt, aber auch für alle Bürgerinnen und Bürger, die sich für die Geschichte ihrer Stadt und ihrer näheren Umgebung interessieren.

Die Anfänge des Archivs

© Stadt Köln/Historisches Archiv

Das Historische Archiv der Stadt Köln schaut auf eine lange Tradition zurück, deren Anfänge bis ins 15. Jahrhundert zurück reichen. In Köln hat man schon sehr früh die wichtigen Dokumente und Urkunden gesichert. Im Jahr 1406 hat der Rat der Stadt beschlossen, einen neuen Rathausturm zu errichten, der unter anderem ein "Gewölbe zur Unterbringung der städtischen Privilegien" enthalten sollte. In diesem Archiv wurden schriftliche Dokumente aufbewahrt, die politisch oder juristisch dauerhaft von Bedeutung waren. Insbesondere wurden dort die Kölner Privilegien gesichert, also Rechte, die der Stadt zugesprochen worden waren, wie beispielsweise das sogenannte "Stapelrecht" oder das Mauerprivileg und andere Stadtrechte.

Die frühe Sorge um die städtischen Urkunden und Akten gewährleistete, dass diese nicht wie andernorts durch Kriege, Katastrophen und Vernachlässigung verloren gingen. Dadurch wurden hier die Grundlagen dafür geschaffen, dass das Historische Archiv der Stadt Köln heute auf eine so außergewöhnlich lange Überlieferungszeit zurückblicken kann. 

Die meisten der sorgsam gehüteten Dokumente verloren im Zuge der französischen Besatzung Kölns im späten 18. Jahrhundert ihren juristischen und praktischen Wert. Das damit verbundene Ende der jahrhundertelangen reichsstädtische Zeit führte zu tiefgreifenden Veränderungen in der Verwaltung. Die reichsstädtischen Dokumente wurden erst im Nachhinein zu dem, was man heute als "kulturelles Gedächtnis" bezeichnet. Dass dieses Gedächtnis nicht vernachlässigt wurde, ist verschiedenen Kölner Persönlichkeiten - wie beispielsweise dem Natur- und Kunstliebhaber Ferdinand Franz Wallraf - zu verdanken, die sich intensiv für seine Bewahrung engagierten.

Die weitere Entwicklung

Im Laufe des 19. Jahrhundert nahm die Zahl der administrativen Aufgaben in der Verwaltung stetig zu, was zu einer vermehrten Schriftgutproduktion führte. 1857 wurde deshalb Leonard Ennen als erster hauptamtlicher Archivar des Historischen Archivs der Stadt Köln eingestellt. Mit der neuen Satzung aus dem Jahr 1881 öffnete sich das Archiv für die wissenschaftliche Forschung.

Die städtische Überlieferung wurde um zahlreiche Dokumente aus den geistlichen Institutionen im Stadtgebiet, aus Familien- und Privatbesitz oder von sonstigen Einrichtungen ergänzt.

Durch die stark wachsende Menge an Dokumenten, die archiviert werden mussten, kam es zwangsläufig zu Platznot und 1889 zum ersten Umzug des Archivs. Nach mehreren kurzen Aufenthalten in provisorischen Einrichtungen wurde 1897 ein repräsentativer neugotischer Bau am Gereonskloster bezogen, ehe 1971 ein moderner Neubau an der Severinstraße 222-228 zur Heimat des Historischen Archivs wurde.

Das Historische Archiv als modernes Kommunalarchiv

© Wikimedia/Raimond Spekking

Die Entwicklung zum modernen Kommunalarchiv begann im 19. Jahrhundert, indem man sich nicht auf den bedeutenden Altbeständen ausruhte, sondern auch modernem Schriftgut Bedeutung zumaß. Die Überlieferungen aus den Ämtern und Dienststellen der Stadt Köln, aber auch die zahlreichen Sammlungen und Nachlassbestände wuchsen stetig an.

Das Archiv vermied eine einseitige Ausrichtung und ist dadurch lebendig geblieben. So beherbergt das Historische Archiv der Stadt Köln heute ein fast einzigartiges Ensemble von Beständen.

Darin wird nicht nur Politik und Recht, sondern auch die Kultur, der Alltag, Religion, Wirtschaft, Soziales und Bildung aus 1.000 Jahren Sammlungsgeschichte widergespiegelt - für Köln, aber auch weit darüber hinaus.

Insgesamt beherbergt das Historische Archiv circa 30 Regalkilometer Archivalien, davon ungefähr:

  • 22 Regalkilometer Akten
  • 62.000 Urkunden ab dem Jahr 922
  • 1.800 mittelalterliche und frühneuzeitliche Handschriften
  • 1.400 Bände mit mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rechnungen
  • über 300.000 Karten, Pläne und Plakate
  • 2.500 Tonträger, Filme und Videos
  • 500.000 Fotografien

Daneben bietet die umfangreiche Präsenzbibliothek die Möglichkeit zur weiterführenden Recherche zu der Geschichte Kölns.

Das Historische Archiv heute

All diese einmaligen, nicht reproduzierbaren Zeugnisse aus über 1.000 Jahren rheinischer Geschichte lagen am Nachmittag des 3. März 2009 in einem Berg aus Schutt und Trümmern. An diesem Tag stürzte das Gebäude in der Severinsstraße ein und begrub Unmengen an Archivgut unter sich. Dabei verloren zwei junge Kölner auf tragische Weise ihr Leben.

Mittlerweile ist das Kölner Stadtgedächtnis wieder an zwei Standorten für Sie erreichbar. Am Heumarkt 14, 50667 Köln, ist neben der Verwaltung auch ein digitaler Lesesaal untergebracht, den Sie für Ihre Recherchen nutzen können.

Alle Informationen über den Einsturz finden Sie hier

Darüber hinaus ist hier eine Ausstellungsfläche mit großem "Schaufenster" zur Straße eingerichtet, in dem laufend neue Ausstellungen zu sehen sind. In unserem Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum, Frankfurter Straße 50, 51147 Köln, können bereits wieder erste Originale eingesehen werden. Auch hier stehen Ihnen digitale Arbeitsplätze zur Verfügung.

Die große Herausforderung der nächsten Jahre ist es, die provisorisch eingelagerten Archivalien Stück für Stück zu sichten und in einer Datenbank so zu erfassen, dass ihre Zusammenführung sowie ihre Restaurierung möglichst schnell und professionell erfolgen können.

Die Zukunft des Historischen Archivs als Bürgerarchiv

© Waechter + Waechter Architekten

Der Bauplatz für das neue Archivgebäude steht fest: Am Eifelwall/Ecke Luxemburger Straße. Damit wurde ein Standort gefunden, der Sicherheit vor Katastrophen, wie zum Beispiel einem Rheinhochwasser, mit einer guten Anbindung sowohl an die Innenstadt als auch an die Universität vereint. Planung und Bauausführung werden aber noch mehrere Jahre benötigen.

Das Historische Archiv wird seine Dienstleistungen weiter modernisieren. Der Neubau wird nicht nur sicher und funktional sein, er wird auch von Beginn an auf die Funktion des Stadtarchivs als Bürgerarchiv ausgerichtet sein:

Ein Archiv, das sich weit über die traditionellen wissenschaftlichen Benutzergruppen hinaus den Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Verbänden, historischen Laien sowie der Politik öffnet. Es wird sich insbesondere der Bildungsarbeit sowie der Integration von Migrantinnen und Migranten widmen und dabei eng mit Schulen und Vereinen zusammenarbeiten. Für sie alle wird es Anlaufstelle für Fragen historischer Art sein.

Sie möchten noch mehr wissen? Dann laden Sie sich die Broschüre "Bergen, Ordnen, Restaurieren - Der Wiederaufbau des Historischen Archivs der Stadt Köln" herunter. Sie enthält die wichtigsten Informationen zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Historischen Archivs.

Alle Informationen zum Neubau
Bergen, Ordnen, Restaurieren
PDF, 3263 kb