Das "Dionysos-Mosaik" wurde 1941 bei der Anlage eines Luftschutzbunkers unmittelbar neben dem Kölner Dom an dessen Südportal entdeckt. Aber nicht nur dies, sondern auch die Fundamente eines römischen Hauses, zu dem dieses Mosaik gehört, wurden bei dieser Gelegenheit ausgegraben.

Das Haus ist einem Typ von Gebäuden zuzurechnen, die um einen rechteckigen Innenhof herumgebaut sind, wie wir sie häufig in Italien (Pompeji, Herculaneum) aus römischer Zeit antreffen. Der Innenhof war wie ein Garten mit einem Springbrunnen ausgestattet und von einer ringsumlaufenden Säulenhalle eingefasst. Auch die Außenfronten des Peristylhauses sind durch Säulengänge aufgelockert. In der Mitte einer Hausseite lag der Speiseraum, der mit unserem Mosaik, das aus über einer Million Steinchen besteht, geschmückt ist.

Als Hauptthema ist im Mittelbild Bacchus, der Gott des Weines, dargestellt. Trunken stützt er sich auf seine Begleiter; umgestürzt liegt der zweihenklige Trinkbecher (Kantharos) am Boden. Das Hauptbild umgeben achteckige Felder mit dem bacchischen Reigen: Satyrn, die nach Mänaden haschen oder mit ihnen berauschende Musik vollführen, Amor auf einem Löwen reitend.

In den unmittelbar um das Mittelbild gruppierten Quadraten wird der bacchische Kreis geschlossen: ein Silen, auf einer Hirtenflöte blasend, ein zweiter auf einem Esel reitend, der bocksfüßige Pan mit dem Ziegenbock an der Leine und ein weiblicher Panther mit blauem Halsband. Von den in der Frühzeit her bekannten "rasenden" Mänaden kann keine Rede mehr sein; es ist ein friedlicher Reigen geworden, der Sinnenfreude huldigt.

Je weiter wir uns jedoch von dem Hauptbild entfernen, umso mehr findet der Charakter des Speisesaales seinen Ausdruck. In den Randfeldern sind nur noch Darstellungen übrig geblieben, die auf die Tafel Bezug haben: Erpel der Stockente, Tauben, die einen Kantharos halten, ein Pfau, auf Wägelchen geladene Weintrauben oder Erntegeräte, Spalierobst und schließlich ein Hund, der auf die Knochen der Mahlzeit wartet, während in den Übergangsfeldern zwischen dem bacchischen Thiasos und den Randbildern Kantharoi mit Früchten und ein Korb mit Kirschen zu sehen sind.

Gleich am Eingang sind in rechteckigem Feld Austern wiedergegeben, das Vorgericht, die Einleitung zur Speisenfolge. So sehr hat sich der Reigen des Bacchus hier verweltlicht. Das Mosaik ist in der Zeit um 200 nach Christi Geburt entstanden, und zwar hat vielleicht ein reicher Kaufmann es wie auch sein Haus nach mittelmeerländischem Vorbild anlegen lassen.

Wahrscheinlich hat ein Meister mit seinen Gesellen das Mosaik angefertigt und auf einem Estrich aus Kalkmörtel gebettet. Die hellen Mosaiksteinchen bestehen meist aus Kalkstein, während die roten Scherbchen der römischen Keramik, Terra sigillata genannt, sind. Dagegen heben sich deutlich die grünen und blauen Steinchen ab, die als Abfallprodukte aus der römischen Glasindustrie in Köln stammen.

Wie das Haus wird auch der Mosaikboden bis nach der Mitte des 4. Jahrhunderts bestanden haben. Danach aber brach die Katastrophe - vermutlich bei den Germaneneinfällen 355 bis 388 - herein: das Haus brannte ab, die brennenden Balken und Dachziegel stürzten auf das Mosaik und hinterließen dort Brandspuren.

Dies hatte jedoch auch zur Folge, dass sich eine schützende Schicht über das Mosaik legte, so dass es bis heute erhalten blieb. Erst einen Meter oberhalb des Fußbodens setzten die Zerstörungsschichten des 9. und 10. Jahrhunderts ein. Mit seiner fast 75 Quadratmeter großen Fläche gehört das Kölner Mosaik zu den größten und besterhaltenen Böden nordwärts der Alpen.